Samuel schnorchelt im Swimming Pool

3. Juli 2021

In einem Swimming Pool sieht man doch keine Tiere. Werdet ihr vielleicht denken. Das stimmt auch, nur liegt die Samai ja nicht in einem Swimming Pool sondern in einer Bucht. Sie heißt ganz zufälligerweise Swimming Pool. In Buchten gibt es auch mehr Tiere, über die ich berichten kann als in einem Swimming Pool.

Begonnen hat alles mit dem ersten Schnorcheln. Ich steige ins Wasser und tauche die drei Meter bis zum Grund. Dort liegen riesige Muscheln.

Als Maila und Mama ebenfalls reinkommen wollen, sehe ich eine Bewegung. Ich drehe mich zu ihr um und mein Puls wird schneller. Das Adrenalin durchflutet meinen Körper und ich kriege nur noch schwer Luft. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken, aber meine Gedanken rasen. Vor meinen Augen schwimmt ein Hai entlang. Er hat eine lange Schnauze und einen sehr dicken Bauch. Sein Schwanz wird dann wieder dünn. Er sieht äußerst unförmig aus und gar nicht wie die Haie auf Galápagos. Dort wurde uns auch gesagt, dass die Haie nichts tun würden. Hier weiß ich das nicht.

Der Hai umkreist unser Boot. Ich habe bereits ein paar Bücher über Haie gelesen und weiß, dass man sich ruhig verhalten soll. Genau das tue ich auch. Die Kamera habe ich leider nicht mit unter Wasser, sodass ich kein Bild machen kann. Als die Kamera endlich da ist, ist der Hai wie vom Meer verschluckt. Papa kommt auch noch mit rein und findet den Hai. Er erzählt uns im Nachhinein davon. Währenddessen bin ich immer wieder hinuntergetaucht um die Muscheln und die dort lebenden Fische zu fotografieren.

Als wir von Land abgewiesen wurden, sind wir zu einem Korallenriff gefahren, das auch noch im „Swimming Pool“ liegt. Papa und ich wurden von den Frauen zu dem Riff gebracht und sind abgesprungen. Uns empfängt ein eher trostloser, sandiger Anblick. Das Korallenriff liegt ja auch noch etwa 20 Meter neben uns. Die Kamera ist bei diesem Schnorchelgang fast im Dauereinsatz. Wir sehen Fische, die zur sogenannte Gruppe der Grunzer gehören. Auch viele andere kleinere Fische.

Wir schwimmen gegen die Strömung und entdecken plötzlich einen Rochen. Maila hat auch schon am Vortag einige Rochen am Meeresgrund gesehen, aber die waren mehr bräunlich. Der jetzt war schwarz mit hunderten weißen Punkten. Einen solchen Rochen haben wir schon mal gesehen. In der Mangrovenfahrt auf Galápagos. Maya hat in dem Zusammenhang den Namen Adlerrochen erwähnt. Einen solchen Rochen haben wir auch jetzt vor uns. Er gleitet elegant durch das Wasser. Am Anfang seines Schwanzes befindet sich ein Giftstachel, der deutlich zu sehen war. Ich knipse Fotos und mache Videos.

Großer Rochen vom Boot aus
Adlerrochen beim Schnorcheln

Als er uns wieder verlassen hat, lassen wir uns mit der Strömung zurücktreiben. Plötzlich sehe ich eine Koralle am Boden, die die Form eines Riffhais hat. Ich deute darauf und die Koralle bewegt sich. Es war offenbar doch keine Koralle sondern ein echter Riffhai, der sich auf dem Meeresboden ausgeruht hat.

Er schwimmt weg und wir tun es ihm gleich. Der Weg zur Samai ist nicht so weit, weshalb wir zurück schwimmen. Auf dem Rückweg sehen wir einen Schwarm kleiner Kalmare sowie am Boden einige Seegurken oder so etwas in der Art.

Zum Schluss dieses Artikels möchte ich noch einige Informationen über die Tiere geben, die wir ohne Zweifel identifizieren können.

Adlerrochen: Der Adlerrochen zählt zur Gattung der Aetobatus und zu dem Stechrochenartigen. Das Verbreitungsgebiet der Adlerrochen ist Weltweit in allen tropischen und subtropischen Meeren

Riffhai: Es gibt vier Arten von Riffhaien. Den Grauen Riffhai, Karibischen Riffhai, den Weiß- und Schwarzspitzen-Riffhai. Alle Arten bis auf den Weißspitzen-Riffhai gehören zur Gattung der Carcharhinus. Der Weißspitzen-Riffhai gehört zur Gattung der Triaenodonen und wie die anderen drei Riffhaiarten zur Ordnung der Grundhaie. Sie alle werden auch zur Familie der Requiemhaie gezählt.

Unser Schnorchelgang im Swimming Pool war also durchaus mit einigen Schockmomenten verbunden, aber das Gefühl mit einem Hai zu Schwimmen ist einmalig!

Samuel

Holandes Cays – Teurer Swimming Pool

2. – 4. Juli 2021

Die der Küste am weitesten vorgelagerten Holandes Cays, eine Gruppe von 21 durch ein 7sm-Riff gut geschützter Inseln, versprechen klares Wasser, natürliche Schönheit und einfache Navigation. Das macht sie entsprechend beliebt. Trotzdem wollen wir den am östlichen Rand gelegenen „Swimming Pool Anchorage“ einen Besuch abstatten. Angeblich ist das der beliebteste Ankerplatz des gesamten San Blas Archipels! Er liegt direkt vor der sogenannten BBQ-Island, die ihren Namen von regelmäßigen Grillabenden hier liegender Crews hat. Dafür stehe sogar ein aus Rumpfresten einer bei Nacht ein- und dabei aufgelaufenen Yacht bestehender Tisch bereit. Soweit die Theorie.

Sonnige Anfahrt…
gleich dahinter liegt das Ziel!

Bei unserer Ankunft sind wir das vierte Boot im Swimming Pool. Nach kurzer Rumpf-Streicheleinheit einer sandig-flachen Untiefe finden wir einen schönen Platz. Der Anker sitzt noch nicht fest, da nimmt schon ein Kuna-Kanu Kurs auf uns. Kurz danach liegt es längsseits und verlangt Ankergebühr. Wir sollen 10$ bezahlen. Dafür dürfen wir dann auch einen ganzen Monat bei den Holandes Cays ankern. Das ist der zu bezahlende Mindestzeitraum. Immerhin bekommen wir eine schöne Quittung. Super.

Teurer Ankerplatz

Wenn wir schon in einem Swimming Pool sind, dann gehen wir natürlich auch schnorcheln. Leider sind unsere Mädels beim Ausflug zum Riff nicht dabei. Maila hat sich eine Ohrentzündung eingefangen und muss ausgerechnet hier und jetzt den Kopf über Wasser halten. Aber wahrscheinlich hätten ihr unsere Sichtungen ohnehin nicht behagt. Doch davon erzählt Samuel das nächste Mal mehr.

Natürlich wollen wir auch einen Ausflug zur BBQ-Insel machen. Dass sich darauf inzwischen mehrere Häuser befinden lässt jedoch ahnen, dass auch hier „moderne Zeiten“ Einzug gehalten haben. So ist es. Wir ziehen noch das Dinghy im flachen Wasser Richtung Strand, da kommt auch schon ein älterer Kuna-Mann auf uns zu. 3$ Strandnutzungsgebühr. Pro Person versteht sich. Mal ganz abgesehen davon, dass wir kein Geld dabei haben, schwindet spontan die Lust auf einen Spaziergang. Wir drehen ab. Ich vermute mal, dass die Zeiten der gemütlichen Grillabende auf BBQ-Island der Vergangenheit angehören. Den „Tisch“ haben wir jedenfalls nicht gesehen. Schade eigentlich…

Schöne Sonnenuntergänge gibt es hier überall gratis! :-)

Zusammenfassend war der Swimming Pool (abgesehen vom Schnorchelausflug der Jungs) eine Enttäuschung. Vielleicht sind die offensichtlich recht neuen Entwicklungen aber auch der Grund, warum es letztlich doch recht leer ist. Uns hält jedenfalls wenig. Mit der Samai verlässt ein anderer Katamaran die Bucht und nur ein einziger Segler verbleibt vor Anker. In der angeblich beliebtesten Bucht des gesamten Archipels. Zufall in der Regenzeit oder doch Resultat monetärer, äh… moderner Zeiten?

Adiós!

Eastern Lemmon Cays – Meer und Müll

30. Juni – 2. Juli 2021

Die östlichen Lemmon Cays halten mit dem Wrack bei Dog Island einen touristischen Hotspot bereit, den auch wir uns nicht entgehen lassen können. Der Revierführer schlägt vor, südlich davon vor dem Strand zu ankern. Auf dem AIS sehen wir dort auch immer mal wieder andere Boote. Bei den aktuell südlichen Winden gefällt mir das jedoch nicht wirklich. Warum schaukeln, wenn direkt auf der anderen Seite eine kleine Bucht lockt. Ok, eine Detailkarte oder gar Wegpunkte gibt es nicht. Ein Luftbild sieht jedoch vielversprechend aus. So hangeln wir uns am nördlichen Riff der schmalen Durchfahrt entlang und haben tatsächlich immer mindestens 5m Wassertiefe!

Dahinter öffnet sich fast kreisrund eine bis zu gut 10m tiefe Mulde von etwa 80m Durchmesser. Mitten rein werfen wir den Anker und geben (nur!) 30m Kette. Für diese Wassertiefe eigentlich viel zu wenig, aber wir wollen ja nicht auf ein Flach schwoien. Ganz klar nicht mehr als ein Tagesankerplatz bei ruhigen Bedingungen. Für jetzt also perfekt. Wie auch der Schnorchelgang, von dem Samuel ja schon berichtet hat.

Danach fahren wir immer brav der empfohlenen Route folgend in großem Bogen weiter in Richtung der vor einigen Tagen verworfenen Yansaladup. Zwar liegt nur ein anderes Boot in der Nähe dieser offiziell bewohnten Insel, doch der Skipper möchte mal wieder weiter. „An average yacht can be taken all the way to Misdup through the coral studded-lagoon.“

Da hinten liegt unser Ankerplatz bei Misdup

Wir halten uns an die erprobte Prozedur: Wegpunkte doppelt geprüft im Plotter, Samuel auf der ersten Saling, hochstehende Sonne und langsame Fahrt voraus. Wieder geben nur Verfärbungen im Wasser Hinweise auf Flachstellen und Riffe. Am Ziel werfen wir weit weg von der nächsten Insel, gefühlt mitten im Nirgendwo den Anker. Um uns herum springen Fische, doch zaghafte Angelversuche sind leider nicht von Erfolg gekrönt. Während sich etwas entfernt gut ein halbes Dutzend Boote am „popular anchorage“ tummeln, genießen wir die Ruhe.

Blick auf „popular anchorage“
Wir genießen die Ruhe

Doch die Nähe der „Zivilisation“ holt uns auch hier schnell ein. Immer wieder treiben Inseln von abgerissenen Pflanzenteilen (nicht weiter schlimm) und Plastikmüll (Grmpf) an uns vorbei. Die Zusammenstellung deutet wahrlich nicht auf typischen Schiffsabfall hin. Ein paar besonders schöne Exemplare (z.B. einen nahezu leerer Kanister Motorkühlmittel) fischen wir heraus, doch das meiste müssen wir (auch platzbedingt) weitertreiben lassen. Man sollte meinen, dass ein Volk, das am, im und vom Meer lebt ein wenig aufmerksamer mit seiner wichtigsten Ressource umgeht. Doch es sind halt auch „nur Menschen“…

Nicht weit entfernt ragen die spärlichen Reste einer Hütte aus dem Wasser. Der Plotter verzeichnet dort noch eine Insel, doch die ist inzwischen wohl Geschichte. Mit dem Dinghy fahren wir rüber. Der in stoischer Ruhe auf einem Holz sitzende Vogel zeigt sich von uns völlig unbeeindruckt. Derweil laufen wir meist nicht einmal knietief über den sandig-steinigen Grund mitten im Meer. Die Kinder finden ein paar schöne Muscheln und große Seeigelgehäuse.

Samuel: Kurz bevor wir weiterfahren wollen, findet Mama noch eine Muschel. Weil sie sich nicht traut sie aufzuheben, werde ich gerufen und hebe sie auf. Sofort steigt uns ein beißender Gestank in die Nase. Wir spülen die Muschel aus und eine brauen Flüssigkeit, die einen verwesenden Geruch hat, kommt heraus. Wir entscheiden uns, diese Muschel dem Meer zurückzugeben.

Idylle pur.

Hmmm…

Einen zweiten kurzen Stopp machen wir bei einer Sandbank. Abrupt steigt der Meeresboden von fast 10m auf unter 1m. Feinster Sand unter unseren Füßen. Ohne die leider wieder herantreibenden Plastikreste wäre es perfekt.

Jetzt aber lieber schnell zurück zur Samai!

Doch viel Zeit bleibt uns ohnehin nicht. Der Blick zur südlichen Küste verheißt nichts Gutes. Dunkel zieht die Wetterfront heran. Auf dichter vorgelagerten Inseln regnet es schon. So machen wir uns recht schnell auf zur (inzwischen wieder moskitobefreiten) Samai. Morgen geht es weiter. Es gibt noch viel zu entdecken.

Auch bei der Ausfahrt…
… ist eines absolut unverzichtbar:
Ein zuverlässiger Ausguck!

Samuel schnorchelt am Wrack

30. Juni 2021

Ist das nicht gefährlich? Und solche Wracks liegen doch normalerweise tief auf dem Meeresboden wie man es aus Filmen kennt, oder? Doch, es kann schon gefährlich sein, aber nein, das Wrack ist nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche. Es ist 1925 gesunken, als es einen Wassereinbruch gab. Die Pumpen haben das Wasser nicht mehr abpumpen können. Der Kapitän des Schiffes hat Vollgas gegeben und das Schiff auf den Strand gesetzt. Die Fracht konnte dann noch gerettet werden, das Schiff war gesunken. Aber das nur nebenbei.

In dem Reiseführer, den wir gekauft haben, steht ein Ankerplatz, der Papa nicht gefällt. Wir umrunden die Insel und sehen eine Einfahrt. Allerdings ist die Einfahrt eng und wir haben keine Wegpunkte. Ich werde wieder auf die Saling geschickt und wir fahren hinein. Mama ist die ganze Zeit am Meckern, weil das für uns zu eng wäre. Wir zirkeln uns durch die Engstelle, werfen den Anker in einem tieferen Bereich und gehen mit Schnorchelausrüstung ins Wasser. Die neue GoPro9 ist auch dabei.

Vorher hat Papa eine Bewegung im Riff querab von uns wahrgenommen. Er fotografiert und wir denken, dass es ein Krebs ist. Maila ist nicht begeistert. Später stellt sich heraus, dass es doch nur eine Pflanze ist.

Danach sind wir dann zum Wrack geschnorchelt. Auf dem Weg tauchen wir über ein Korallenriff. Es ist recht einfarbig, aber immerhin entdecken wir erste Hirnkorallen und einige Fische. Rund um das Wrack ist es sandig. Wir tauchen über die Sandstrecke und erblicken das Wrack. Es ist übersät mit Hirnkorallen und auf den Hirnkorallen sind haufenweise Weihnachtsbaumwürmer. Maila ist begeistert. Mama kennt die gar nicht. Um die Korallen herum schwimmen lauter Fische in den verschiedensten Farben.

Plötzlich bewegt sich etwas. Ich schaue genauer hin und zücke die neue Unterwasserkamera. Es ist eine große Krabbe. Sie sieht fast aus wie eine Königskrabbe, ist aber wahrscheinlich doch keine. Ich zeige sie Maila. Sie erschrickt und weicht zurück. Als ich mich wieder zurückdrehe um die Krabbe zu fotografieren, ist sie wie vom Erdboden oder vom Wrack verschluckt. Sie war rot mit Auswüchsen. Ich schätze ihre Beinweite auf ca. 30 cm.

Wir sehen auch noch viele andere Fische. Die meisten kenne ich nicht. Nur den Zebrafisch erkenne ich. Es ist grau gelb gestreift und ich habe ihn bereits beim Abkratzen der Schraube in Ecuador gesehen.

Wir umrunden das Wrack mehrmals und entdecken einen Fisch am Boden, der vorne am Kopf hornartige Auswüchse hat. Vor seiner Schwanzflosse sind auch noch zwei. Seine Färbung ist gelblich mit in der Sonne blau leuchtenden Streifen.

Kuhfisch / kleiner gehörnter Kofferfisch

Ein anderer Fisch, der gut getarnt ist, liegt regungslos am Boden. Er ist langgestreckt und hat eine gescheckte Färbung. Seine Grundfarbe ist die des Sandes mit braunen Punkten. Super Tarnung.

Eidechsenfisch

Wir sehen außerdem kleine Fischchen, die gerade mal zwei Zentimeter lang sind, einen gelben Bauch und einen blauen Rücken haben.

Damselfish

Ein etwas größerer Fisch ist ganz gelb mit blauen Augenringen.

Grunzer

Dann arbeiten wir uns in der Größe mal hoch. Ein etwa fünf Zentimeter großer Fisch hat einen grell hellblauen Kopf, dahinter einen schwarzen Streifen, wieder einen Stelle mit diesem blau und dann noch ein schwarzer Streifen. Der Rest des Fisches ist schillernd türkis. Ein echt überaus hübscher Fisch. Man muss aber sagen, dass es einen Hübscheren gibt!

Blaukopfjunker

Ein ähnlich großer, aber deutlich höherer Fisch ist dunkelblau mit hellblauen Flossen, die in der Sonne schimmern.

Doktorfisch

Wieder in der Größe gibt es einen Schwarmfisch, der hier wohnt. Es handelt sich um graue Fische mit einer gelben Schwanzflosse und einem gelben Seitenlinienorgan.

Yellowtailsnapper

Kommen wir nun zu den großen Fischen. Sie haben ein deutlich sichtbares Schuppenmuster und einen knallroten Bauch. Ihre Rückenflosse war auch leicht rötlich.

Papageifisch-Weibchen (Stoplight-Parrotfish)

Auf dem Rückweg habe ich auch noch eine Seenadel gesehen, die sich in einem Strauch versteckt hat, den man eher an Land vermutet.

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Das waren die hübschesten der Fische die wir gesehen haben. Noch mehr will ich jetzt nicht beschreiben. Wie sagt man so schön? Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Blaurücken-Stachelmakrele
Vieraugen-Falterfisch

Ein Hinweis zum Schluss: Wir würden uns sehr über Kommentare freuen, in denen wir erfahren, welche Fischarten genau wir gesehen haben. Auch über andere Kommentare freuen wir uns natürlich!

Samuel

Lemmon Cays – Mangroven und Moskitos

28. – 30. Juni 2021

Eigentlich soll es heute zu einem gleich südlich gelegenen Ankerplatz vor Yansaladup gehen. Zur Erinnerung: Dup = Insel. Dann sehen wir aber, dass das (bei dem beobachteten Anlegemanöver mutmaßlich Charter-)Katamaranduo „Habibi“ und „Zhing“ dort ankern. Die zwei kennen wir schon von der Linton Bay Marina. Ich sage mal „rücksichtsvoll-freundlich“ geht anders (mittelmäßige Sax-Begleitung zu lauter Konservenmusik, grußlos auf dem Steg…). Kurz und gut: Planänderung.

Maila steuert uns sicher aus den Chichime Cays!

Wir ziehen die wenige Meilen südwestlich liegenden „Lemmon Cays“ vor. Auch hier gibt es einen vergleichsweise leicht anzusteuernden und dementsprechend beliebten Ankerplatz, auf dem sich schon einige Boote tummeln. Da lockt eine kleine, perfekt geschützte, von Mangroven umgebene Bucht bei Iskardup schon eher. „Few will venture here because of the complicated approach.“ Der Skipper lächelt leise in sich hinein. Auf diese Ecke habe ich von Anfang an ein Auge geworfen. Jetzt bekomme ich den Segen der Familie.

Geschützte kleine Bucht!

Die Wegpunkte sind im Plotter und doppelt geprüft, die Sonne steht hoch und Samuel klettert auf die erste Saling in den Ausguck. So tasten wir uns den engen Kanal zwischen den Flachs hindurch. Uns bleiben dabei mindestens 3m Wasser unter dem Rumpf. Das reicht locker. Am einsamen Ziel angekommen werfen wir den Anker einfach mitten in die hier 10m tiefe Bucht und geben ausreichend Kette.

Samuel findet den Weg…

Der Motor ist noch nicht aus, da umschwirren uns schon zwei kleine Kuna-Boote. Ein älterer Mann erzählt was vom Anker, doch so richtig verstehe ich ihn nicht. Unverrichteter Dinge zieht er wieder ab. Erst ein paar Tage später dämmert mir, was er eigentlich wollte. Im anderen Boot sitzen zwei Frauen mit drei verkaufs-psychologisch wohlplatzierten Kindern. Ihr Anliegen ist offensichtlich. Sie bieten uns bestickte Hemden, Armbänder, Mundschutz(!) und einiges andere an. Ok, die selbstgenähte Fahne der Guna Yala fehlt uns als Gastlandflagge unter der rechten Saling. Aber 15$ sind mir zu viel. Sie fragen nach ein paar Keksen für die Kinder. Dem kommen wir natürlich gerne nach. Und schon sinkt auch der Preis der Flagge auf zwar immer noch überteuerte, aber halbwegs darstellbare 10$. Nun wehen also die insbesondere aus Sicht der indigenen Bevölkerung „richtigen Farben“ an der Samai.

Wir bekommen noch weiteren Besuch. Zunächst schaut „Mola Lisa“ vorbei. Eine Mola ist DAS typische Souvenir von Guna Yala. In Handarbeit werden mehrere Lagen bunter Stoff zu einem rechteckigen Kunstwerk vernäht. Geometrische Muster sind klassisch, heute werden aber oft auch Tiere und andere moderne Motive verwendet. Die längsseits gegangene „Mola-Meisterin“ verweist stolz auf ihr Bild im Revierführer und präsentiert ihre reichhaltige Auswahl. Wir entscheiden uns für ein klassisches und zwei tierische Motive, bekommen einen kleinen Mengenrabatt und haken den Punkt „Guna Yala Souvenir“ von unserer imaginären Liste ab. Sehr zum Leidwesen eines anderen, kurze Zeit später vorbeischauenden „Mola-Meisters“, der bei uns nun leider leer ausgeht.

Mola Lisa

Ansonsten bekommen wir immer wieder Langusten angeboten. Dieser kulinarische Leckerbissen stößt allerdings nur bei der halben Crew auf Gegenliebe, weshalb wir dankend ablehnen. Anders dagegen, als ein älterer Mann uns drei Fische anbietet. Wir einigen uns auf 5$ und sichtlich erfreut macht er sich noch mit der Machete daran, seinen Fang für uns zu entschuppen. Vielen Dank!

Der Pelikan bekommt nichts von uns ab :-)

Mit aufblasbarer Badeplattform und Schnorcheln erkunden wir die Bucht. Dabei halten wir uns jedoch von dieser kahlen Stelle in den Mangroven fern. Zuerst denken wir an angespülten Meeresmüll. Doch dann sehen wir einen Kuna vorbeipaddeln und einen vollen Plastikbeutel an Land werfen. Also doch eine „wilde“(?!) Müllkippe. Erstmals kommen ernsthafte Zweifel am gerne gezeichneten Bild der naturverbundenen und auf dem Schutz ihres Lebensraumes bedachten Kuna. Da wissen wir (zum Glück) noch nicht, was in den nächsten Tagen so an uns vorbeitreiben wird.

Der Müll ist abgeladen… schnell weg :-(
Typischer Nachmittagsschauer

So schön die kleine Bucht auch ist, sie hat einen ganz gravierenden Nachteil. Moskitos. Also jetzt nicht die normalen Mücken. Es sind dutzende, ach was hunderte kleine, schwarze, fliegende Punkte, denen mit Beginn der Dämmerung kaum ein Mückenschutz zu eng ist. Von der Salondecke wische ich sie mit einem Schwamm ab. Überall juckt es. In der ersten Nacht wird die gesamte Crew zerstochen. Selbst vorbeikommende Kunas beklagen sich am nächsten Morgen über ihre moskitogestörte Nachtruhe und paddeln in langärmligen Sweatshirts. In der nächsten Nacht schützen lange Hosen und dünne Decken so leidlich gegen die kleinen Biester, lassen dafür den Schweiß noch mehr strömen. Wir ergreifen schlicht die Flucht. Nach zwei Nächten geht es weiter.