Segeln in Galapagos?

Galapagos, 21. Februar 2021

Der Gedanke drängt sich jedem Segler auf, der sein Boot auch nur ansatzweise in der Nähe hat. Unter eigenen Segeln zu den Galapagos-Inseln. Alleine die unglaubliche Flora und Faua dieser einzigartigen Inselwelt erkunden. Das ist ein Traum. Und das meine ich jetzt wörtlich… ein Traum fernab der Realität.

Die Samai liegt jetzt gerade nur knapp 600sm östlich von uns. Das ist selbst gemächlich in läppischen 4-5 Tagen zu überbrücken. Warum also haben wir das nicht gemacht? Warum sind wir lange nach Quito, von dort mit dem Fugzeug zu den Galapagos und sitzen jetzt auf einem (zwar kleinen, letztlich aber doch) Kreuzfahrer?? Wir wollen Segler sein???

Ja, wir schimpfen uns tatsächlich Segler. Trotzdem fiel die Entscheidung letztlich nicht schwer. Eine kurze Zusammenfassung unseres  Realitätschecks zum Thema „Galapagos unter eigenen Segeln“… ohne Anspruch auf letzte Wahrheit oder Vollständigkeit, doch gespickt mit hier vor Ort eingeholten Informationen:

  • Einfach mal schnell zu den Galapagos segeln geht schon mal gar nicht. Eine solche Reise ist vorab zu beantragen… umständlich und teuer. Ohne Bewilligung an Bord braucht man aber gar nicht erst den Kurs absetzen.
  • Ebenfalls vorab muss das Boot aus dem Wasser geholt werden, um den Rumpf von authorisierter Stelle zertifiziert reinigen zu lassen. Das sollte in Panama möglich sein.
  • Selbstredend muss das Boot auch „ausgegast“ werden um potenzielles – ok, sind wir ehrlich: an Bord eigentlich unvermeidlich vorhandenes – „Kleinstvieh“ loszuwerden.
  • Bei Ankunft ist mit einer umfangreichen Kontrolle zu rechnen. Es gibt sehr strenge Vorschriften was die Einfuhr von Lebensmitteln angeht. Zusammengefasst: Verboten! Am Flughafen wird das bei Abflug und Ankunft geprüft… warum sollte das an Bord des eigenen Segelbootes anders sein?
  • Wenn man dann hier ist, muss man zunächst einmal einen der drei Häfen anlaufen. Ohne weitere Genehmigung sind, wenn überhaupt, maximal Tagestouren möglich.
  • Möchte man länger die Inseln erkunden, z.B. eine Wochentour machen, so muss das beim Nationalpark beantragt werden. Im Fall einer Bewilligung hat man eine festgelegte Route. Die ist strikt einzuhalten. Flexibilität Fehlanzeige.
  • Ob nun ein Tag oder eine Woche, ein Guide ist immer mit an Bord. Ohne Führer darf man im Nationalpark praktisch nichts machen, schon gar nicht an Land gehen.
  • Abgesehen von Kost und Logis an Bord ist der Guide natürlich zu bezahlen. Die Tagessätze beginnen bei 180$.
  • Wo wir schon beim Geld sind. Die 100$ „Eintritt“ werden immer fällig, ob nun per Flugzeug oder Schiff. Besucht man die Inseln mit dem eigenen Boot, so kommt jedoch zweierlei hinzu. Zunächst natürlich die Hafengebühr. Und wenn man nicht im Hafen ist werden pro Tag und Person ca. 200$ fällig. Einfach nur dafür, dass man hier umhersegeln darf.

Ich höre an dieser Stelle mal auf… sicher kommen noch einige Auflagen (Stichworte: Abwasser, Müll u.ä.) hinzu. Man braucht sich auch nicht der Illusion hingeben, das so ein kleines Segelboot zwischen den großen Inseln schon nicht auffällt. Der Nationalpark überwacht sein Gebiet und alleine schon wenn man ein anderes Boot sieht, kann man davon ausgehen, dass der Park über eben diesen gesichteten Segler informiert wird. Da drückt definitiv keiner der hier ja allgegenwärtigen Guides ein Auge zu.

Ganz ehrlich, gegen Galapagos waren der notwendige Antrag und die zu befolgenden Regeln für die Antarktis ein Kindergartenspiel. Für uns gab es jedenfalls nicht viel zu überlegen: Die Samai wird nicht bei den Galapagos ankern!

Das sehen nach unseren Information übrigens viele Segler, die auf eigenem Rumpf hier waren, im Nachhinein ganz ähnlich. Der Tenor lautet zusammen gefasst: Nie wieder mit dem eigenen Boot… das lohnt sich nicht!

Im Gespräch vor Ort wird ein typischer Segler-Besuch dann auch so dargestellt, dass viele ihr Boot erst einmal in Puerto Ayura auf Santa Cruz liegen lassen um eine organisierte Rundreise zu machen… nennen wir es beim Namen: eine kleine Kreuzfahrt. Danach segelt man noch für ein paar Tage nach Puerto Villamil um ein paar Ausflüge auf der Isla Isabella zu machen. Danach geht es weiter in die Südsee.

Eines muss aber ganz klar gesagt werden. All das ist keine Schikane gegenüber Seglern. Die Regeln gelten für alle. Jedes Boot vor Ort braucht regelmäßig ein neues Zertifikat über die Rumpfreinigung und wird ausgegast. Und abgesehen von den wenigen Fischern, die nicht an Land gehen, ist auch auf jedem Boot mindestens ein Guide an Bord… genauer gesagt einer je 16 Passagiere. Alle Kreuzfahrtschiffe vor Ort haben ihre festgelegten, sprich genehmigten Routen, von denen sie nicht abweichen dürfen. An jeder zugelassenen Anlandungsstelle sind die zum Betreten erlaubten Wege und Bereiche gekennzeichnet. Und ausnahmslos JEDER Guide achtet penibel auf die Einhaltung der Regeln des Nationalparks.

Ziel des Ganzen ist ein kontrollierter Tourismus, um so einerseits die Möglichkeit zu eröffnen, Galapagos zu besuchen und zu entdecken. Andererseits steht der Schutz dieser – ich erwähnte es schon – einzigartigen Inselwelt an erster Stelle. Und ganz ehrlich… nicht nur, aber insbesondere auch nach allem, was wir hier sehen und erleben durften: das ist jede Mühe Wert!!!

Grüße von den Galapagos-Inseln

18. Februar 2021

Erst einmal muss ich für die Funkstille der letzten Tage entschuldigen. Ich habe zwar extra noch eine Prepaid-Karte gekauft, diese aber in der Eile der letzten Vorbereitungen noch nicht aktiviert. Und selbst wenn ist es mit der Netzabdeckung hier ohnehin nicht so toll.

Hier, das sind die Galapagos-Inseln. Ja, wir sind tatsächlich hier und machen gerade eine wunderschöne (und reichlich anstrengende) Kreuzfahrt mit der Angelito 1. Das Tolle ist, dass die anderen (lediglich) sieben Gäste (davon drei andere Kinder von 6 bis 12) sowie auch die Führerin Schweizer sind und somit die gesamte Fahrt deutschsprachig durchgeführt wird. Besser geht es doch gerade für unsere Kleinen nicht.

Es ist unglaublich, wie viele und wie schöne Eindrücke wir hier in kürzester Zeit sammeln durften. Von der obligatorischen Fotoflut fange ich besser gar nicht erst an. Das sind wir ja gar nicht mehr gewohnt.

Am Montag fliegen wir von den Galapagos wieder zurück nach Quito. Dort bekommen wir dann einen Mietwagen und machen eine Rundfahrt in den Nebelwald und die Sierra (also das Hochland). Nach dem schon krönenden Beginn bildet den krönenden Abschluss unseres insgesamt 1-monatigen Ausflugs eine Exkursion in den Amazonas-Regenwald. Ich habe die Kinder auf meine Seite gebracht und wir haben La Skipper überstimmt: es geht mit Motor- und Einbaumkanus so weit wie Touristen möglich rein ins dichte Grün… inklusive Zeltübernachtungen!

Ein Nebeneffekt ist natürlich, dass wir in dieser Zeit nur sporadisch von uns lesen lassen können. Also bitte nicht böse sein und uns aus dem Gedächtnis löschen. Es geht weiter… versprochen!

In diesem Sinne alles Gute und kommt gesund durch die Wirrungen und Abstrusitäten der aktuellen Zeit!

Albatrosse und Pelikane

Wer den Skipper etwas näher kennt oder auch nur halbwegs regelmäßiger Leser dieses Blogs ist, weiß um meine Vorliebe für Albatrosse. In den hohen Breiten sind sie häufig gesehene Begleiter. Anmutig, ja geradezu majestätisch gleiten Sie mit ihren meterweit ausgebreiteten Flügeln über die Wellen. Minimalistische Bewegung und wunderschöne Eleganz zeichnen sie aus. Einfach nur ein beeindruckend schönes Erlebnis, sie zu beobachten.

Fährt man dann in niedrigere Breiten, werden Albatrosse jedoch zunehmend rar. Dafür haben wir hier an der südamerikanischen Küste nun andere Gäste bekommen: Pelikane! Erstmals schon in Chile gesichtet, sehen wir sie inzwischen in schöner Regelmäßigkeit. Und auch wenn es erst einmal wenig glaubwürdig klingen mag, auch sie sind ein atemberaubend schöner Anblick.

Aus dem heimischen Zoo kennt man diese großschnabeligen Vögel eher nur vom Vorbeigehen. Hier dagegen fliegen Sie in voller Pracht über den Ozean, gleiten mit wenigen Flügelschlägen dicht über dem Wasser, hin und wieder kratzt eine Flügelspitze in der Welle. Ihre Proportionen sind ganz anders als bei den Albatrossen. Die Brust wölbt sich nach unten, alleine der lange Schnabel macht etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus. Und trotzdem ist das Gesamtbild ausgesprochen elegant.

Bei einem ihrer augenscheinlichen Lieblingsmanöver kommen sie von hinten an das fahrende Boot heran, gleiten dicht überholend vorbei, kreuzen den Bug und setzten sich aufs Wasser. Dort beobachten sie dann neugierig das nun wiederum sie überholende Boot.

Hin und wieder kann man sie auch bei einer Aktion beobachten, die man ansonsten eher von kleineren Vögeln gewohnt ist. Aus einiger Höhe stürzen sie sich auf Fischjagd Schnabel-voraus ins Wasser. Was für ein Platsch! Und doch von regelmäßigem Erfolg gesegnet.

Für uns sind die Pelikane in freier Natur eine wirklich überraschende Entdeckung, die mal wieder eine Binsenweisheit bestätigt. Ein Zoo kann noch so lehrreich und auch hilfreich bei der Bewahrung bedrohter Tierarten sein. Die wahre Natur, das echte Leben findet man aber nur außerhalb aller Zäune und Gräben. Und diese Natur ist es, die zu bewahren so unermesslich wichtig ist… leider genau die Disziplin, in der wir Menschen so schlecht (geworden) sind.

Abgestempelt

11. Februar 2021

Heute morgen, kurz vor dem Frühstück, ereilt mich die frohe Kunde:

Ich muss nach Manta!

Wie jetzt? Manta ist die nächste größere Stadt. Das sind zwar „nur“ etwa 90km. Trotzdem ist die Strecke mit dem Auto kaum in 1 ½ Stunden zu schaffen, der – aktuell ohnehin nicht zu empfehlende – Bus braucht wohl etwa 3 Stunden. One way! Warum muss ich da hin? Nun ja, es ist am Skipper, der dort ansässigen Migración persönlich gewisse Papiere vorzulegen. Und natürlich die Pässe. Moment mal… sollten wir wirklich?!?

Der Verteiler zeigt, dass wir bei den offiziellen Stellen anscheinend keine Unbekannten sind!

Über den Puerto Amistad wird kurzerhand ein Fahrer vermittelt. Der „offizielle Crewfahrer“ hier. Ein Neffe des Sicherheitschefs der Marina. Was für ein Zufall, aber letztlich egal. Er kommt aus Manta und sammelt mich im Bahía ein. Auf der Fahrt sammle ich erste Eindrücke von Ecuador. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit liegt anscheinend bei 90km/h. Mehrfach kratzen wir an der 120. Nur die „Abkürzung“ durch einen landwirtschaftlich geprägten Bereich schleichen wir um die mindestens knöcheltiefen Schlaglöcher. Reisfelder säumen den Weg, am Straßenrand wird Ware feilgeboten… sicher alles andere als ein leichtes Leben!

Hier geht locker 120!
Hier nicht… Verkehr!
Hier auch nicht: Schlaglöcher… und Kuh (später auch mal Esel)!

In Manta angekommen müssen wir uns in der Migración erst einmal gedulden…

Doch dann geht es recht schnell. Die Dame hat offensichtlich von unserem Fall gehört. Die Papiere werden vom Skipper persönlich übergeben, ein kleiner Schrank aufgeschlossen, ein Stempel mit der Aufschrift „Entrada“ hervorgeholt. „Uno – dos – tres – cuatro.“ Das war es dann auch schon. Unsere Pässe sind gestempelt! Wir sind offiziell eingereist!! Erstmals seit dem 28. Mai 2020 wieder legal in einem fremden Land!!!

Die ganze Aktion war dann aber auch kurz vor knapp. Schon sehr bald werden wir diese, in dezentem Neon-Pink gehaltenen Stempel brauchen. Ja, wir fliegen. Nur ein Inlandsflug in Ecuador, aber ohne Stempel trotzdem eine tendenziell Fragen aufwerfende Aktion. So sind wir zuversichtlich. Morgen früh geht es los. Die Crew der Samai geht auf Reisen. Ganz ohne Boot. Neugierig? Das nennt man dann wohl einen „Cliffhanger“. ;-)

Wahlergebnisse in Ecuador

Ecuador, 10. Februar 2021

Ach nööö… nicht schon wieder dieses langweilige Thema. Ja, ich hatte ernsthaft überlegt, ob ich dazu noch einen Beitrag schreiben soll, aber die Ergebnisse sind dann doch zu interessant… also meiner Meinung nach… bei Desinteresse einfach nur überfliegen oder auch wegklicken… oder auch als Einschlafhilfe missbrauchen… ;-)

Es wurde also gewählt. Erst einmal die Wahlbeteiligung: gut 81%. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es in Ecuador kein Wahlrecht gibt, sondern eine gesetzliche Wahlpflicht für alle mündigen Bürger zwischen 18 und 65 Jahren, die keine Analphabeten sind! Da erscheint dieser Wert, von der westliche Demokratien nicht einmal träumen können, dann doch wiederum erstaunlich niedrig.

Das Ergebnis der Präsidentenwahl ergab einige Überraschungen.

Der linksgerichtete Arauz erreicht knapp 33% und damit etwas mehr als die letzten Umfragen prognostizierten. Er hat vor allem im bevölkerungsreichen Küstenabschnitt Ecuadors gewonnen. Das ist alles noch im Rahmen.

Zu diesem Kandidaten sollte ich vielleicht noch anmerken, dass er Schützling des ehemaligen Präsidenten Correa ist und tendenziell als dessen „Marionette“ gilt. In der Tat wurde der frühere Staatschef (2007-2017) nach seiner Amtszeit der Bestechlichkeit angeklagt und 2020 zu acht Jahren Haft verurteilt. Aktuell lebt er (natürlich aus persönlichen Gründen) im Heimatland seiner Frau: Belgien. Das hält Arauz jedoch nicht von der offensichtlich Stimmen bringenden Ankündigung ab, dass eben dieser Correa im Fall eines Wahlsieges sein erster und wichtigster Berater sein werde. Wow!

Entgegen aller Prognosen, bei der 13 der 16 Kandidaten keine 3% erreichen würden, spielt dann doch noch ein vierter Name mit: Hervas (¡Atrévete! Somos Gente Nueva – Traut euch! Wir sind neue Leute) erreicht fast 16%. Damit hat der Unternehmer zwar keine Chance auf die Stichwahl, aber dem neoliberalen Lasso wohl einiges an Stimmen weggenommen.

Eben dieser Lasso, reicher Banker und Vorstand mehrere Finanzholdings, hat in seinem dritten Anlauf bei Präsidentschaftswahlen (auch das bei uns unvorstellbar!) eben nicht den sicheren zweiten Platz und damit das Ticket für die Stichwahl klargemacht. Zwar hat der die Provinzen rund um die Hauptstadt Quito gewonnen. Doch statt zuletzt prognostizierter locker über 20% erreichte er nach aktueller Auszählung „nur“ 19,6%. Aktuell ist alles andere als sicher, dass das reicht.

Lachender Gewinner der Stunde und unabhängig vom letztlichen Ausgang großer Sieger der ersten Wahlrunde ist der indigene Rechtsanwalt Pérez. Er bezeichnet sich als „ökologischer Linker“ und hat praktisch alle östlichen (Regenwald-)Provinzen des Landes für sich entschieden. Auch er liegt bei 19,6%. Ob das für die Stichwahl reicht?

Zwischen den Kandidaten auf den Plätzen 2 und 3 liegen nur wenige tausend Stimmen. Ständig wechselt die Führung. Die amtlichen Endergebnisse werden im schlechtesten Fall erst in einigen Tagen erwartet. Zahlreiche Beschwerden verzögern die Auszählung. Unklar ist natürlich, ob der zweite Kandidat der Stichwahl überhaupt einen großen Unterschied macht und tatsächlich einen Wahlausgang zugunsten von Arauz in Frage stellen kann. Falls Pérez antritt stellt sich die Frage, zu wem bei zwei tendenziell linken, sich trotzdem wenig freundschaftlich gegenüberstehenden Kandidaten die ohne echte Option dastehende Wählerschaft von Lasso/Hervas neigt. Anders herum ist kaum zu orakeln, wohin es die Pérez-Wähler bei einer Stichwahl zwischen links und rechts zieht. Zur Erinnerung: Wahlpflicht! Es bleibt spannend.

Schließlich gibt es bei der Wahl noch ein ganz anderes, auf Regierungsvorschlag initiiertes Referendum, dass nach aktueller Zählung wahrscheinlich auch angenommen wurde. Demnach ist es öffentlichen Angestellten und Politikern zukünftig untersagt, Geld auf Konten in Steueroasen liegen zu haben. Das lasse nicht nur, aber auch die deutsche Politik bitte gerne mal sacken!