Camping-Tour (2) – Tolles Zelten in Peru

5. März 2021

Wie am Vorabend besprochen, brechen wir früh auf. An diesem Ort hält uns rein gar nichts mehr. Nur noch vergleichsweise kurz auf dem breiten Río Aguarica und wir erreichen die Grenze. Offizielle Stellen wollen informiert sein und so legen wir auch alle wieder brav unsere ach so bequemen Schwimmwesten an. Kurzer Stopp beim ecuadorianischen Posten, kurzer Stopp beim peruanischen Posten und weiter geht es auf dem Quebrad Zancudo in Richtung Norden.

Hier hält uns nichts…
… nicht einmal diese imposante Spinne. Mit dem großen Kreuz warnt sie große Käfer, die ihr das Netz kaputt fliegen würden.
Río Aguarico
Hey, endlich mal wieder Bootfahren ;-)
Peruanisches Kanu (erkennbar am Antrieb)
Der ecuadorianische Posten gibt uns Bananenblätter mit
Der peruanische Posten bekommt Bonbons für die Kinder

Endlich wird es wieder richtig interessant. Der kleine Grenzfluss windet sich eng durch den Regenwald. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken. So hatten wir uns das vorgestellt.

Der Sakiaffe…
… auch „Fly Monkey“ genannt…
… ist eher schüchtern

Bald schon erreichen wir unseren Übernachtungsplatz. Natürlich schlagen wir die Zelte nicht in unberührter Natur auf. Die kleine Lichtung am Fluss ist ein erprobter Zeltplatz. Doch viel mehr halt auch nicht. Direkt nach der Anlandung beginnt die Arbeit, bei der ich natürlich gerne mit anpacke. Zuerst wird die kleinere Regenplane für den Küchenbereich gespannt und der Koch richtet sich ein. Danach hängen wir über eine lange Leine die riesige Plane, die die Zelte schützt. Und so richtig stilecht beginnt es dabei wie aus Kübeln zu schütten. Hey, wir sind wohl tatsächlich im Regenwald unterwegs!

Los geht’s!
Typischer Anleger
Fahrer Nestor bereitet den Zeltplatz vor
Chef, wo kommt die Küche hin?
Die Mädels machen es sich gemütlich
Regenwald!
Nestor kümmert sich auch um den Regenabfluss
Hier drunter ist es trocken!
Fertiger Küchenbereich

Der Nachmittag vergeht zugleich entspannt wie spannend und legt die Basis für ein ganz spezielles Abendessen am Lagerfeuer. Doch davon wollen die Kinder lieber selbst erzählen.

Küchenchef bei der Arbeit

Zum Tagesausklang machen wir noch eine kleine Paddeltour auf der inzwischen stockdunklen Lagune. Unser Führer Rom hat ja schon mehrfach sein Talent zur Tierimitation bewiesen. Nun übertrifft er sich selbst. Nahezu lautlos gleitet das Kanu durch die Nacht. Nur hin und wieder ist eine Art Grunzen zu hören. Kaimane! Ja, es sind tatsächlich männliche Kaimane, die sich so über ihre Revieransprüche austauschen. Unser Rom grunzt munter mit und erhält mehrfach eine Antwort. Anscheinend möchte ein anderer Kaiman ihm deutlich machen, dass seine Ecke der Lagune bereits belegt ist. Eine faszinierende Atmosphäre.

Auf dem Rückweg zum Camp übersehen wir dann fast einen weiteren Höhepunkt. Scheint die Stelle da hinten im Uferschilf nicht etwas grüner im Licht der Taschenlampe? Rom wird unruhig. Vorsichtig paddeln wir näher ran und die Ahnung wird Gewissheit. Wir haben das unglaubliche Glück, eine ausgewachsene, über 2m lange Boa Esmeralda direkt vor uns zu sehen. Normalerweise leben sie gut 30m hoch in den Bäumen und kommen nur selten runter. Diese hier lässt sich in aller Ruhe aus nächster Nähe beobachten. Unser Führer Rom ist absolut begeistert. Seine letzte, bei weitem nicht ausgewachsene Boa Esmeralda hat er vor Jahren gesehen.

Lächelnd lassen wir sie bald wieder in Ruhe und paddeln weiter. Zurück im Camp streifen die Gedanken nochmal durch die heutigen Erlebnisse. Es war ein echt schöner Tag. Glücklich schließen wir die Zelte und lassen uns vom nächtlichen Lärm des Regenwaldes in den Schlaf singen.

Camping-Tour (1) – Durchwachsener Auftakt

4. März 2021

Am Vorabend zeigt uns Rom an einer Karte die geplante Strecke für unseren kleinen Camping-Ausflug. Zunächst glaube ich, dass er scherzt. Immer länger fährt sein Finger die Flüsse entlang bis zur peruanischen Grenze. Das alles wollen wir fahren? Hmmm… scheint ja eine längere Bootstour zu werden. Diese Ahnung soll sich noch bitter bestätigen.

Mit nur einer Stunde Verspätung geht es um 10:30 Uhr los. Im großen Motorkanu sind neben unserer Familie noch Führer Rom, Fahrer Nestor, Koch Fredy sowie Marisol mit einem eher unscheinbaren Mitarbeiter von der Lodge. Vier Gäste mit fünf Begleitern. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass so eine Tour nun schon seit gut einem Jahr nicht mehr unternommen wurde und man sich ein Bild vom Zustand der Örtlichkeiten machen möchte. So recht wissen wir nicht, was von dieser Information zu halten ist.

Der Vormittag ist echt toll. Wir kurven durch den sich eng windenden Río Cuyabeno und können uns kaum satt sehen. Immer wieder ruft jemand (ok meist ist es natürlich Rom, gefolgt von unserem Adlerauge Maila) eine Entdeckung. Gegebenenfalls nehmen wir uns die Zeit, sie ausgiebig zu erkunden. So auch die Flor de Mayo, eine besonders schöne der im Regenwald letztlich doch eher seltenen Blüten.

Flor de Mayo

Oft sehen und hören wir Vögel. Die schon bekannten, blubbernden „Cooking Birds“, aber auch Capped Heron (Kappenreiher), Cocoi Heron (größter Reiher im Regenwald), Great Egret (Silberreiher), verschiedene Kingfisher (Eisvogel), Eagle, natürlich auch Parrots und noch so einiges mehr. Papageien erkennen wir schon bald selbst sehr sicher, wenn sie mit ihrem typischen Krächzen fast immer paarweise über die Baumwipfel fliegen.

Schmetterlinge jeder Größe flattern oder gleiten umher. An einer Stelle sitzt gleich eine ganze Gruppe bunt gemischter Schmetterlinge auf dem Boden um die dort verfügbaren Mineralien zu „lecken“.

Immer wieder sehen wir auch Affen, die uns neugierig aus den Bäumen beobachten.

Die meist kleinen Schildkröten sind dagegen sehr schreckhaft. Aus der Entfernung sieht man sie noch beim Sonnenbad auf den Ästen sitzen. Bei Annäherung machen sie dann recht schnell „Platsch“ und sind im Wasser verschwunden.

Bald schon halten wir für die Mittagspause und erleben eine weitere kleine Überraschung. Wir hatten mit einem kleinen Snack gerechnet. Stattdessen bekommt jeder ein morgens frisch zubereitetes, noch etwas warmes Reisgericht mit Beilagen. Keine Ausnahme. So fürstlich werden wir jeden Mittag bewirtet. Was für ein Luxus. So essen wir am Fuß eines großen Kapokbaumes und genießen die Umgebung. Rom zeigt uns, in welcher Pflanze sich Wasser findet, Maila bewundert stachelige Äste und Samuel sammelt runtergefallene Aufsitzerpflanzen.

Am Fuße eines Kapokbaums
Kräftig drücken… und Prost!

Kurz danach stoppen wir bei einem für den Rückweg angedachten Übernachtungsplatz. Er sieht ziemlich verwildert aus. Das Gras reicht teilweise bis zu den Knien und bietet ideale Verstecke für Schlangen und Spinnen. Marisol ist wenig begeistert und möchte mit der örtlichen Community vereinbaren, dass sie den Platz etwas herrichten. Mal schauen, ob das klappt. Während sie sich noch umschaut, pflückt Rom eine unscheinbare Frucht, bricht sie auf und beginnt darin herumzurühren. Ein natürlicher Tuschekasten. Wer will? Der Skipper meldet sich freiwillig und wird stilecht bemalt.

Nun biegen wir in den breiten Río Aguarico ein. Mit einem weiteren kurzen Stopp passieren wir den Ort Cuyabeno. Dabei handelt es sich um ein recht neues Dorf aus der Retorte. Im Gegenzug für die Erlaubnis auf ihrem Gebiet flußaufwärts nach Öl zu bohren, bekamen die indigenen Quichua Geld und neue Häuser. Ein guter Tausch?

Weiter geht es mit Vollgas flussabwärts. Der Fluss ist wirklich sehr, sehr breit, über weite Stellen jedoch auch sehr, sehr flach. Der Regen der letzten Tage hat das braue Wasser schaumig geschlagen. Hin und wieder erscheinen ein paar Hütten am Ufer oder andere Boote auf dem Wasser. Manchmal erspähen wir auch eine Gruppe Affen. Aber sonst gibt es nicht viel zu sehen und die stundenlange Fahrt zieht sich doch arg in die Länge. Gestern saßen wir noch sieben Stunden im Auto, heute mindestens ebenso lange im Motorkanu. Das ist irgendwann nur noch ermüdend, teils sogar langweilig und schließlich sogar nervig. Es geht vorbei an der als potentielle Übernachtung genannten Lagune Zancudo. Der Zustand des Camps ist zu ungewiss.

Río Aguarico… breit, flach und schaumig
Imposanter Kapokbaum

Die Sonne geht unter und im Dunkeln erreichen wir schließlich unser Tagesziel. Freundlich ausgedrückt sind es die Überreste einer Lodge. Unsere Betten sind vorbereitet. Wie jetzt, sollten wir nicht zelten? Heute nicht. Wäre ja nicht weiter schlimm, fänden wir uns nicht in so einer Ruine wieder. Kakerlaken wuseln umher, das Wasser geht nicht, La Skipper verzichtet sogar auf das Abendbrot und verzieht sich umgehend mit einem Tee und Kopfschmerzen ins Bett. So schön der Tag begonnen hat, so enttäuschend endet er.

Zwergbeutelratte im Nachbarzimmer

Später suchen wir noch das Gespräch. Wie geht es weiter? Wirklich nochmal gut eine Stunde zurück zur Lagune Zancudo, Kurzaufenthalt, dann wieder hier vorbei und weiter? Was für ein Umweg. Nein, das muss wirklich nicht sein. Lieber fahren wir von hier direkt weiter zu unserem nächsten Ziel an die peruanische Grenze, schlagen dort die Zelte auf und genießen den Tag und die Natur vor Ort. So soll es sein!

Maila fährt in den Regenwald

3. März 2021

Wir müssen früh aufstehen, damit wir den Minibus nicht verpassen. Der fährt uns nämlich in den Regenwald!!!

Zum Glück haben wir ihn nicht verpasst und fahren nun sieben Stunden zum Regenwald. Ich lese, höre Musik oder gucke einfach nur raus. Dann sind wir da. Erstmal können wir dort etwas essen und warten auf das Kanu, das uns über den Fluss zu unserer Lodge fahren wird.

Der Führer, Romulus genannt Rom, war schon da. Als das Kanu nicht kam, haben wir einen kleinen Ausflug in den Dschungel auf einem Miniweg gemacht. Erst haben wir Früchte gesehen. Ein paar hat Rom aufgemacht. Er sagt, dass man das Innere essen kann und wir dürfen alle probieren. Hat nach kaum was geschmeckt. Er sagt auch, dass die anderen Früchte von Affen aufgemacht wurden und sie es sehr lecker finden.

Als wir weiter gehen ist dort ein großer Baum. Die Früchte sehen aus wie große Orangen sind aber gelb oder grün. Er holt eine grüne Frucht vom Baum und schneidet sie mit einem Messer auf. Auch hier dürfen wir probieren und sie schmeckt genauso sauer wie eine Zitrone. Sie heißt „King Lime“, „Königszitrone“ auf Deutsch und wir haben ein paar davon eingepackt. Schön erfrischend bei der Hitze.

Da hat Samuel gefragt, warum so große Klötze an den Bäumen hängen. Die Antwort war, dass das Ameisen- oder Termitennester sind. Wenn das Wasser steigt, sind sie auf dem Bäumen gut geschützt.

Dann hat unser Führer Rom ein Blatt von einem Baum abgerissen, einen kleinen Stock genommen und in das Blatt geritzt. Dabei hat er uns erklärt, dass die Blätter dieses Baumes etwas Besonderes können. Wenn jemand das Blatt anknabbert, sondert das Blatt einen Stoff aus, der nicht so lecker ist. Aber das schützt das Blatt. Und der Stoff ist rot. Wenn man also mit dem Stock da reinritzt, sondert das Blatt diesen Stoff ab. Und wenn man einen Buchstaben reinritzt, wird er rot. So kann man auf dem Blatt schreiben. Rom hat „Willkommen im Dschungel“ geschrieben. Dann haben wir alle unsere Namen auf das Blatt geschrieben.

Da ist auch ein riesiges Spinnennest. Es wird von gaaaaaaaaaaaaanz vielen kleinen Spinnen zusammengebaut. Und was sind die Löcher an den Baumstämmen? Der Führer zeigt es uns. Er nimmt ein Stock mit Spucke und steckt den Stock in das Loch. Dann zieht er ihn langsam wieder raus und eine Tarantel kommt aus dem Loch. Man fragt sich, wie die überhaupt in das Loch reinkommt. Natürlich haben wir viele Fotos geschossen. Dann hat sich die Spinne schon wieder in ihr Loch, also ihre Wohnung, zurückgezogen.

Ein Affenschrei und kurz darauf sehen wir den kleinen Affen, der einen Baum hochklettert und dann wieder in der Baumkrone verschwindet. Es geht wieder zurück und schließlich ist das Kanu da. Kurz noch Temperatur checken (also ob wir Fieber haben… durch die Behörden) und dann rein. Leider sind davor Ameisen, aber zum Glück keine giftigen.

Rein ins Kanu und rauf auf den Fluss!!

So eine hübsche Echse habe ich hier nicht erwartet!

Erst fahren wir ein bisschen. Nach einer Weile sehen wir Affen. Es gibt zehn Arten von Affen. Wir haben Totenkopfäffchen gesehen. Sie sind sehr süß von Baum zu Baum geklettert. Als wir weiter fahren, sind zwei Aras über den Fluss geflogen. Ich und Samuel saßen vorn im Motorkanu und haben das Ufer nach Tieren abgesucht. Was sind das eigentlich für Vögel, die da ganze Zeit im Gestrüpp sind? Der Führer Rom hat gesagt, dass das „Stinky turkey“ sind. So hat er es ausgesprochen. Die Vögel sahen sehr schön aus.

Hoatzin… auch „Stinky Turkey“ genannt

Nochmal Affen. Die nächste Art, den Namen weiß ich nicht. Kurz nachdem wir weiter gefahren sind, haben wir ein Kaiman gesehen. Er trieb im Gebüsch im Wasser. Es war der „Black Kaiman“, einer der größten. Aber dann ist er abgetaucht, weil er sich gestört gefühlt hat. Er kann bis zu einer halben Stunde unter Wasser bleiben.

Black Kaiman

Danach haben ich und Samuel den verschiedenen Regenwäldern, durch die wir gefahren sind, Namen gegeben, da alles etwas anders aussah… zum Beispiel den „Wurzelwald“, den „Blätterwald“ und von mir die „Hellpunktenwald-Wälder“. Dort waren ein paar Bäume heller und ein paar dunkler. Kann auch mit der Sonne zu tun haben. Und noch eine Art von Affen. Vielleicht schaffen wir es, alle Affenarten zu sehen. Diesmal waren es zwei Milchbart-Affen. Die sehen mit dem weißen Bart sehr süß aus. Leider haben wir kein Foto.

Totenkopfaffe…

Ich und Samuel haben dann ein Specht mit rotem Kopf hoch oben auf einem Baum gesehen. Die anderen leider nicht. Wieder eine Affenart. Dieses Mal ist es ein Totenkopfaffen. Immer wieder fliegen Aras über den Fluss

Die purpurblauen Vögel fliegen aus einem Busch und dann machen sie ein gurgelndes Geräusch. Unser Führer Rom sagt, dass das „Cooking Birds“ sind. Die Einheimischen nennen sie so: „Kochende Vögel“. Sie heißen so, weil das gurgelne Geräusch, was sie machen, sich so anhört, als würde jemand kochen.

Dann sind wir in eine große Lagune gefahren. Sie heißt die „große Lagune“. Dort kann man baden und zwei andere Kanus waren schon da. Jemand sagt, dass sie gerade eine Anakonda gesehen haben. Dann haben wir uns auf den Weg gemacht, doch leider keine gefunden.

Kurz vor Sonnenuntergang sind wir noch kurz ins Wasser gesprungen. Das war nur 2 Meter tief und schön warm. Ich fand das mitten im Regenwald sehr mutig. Immerhin gibt es hier ja Anakondas und Kaimane und viele andere gruselige Tiere.

Als die Sonne untergegangen war, haben wir uns auf den Weg in unsere Lodge gemacht. Es war dunkel und kleine Tierchen sind uns ins Gesicht geflogen. Wir mussten die Augen schließen und der Fahrer ist gerast. Schließlich haben wir die Lodge gesehen Sie heißt: „Nicky Lodge“. Der Steg ist mit Kerzen beleuchtet. Das war schön.

Maila

Autofahren in Ecuador

„Wollt ihr das wirklich machen?“ Die Frage hören wir mehr als einmal, wenn es um das Thema „Autofahren in Ecuador“ geht. Manch einer mietet sich hier lieber ein Fahrzeug komplett mit Fahrer. Für uns ist das keine echte Option. Ich habe mal Autofahren gelernt und setze dieses nun schon jahrelang in die Praxis um. In Berlin. Das soll jetzt nicht eingebildet klingen, aber unser heimischer Stadtverkehr ist eine gute Schule. Selbstredend gibt es immer Orte in der Welt, wo es noch ganz anders zugeht. Kairo oder jede beliebige indische Großstadt sind Pflaster, auf denen auch ich intensiv über Alternativen nachdenken würde. Aber Ecuador? Nicht wirklich.

Sehr schnell merken wir dann auch, dass der uns gegenüber geäußerte Ruf ecuadorianischer Autofahrer nicht wirklich gerechtfertigt ist. Rücksichtslos fahre man hier. Kann ich eigentlich nicht bestätigen. Natürlich kommt hin und wieder mal ein Auto von hinten angerast. Besonders, wenn man selbst gerade hinter einem LKW festhängt. Das ist aber rein gar nichts gegen einen aufgemotzten BWM auf der südlichen A9, der einem lichthupend im Kofferraum parkt… nur weil man es wagt, sich zum Überholen mit 180 Sachen kurz auf die linken Spur zu trauen.

Wenn wir schon bei Licht- und Schallsignalen sind. In Ecuador ist der Einsatz der Hupe regelmäßige Praxis. Allerdings wird damit normalerweise nicht über das subjektiv unverschämte Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer gemeckert. Hier macht man bei einem beginnenden Überholvorgang mit der Hupe auf sich aufmerksam um einem potentiellen Unfallrisiko vorzubeugen. Oder man hupt einfach einem Bekannten am Straßenrand zu, wobei in diesem Fall auch mit einhergehender Geschwindigkeitsverringerung zu rechnen ist. Der Blinker kommt dagegen eher selten zum Einsatz. Zum Abbiegen schon mal so gut wie gar nicht. Stattdessen zeigt ein langsamer fahrender Wagen damit gerne an, dass es voraus frei ist, einem Überholen also nichts im Wege steht. Im Gegensatz zu Deutschland, wo in diesem (sehr seltenen ;-) Fall der Blinker nach rechts zum Straßenrand gesetzt wird (Motto: „Ich halte mich rechts, du kannst vorbei.“), blinkt es hier allerdings nach links auf (Motto: „Du kannst links vorbei, es ist frei.“). Eine Verwechslung mit „Ich möchte links abbiegen!“ ist aus genannten Gründen eher unwahrscheinlich.

Mit Geschwindigkeitsbegrenzungen hält man es hier erwartungsgemäß nicht so genau. Im Zweifel wird gefahren, was die Kombination aus Auto, Straße und vorausfahrendem Verkehr hergibt. Geschwindigkeitskontrollen haben wir nicht gesehen. Dafür gibt es an neuralgischen Stellen, gerne auch mal Mitten auf einer Durchgangsstraße, die von den Ecuadorianern liebevoll „schlafender Polizist“ genannte Erinnerung an eine angepasste Fahrweise. Wer einen solchen Huckel „verschläft“ wird kräftig durchgeschüttelt. Immerhin kündigen Schilder ihn meist rechtzeitig an.

Überhaupt der Schilderwald. Nein, so krass wie in deutschen Innenstädten, wo man vor lauter Parkverbots-, Vorfahrts-, Geschwindigkeits- und sonstiger xyz-Schilder die Straße kaum noch wahrnimmt, fokussiert sich die hiesige Auswahl auf die Straßenführung. Nahezu jede Kurve wird nicht nur vorab angekündigt, sondern zusätzlich von großen, ebenfalls schwarz-gelben Schilden umrahmt. Der Hersteller dieser Schilder hat sich garantiert eine gold-gelbe Nase verdient (… und wahrscheinlich auch die richtigen, dafür notwendigen Kontakte zu einschlägigen Entscheidungsträgern ;-)

Ein gerade zur Regenzeit wichtiges Schild ist die Warnung vor Steinschlag. Dagegen ist im Fall eines Erdrutsches das Resultat nicht nur von gegebenenfalls ausdauernder Präsenz, sondern ohne jede beschilderte Vorwarnung nur eher provisorisch gekennzeichnet.

Ein anderes Phänomen sind Straßenverkäufer. An nahezu jeder Ampel laufen sie bei Rotlicht die wartenden Fahrzeuge ab und bieten von Getränken über Snacks bis hin zu kleinen Alltagsgegenständen ihre Waren feil. Auch bei „schlafenden Polizisten“ stehen sie oft in der Mitte und halten den langsam fahrenden Autos kalte Getränke entgegen. Besonders dreist war eine Stelle auf dem Weg zum Regenwald. Am Rand saß ein Mann unter seinem großen Sonnenschirm und hielt das Ende eines quer über die Straße gespannten Seils in die Höhe. Jeder sollte anhalten müssen, um die in der Straßenmitte dargebotenen Waren seiner Mitarbeiter einer ausführlichen Würdigung zu unterziehen. Erst dann wurde das Seil gesenkt. Unser Fahrer nutzte den großen Parkplatz neben der Straße für eine zügige Umfahrung.

Verkauf an einer Ampel…
… und beim schlafenden Polizisten.

Nicht immer leicht zu umfahren sind die insbesondere in ländlichen Gegenden immer wieder in Straßennähe umher streunenden Hunde. Mit teils stoischer Ruhe stehen sie mehr oder weniger am Rand und schauen auf die dicht vorbeifahrenden Autos. Ganz offensichtlich lohnt es sich. Immer wieder sehen wir den Wagen vor uns langsamer werden und irgendwas aus dem Fenster werfen. Daran sollte man sich hier ebenso schnell gewöhnen, wie die verschiedenen, an anderer Stelle schon gezeigten, tierischen Verkehrsteilnehmer. Manchmal liegt nur eine Kuh herum. Oft sind Esel oder Schafe dicht am Rand angebunden und kümmern sich um das gesunde Straßengrün. Nicht immer ist die Leine ausreichend kurz für eine störungsfreie Passage. Man muss im Grunde immer mit allem rechnen.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu den fast allgegenwärtigen Motorradfahrern. Sie fügen sich nahtlos in das ecuadorianische Verkehrsgeschehen ein. Alleinfahrer mit Helm sieht man meist nur von hinten. Überholen trotz Gegenverkehr? Kein Problem, der Platz wird da sein. Manchmal sieht man aber auch Zweiräder mit halben Familien darauf. Wobei es da mit der Helmpflicht auch nicht immer so genau genommen wird.

Motorräder gibt es auch im kleinen Einkaufszentrum…

Das passt zu einer gewissen fatalistischen Grundeinstellung. Es wird schon nichts passieren und wenn doch, dann soll es so sein. Dementsprechend sind selbst Sicherheitsgurte oft nicht mehr als mehr oder weniger ästhetische Accessoires und dementsprechend ist die Anzahl mitfahrender Personen auch nicht zwingend durch die Anzahl Sitze begrenzt.

Damit einher geht aber auch der Blick für den anderen Verkehrsteilnehmer. Hier geht es nicht um den vielen Deutschen auf der Straße so eigenen „Erziehungsansatz“. Es geht eher um ein Miteinander und die Unversehrtheit am Ziel. Insofern herrscht bei aller „ambitionierten Fahrweise“ doch eine erstaunliche Rücksichtnahme, die zumindest für uns das Fahren in Ecuador zu einer recht entspannten Sache werden lässt.

Cocina Ecuatoriana (9) – Intestinos y vísceras

Als wir das erste Mal in Ecuador essen gehen, gönnen Vater und Sohn sich eine Spezial-Grillplatte für zwei. Im Vergleich mit dem „normalen“ Grillteller werden tatsächlich einige weitere Sachen aufgezählt. Wir wissen zwar nicht so recht, was damit gemeint ist. Aber ist ja „spezial“ und wird daher schon schmecken. Ecuador ist schließlich ein Land, in dem gerne und viel Fleisch verzehrt wird. Parrilladas sind dabei eine beliebte Zubereitung. Was können wir also falsch machen?

Das Essen kommt und es sieht echt lecker aus. Der große Fleischberg sollte locker für uns reichen. Weiter unten erspähen wir dann auch die „speziellen“ Sachen und wissen immer noch nicht so recht etwas damit anzufangen. Mal probieren. Hmmm… gewöhnungsbedürftig in Geschmack und Konsistenz. Samuel teilt recht schnell mit, dass ich mich da gerne bedienen darf. Er lasse mir ganz selbstlos den Vortritt. Tatsächlich halten wir uns beide zurück, denn so langsam kommen die letztlich korrekten Ideen. Als beliebte Delikatesse bei Parrilladas gelten hier Eingeweide und Därme. Und genau solche kleinen, mit was auch immer gefüllten Därme sind wohl auch das Spezielle auf diesem Teller.

Da lugt schon was komisches hervor…
… und hier kringeln sie sich in voller Pracht!

Uns ist natürlich klar, dass Innereien auch in anderen Regionen der Welt, nicht zuletzt im Süden Deutschlands, gern gegessenen werden. Und im Sinne einer möglichst vollständigen Verwertung ist das absolut zu begrüßen. Unsere Zungen sind jedoch nicht wirklich daran gewöhnt, so dass wir letztlich gut gesättigt auf den Verzehr der Spezialität verzichten. Beim nächsten Besuch in diesem netten, kleinen Restaurant wählen wir dann auch gerne etwas anderes.

Eine gewisse Vorliebe für die angesprochene „vollständige Verwertung“ bemerken wir dann auch im Kühlregal der Supermärkte. Da liegen ganze Schweinefüße und -nasen(!) neben Herzen, Nierenscheiben sowie anderen, sagen wir mal „sich interessant präsentierenden“ Angeboten. Ja, man soll in einem anderen Land auch vor einem Selbstversuch lokaler Küche nicht zurückschrecken. Und hey, wir haben gekostet. Mehr als einmal! Damit ist aber auch gut. Man muss ja nicht alles Probierte mögen und zur Gewohnheit werden lassen.