Blog

Alltagsprobleme an Bord: Stecker

In einer idealen Welt wäre vieles genormt. Das mag vielleicht etwas Vielfalt nehmen, das praktische Leben reisender Menschen jedoch deutlich erleichtern. Doch was kann man schon in einer Welt erwarten, die sich auf der Straße nicht einmal auf Rechts- oder Linksverkehr einigen kann. Wenigstens das hat auf dem Wasser mal funktioniert… hier gilt selbst im englischen Kanal Rechtsverkehr!

Und dann gibt es noch so alltagsrelevante Kleinigkeiten wie „Stecker“. An Bord eines Segelbootes sind diese aus zweierlei Hinsicht interessant.

1. Landstrom

Am schönsten ist es ja ohnehin vor Anker. Aber hin und wieder genießt man auch gerne mal Schutz und Komfort eines Hafens. Und wenn man schon mal da ist, wird der angebotene Landstrom natürlich gerne genutzt. Vorausgesetzt man hat den richtigen Stecker an Bord.

In Europa sind wir eigentlich immer mit unserem fest am Kabel verbauten kleinen blauen Stecker klar gekommen. Nur in Lanzarote mussten wir einmal einen Adapter von großer blauer Buchse auf kleinen blauen Stecker leihen. So einen Adapter suchte ich schon länger, konnte ihn aber nicht finden. Das habe ich dann zum Anlass genommen, mir diesen in Las Palmas selbst zusammenzuschrauben. Stecker und Buchse gab es im Marineausstatter und das Kabel wurde mir kostenlos dazu gegeben. Und genau dieser Selbstbauadapter ist seitdem nahezu im Dauereinsatz, da die großen blauen Buchsen zumindest in Südamerika offensichtlich der Standard sind. De facto gehört dieser Adapter also zwingend an Bord!

Des Weiteren haben wir noch zwei Schuko-Adapter. Damit können wir das Boot an ein normale (europäische) Schuko-Buchse anschließen (haben wir auf unserer Reise noch nie benötigt) bzw. ein elektrisches Gerät an eine Landstrombuchse (wurde einmal für den Kärcher verwendet).

Zu guter Letzt gibt finden sich in Häfen hin und wieder noch ganz große rote Buchsen. Da diese jedoch in der Regel für größere Boot als unsere Samai gedacht sind und entsprechend andere Spannungen und Stromstärken bieten, lassen wir da lieber die Finger von.

2. Elektrische Geräte an Bord

Man möge uns dekadent nennen, aber ja, wir haben unter anderem einen Toaster an Bord. Schon klar, dass man das auch im Ofen machen kann. Aber wenn genug Strom zur Verfügung steht, ist dieses Gerät einfach die bequemere Alternative (und spart Gas). Und mit labbrigen Toasts brauche ich unseren Kindern gar nicht erst zu kommen.

Schließlich kam der Tag, an dem der Toaster nicht mehr so richtig toasten wollte. Der Hebel blieb nicht unten, man musste daneben stehen und selbst festhalten, was doch ein gewisses Maß an Bequemlichkeit wieder einbüßen ließ. Nun gut, auch in anderen Teilen der Welt möchten Menschen toasten. In Buenos Aires haben wir uns also einen neuen Toaster gekauft, der gerade im Angebot war… sinniger Weise von Phillips. Beim Auspacken blieb die freudige Überraschung dann wie erwartet aus, denn obwohl von europäischem Hersteller wird in Argentinien natürlich mit argentinischem Stecker verkauft.

Man könnte jetzt natürlich mit Adaptern anfangen (Grüße an die Schweiz und Großbritannien). Um einiges nützlicher und kostengünstiger erwies sich jedoch der zu Hause aufgeschnappte Tipp, einfach ein paar europäische Stecker mitzunehmen. Damit reichten Seitenschneider sowie kleiner Schraubenzieher und der Toaster war schnell auf die an Bord verbaute Norm angepasst… und die Kinder frühstücken auch mal wieder etwas anderes als die gesunden Schoko-Flakes.

Gewittersegeln

Das ist unter anderem der Titel eines lesenswerten Buches aus dem millemari Verlag. Das ist auch etwas, auf das Segler auf dem Wasser immer gerne verzichten können. Das ist schließlich etwas, vor dem wir bisher immer verschont geblieben waren. Und dann fuhren wir von Brasilien nach Uruguay.

Der Wetterbericht versprach mal wieder ein kleines Fenster Richtung Süden. Dienstag und Mittwoch gute Winde aus nördlichen Richtungen, die am Donnerstag dann mal wieder ganz spontan auf Südwest drehen… mit 9’er Böen! Also bei weitem nicht genug für den ursprünglich geplanten Schlag nach Buenos Aires, aber ausreichend für den kurzen 200sm-Hüpfer nach La Paloma (… und jetzt hebe die Hand, wer hier nicht automatisch ein „Olé!“ hinterher gedacht hat ;-)

Es begann dann auch wie erwartet mit Wind aus richtiger Richtung. Am Dienstag noch in meist gut segelbarer Stärke half Mittwoch öfters mal der Motor. Schließlich durften wir nicht zu sehr bummeln. An diesem Tag konnten wir dann auch nach langer Zeit mal wieder gleich doppelten Angelerfolg verzeichnen.

Weniger willkommen waren andere, in Schwärmen über die Samai herfallenden Gäste. Die zeitweise mehr als ein Dutzend (sic!) Libellen an Wanten und Stagen waren ja noch harmlos. Doch die unzählbaren Fliegen und sonstige Insekten verschiedenster Größe, wahrlich nicht immer harmlos ausschauend, vertrieben die Crew unter Deck. Alleine der Skipper musste tapfer oben bleiben, schließlich war der Autopilot immer noch kaputt.

Um 17:00 Uhr passierten wir wie Grenze von Brasilien nach Uruguay. Natürlich funkten wir ganz vorschriftsmäßig die Prefectura Naval an, erhielten aber keine Antwort. Hatten wir nicht genügend Reichweite oder waren wir es einfach nicht wert? Nun ja, nachdem auch die Rufe von grenzpassierenden Frachtern in Leere gingen, machten wir uns keine weiteren Gedanken.

Abends sahen wir dann die ersten Vorboten der kommenden Nacht am Horizont. Was für ein Euphemismus das schöne Wort „Wetterleuchten“ doch in Anbetracht dessen ist, was man wirklich sieht: „Blitze“. Zum Glück waren sie recht weit weg und konzentrierten sich auf das Land. Dort sahen wir dann sogar den Widerschein zweier mutmaßlich durch Blitzschlag ausgelöster Großbrände. Zur Sicherheit klappten wir das Bimini zusammen, doch gut eine Stunde später sah es so aus, als wenn sich die Wetterlage vor uns beruhigt hätte. Was für ein Irrtum!

Kurz nach Mitternacht leuchtete es wieder häufiger, näher und vor allem von voraus. Um 1 Uhr nachts war die Front dann bei uns. Wir bekamen gerade noch rechtzeitig die Fock rein. Starkwind und leuchtende Wolken ließen uns den Kurs um 90° nach Backbord (also in Fahrtrichtung links) ändern. Ja, die Wolken waren riesig und wir fuhren mit gerade mal etwas mehr als 10 km/h umher. Da erscheint Ausweichen unmöglich, doch einen Versuch war es Wert. Ganz ehrlich, da zuckten ein paar Blitze quer über den Himmel, so etwas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Und tatsächlich gelang es uns. Zwar hatten wir immer noch kräftigen Wind, doch die Wolkendisko ging hinter uns durch. Fast stellte sich ein Lächeln ein, doch dann ging in geschätzt (sehr) wenigen Seemeilen direkt voraus ein großer Blitz senkrecht ins Wasser. Nächster Kurswechsel 90° Steuerbord, dort scheint der Himmel etwas weniger dunkel. Wir finden die Lücke. Nach einer gefühlten Ewigkeit, tatsächlich war es wohl kaum mehr als eine Stunde, hatten wir das Gröbste hinter uns. Selten waren wir so froh, dass uns nur mehr Dunkelheit umfing.

Lücke gesucht und gefunden!

Nachdem La Skipper Ihren Adrenalinspiegel wieder etwas runter gedreht hatte, verabschiedete sie sich auf ein Nickerchen zu den selig schlummernden Kindern unter Deck. Der Skipper genoss dann noch ganz für sich alleine am Steuer ein nächtliches Stündchen Starkregen mit entsprechendem -wind. Doch danach war es wirklich geschafft. Die Sonne ging unschuldig über einem neuen Tag auf, La Paloma schon in Sichtweite, und bald lagen wir sicher vertäut in einem mal wieder recht leeren Hafen… natürlich als einzige Gastyacht. Da waren wir also in Uruguay, doch davon eim anderes Mal mehr.

Brasilien – ein Fazit

Keiner von uns war vorher in Brasilien gewesen. Während La Skipper sich durchaus ernste Gedanken um die Sicherheit machte, hegte der Skipper keine besonderen Erwartungen. Mal schauen, wie es dort so ist. Und was soll ich sagen: die gesamte Crew ist begeistert von diesem Land und vor allem seinen Menschen. Ich habe es ja schon hin und wieder mal erwähnt, aber die Art und Weise mit der die Brasilianer uns begegneten, ja uns in Ihrem Land aufgenommen haben, war phänomenal.

  • In Jacaré die nette Damen im Mini-Supermercado, der weitgehend zuverlässig unsere Flüssignahrungsvorräte sicherte. Immer ein Lächeln und ein nettes Wort (auf Portugiesisch natürlich) auf den Lippen und hin und wieder brachten wir gar einen kurzen Plausch zustande
  • Einfach jeder in Charitas / Niteroí, insbesondere…
    • Der Bademeister Rodre, der nur für unsere Kinder die Wasserrutsche in Betrieb genommen hat, mit dem ich (dank Google Translate) mehrere beiderseitig sehr nette Gespräche hatte… ein toller Mensch, der es nicht immer einfach hatte und dem ich von Herzen alles Gute wünsche.
    • Der beim Fernsehen tätige Carlos zeigte seine ehrliche Begeisterung für unser Vorhaben, brachte seine ganze Familie für ein kurzes „Hallo“ an den Steg, dachte sogar kurz über ein Interview nach und ist aktuell der einzige brasilianische Follower dieses kleinen Blogs (ganz liebe Grüße!!!)
    • Der Pop-Sänger Rodrigo war für sein neustes Musikvideo im Yachtclub und vorher noch in der Sauna. Im mutmaßlichen Gegensatz zu so manchem Mädel erkannte ich ihn natürlich nicht, als wir dort  ins Gespräch kamen, und ebendiese Mädels würden mich sicher auch um seine Handynummer beneiden ;-)
    • Der ältere Herr, der im Bus mit unseren Kindern den Platz tauschen wollte, damit sie einen besseren Ausblick haben.
    • Die Taxifahrer, die trotz Kurzstrecke von der Fähre zum Yachtclub immer entspannt und freundlich waren. Man stelle sich dagegen einen typischen Berliner Taxifahrer auf der mürrisch-fluchenden Fahrt vom Flughafen Tegel zur U-Bahn Jakob-Kaiser-Platz vor.
  • Wie gesagt haben wir hier erstmals Uber ausprobiert und müssen feststellen, dass ausnahmslos jeder Fahrer ausgesprochen nett war. Unabhängig davon, ob man sich auf eine Sprache einigen konnte oder nicht, wir kamen immer sicher und freundlich ans Ziel.
  • Wir, die offensichtliche Touristenfamilie, stehen mit einem Eis am Straßenrand und mitten aus dem Gewusel umher eilender Menschen ertönt unvermittelt die Stimme eines Herren, der uns mit leichter Verbeugung ein freundliches „Welcome to Rio de Janeiro!“ wünscht.
  • In Rio Grande war es dann der bereits erwähnte Lauro Barcellos, der im positiven Sinne „den Vogel abschoss“. Bei im Grunde wildfremden Seglern an seinem Steg sind eine Begrüßung und Gastfreundschaft wie man sie alten Freunden angedeihen lassen würde für Ihn eine Selbstverständlichkeit.
  • Und dann noch so viele andere netten Begegnungen. Insbesondere, aber nicht nur am Steg / beim Boot wurden wir oft freundlich angesprochen, neugierig ausgefragt und immer willkommen geheißen…

Unsere grobe Reiseplanung sieht ja vor, dass wir in etwa zwei Jahren von Südafrika (möglichst auch Namibia) nach St. Helena und weiter zu den Azoren den Weg über die Kap Verden nehmen. Inzwischen spielen wir ernsthaft mit dem Gedanken, den Schlenker über Südamerika zu segeln. Ja, es ist länger. Dafür sind die Winde tendenziell günstiger und wir haben die Möglichkeit noch mehr von einem tollen Land und seinen tollen Menschen zu sehen: Brasilien!

P. S. Und als ob all das nicht schon genug wäre, gibt es noch einen weiteren, ultimativen Grund wieder zu kommen: unsere in kulinarischen Dingen nicht gerade für Ihre Flexibilität und Experimentierfreunde bekannte Maila liebt den Brasilianischen Ketchup!

Samuel über die Tierwelt in Brasilien (2)

Nach dem erfolgreichen ersten Teil hier nun weitere Eindrücke von der Tierwelt in Brasilien.

Auf der Inselgruppe Abrolhos gab es ein Korallenriff und wie ihr sicher wisst, gibt es in Korallenriffen viele Tiere. Wir sind eigentlich dorthin gekommen um einen kurzen Badestopp zu machen und dann hat Papa auf dem Plotter das Korallenriff entdeckt. Natürlich mussten wir uns das angucken. Als erstes sind Mama, Maila und ich dorthin geschwommen und haben es uns angesehen. Der erste Fisch, den ich gesehen habe war gelb mit schwarzen Pünktchen. Die Farbenpracht der Korallen hielt sich zwar in Grenzen, aber die Fische waren wunderschön.

Später sind Papa und ich dann nochmal hingeschwommen und sind dort länger geblieben. Wir haben noch viele andere Fische gesehen, zum Beispiel einen Fisch, der etwas gefährlich aussah mit seinen Zähnen und mit seinem schwarz-weißen Muster. Es gab auch blaue Fische mit einem „Schnabel“, wo mein Finger lieber nicht rein geraten sollte. Damit haben sie Stückchen der ziemlich hart aussehenden Korallen abgeknabbert. Die größten Fische waren ungefähr so lang wie mein Arm. Es gab auch Seeigel, die zwar niedlich aussahen, aber heimtückisch spitze Stacheln hatten. Das kann ich beurteilen, weil ich mit ihnen leicht in Kontakt gekommen bin.

Papa und ich sind auch noch weiter geschnorchelt, bis ich von Papa lautes Geschrei hörte. Ich habe aufgeblickt und gesehen, dass Papa wollte, dass ich zu ihm schwimme. Als ich dann da war, sah ich sofort die große Schildkröte, die Papa mir zeigen wollte. Sie hatte einen zerkratzten Panzer. Ich habe mit der Unterwasserkamera, die ich dabei hatte, auf jeden Fall zu viele Fotos gemacht. Einmal bin ich sogar so nahe ran getaucht, dass ich die Schildkröte hätte berühren können.

Die nächsten Meeresschildkröten haben wir gesehen, als wir im Hafen bei Rio de Janeiro lagen. Am Anfang dachten wir, es wäre nur eine, die ungefähr so groß war, wie mein Unterarm. Wir haben sie auch einmal Grünzeug vom Stein fressen sehen, wobei sie uns den Popo entgegengestreckt hat. Wir haben später herausgefunden, dass es sogar zwei Schildkröten waren.

Im selben Hafen entdeckten wir wieder Mamas geliebten Herbert (weißer Vogel), der gewachsen war. Komischer Weise folgte er uns immer weiter, zumindest behaupten Mama, Maila und ich das immer scherzhaft.

Nach Rio de Janeiro haben wir ein paarmal geankert, unter anderem bei der Ilha do Mel. Da gab es zwei „schöne“ Tierarten:

  1. Mücken! Zumindest vermuten wir, dass es so welche waren. Wir haben immer wieder gehört, dass man in Brasilien keinen Mückenstich bekommen soll. Na ja, das hat nicht ganz geklappt. Die Mücken haben unser Boot und uns geliebt. Glücklicherweise waren es nicht solche Mücken wie bei uns, sondern man konnte sie recht gut sehen und jagen. Wir hatten zwar einen Mückenschutz, doch der hat gegen diese intelligenten Mücken wenig gebracht. Jedenfalls bin ich jetzt auch mal dran, Tieren einen Namen zu geben. Darum nenne ich sie „Ms. Piks“.
  2. Delfine! Die ganze Familie mag Delfine. Es sind ja auch wirklich schöne Tiere. Und diese haben uns an dem Ankerplatz immer wieder besucht. Manchmal hatten sie einen Fisch im Maul, den sie zu meiner Enttäuschung selbst verspeist haben.

Im nächsten Hafen bei Laguna gab es ebenfalls Delfine. Es waren recht große, hübsche Flussdelfine, die dort anscheinend wohnten und lustig drauf waren. Es gab hier auch eine kleine Insel, die ab und zu überspült war. Immer wenn sie nicht mit Wasser bedeckt war, begann anscheinend das Festessen für viele Vögel, die dann in Schwärmen ankamen.

Als wir von Laguna weiter fuhren, dachte Papa nach einiger Zeit, eine Meeresschildkröte gesehen zu haben. Mama dachte, es wäre Holz. Als wir dann dorthin fuhren, sahen wir ein Flosse, die auf dem Wasser hin und her platschte. Allerdings, als wir noch näher heran fuhren, stellte sich heraus, dass es auch keine Meeresschildkröte war, da es nur zwei Flossen hatte. Zu unserer Überraschung war es ein Mondfisch. Er war zwar nicht sehr groß, aber trotzdem sehr cool. Später entdeckten wir noch einen zweiten Mondfisch.

Auf derselben Fahrt hatten wir auch noch einen blinden Passagier an Bord. Es war ein kleiner, süßer Vogel. Der sich vorne auf dem Bugspriet hingesetzt hatte. Dieses knuffige Tier verließ uns leider nach ein paar Stunden wieder. Ich hätte ihn gerne als Bootsvogel behalten. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass Mama und Papa dagegen wären.

In Rio Grande lagen wir an einem Museumssteg und da gab es auch zwei Tierarten: vier Pinguine und ein Seelöwen in einem kleinen Tierkrankenhaus. Die haben wir öfters besucht. Die Pinguine hatten sogar einen Sonnenschirm.

Auf dem Weg zum Museum lag plötzlich ein Leguan faul in der Sonne. Ich habe noch nie so einen großen Leguan in freier Wildbahn gesehen und zu meinem Erstaunen hat er, als er gegangen ist, den Fußweg benutzt bevor er dann in die Büsche abgehauen ist.

Das war die Tierwelt in Brasilien.

Samuel

Bürokratie in Südamerika (1): Brasilien

Über die Bürokratie in Südamerika im Allgemeinen und Brasilien im Speziellen haben wir im Vorfeld ja schon einiges gehört. Doch ganz so schlimm wie befürchtet, war es dann doch nicht. Hier ein kleiner Erfahrungsbericht.

Grundsätzliches

In Brasilien muss man beim Ein- und Ausklarieren (so nennt man die Ein- bzw. Ausreise mit einem Segelboot) drei Stationen abklappern:

  1. Policia Federal / Immigration: Hier bekommen alle notwendiger Weise persönlich vorsprechenden Crewmitglieder ihren Stempel in den Pass.
  2. Receita Federal / Customs: Hier bekommt man temporäre Importpapiere für die Yacht. Diese beinhalten dann auch das Datum, an dem man das Land wieder verlassen muss, sonst gibt es eine saftige Strafe (10% des von uns natürlich sehr defensiv geschätzten Bootwertes)
  3. Capitania dos Portos (Teil der Marine): Hier bekommt man einen „passe de entrada“ für den jeweiligen Hafen. Bevor man weiter fährt, muss man nochmal hierher um einen „passe de saida“ zu bekommen, in dem dann auch der nächste Zielhafen angegeben werden muss. Dort angekommen holt man sich dann wieder einen „passe de entrada“ uns so weiter und so fort. Das einzig Gute daran ist, dass es keine wirkliche Einschränkung und Kontrolle der zwischen den Häfen verbrachten Zeit gibt. Man kann sich also Zeit lassen und auch noch ein paar Ankerstopps einlegen.

Und all diese Formalitäten sind ungeachtet der herrschenden Temperatur in anständiger Kleidung (lange Hose, Hemd) vorzunehmen. Ansonsten kann es vorkommen, dass man gar nicht erst eingelassen wird!

Einklarieren in Cabedelo / João Pessoa

Beim Einklarieren haben wir es uns zugegebener Maßen sehr einfach gemacht und das Angebot von Nicolai (Jacaré Yacht Village) wahrgenommen, für eine soweit angemessene Gebühr durch das ganze Prozedere geleitet zu werden. Wir sind zusammen zu der inzwischen umgezogenen Immigration und Zoll gefahren. Während wir nur pflichtbewusst daneben saßen, hat er alles Weitere erledigt. Zum Hafenkapitän ist er dann sogar alleine gefahren und hat uns an und auch gleich wieder abgemeldet. Dass wir dann erst knapp zwei Wochen später losgekommen sind war kein Problem. Als nächstes Ziel haben wir gleich Rio de Janeiro angegeben.

Unseren kurzen Zwischenstopp bei den Ilhas de Abrolhos (auf denen wohlgemerkt ein kleiner Marinestützpunkt liegt) verlief ohne weitere Formalitäten, abgesehen von einer netten Dame, die mit wasserfestem Pad vorbei geschwommen kam, um Bootsnamen und Passagieranzahl zu notieren. Sehr entspannt.

Rio de Janeiro

Auch wenn wir in Charitas / Niteroí lagen, so mussten wir beim Hafenkapitän im gegenüber liegenden Rio de Janeiro vorsprechen. Das wurde natürlich mit unseren Stadtausflügen verbunden, wobei sich der Skipper durchaus eine lange Hose in den Rucksack getan hatte. Hier wurden wir gleich beim Pförtner rein gebeten. Dieser machte einen Anruf, ein schneidig Uniformierter kam, holte unsere Unterlagen und brachte alles Notwendige nach gar nicht mal so langer Wartezeit zurück. Auch hier alles sehr entspannt. Als nächstes Ziel hatten wir gleich Rio Grande del Sur angegeben

Lugano

Nach einigen Zwischenstopps vor Anker hatten wir ja dem netten Lugano einen ungeplanten Besuch abgestattet. Hier nahm die Marine das Thema etwas genauer. Schon am frühen Morgen nach unserer Ankunft wurde ich von einem Uniformierten am Pier freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass ich beim Hafenkapitän vorzusprechen habe. Dort half dann bei den wie üblich einer anderen Sprache als des Portugiesischen unkundigen Kollegen wie so oft „Googel Translate“ weiter. Dass es sich bei Laguna nicht um den angegebenen Zielhafen handelte war kein Problem und wurde an entsprechender Stelle auf dem Formular der Policia Federal vermerkt.

Vom Hafenkapitän wurde ich dann von zwei Uniformierten mit dem Auto zum Boot gefahren und die Samai erhielt nun erstmalig eine kleine Inspektion. Der nette Kollege vom Morgen machte einen pflichtbewussten Rundgang, fragte nach Rettungswesten, Signalmitteln und anderen sicherheitsrelevanten Dingen bevor er zufrieden wieder von Bord ging.

Ausklarieren in Rio Grande del Sur

Dieser Teil gestaltete sich wenn auch nicht schwierig, so doch am Aufwändigsten. Zunächst bin ich zum Hafenkapitän gelaufen, der mich jedoch gleich zur Policia Federal geschickt hatte. Die hatte Mittagspause und so verlief der Vormittag erfolglos. Pünktlich nach der Mittagspause sprach ich wieder mit allen Pässen, jedoch alleine bei der Policia Federal vor. Natürlich wollte man eigentlich alle Passagiere persönlich sehen, jedoch stimmte mein Hinweis auf “família” gnädig und ich bekam alle Pässe gestempelt.

Zur Receita Federal, also dem Zoll, musste ich dann doch ein Taxi nehmen. Weit weg durch ein nicht wirklich Vertrauen erweckendes Viertel ging es zum Industriehafen. Dankenswerter (und natürlich bezahlter) Weise wartete der Taxifahrer und brachte mich anschließend zum Hafenkapitän. Hier war jetzt eigentlich schon für heute geschlossen, aber man kannte mich ja noch vom Vormittagsbesuch und war so nett, auch außerhalb der Öffnungszeiten alle Formalitäten zu erledigen.

Das war es also, Pässe gestempelt, Boot ausklariert und beim Hafenkapitän abgemeldet. Nun hatten wir 72 Stunden um Brasilianische Hoheitsgewässer zu verlassen… und das Taten wir Richtung Uruguay.