Liegeplätze in Panamá City

Anfang Juni 2021

Vor unserer Ankunft in Panama haben wir uns natürlich versucht schlau zu machen, wo man sich mit dem Boot sinnvoll hinlegen kann. Die Informationen dazu sind verstreut und anscheinend nicht immer vollständig. Daher wollen wir hier mal kurz unsere Erkenntnisse zusammenfassen. Natürlich handelt es sich um eine subjektive Sicht, unter anderem weil wir nicht alles persönlich ausprobiert haben, sondern auch auf Informationen anderer, vor Ort getroffener Segler zurückgreifen. Trotzdem ist es hoffentlich eine kleine Hilfe.

Also… vor Panama City finden sich für durchreisende Langfahrtsegler im Wesentlichen folgende Liegeplatzoptionen:

Flamenco Marina

Wir nennen die Flamenco Marina nicht zuerst, weil wir sie für die beste Wahl halten, sondern weil sie oft als einzig sinnvolle Wahl genannt wird. Das sehen wir allerdings ganz anders. Das Feedback anderer Segler ist ebenso niederschmetternd wie eindeutig. Zunächst einmal ist es die teuerste Option vor Ort. Selbst ein kleines Boot wie unseres kann mit knapp 100$ pro Tag rechnen. Wenn man sich dafür willkommen fühlen würde, wäre es ja zwar schmerzlich aber halbwegs ok. Doch auch hier hapert es wohl sehr. Von „sehr unfreundlich“ und „keinerlei Service“ bis zu „die wollen nur dein Geld“ reichen die uns gegenüber geäußerten Kommentare.

Positiv anzumerken ist die Ausstattung an Land. Hafenkapitän und Immigration vor Ort bieten eine Ein- bzw. Ausreise mit sehr kurzen Wegen. Ein kleiner Markt hat eine gute und nicht allzusehr überteuerte Auswahl an Wein, Bier, Snacks, (sehr gutem) Käse und ähnlichem. Es gibt zwei kleine Bootsausstatter (mit eingeschränkter Auswahl), einen großen Duty-Free-Laden (haben wir allerdings nicht besucht) und diverse Restaurants. Die Stege dagegen sind augenscheinlich in die Jahre gekommen. Schließlich liegt gleich neben der Ausfahrt die große Baustelle für einen neuen (Kreuzfahrer-?!)Pier.

=> Von uns gibt es für die Flamenco Marina definitiv keine Empfehlung.

La Playita Marina

Einmal um die Halbinsel herum liegt an der Einfahrt zum Panamakanal die La Playita Marina (VHF Ch.09). Hier haben wir zwei Wochen gelegen und die Entscheidung nicht bereut. Ja, auch sie ist nicht günstig, aber mit aktuell 1,50$ pro Fuß und Tag (zzgl. Steuern) immer noch billiger als die o.a. Alternative. Der Empfang ist ausgesprochen freundlich, die Damen im Hafenbüro ebenso nett wie alle Mitarbeiter auf den Stegen. Für 130$ kommen zwei Taucher und befreien unseren Rumpf endlich von den letzten Bewuchsresten aus Ecuador. Weitere Hilfe wird angeboten, z.B. für elektrische Arbeiten. Aus La Playita fahren täglich Fähren zu den vorgelagerten Inseln und es kommt bei ungünstigem Wind etwas Schwell rein. Etwas unangenehm, wenn man weit außen liegt, aber nach unseren Information auch kein exklusives Problem dieser Marina.

Direkt vor der Tür findet sich Amador, ein gerade am Wochenende beliebtes Ausflugsziel mit Restaurants, Geschäften (darunter ein kleiner Abernathy), Fahrradverleih, (recht teurem) Minimarkt, einer Kartbahn(!) und ähnlichem.

=> Wenn man Wert auf einen Steg legt, ist die La Playita Marina vor Panama City unsere Empfehlung.

La Playita Anchorage

Direkt vor der Einfahrt zur Marina liegt eine kleine Ankerbucht. Diese ist jedoch vom Schwell der Einfahrt zum Panamakanal ebenso betroffen wie von ungemütlicher See bei falschem Wind. Ein dicht vor dem Ufer aus dem Wasser ragender Mast rundet den Eindruck ab.

=> Für die Übernahme des Advisors perfekt, als Liegeplatz nur bei starkem (Nord-)Ostwind empfehlenswert.

Causeway Anchorage

An der Ostseite des sogenannten Causeways, an dessen Ende Amador und die zwei Marinas liegen, findet sich ein großes, intensiv genutztes Bojen- und Ankerfeld. Das hat seinen Grund. Kostenlos und vergleichsweise gut geschützt (außer bei starken östlichen Winden). Allerdings herrscht auch ein gewisser Trubel. Dinghys flitzen zwischen Booten und Anleger umher, von hier liegenden großen (Party-)Katamaranen tönt schon mal Musik. Doch die Aussicht auf Panama City ist genial!

=> Unserer Meinung nach die beste kostenlose Liegemöglichkeit in der Gegend.

Balboa Yacht Club

Der Balboa Yacht Club ist ein Hafen ohne Stege. Man liegt an einer Boje. Die ist kostenpflichtig, aber günstiger als die o.a. Marinas. Die Lage ist mit grandioser Aussicht auf die Puente de Las Américas direkt neben der Einfahrt zum Panamakanal. Das bringt natürlich Schwell mit sich, der sich aber in Grenzen halten soll, da gleich nebenan viele Pilotboote liegen… und da fahren die Jungs dann halt etwas vorsichtiger. Für den Landgang darf nicht das eigene Dinghy benutzt werden, dafür gibt ein einen kostenlosen rund-um-die-Uhr Transportservice.

=> Eine sinnvolle und auch beliebte Mischung aus rudimentärem Service, nicht zuletzt Sicherheit (Kameraüberwachung), zu einem vergleichsweise günstigem Preis.

Wir hatten in der aktuellen Nebensaison keine Probleme, einen Liegeplatz zu bekommen. In der Hauptsaison ist bei den drei kostenpflichtigen Optionen jedoch eine Reservierung angeraten. Wenn man für den Transit einen Agenten bemüht, übernimmt der das normaler Weise gerne. Dann steht entspannten Tagen in Panama City nichts mehr im Weg.

Skippers nervige Überfahrt nach Panama

Anfang Juni 2021

Mit der Wahrnehmung ist das so eine Sache. Der berühmte „Perspektivenwechsel“. Ja, ich habe natürlich auch die schönen und lustigen Erfahrungen gemacht, von denen Samuel berichtet. Doch er spricht ja schon ein paar weniger schöne Dinge an. Trotzdem ist ist das aber nur die halbe Geschichte. Der Rest ist eigentlich eher zum Vergessen.

Vorab mal ganz grundsätzlich der Hinweis, dass wir ja nicht ganz ohne Grund ein Segelboot unser Eigen nennen. Für meinen Geschmack sind wir schon viel zu viel damit gemotort. Aber was soll man machen, wenn es mit nur einer Handvoll Knoten von hinten säuselt. Da ist sie wieder, die Sache mit dem scheinbaren Wind. Wenn es mit fünf Knoten von schräg hinten weht und ich (nur mal theoretisch) mit schlappen drei Knoten fahre, dann haben wir halt nur noch einen scheinbaren Wind von knapp 3 Knoten. Von schräg hinten. Und mit diesem lauen Lüftchen bekomme zumindest ich ein tonnenschweres Fahrtenboot praktisch nicht auf drei Knoten Fahrt. Jetzt lass noch etwas Gegenstrom und einen immer noch hinreichend bewachsenen Rumpf dazukommen. Langer Jammerrede kurzer Sinn. Von Costa Rica nach Panama haben wir knapp 340sm runter gerissen. Komplett unter Motor. Toll!

Wenigstens der Sonnenuntergang…
… weiß mal wieder zu beeindrucken!

Über andere Geschehnisse (der Nacht) habe ich schon ausführlicher berichtet. Unser kleiner, gefiederter Gast ist wirklich süß, wie er da so eingekuschelt döst. Aber dann ist da ja auch noch die wenig erbauliche Begegnung mit so einem unerwünschten Sechsbeiner. Brauch ich nicht wirklich. Ebenso wenig wie Kurswechsel wegen wetterleuchtender Blitze. Herrlich!

Neu dagegen ist der Müll. Ok, wir haben schon in der vermeintlichen Einsamkeit Chiles verschmutze Strände gesehen und leider entdeckt man auch sonst immer mal wieder etwas auf dem Wasser treiben, das dort definitiv nicht hingehört. Doch so schlimm wie vor der Pazifikküste von Panama haben wir das noch nicht sehen müssen. Flaschen, Tüten, Badelatschen und sonstiges Zeug schwimmt hier rum. WARUM???

Der unbestrittene Höhepunkt dieser Erfahrung deutet sich mit Geschwindigkeitsabfall und einer leichten Vibration an. Haben wir uns was in die Schraube geholt? Aufgestoppt, zurück, vor, enge Kurven, zurück… und plötzlich treiben kleine blaue Plastikfetzen vom Heck weg. Ein wenig „Aktion“ später sind es dann die angefetzten Überreste einer großen Plastiktüte gleicher Farbe. Immerhin läuft der Motor nun wieder rund. Doch zu welchem Preis?

Im weiteren Verlauf der Fahrt bemerke ich das Fehlen weiter entfernter AIS-Signale. Dieses ausgesprochen hilfreiche „Automatic Identification System“ kommuniziert über Funk. Auch auf dem Anrufkanal 16 ist es erstaunlich ruhig. Und das, wo wir hier im Einzugsbereich des Panamakanals sind. Moment mal. Kann das sein? Ein spontaner Blick zur Mastspitze klärt auf. Da wo eigentlich unsere Funkantenne sein sollte, herrscht gähnende Leere. Sie ist weg. Einfach so. Na super!

Doch ich möchte positiv enden. Kurz vor Panama City durchfahren wir die gut gefüllte Reede der großen Pötte und bekommen trotz fehlender Antenne zumindest die AIS-Signale der Umgebung zu sehen.

Anfahrt auf die Reede
Hier ist was los (wir sind das schwarze Schiffchen am unteren Rand)

Bei Anfahrt auf unseren geplanten Ankerplatz für die erste Nacht werden wir nicht schlecht überrascht. Das auf die Karte gelegte Radarbild (rot) zeigt unzählige Echos… ganz offensichtlich sind wir hier nicht alleine. Trotzdem finden wir recht schnell ein vernünftiges Eckchen für uns und genießen entspannt den Ausblick auf die nächtliche Skyline von Panama City.

Ganz viele kleine rote Radarecheos…

Insofern ein fast schon versöhnliches Ende der Überfahrt von Costa Rica nach Panama… nicht wahr?! ;-)

Samuels tierische Überfahrt nach Panama

Anfang Juni 2021

Es geht los nach Panama! Der Tank war voll und wenig Wind angesagt. Wir rechneten mit einer langen Motorfahrt. Die Angel ließen wir wie immer im Wasser und hofften auf Fische. Direkt an der Einfahrt von unserem Hafen hatten wir auch einen Biss! Nur leider löste er sich vom Haken, ehe ich bei der Angel war. Der Motor dröhnte, während ich mich an die Schule setzte. Den Tag über sahen wir noch einige Braunpelikane. Mehr aber nicht.

Vor dem ersten vollen Tag auf See, gegen 23Uhr nachts, hatten wir einen Vogel. Nein! Nicht im Kopf, sondern an Bord. Es handelte sich um einen Galápagossturmtaucher.

Wir hatten noch weitere neue Tierarten, zum Beispiel die grünen Meeresschildkröten! Schon morgens um 7:10 Uhr hat Mama eine gesehen. Ich machte Schule, während Maila wieder neben dem Cockpit saß und Musik hörte. Am Abend hatte sie bei der hiesigen Sonne einen Sonnenbrand! Doch um einen Sonnenbrand geht es nicht. Maila sah immer wieder eine Flosse aus dem Wasser kommen. Natürlich mussten wir dort hin. Wir fuhren zu den Flossen und sahen immer wieder grüne Meeresschildkröten. Sie waren etwa 50 cm lang. Als wir bei ihnen waren, sahen wir auch ab und zu ein paar Quallen, die die Schildkröten wahrscheinlich essen wollten.

Gleich die erste muss die Samai natürlich umfahren. Also die Samai die Schildkröte. Das Wasser ist glasklar und die Schildkröte gleitete knapp an unserem Rumpf vorbei. Maila machte sich Sorgen, dass sie unter das Boot gekommen ist und dann vom Propeller verletzt wurde, dem war aber nicht so. Wir fuhren an drei weiteren Schildkröten vorbei, die aber schnell Reißaus nahmen. Die Samai hatte offenbar den Spitznamen Schildkrötenschreck verdient, den wir ihr dann auch gaben.

Mama und Maila sagten, dass eine Libelle bei uns an Bord sei. Kurze Zeit später fanden wir sie tot unter einer Leine liegen.

Kurz darauf sagte Maila: „Delfine voraus!“ wir sahen die Schule und fuhren hin. Die Tiere spielten und wir bestaunten sie. Sie hatten kleine weiße Punkte auf einem dunkeln Körper. Auch einige kleine waren dabei. Aber die waren ausschließlich grau. Als sie weggeschwommen waren, schaute Maila in unserem Delfinbuch nach. Die gepunkteten Delfine waren Schlankdelfine, während die kleinen eher zu einer Große Tümmler Gruppe gehörten, die nicht weit weg von unserem Boot entfernt schwamm.

Es gab dort aber nicht nur Delfine, sondern auch weitere Vögel! Ganz viele Weißbauchtölpel! Wie die, die es in Galápagos gab, nur mit einem weißen Bauch, einem weißen Gesicht und Schnabel und braunem Gefieder. Also im Grunde doch ganz anders, aber es sind Tölpel. Das reicht doch als Gemeinsamkeit.

An diesem Tag sahen wir auch noch eine weitere Delfinschule, die ausschließlich aus Großen Tümmlern bestand. Die begleiteten uns dann eine ganze Weile.

Der Galápagossturmtaucher, der die ganze Strecke hinter unserem linken Steuerrad gesessen und Brot sowie Wasser nicht angerührt hat, wurde von Papa sanft auf einen Teller geschoben und dann hoch genommen. Papa hielt den Teller über Bord und wartete. Der Vogel, der anfangs noch aufgeregt gewankt war setzt sich wieder. Daraufhin wackelte Papa ein wenig mit dem Teller auf und ab. Der Vogel wippt mit und fällt schließlich über Bord. Er gleitet aufs Wasser und treibt nun dort ein wenig. Wir waren nah an einer Inselgruppe dran er hatte also super Chance. Es handelte sich bei dem Vogel ja um einen Hochseevogel.

Der zweite Tag verlief ruhig und langweilig. Die Angel bleib ruhig, nur ein paar Delfine, aber keine Schildkröten waren in Sicht.

Tag drei brach an und die Samai fuhr durch dreckige Gewässer mit viel Plastik. Plötzlich die Angel! Ich stürmte von der Schule an Deck zur Angel und riss den Motorhebel nach hinten. Ich verstärkte die Bremse und holte Leine ein. Der Fisch zog gleichmäßig, aber nicht sehr stark. Ich wunderte mich, weil ich ein solches Verhalten noch nicht kannte. Ich sah hinten wo sich der Hacken befand etwas Schillerndes. Ich holte die Leine schneller ein. Als die Leine ganz eingeholt ist erkenne ich, was wir geangelt haben. Es war kein schwacher Fisch. Es war… eine Plastiktüte. Wir hatten eine Plastiktüte geangelt. Na toll! Aber etwas Gutes hatte dieser Fang schon. Das Meer muss nun mit einer Plastiktüte weniger klar kommen.

Manchmal mache ich auch Spiegeleier zum Frühstück!

Der vierte und letzte Tag unserer Motorfahrt nach Panama brach an. Dort sahen wir auf dem Weg kaum etwas. Fische bissen auch keine an. Schon von weitem sahen wir Panamas Hochhäuser und merkten, wie die Luft schlechter wurde. Dann, kurz bevor wir die auf Reede liegenden Frachter und das eine Kreuzfahrtschiff erreichten… die Angel! Sie zog wieder. Dann hörte sie plötzlich auf. Ich schaute hin und die Angel war gebogen! Der Fisch war definitiv noch dran! Aber wieso wurde keine Leine mehr gezogen? Ich schaltete den Motor runter und der Fisch löste sich vom Haken! Schon wieder nichts. Mist!

Nach genauerer Betrachtung der Angel und besonders der Rolle stellte ich eines missmutig fest. Der Fisch hatte keine Leine mehr ziehen können, weil die Bremse die Angelleine verhakt hatte. Das tat sie seit Neuestem häufiger! Die Bremse an sich hätte den Fisch nicht halten können, aber wenn die Leine verhakt ist, schafft es kein Fisch Leine zu ziehen. Eine sehr gefährliche Angelegenheit für die Angel, die der Kraft vielleicht nicht standhält.

Wieso genau bei der Verhakung die Leine so stark gehalten wird ist mir unbekannt. Ich löste sie und hole die Leine ein. Während des Einholens verhakte sie sich ständig und ich löste auch sie jedes mal. Dann, wo nur noch wenige Meter Leine draußen waren, endgültig. Ich konnte die Verhakung nicht mehr lösen. Papa schaltete den Motor wieder an und schaute sich die Angel an. Die Bremse hatte sich verdreht und ist so dann unlösbar geworden. Er hatte sie wieder richtig hingedreht und befestigt.

Ein paar Pelikane begleiteten unseren Weg noch bis zu unserem Ankerplatz. Dort schalteten wir den Motor aus und erfreuten uns an der Stille!!!

Samuel

Shelter Bay Marina (Bahía Limón)

19. – 22.06.2021

Jedem Segler, der vom Pazifik durch den Panamakanal kommt oder meist dann doch eher eben dorthin fahren will, ist die Shelter Bay Marina ein Begriff. Sie ist am atlantischen Ende des Kanal schlichtweg konkurrenzlos, seit Anfang 2009 der Hafen des traditionsreichen, damals immerhin 81 Jahre alten Panama Canal Yacht Club abgerissen wurde. Auch für uns ist es nach dem erfolgten Transit die logische Anlaufstelle.

Angekommen in der Karibik
… mit Boot!
Blick nach vorne :-(
Blick nach hinten :-)

Positiv anzumerken ist die uns hier entgegenschlagende Professionalität. Die Mitarbeiter sind auf UKW-Kanal 74 empfangsbereit und weisen den Liegeplatz zu. Als wir beim Einfahren gesichtet werden, kommt sofort die Rückfrage, ob wir ein Aluminiumboot sind. Eigentlich wollte man uns neben ein Stahlboot legen, plant das nun jedoch sofort um. Jetzt liegen wir gegenüber einer älteren, wie unsere Samai in Cherbourgh gebauten (Alu-)Garcia. Eddi begrüßt uns überaus freundlich. Er findet sogar einen 220V/16A-Eurostecker-Anschluss für unseren Landstrom. Den Check-In können wir morgen machen. Kein Problem. Letztlich reicht sogar der darauf folgende Montag. Dazu bekommen wir nach dem Check-In sogar noch ein T-Shirt geschenkt!

Die Ausstattung kann sich im Vergleich zu unseren Erfahrungen der letzten Monate auch sehen lassen. Es gibt ein Restaurant, Pool, Minimarkt, kleinen Bootshändler und noch ein paar Dinge mehr. Wir bekommen sogar unseren dringend gesuchten Panama Cruising Guide (… doch davon ein anderes Mal). Uber-Fahrer gibt es hier in der recht abgelegenen Gegend zwar nicht, aber Eddi kümmert sich gerne um zuverlässige(!) Taxifahrer.

Pool und Restaurant
Minimarkt und Chandler

Der Preis für all das ist jetzt nicht gerade günstig. Zumindest für kürzere Aufenthalte. In den ersten sechs Tagen zahlen kleine Einrümpfer wie wir immerhin 1,25$ pro Tag und Fuß… wie immer in Panama plus Steuern. Inklusive Wasser, zuzüglich Strom. Das ist aber immer noch billiger als jede Liegeoption an einem Steg auf pazifischer Seite. Dazu geben lange Liegezeiten Rabatt. Würden wir über 90 Tage bleiben, wären es „nur“ noch 45Ct. pro Tag und Fuß.

Voller Steg…

Dementsprechend viele Langzeitlieger sind hier auch versammelt. Denn der Hafen ist wirklich groß. Zumindest im Vergleich zu unseren Erfahrungen der letzten Monate. Wir haben den äußeren Liegeplatz E47… alleine an unserem (fünften von sechs) Steg(en) haben also fast 50 Boote Platz. Auch wenn es einige freie Boxen gibt, spüren wir die Nachteile solch großer Anlagen. Auf dem Nachbarboot rauscht nahezu 24/7 eine Klimaanlage, um 8 Uhr geht ein anderer Nachbar mit dem Hochdruckreiniger an seine Segel und am Pool werfen rücksichtsvolle Menschen gerne mal ihre Soundanlage an. Wer es mag…

Badespaß!

Natürlich hätten wir in diesem Hafen die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Seglern. Schnell wird uns berichtet, dass an den Stegen ein paar deutsche Boote liegen. Hier ein Pärchen, dort ein Pärchen… und damit wird ein Grundsatzproblem deutlich. Wir sind nun mal nicht das typische segelnde (Ehe-)Paar, das ihre ein- bzw. zweisamen Tage an Bord (Achtung: Vorurteil!) mit Lesen und Müßiggang verbringt und daher regelmäßige Abwechslung, Unterhaltung und Austausch mit anderen segelnden Paaren sucht… die man möglichst noch in den nächsten Häfen und Buchten wiedertreffen kann. Wir sind nun mal eine Familie. Das sorgt einerseits dafür, dass uns hier an Bord rund um die Uhr nicht so schnell langweilig wird. Andererseits wäre es unserem Nachwuchs gegenüber alles andere als nett, wenn sich die Eltern regelmäßig für „langweiliges Erwachsenenzeug“ von Bord schleichen. Irgendwie sind das dann wohl doch zwei Welten?!

Dieses Motto kann der Skipper bedenkenlos unterschreiben!

Drei Tage halten wir es hier aus. Obwohl das natürlich etwas zu negativ klingt. Die Kinder gehen mit La Skipper in den Pool und der Skipper schont seinen leider angeschlagenen Fuß. Doch dann reicht es auch. Wir werfen die Leinen los… weiter an Panamas Atlantikküste Richtung Osten.

Abfahrt aus der Shelter Bay Marina vorbei an Mangroven.
Adiós!

Durch den Panamakanal

19. Juni 2021

Boah ist das früh! Nach knapp vier Stunden leidlichem Schlaf pellt sich die Crew von der Matratze. Bettdecken benutzen wir hier schon lange nicht mehr. Kurz vor 4 Uhr sind alle an Bord und mit insgesamt sieben Personen auf der Samai nehmen wir im Fahrwasser Kurs Nord.

Die Samai im offiziellen Kanalplan des Tages

Mit dem Bau des im Jahre 1914 eröffneten Panamakanals wurden alle Landbrücken zwischen Nord- und Südamerika abgebrochen. Heute verbinden lediglich drei Brücken die Kontinente. Zwei davon stehen auf der Pazifikseite. Als ersten unterqueren wir die 1962 in Betrieb genommene Puente de Las Américas, auf der nach Ende der nächtlichen Ausgangssperre allmählich der Verkehr zu Rollen beginnt. Wir fahren entspannt durch den großen Industriehafen „Puerto de Balboa“ zur ersten Schleuse. Für die meisten Segler ist die Esclusa Miraflores das ersehnte Tor zum Pazifik. Für uns ist es dagegen der definitive Schritt zurück Richtung Europa. Perspektivenwechsel.

Esclusa Miraflores voraus
Blick zurück auf die Puente de Las Americas

Um halb sechs geht es los. Die Tore stehen offen und wir fahren hinter dem Chemietanker „Navig8 Goal“ (sic!) in die erste der insgesamt sechs Schleusen, die heute auf dem Programm stehen. Noch wissen wir nicht, wie genau wir geschleust werden. Es gibt grundsätzlich vier Optionen:

  • Längsseits an der Wand: Das sollte man eigentlich nicht machen. Die Wände sind rau, das Wasser steigt/fällt schnell und es gibt starke Wirbel. All das macht diese Option wenig komfortabel.
  • Längsseits an einem Schlepper: Hierbei handelt es sich dagegen um die bequemste Variante. Zwei Leinen und eine kurz Spring halten das Boot am privaten Schwimmsteg.
  • Alleine mittig in der Schleuse: Bei dieser Option bekommt man bei der Einfahrt insgesamt vier dünne Leinen mit erstaunlich schweren „Affenfäusten“ zugeworfen. Diese Knoten sind im Grunde nichts weiter als ein Wurfgewicht, dem man jedoch tunlichst ausweichen sollte. Je nachdem wo sie aufkommen, kann das ganz schön knallen. Mit diesen dünnen Leinen werden dann die vier dicken, langen Leinen an Land gezogen und belegt. An jeder Ecke steht ein Linehandler und trägt die Verantwortung für seine Leine. Der Advisor koordiniert das Ziehen und Fieren, so dass das Boot möglichst mittig und sicher in der Schleuse steht. Der Skipper hat bei dieser Option den entspanntesten Job… zurücklehnen und zuschauen.
  • Päckchen mittig in der Schleuse: Letztlich ist es ganz ähnlich wie die letzte Option. Nur dass sich hier nicht ein Boot mit vier dicken Leinen in der Schleusenmitte hält. Stattdessen werden meist drei Boote im Paket zusammengebunden. Das in der Mitte fährt, die Seiten kümmern sich um je zwei Leinen. In der Hauptsaison die einzige Möglichkeit, ausreichend Segler durchzuschleusen. Wir machen unsere Passage jedoch alleine.

Wir haben Glück. Bei Einfahrt in die erste Schleusenkammer wartet schon ein Schlepper auf uns. Ranfahren, Leinen über und entspannen. Da es sich um eine Doppelschleuse handelt, wiederholt sich das Spiel auch bei Nummer 2 von 6. Für den Anfang ist das ganz gut so. Die Miraflores-Schleusen überwinden je nach Wasserstand eine Höhe von 13-20m. Das machen sie in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Das Wasser drückt mit aller Macht und erzeugt Wirbel.

Das Tor zum Pazifik schließt sich :-(

Als dann der große Pott vor uns den Gang einlegt, kommt so richtig Druck aufs Ruder. Dabei muss er seine 183m ja gar nicht alleine voranbringen. An der Seite kaum einen Meter Platz, wird der Tanker von vier Treidelloks gezogen.

Mit Treidelloks und etwas Schraube…
Rechts das zurzeit geschlossene Miraflores-Besucherzentrum
2 von 6 sind geschafft!

In der folgenden Esclusa de Pedro Miguel wird es dann ernst. Der Schlepper bleibt zurück. Wir fahren erst an die linke Wand und bekommen zwei Affenfäuste übergeworfen. Dann noch zwei an der rechten Wand. Eine trifft den Mast, der laut schallt. Unser Advisor ist jedoch so umsichtig, alle Geschosse auf das Vordeck werfen zu lassen. So besteht keine Gefahr für empfindliche Gerätschaften am Heck (Antennen, Windgenerator, Sprayhoodscheiben…)

Da machen lange Leinen Sinn!

Was folgt ist für die Linehandler echte Arbeit. Die schweren Leinen müssen auf dem Weg nach oben immer wieder dicht geholt werden. Wirbel versetzen das Boot. Unser Advisor Rick behält den Überblick und dirigiert ebenso meisterlich wie entspannt. Hier kommt seine ganze Erfahrung von mehr als sagenhaften 1.000 Kanaltransits auf verschiedensten Segelbooten zum Vorschein.

Der Platz des Skippers ist hinter dem Steuer…
Die Jungs am Bug haben den schwersten Job
Mit einem guten Team läuft das ganz entspannt (besonders für den Skipper ;-)

Nach gut einer Stunde, um 7:40 Uhr sind wir auf der Pazifikseite hochgeschleust. Wir unterqueren die 2004 eröffnete Puente Centenario. Vor uns liegen 25 Seemeilen entspannte Motorfahrt durch Kanal und künstlichen Gatún See. Jetzt erst einmal ein schönes Frühstück!

Unter der Puente Centenario werden wir überholt.

Am Anfang ist es fast wie auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Nur ist das Ufer nicht von Radweg, norddeutschen Häuschen und gemähtem Rasen gesäumt, sondern von Dschungel. Die Sonne scheint. Gemütlich tuckern wir mit 5-6 Knoten voran.

Dschungel säumt das Ufer

Nach einiger Zeit passieren wir Gamboa. Hier liegen Baggerschiffe und Schlepper auf Abruf. Es gibt sogar ein 5-Sterne-Hotel mit Dschungelfeeling. In Gamboa endet dann auch die Straße aus Panama City. Das Ufer wird natürlicher. Hin und wieder sieht man kleine Häuschen einer Lodge. Immer mal wieder rasen kleine Motorboote mit Menschen in Rettungswesten vorbei. Touristen, die den Reiz des Panamalkanals mit einer Dschungelfahrt kombinieren. So geht es einmal quer durch das schmale Land.

Mitten in Panama
Zeit für einen gemütlichen Plausch

Allmählich wird es breiter. Der Gatún See öffnet sich. Wir würden gerne den reizvollen Banana Channel fahren. Ein enges Fahrwasser, dass sich an die einstigen Bergspitzen schmiegt, welche nun Inseln sind. Doch leider ist er gesperrt. Dicht unter der Oberfläche treiben Baumstämme. Eine Gefahr für Rumpf und vor allem Propeller. So bleibt die Samai auf dem Hauptfahrwasser.

Den Banana Channel dürfen wir nicht nehmen

Wir kommen gut voran und erreichen die Atlantikseite deutlich vor unserem designierten Schleusenpartner. Vielleicht schaffen wir ja eine frühere Option? Doch die „Hyundai Dubai“ wartet nicht auf uns. So fahren wir nun also Kreise und essen erst einmal gemütlich Mittag.

Zwei Stunden später, kurz vor drei Uhr, geht es auch für uns endlich weiter. Wir liegen zusammen mit der „Doric“ in der ersten Kammer der Esclusas de Gatún auf Atlantikseite. Wieder haben wir das Glück, mit einem Schlepper durchzufahren. Dazu liegen wir nun vor dem Frachter. Damit bleiben uns die Verwirbelungen der Schraube erspart.

Unser Schleusenpartner runter zum Atlantik

Die dritte und letzte Schleusenkammer hat es trotzdem in sich. Kräftige Wirbel und Ströme versetzen uns teils meterweise Richtung Wand. Als wir fest sind meint Rick, dass das bei der letzten Kammer immer so sei. Mehr als hier noch auf der Pazifikseite. „Sorry, I should have told you!“. Na ist ja nichts passiert.

Oben…
… unten!
Entspannt am Schlepper
Die Treidelloks schaffen auch Steigung
Atlantik voraus!

Das letzte Tor öffnet sich und vor uns liegt die Karibik. Sehnsuchtsziel vieler Segler. Tja, nun ist also auch die Samai hier. Wir unterqueren noch die gerade erst 2019 eröffnete Puente Atlántico. Ein Pilotboot kommt ran und nimmt unseren Advisor auf. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Rick! Professionell, entspannt und immer freundlich führtest du uns durch den Kanal. Es war eine Freude, dich an Bord zu haben!

Puente Atlántico achteraus…

Weiter geht es zur Shelter Bay Marina. Für die meisten der Ausgangs-, für uns der Endpunkt des kleinen Abenteuers Panamakanal. Wir haben uns angekündigt und werden erwartet. Bei der Einfahrt gehen unsere Augen auf. Eine derartig voll gepackte Marina, so viele Segelboote auf einem Fleck haben wir nicht mehr gesehen seit… ja seit wann eigentlich? Es war wohl 2019 irgendwo in Europa. Willkommen in der Karibik?!

Professionell werden wir eingewiesen. Motor aus. Geschafft. Nun heißt es Abschied nehmen. Noch einmal vielen Dank an Rudi und Natalija. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel lieber wir mit euch, als mit „irgendwelchen pseudo-professionellen Linehandlern“ durch den Kanal gefahren sind. Es war eine Riesenfreude, euch an Bord zu haben!

Tolles Team!

Ja, wir sind in der Karibik. Schon der erste Hafen ist eine Art nicht wirklich genossener Kulturschock. Ja, es ist nett hier. Sogar mit Swimmingpool. Trotzdem fühlt es sich komisch an. Auch deswegen versuchen wir uns treu zu bleiben und die allzu ausgetrampelten Pfade zu meiden. Hoffentlich gelingt es uns…