Blog

Atlantiküberquerung (2): Tierische Besucher

Im und sogar auf dem Meer wimmelt es vor Leben. So sagt man zumindest und so stimmt es ja wohl auch. Wir blieben folglich zwar fern von anderen Menschen in unserem kleinen Mikrokosmos „Segelboot“ unter uns, aber nicht alleine…

Schon nach drei Tagen auf See kam ein unbestrittener Höhepunkt der ganzen Fahrt: Wale in Sicht! Wir waren gerade unter Motor unterwegs und änderten natürlich gleich den Kurs. Zwei bis drei kleine Pottwale (15-20m) schwammen und tollten umher. Gleich zu Beginn ist eines der tonnenschweren Tiere zweimal hintereinander aus dem Wasser gesprungen und mit lautem Platschen wieder eingetaucht. Ein anderer fand es offensichtlich ganz besonders unterhaltsam, immer wieder mit seiner Fluke (Schwanzflosse) auf die Wasseroberfläche zu klatschen. Als kleine Anregung, nicht gleich wieder abzutauchen, machten wir dann noch etwas Musik an, die sich über den Metallrumpf verteilt gut von neugierigen Walohren im Meer hören lässt. So waren wir insgesamt über 40min bei den Tieren, bis sich zum Sonnenuntergang unsere Wege wieder trennten. Ein wahrlich atemberaubendes Erlebnis.

Überhaupt war der Sonnenuntergang in der ersten Woche eine gute Zeit. Direkt am Tag nach den Pottwalen steuerten wir zum kitschig-schönen Abendrot zwischen einer wahrlich großen Delfinschule über die glatte See. Wie schon am Tag zuvor gab es auch dieses Mal kein Halten… die Kinder sprangen auf das Vorschiff um alles möglichst gut zu sehen. Im Dutzend sprangen die Delfine rechts, links, vorne und hinten aus dem Wasser. Ein Motiv wie von einer Wandtapete aus den 80’ern… in Natura nur ein Vielfaches schöner!

Was sich dagegen rar gemacht hatte, waren Fliegende Fische an Bord. Ok, am Tag sah man immer wieder auch mal ganze Schwärme locker mehr als 50m über die Wellen flattern, aber an Deck hatten wir in den ganzen zwei Wochen nur ein ausgewachsenes Exemplar. Noch weniger sahen wir von den nicht fliegenden Verwandten. Einmal machten wir an einer im Meer treibenden Boje halt und sahen einen einsamen Fisch den Bewuchs abknabbern. Ein anderes Mal, wir hatten gerade mit der Angel zu tun, schwamm ein ganzer Schwarm schöner bunter Fische im Kielwasser. Aber sonst waren da nur noch die armen Kameraden mit Appetit auf Angelköder, denen die Flucht dann doch nicht mehr gelungen war.

Hin und wieder sahen wir auch weit entfernt von jedem Land Vögel um die Samai fliegen. Und das mit dem weiten Weg zum nächsten festen Boden war auch Ihnen nicht entgangen. Einer verbrachte tatsächlich die ganze Nacht auf der ersten Saling an Backbord. Weder das Schaukeln noch Geklapper mit dem Bootshaken konnten ihn vertreiben. In aller Seelenruhe machte er sein Nickerchen und verabschiedete sich erst im Morgengrauen. Natürlich nicht ohne „Gastgeschenke“ hinterlassen zu haben. Den Morgen verbrachte der Skipper jedenfalls damit Deck, Lazybag und Sprayhood von Vogelsch…. zu befreien. Was für ein schöner Tagesbeginn.

Da war der zweite gefiederte Übernachtungsgast etwas rücksichtsvoller. In dieser Nacht waren wir gut unter Segeln unterwegs, so dass als Zuflucht unser Solarpanel gewählt wurde. An der Kante festgekrallt und hinter das etwas höher gehende Bimini so halbwegs in den Windschatten geduckt, war auch dieser Vogel von einer nahezu störrischen Ruhe beseelt. Fast hätte man ihn da streicheln können! Wir versuchten aber doch eher ihm mit dem Boothaken einen kleinen Schubser zu geben. Dann flog er auch tatsächlich 1-2 Runden ums Boot… und landete wieder auf dem Solarpanel. Wenigstens hinterließ er keine Erinnerungsstücke.

Dann entdeckte La Skipper einmal so eine Art rosa Ballon am Boot vorbeitreiben. Der sah etwas wie eine Muschel aus, die versuchte den Wind einzufangen. Unsere beste Vermutung (aus dem Buch „Gefährliche Meerestiere erkennen“) ist die Sichtung einer „Portugiesischen Galeere“, mithin die gefährlichste sog. Staatsqualle. Ihre Tentakel können bis zu 30m lang werden und haben ein starkes Gift in Ihren Nesselkapseln. Diese netten kleinen Zeitgenossen schwammen danach noch einige Male an und vorbei und bestätigten uns in der Entscheidung, auf dem offenen Atlantik selbst bei ruhigem Wetter dann doch lieber auf einen „Badestopp“ verzichtet zu haben.

Portugiesische Galeere?!

Den Abschluss bildete direkt vor der Brasilianischen Küste der Besuch eines, im Vergleich mit bisherigen Sichtungen, außergewöhnlich großen Delfins mit kleinem Begleiter. Anscheinend ein Mama mit Kind, was natürlich besonders bei Maila für entzückte Blicke sorgte.

Dann waren wir auch schon im Rio Paraíba. Nach Wochen in der Umgebung von blauem Wasser und davor auch nur gelb-rot-braunem Land strahlte uns nun das satte Grün der Palmen und Mangrovenwäldern am Ufer an. Was für ein Kontrast. Ja, wir waren nun auch an Land in den Tropen.

Atlantiküberquerung (1): Und auch heute haben wir wieder Wetter-Wetter-Wetter

Wir waren ja schon ein paar Tage in den Subtropen unterwegs, und so langsam sollte man sich eigentlich an die Temperaturen gewöhnt haben. Hatten wir aber nicht wirklich… es war einfach nur HEISS! Anfangs hatten wir wenigstens noch etwas Wind, so 3-4 Bft. von hinten. Damit waren wir zwar selbst unter dem Parasailor nicht rasend schnell unterwegs, kamen aber immerhin ressourcenschonend voran. Also von Montagmittag bis Mittwochnachmittag. Dann war der segelbare Wind endgültig weg und wir im Folgenden als Motorboot unterwegs … bis zum späten Samstagabend knapp 450sm am Stück!

Der wilde Atlantik!

Insgesamt waren wir zu diesem Zeitpunkt immerhin ca. 150sm gesegelt, jedoch auch schon 530sm gemotort, hatten dementsprechend einen nahezu leergefahrenen 400l-Dieseltank und dabei immer noch knapp 1.000sm vor uns. La Skipper war kurz vor einer Panikattacke, der Skipper versuchte mit Hinweis auf die noch 110l Diesel in Kanistern zu beruhigen, aber allen war klar, dass das so nicht weiter gehen konnte.

Doch der Wettergott hatte ein Einsehen. Damit meine ich jetzt zugegebener Maßen nicht den (Vorsicht: Ironie!) „allwissenden deutschen Wettergott Meno“. Dieser lag ehrlich gesagt regelmäßig kräftig daneben (bis zu 3 Windstärken aus 180 anderen Grad!). Die von Saildocs besorgten (kostenlosen) Informationen waren zwar auch nicht so ganz stimmig, in der Regel aber besser als der (kostenpflichtige) Service aus Kiel.

Sonnenaufgang

Beim der Kommunikation mit der Außenwelt, sei es Empfang der Wetterdaten, Senden von Positionsmeldungen oder auch privaten Emails, nutzten wir nun intensiv unsere SSB-Anlage. Es ist schon faszinieren, sich im östlichen Atlantik über Kurzwelle mit Kanada zu verbinden, um von dort seine Emails abzurufen. Üblicherweise klappte es abends am besten und in den seltenen Fällen, wo der Funk sich einer guten Verbindung völlig versagte, sprang dann das Satellitentelefon ein. So ganz waren wir also doch nicht so ganz offline… Zeichen moderner Zeiten!

Wir hatten insgesamt also eine recht breite Schwachwindzone (Doldrums) erwischt. Und es war immer noch trocken an Bord der Samai. Allerdings bauten sich rundherum immer größere und imposantere Wolkenberge (… ach was, Wolkengebirge!) auf. Immer häufiger sahen wir Regenzellen, die Ihre Last sintflutartig ins Meer ergossen. Nur wir waren unsere Sandschicht immer noch nicht losgeworden.

Wölkchen…

Erst nach gut einer Woche, so ungefähr zur Halbzeit, hatte es uns dann auch erwischt. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als wir unseren anfangs eher südlichen Kurs (um den Äquator nicht zu weit westlich zu queren) mit einer Wende an den Wind direkt auf Brasilien geändert und auch der Südamerikanische Kontinent erstmals dichter als der Afrikanische war, begann es zu wie aus Eimern zu schütten.

Der ganze Dienstag stand im Zeichen solch tropischer Regengüsse, in denen die Sicht nicht mehr als solche zu bezeichnen war. Auch der Wind zeigte sich den Regenzellen angepasst wechselhaft. Hatten wir unter der Wolke gerne 5-6 Bft. konnten es wenige Minuten später schon wieder 5-6 kn (also 2 Bft.) aus einer völlig anderen Richtung sein. Und selbstredend war es nachts deutlich wechselhafter als tagsüber… ein gerefftes Groß war da selbstverständlich.

Aber wir konnten Segeln! Der vorliche Wind kam im Laufe der Tage immer mehr von der Seite, die Nächte wurden ruhiger und nach einer einsamen ersten Woche sahen wir in der zweiten Woche sogar vereinzelt andere Schiffe am Horizont. Der Äquator wurde am Donnerstag, dem 17. Oktober um 03:04 Uhr Bordzeit UTC-1 (… also drei Stunden vor Deutscher Sommerzeit) bei 28° 10,7’ W gequert.

Mit ganz wenigen Ausnahmen segelten wir bis Brasilien schon in Sicht war. Die letzten paar Stunden warfen wir dann doch wieder den Motor an. Einerseits wollten wir den Wassertank nochmal richtig voll machen und andererseits nicht im Dunkeln ankommen. Davor wurde auch im Revierführer eindringlich gewarnt. So schafften wir es also kurz nach Sonnenuntergang (mit immerhin noch gut 20l Diesel im Tank!) die Leinen im Jacaré Yacht Village zu belegen. Nach zwei Wochen und acht Stunden war es geschafft. Nun dürfen auch wir uns offiziell „Atlantiküberquerer“ nennen.

Maila auf dem Atlantik

Wir sind auf dem Atlantik und mir ist fast wie jeden Tag langweilig weil man nur Wasser sehen kann und die Wellen, die dahingleiten. Manchmal springen auch Fliegende Fische raus. Das ist aber nach etwas längerer Zeit auch langweilig, denen zuzuschauen. Ich habe Frühs auch manchmal Schule gemacht, es war heiß, und das Lustige war: neben uns waren überall Wolken, außer bei uns. Die Wolken waren so riesig wie ich sie noch nie gesehen habe.

In der Dämmerung hat Papa etwas entdeckt… es war ein Wal! Mit unserem Walbuch haben herausgefunden, dass das junge Pottwale waren, hauptsächlich wegen der lang-eckigen Schnauze. Wir haben natürlich das Tempo verlangsamt und sind den Walen hinterhergefahren. Einmal hat ein junger Pottwal die Flosse hochgenommen und wieder ins Wasser geplatscht. Das hat er mehrere Male gemacht. Und ein Pottwal ist sogar zweimal gesprungen. Ich konnte es gut sehen, weil ich vorne am Boot stand. Als es dann dunkel wurde haben wir uns verabschiedet und sind weiter gefahren als die Pottwale auf die Jagd gegangen sind… vermute ich mal, weil die meisten sind abgetaucht.

Einige Nächte habe ich an Deck verbracht. Oben im Cockpit konnte man nämlich übernachten. Und immer spät haben wir hinten die glitzernden Algen gesehen. Aber dazwischen waren plötzlich große Leuchtpunkte, die immer wieder hell aufleuchteten. Wir wussten nicht, was das war. Wir vermuten ja, dass das Tiefseebewohner sind. Dann hat Papa mal mit dem Scheinwerfer ins Wasser geleuchtet und da waren ganz viele kleine Fische, die das Licht reflektiert haben. Sie schwammen und ganz oft sind sie auch rausgesprungen. Die Sterne haben wir uns angeschaut und man konnte manchmal richtig gut die Milchstraße sehen. Und ich und Papa haben sogar an einem Abend ein bisschen Sachkunde gemacht. Aber irgendwann war ich zu müde und habe mich hingelegt. Und irgendwann bin ich auch eingeschlafen. Und als ich wieder aufgewacht bin, war Papa natürlich immer wach. Dann haben wir erstmal geguckt, ob die Fliegenden Fische wieder an Bord gesprungen sind, weil das sehr oft passiert ist. Manchmal springen auch Baby – Fliegende Fische (4cm) drauf. Samuel hat sie immer wieder reingeworfen. Zweimal sind sogar Baby – Tintenfische (3cm) auf unser Boot gesprungen.

Weil es so schauklig war, konnten wir nicht immer lange in der Küche stehen. Deswegen haben ich, Samuel und Franz auch mal Eierkuchen gebacken. Mit unserer neuen Waage, die wir gekauft hatten. Ich und Franz haben umgerührt und Samuel hat in der Pfanne gebacken. Es hat toll geschmeckt, aber weil Papa nicht so gerne süße Sachen mag, hat er nicht so viel gegessen.

Jetzt sind wir in Brasilien. Ich bin froh, dass die Atlantiküberquerung vorbei ist, weil die zwei Wochen ohne Land ganz schön anstrengend waren.

Maila

Mindelo auf Ilha de São Vicente

Bei der Ansteuerung zu dieser einzigen „echten“ Marina der Kap Verden gab es ein déjà-vu. Auch in diesem großen ehemaligen Krater, der nun die geschützte Bucht von Mindelo bildet, liegen einige Wracks herum. Eines der größeren ist sogar halb versunken auf der Seite liegend und heute wohl ein beliebter Anlauf- bzw. Abtauchpunkt für erfahrene Taucher.

Nach Las Palmas auf den inzwischen entfernten Kanarischen Inseln lagen wir also erstmals wieder in einem richtigen Hafen. Aktuell war es ein ziemlich leerer Hafen, aber das soll sich wohl zu Zeiten der hier vorbei kommenden ARC+ dramatisch ändern. Und ja, dieser Hafen ist dazu auch noch recht teuer. Dem trockenen Klima angemessen, für den Segler trotzdem nur halbwegs befriedigend, gibt es zur Begrüßung 100l Wasser zur freien Dusch- oder Stegverfügung. Wer mehr möchte muss bezahlen. Für uns reichte es aber für eine allgemeine Duschsession der gesamten Crew sowie einer sparsamen Säuberung des Decks von Sandresten und Salz.

Das WLAN reichte leider auch nur gerade so bis zum Boot, aber die kleine angeschlossene Bar bot nette Snacks… die Jungs haben zum ersten Mal frittierte Muräne probiert. (Achtung: SEHR viele Gräten!)

Cachupa, Muräne und Hamburger…

In Sal hatten wir ja gelernt, dass die Hafenbehörden bei der Anmeldung die Schiffspapiere bei sich behalten und erst bei der Abmeldung wieder herausrücken. Und ja, man muss sich auf jeder Insel dieses Landes erneut anmelden… alleine die Stempel im Pass sind der eigentlichen Ein- und Ausreise vorbehalten. Allerdings sind die Behörden am Wochenende natürlich geschlossen und so hatten wir uns hier in einem Rutsch an- und auch für den Sonntag gleich wieder abgemeldet. So blieb uns wenigstens ein Behördengang erspart.

Das Haus könnte vielleicht etwas Farbe brauchen?

Mindelo selbst haben wir in einigen Streifzügen erkundet. Dabei strahlte wahrlich nicht jedes Gebäude in ästhetischer Eleganz sondern eher schon mal in morbidem Charme. Aber auch hier gibt es viele freundliche Menschen, doch insgesamt war es deutlich anders und unpersönlicher als im viel kleineren Palmeira auf Sal. Es ist halt die zweitgrößte Stadt des Landes.

Die Hochschule ist besser in Schuss!

Auffällig war, dass in jedem Supermarkt immer gleich mehrere Sicherheitsleute Ihrer Arbeit nachgingen. Normalerweise stand einer am Ein-/Ausgang, einer in der Nähe der Spirituosen und ein weiterer streifte zwischen den Regalen umher. Da scheint wohl ein gewisses Misstrauen gegenüber seinen Kunden nicht ganz unangebracht zu sein. Eine besondere Erwähnung verdient auch der Fisch-/Gemüsemarkt, dem wir auf dem Weg zum Gaswerk (dazu ein anderes Mal mehr ;-) einen kurzen Besuch abgestattet hatten… zumindest zu dieser Tageszeit konnte man hier eher Fliegen mit Fischbeilage erwerben als das frische Meeresgetier, welches wir von unserer Angel gewohnt waren. Da hofften wir lieber weiterhin auf zukünftiges Angelglück und Fisch wie er frischer nicht sein könnte.

Auch in diesem Supermarkt gab es die obligatorische Security!

Zumindest für den Skipper ein besonderes Highlight war der Besuch in „Elvis Restobar“. Ok, die Bedienung neigt in schöner Berliner Tradition zu einer gewissen Ignoranz gegenüber den Gästen und auch meine Bestellung wurde irgendwie verwechselt… statt Oktopus-Eintopf gab es Schwein mit Gemüse. Aber lecker war es trotzdem und der Laden auch brechend voll. Immer mehr Tische wurden rausgetragen, bis der Innenraum praktisch leer war und das Publikum auf der Terrasse der einheimische Schönheit lauschen konnten, die Ihre von einer Gitarre begleiteten Gesangskünste zum Besten gab. Also zumindest der Skipper fand es einen gelungenen Abend!

Insgesamt hat uns Sal aber doch besser gefallen und wir bedauern ein wenig diejenigen (nicht zuletzt ARC+) Segler, die nur Mindelo besuchen. Sicher, auch wir hätten gerne noch andere Inseln der Kap Verde besucht… aber das Thema hatten wir ja schon. Nach drei Nächten legten wir wieder ab um eine letzte Nacht in Afrika neben dem Hafen vor Anker zu verbringen. Vorbereitungen für die Ozeanüberquerung! Das Dinghy kam wieder auf das Vordeck und der Außenborder wurde dieses Mal sogar trocken und sicher im Heck verstaut. Am Morgen noch rasch volltanken, dazu sicherheitshalber noch 110l Diesel in Kanistern gebunkert und nach einem letzten Kontrollgang warfen wir recht unspektakulär die Leinen los… gut 1.600sm lagen vor dem Bug… über den Atlantik nach Brasilien!

Vor Anker bei Mindelo

Ilha de Santa Luzia

Es war inzwischen der 1. Oktober und so langsam mussten wir uns tatsächlich mal etwas sputen. So machten wir uns am Abend auf die gut 100sm nach Santa Luzia.

In dieser Nachtfahrt hatte der Skipper dann erstmals sein neues Wachkonzept ausprobiert. Hielt ich mich bis hierher ja immer die ganze Nacht wach, legte ich mich nun für kleine Nickerchen im Cockpit hin. Und auch wenn der Handywecker auf der Brust mich alle 30-40 Minuten für einen prüfenden Rundumblick aus dem Land der Träume riss, war es insgesamt doch deutlich entspannter für mich. Selbst vor dem Hintergrund des bereits in Revierführern angedeuteten Umstands, dass die in der Karte verzeichneten Leuchttürme in der Regel eher als Tagsignal gedacht sind… geleuchtet hat zumindest auf der passierten Ilha de São Nicolau nicht ein einziger von ihnen. Interessant war auch, dass wir AIS-Signale von Schiffen in bis über 600sm Entfernung empfingen… vor der Afrikanischen Küste! Das muss dann wohl mit einer Relay-Funktion von festen AIS-Stellen auf den Inseln zu tun gehabt haben.

Ilha de Santa Luzia ist eine offiziell unbewohnte, unter Naturschutz stehende Insel und darf ohne Genehmigung nicht betreten werden. Aber davor Ankern wird ja wohl gehen. Bei unserer Ankunft in der großen Bucht war dann offensichtlich, dass diese Idee nicht sehr verbreitet ist. Von einem später weggefahrenen Fischerboot abgesehen, waren wir das einzige Boot vor diesem langen Sandstrand. Ansonsten begnügten wir uns hier mit dem Ausblick. Selbst wenn es erlaubt gewesen wäre, ließen die Wellen ein Anlanden mit dem Dinghy abenteuerlich erscheinen… kein Vergleich mit Sunny Cove!

Dazu kam ein steter, regelmäßig mit Fallböen von bis zu 8 Bft. garnierter Wind. Abends ahnten wir noch nichts schlimmes, die 50m Ankerkette hielten und sicher an Ort und Stelle. Doch am nächsten Tag trauten wir unseren Augen nicht. Das ganze Boot war vom Bug her mit einer rötlichen Sandschicht überzogen. Also wirklich alles! Auch die zusammengerollten Vorsegel, Mast, (Flaggen-)Leinen, Solarpanel, Bootshaken und alles, was sonst noch im von vorne kommenden Wind war, zeigte diese staubige Färbung.

Sogar die Rotorblätter des Windgenerators waren am Rand rot!

Das Deck wurde noch vor Ort (wieder einmal mit Salzwasser) abgespült, aber sich richtig sauber würde uns wohl erst wieder ein heftiger Regenguss waschen. Doch damit konnten wir in der trockenen subtropischen Zone wohl erstmal nicht rechnen.

Die Überfahrt Richtung Mindelo erinnerte uns dann fatal an ein Erlebnis, dass wir mit der Samai direkt auf unserem ersten Törn hatten. Von der Werft in Cherbourg ging es vor über vier Jahren Richtung Kanalinseln. Und da gibt es bei Alderney eine Passage, die in der Seekarte mit „The Swinge“ bezeichnet ist. Genau solch ein Waschmaschinengefühl hatte sich damals auch eingestellt. Hier, zwischen Santa Luzia und São Vicente war es nicht ganz so schlimm, aber trotzdem wurden wir ganz schön durchgeschüttelt. Der gut zwei Meter hohe, gleichmäßige Schwell verwandelte sich binnen Minuten in ein konfuses Wellenbild, bei dem die nun gut und gerne bis zu drei Meter hohen Wellen mal von vorne und mal von der Seite kamen. Waschmaschine eben. Doch nach etwa einer Stunde war der Spuck auch schon wieder vorbei und der Rest der Fahrt wurde deutlich entspannter. Kurz nach Mittag erreichten wir unseren letzten Stopp auf den Kap Verden… Mindelo.