Durch den Canal Refugio zur Bahía Tictoc

04. – 09. August 2020

Canal Refugio

Wir hatten einige Seemeilen vor uns und dabei auch mal wieder einen für seine Strömung bekannten Kanal zu passieren. Also machten wir uns schon kurz nach sechs Uhr noch im Dunkeln auf den Weg und genossen kurz danach den schönen Sonnenaufgang.

Ausfahrt Seno Gala
Einfahrt Canal Refugio

Wie geplant lief der Gezeitenstrom fast die ganze Zeit mit uns. Im Canal Refugio selbst blies es uns dann zwar kanalisiert auf die Nase. Doch schon kurz danach fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein, nur wenig Schwell und leider mal wieder zu schwachem Segelwind, weiter nach Norden. Zu schön, wenn das jetzt noch unter Segeln möglich gewesen wäre. Bedauerlicherweise musste der Skipper die auch so entspannt-schöne Fahrt an Deck allein genießen. La Skipper lag mit Migräne aus dem Spiel genommen unter Deck. Die Kinder nutzten die ausgefallene Aufsicht für Schulfrei.

Ausfahrt Canal Refugio auf den Golfo Corcovado

2.49 Puerto Juan Yates (Bahía Tictoc)

Der ein klein wenig Abseits der Hauptsegelroute gelegene Ankerplatz Puerto Juan Yates in der Bahía Tictoc (sic!) wird von der blauen Bibel als „one of the prettiest and safest in the area“ gerühmt. Schnell war dem Skipper klar: „Da will ich hin!“. Zumal die Vorhersage für die nächsten Tage teils sehr kräftige Böen aus nördlichen Richtungen versprach. Hier sollten wir diese geschützt abwettern können.

Ankunft Bahía Tictoc

Den besten Schutz bietet die NW-Ecke, die von Osten kommend leicht zwischen der Küste und einer kleinen Insel zu erreichen ist. Zumindest, wenn da nicht diese lange Fischerleine gespannt wäre. So schlichen wir uns von der anderen Seite heran. Der Blick wanderte zwischen naher Küste an Backbord und Tiefenmesser, da die ansonsten nur spärlich mit Tiefenangabe ausgestattete Karte für diesen Weg deutlich Steine verzeichnet hat. Später bei Niedrigwasser sahen wir sie dann auch aus dem Wasser schauen.

Tückische Steine in der Zufahrt von Südwesten, doch…
… diese Leine versperrt die Zufahrt von Osten.

In Anbetracht der Wettervorhersage legten wir uns in eine Nische mit ausreichender Tiefe so dicht wie möglich an die schützenden Bäume. Dabei musste der Anleger diesmal besonders flott von der Hand gehen. Die Untiefe an Steuerbord war dicht und lag in Lee des glücklicherweise noch schwachen Windes. Der Nachmittag war dann sogar sonnig, bevor in der Nacht regnerischer Starkwind über uns herzuziehen begann. Wie erhofft, lagen wir ziemlich gut geschützt. Das Meiste zog über uns hinweg in die sich vor uns öffnende Bucht. Diese bot uns den faszinierenden Anblick von Böen aus verschiedensten Richtungen, die immer wieder andere Bereiche des Wassers aufpeitschten. Obwohl eigentlich aus Nordwest (also von hinten) kommender Hauptwindrichtung erreichten uns dabei hin und wieder auch ein paar Böen direkt von vorne. Ein weiteres Paradebeispiel für lokale Windeffekte. Zur Sicherheit brachten wir noch ein paar weitere Landleinen aus.

Wieder einmal haben wir uns…
… ganz dicht an die Küste gekuschelt :-)

Bei allem meteorologischem Unbill war die Aussicht mal wieder atemberaubend schön. Das kleine, dicht bewaldete Archipel, dahinter die Küstenberge und natürlich bekamen wir auch tierischen Besuch. Die nahe gelegene Pinguinkolonie ist im Winter zwar verlassen. Dafür spielten zwei Seelöwen eine ganze Weile um das Boot, stupsten ans Dinghy und ließen sich von der trotz Nieselregen begeisterten Crew bewundern.

Nachschau bei einem warmen Kakao.

Nach vier unruhigen Nächten beruhigte es sich endlich ein wenig. Zeit für einen kleinen Strandausflug. Mit dem Dinghy paddelten wir zur nächsten Insel. Einerseits wollten wir eine mögliche Abkürzung für die Weiterfahrt erkunden. Doch schon auf den ersten Blick war klar, dass wir mit der Samai nicht durch diese schlecht kartierte Engstelle fahren würden. Andererseits brauchte die Crew endlich mal wieder Auslauf.

Nach insgesamt fünf Nächten machten wir uns dann mit der Samai wieder auf den Weg. Begleitet von Pelikanschwärmen fuhren wir den kleinen Schlenker südlich um die am Vortrag besuchte Insel. Doch ganz außen herum wollten wir nicht. Die Passage zwischen den Inseln war zwar inzwischen schon gewohnt schlecht kartiert, doch immerhin scheinen Steine ja recht zuverlässig eingezeichnet zu sein. In dieser Hinsicht gab es also fast nur die Engstelle im Norden zu beachten. Natürlich war La Skipper mal wieder begeistert und eilte so schnell wie selten gesehen zur Ausschau an den Bug. Letztlich kamen wir gut durch. Damit verließen wir die Festlandseite. Vor uns lagen der Golfo de Corcovado und die Isla de Chiloé.

2.49 Puerto Juan Yates
2.49 Puerto Juan Yates (Detail)

Abwettern in der Caleta Poza de Oro

28. Juli – 04. August 2020

Wieder einmal gab es keinen Wind. Bitte nicht falsch verstehen, in dieser Gegend ist das gerade bei Fahrt Richtung Norden eigentlich eine gute Vorhersage.

Das sahen die kleinen Fischerboote am Eingang des Seno Gala offensichtlich genau so. Umgeben von Kormoranen, Möwen, Pelikanen sowie immer mal wieder neugierig auftauchenden Robben holten sie offensichtlich erfolgreich ihre Netze ein.

Blich zum Nordende des Canal Moraleda zum Golfo Corcovado

Viele Boote machen den Absprung Richtung Chiloé von den westlich des geschützten Canal Moraleda gelegenen Inseln über die Boca del Guafo. Das war auch unser ursprünglicher Plan, doch dann kam die Vorhersage kräftiger nördlicher Winde. Diese sollten dort im Westen mit bis zu 7 Bft., in Böen 9 Bft. (locker über 40kn) noch deutlich spürbar, auf der Ostseite dagegen deutlich schwächer sein. Dort lockte die Caleta Poza de Oro: „The beauty of the place is truely worth the detour; a perfect peace reigns over the bay.“

3.25 Caleta Poza de Oro (Seno Gala)

Wir machten also den kleinen Umweg in den gut 6sm tief einschneidenden Seno Gala. Die mit gut 500m Durchmesser recht große Bucht hatten wir mal wieder für uns alleine. Also zumindest was die Wasserfahrzeuge angeht. Direkt am Eingang empfing uns ein Haus mit freundlich winkenden Bewohnern. Wie schön muss es sein, an so einem idyllischen Ort zu wohnen. Ein Problem wäre aber sicherlich der Arbeitsweg, so dass man hier wohl eher seinen Altenteil verbringen würde… oder halt in der glücklich Situation ist, gar nicht erst arbeiten zu müssen. Wie es hier ist werden wir nie erfahren… der Kontakt beschränkte sich wie in diesen Tagen und hiesigen Buchten für uns üblich auf entferntes Grüßen.

Wir fuhren die Ränder der Bucht ab und warfen den Anker dann einfach mitten rein auf gut 10m Wassertiefe. Also alles ganz entspannt. Nach der ersten ruhigen Nacht, machte La Skipper mit den Kindern einen Dinghy-Ausflug in innere Lagune, immer wieder mal schauten ein paar Delfine bei uns in der Bucht vorbei, abends bauten wir als Schutz gegen den erwarteten Regen das Bimini auf.

Auch die zweite Nacht war noch recht ruhig. Trotzdem hörten wir schon die Geräusche, welche uns die nächsten, deutlich windigeren Tage und Nächte begleiten sollten. Immer wieder ging dieses metallisch-schabende Geräusch durch das Boot. Wir hatten den Anker natürlich gut eingefahren und waren in dieser Hinsicht recht entspannt. Allerdings zogen wir wohl schwojend immer wieder die Ankerkette über den vorwiegend steinigen Boden. Eigentlich harmlos, aber doch ein blödes Gefühl. Dazu war die große, von Bergen eingerahmte Bucht nicht ganz so gut geschützt, wie wir erhofft hatten. Die nächsten Tage waren von grauen Wolken, mehr oder weniger starkem Regen und leider auch teils heftigen Böen geprägt. In der fünften Nacht schalteten wir nach Wochen sogar mal wieder den Ankeralarm ein.

Jetzt wird sich wohl manch ein Segler denken: „Wie jetzt… ihr schlaft ohne Ankerwache oder gar Ankeralarm???“ Ja, wir gestehen! Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass wir hier unten meist vor Anker mit einer eher übertriebenen Anzahl von Landleinen liegen. Wenn da tatsächlich mal Bedingungen herrschen, die eine Gefahr für das Boot darstellen, dann findet der Skipper so oder so keinen Schlaf. So auch diese windige Nacht. Der Ankeralarm ging einige Male los, allerdings nur aufgrund der seitlichen Schiffsbewegungen. Nach hinten beschrieben wir einen perfekten Kreisausschnitt. Da frage ich mich jedes Mal, warum ich den Ankeralarm am Plotter immer nur als Radius auf die aktuellen Schiffsposition, nicht aber einen frei wählbaren, idealer Weise beim Anker gesetzten Wegpunkt einstellen kann. Das hätte mir schon so einige Male sinnloses Aufstehen erspart. Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu blöd, diese Funktionalität zu finden?! (Tipps sind willkommen ;-)

Mit dem Dinghy auf Erkundung in die…

Caleta Karina

Am nächsten Tag erkundeten der Skipper und Maila mit dem Dinghy die kleinere, gleich südlich gelegene Caleta Karina. Es waren wieder 30er Böen angesagt und die nächtlich Mischung aus schabender Ankerkette und Fehlalarmen nervte doch sehr. Die nächsten, teils wieder sehr böig-nass angesagten Tage und Nächte wollten wir in besserer Abdeckung verbringen. Eine gute Entscheidung! Mit vier Landleinen lagen wir gut von Bäumen geschützt deutlich ruhiger und entspannter. Nur wenige, eher schwache Böen erreichten uns während gleich vor der Einfahrt im Kanal das Wasser weiß rauschte.

Gut geschützt…
… dicht unter Land!

Insgesamt verbrachten wir fast eine ganze, vor allem grau-nass-windige Woche hier in der Caleta Poza de Oro. Neben der obligatorischen Schule gab es viel Zeit für Spiele (zu Samuels Freude auch endlich mal wieder die „Legenden von Andor“), abendliche Filme oder auch einfach mal nur zum „Abwohnen“ des Bootes. Dann endlich öffnete sich so etwas wie ein ganz kleines Wetterfenster. Es wurde Zeit zum Abschied… wir konnten weiter… endlich… weiter nach Norden…

Blick raus zum Seno Gala
3.25 Caleta Poza de Oro

Durch den Canal Moraleda – Caleta Brooks & Isla Filomena

26. – 27. Juli 2020

So langsam begann nicht nur die Wettervorhersage ihre Vertrauenswürdigkeit einzubüßen, auch der Tidenkalender, bzw. die prophezeiten Wasserstände ließen uns verdutzt die Augen reiben. Eigentlich sollte es vormittags ungefähr so sein, wie bei unserer Ankunft am Vortag. Tatsächlich zeigten Tiefenmesser wie auch Küstenlinie locker einen halben Meter weniger Wasser in der Bucht. Wohlgemerkt bei gleichbleibend schwachem Wind, so dass auch dieser kaum dafür verantwortlich sein konnte. Das eigentliche Problem waren jedoch die damit verbundenen Gezeitenströme. Die Ebbe floss gegenan, so dass wir erst etwas später, kurz vor dem angesagtem Niedrigwasser losfahren wollten… doch wann war das denn nun eigentlich? Letztlich entschied dann wie so oft eine Mischung aus Argumenten den Zeitpunkt der Abfahrt. Schließlich waren die Tage immer noch recht kurz und wir wollten definitiv bei (gegebenenfalls letztem) Licht am Ziel ankommen.

Im Fischerdorf Puerto Aguirre wurde gerade ein neuer Trans Ocean Stützpunkt angelegt, mit dessen Leiter Jaime wir auch schon Kontakt hatten. Dieser war jedoch nicht so ermutigend. Alle Yachten müssten in der nächsten Bucht ankern, eine Quarantäne sei zu erwarten und Landgang nicht möglich. Dazu kam der Umstand, dass wir weiterhin ohne Stempel oder Zarpe in Chile unterwegs waren. Die Konsequenz war nahe liegend: Puerto Aguirre blieb an Steuerbord liegen, wir würden somit nicht das erste TO-Schiff sein, dass den neuen Stützpunkt besucht.. sehr schade!

Puerto Aguirre bleibt steuerbord liegen

Die weitere Fahrt war unspektakulär… ohne Wind, also mal wieder unter Motor und mit erstaunlich wenig Gegenstrom machten wir Strecke. Ein paar Tage sollte es noch ruhig bleiben, danach dann kräftig aus nördlicher Richtung wehen. Bis dahin wollten wir einen schönen, geschützten Ort zum Verweilen erreicht haben.

3.15 Caleta Brooks (Isla Cuptana)

Einen Zwischenstopp legten wir in der schönen, in einem kleinen Kanal gelegenen Caleta Brooks ein. Vorbei an den zwar verfallenden, trotzdem wenig pittoresken Resten einer kleinen Fischfarm, kurz beobachtet von einem Magellanpinguin, bogen wir um die Ecke und legten uns mit Anker und zwei Landleinen vor einen kleinen Wasserfall. Dessen Steine herunter lag eine langes schwarzes Rohr. Schon wieder Müll? Die Inspektion einer kleinen davor schwimmenden Boje brachte die Antwort. Als Samuel daran zog, holte er das Ende dieses Rohres vom Grund und wurde nass gespritzt. Der Wasserfall dient bei Bedarf offensichtlich auch als Frischwasserreservoir. Nun gut, wir bevorzugen da dann doch unseren Wassermacher.

Wasserfall mit Schlauchanschluss
„kleiner“ Seestern
Landleine bei Niedrigwasser
Baummuscheln?!?
3.15 Caleta Brooks (Detail)

Schon am Liegeplatz bekamen wir dann mal wieder braun gefiederten Besuch von Chimangos. Irgendwie scheint so ein Segelboot eine besondere Anziehung auf diese Raubvögel zu haben. Nicht nur vor Anker, auch weiter unterwegs setzte sich so ein blinder Passagier in voller Fahrt auf die Saling und ließ sich den Wind um den Schnabel wehen. Der unbestreitbare Nachteil war, dass die Vibrationen offensichtlich einen entspannenden und verdauungsfördernden Effekt haben. Nur gut, dass wir noch so viele Feuchttücher dabei hatten.

3.15 Caleta Brooks
… und Gast unterwegs
Nördliche Ausfahrt Caleta Brooks
Magellanpinguine

Isla Filomena

Erstmals in Chile peilten wir nun ein Ziel an, das nicht in der „blauen Bibel“ verzeichnet ist. Diese bot leider keine Alternative ohne größeren Umweg, so dass wir dem Führer der RCC Pilotage Foundation folgend bei der Isla Filomena übernachteten. Mangels Detailkarte hatten wir uns vielleicht für die falsche Zufahrt entschieden. Die hinter der bei Ankunft weniger als einen Meter tiefen Engstelle zu sehende Fischerleine war von hier aus jedenfalls unerreichbar. Wir legten uns einfach vor die aktuell ohnehin versperrte Durchfahrt.

Suche nach sicherem Halt…
Diese Durchfahrt war selbst für uns zu flach!

Das war nach Norden zwar weit offen, aber bei der schwach süd-windigen Vorhersage kein Problem. Und während die Kinder mit dem Dinghy die von reichlich Seeigeln bevölkerte Bucht hinter der Engstelle erkundeten, genossen die Eltern das grandiose Panorama in der Abendstimmung.

Isla Filomena

Alea iacta est

Valdivia, 25. November 2020

Nein, wir haben keine Truppen über den Rubicon geschickt. Doch in gewisser Hinsicht sind die Würfel nun tatsächlich gefallen. Anders gesagt haben wir uns endlich aufgerafft, eine Entscheidung zu treffen.

Die Frage war simpel: „Was nun?“

Die Antwort?!… zur Auswahl standen fünf Alternativen.

1. Von vorneherein als „Streichergebnis“ angesehen war die Option, das Boot (erst einmal) hier zu lassen und zurück nach Deutschland zu fliegen. Wir haben an dieser Stelle schon erörtert, warum das für uns im Grunde nicht zur Debatte steht. In unserer aktuellen Situation käme dazu noch die Herausforderung mehr als 800km nördlich bei Santiago gelegenen Flughafen zu kommen, wo wir hier ja noch nicht einmal selbst in die Stadt zum Einkaufen gehen dürfen.

2. Wir könnten bis auf weiteres hier in Valdivia bleiben. Es weiter aussitzen. An die ohnehin schon hier verbrachten drei Monate noch einige Wochen dranhängen… mindestens bis zum Jahresende. Ja, das ist eine Option. Es wäre die bequemste Wahl. Aber ganz ehrlich… Nein! Dafür sind wir nicht unterwegs. Es tut uns einfach nicht gut. Wir müssen definitiv noch in diesem Jahr die Leinen hier loswerfen und die Segel setzen. Die Frage war damit „nur“ noch, in welche Richtung es gehen soll.

3. Wir könnten auch wie ursprünglich mal geplant nach Westen, halt nur ein paar Monate später. La Skipper will unbedingt in die Südsee. Lieber heute als morgen. Andererseits ist und bleibt die Osterinsel trotz der begonnenen Grenzöffnung Chiles bis auf weiteres für Touristen geschlossen. Es würde also daran vorbei direkt nach Französisch Polynesien gehen. Dort treiben sich dann sowohl die ganzen dort nicht weggekommenen Segler der Vorsaison als auch die Neuankömmlinge rum. Und westlich von Tahiti ist aktuell auch noch alles geschlossen. Maximal Versorgungsstopps sind möglich, Australien und Neuseeland sogar für Boote geschlossen, die sich vor Hurrikans in Sicherheit bringen wollen. Ja, auch der Skipper will in die Südsee… aber gerade jetzt?

4. Nochmal nach Süden. Außen an den Kanälen vorbei zurück nach Ushuaia. Dort dann trotz aktuell weiterhin geschlossener argentinischer Grenze irgendwie das Boot vorbereiten und einen zweiten Familienausflug in die Antarktis unternehmen. Diese Möglichkeit hatte es sich in den letzten Wochen immer wieder im Hinterkopf des Skippers gemütlich gemacht. Sogar den neuen Antrag an das Umweltbundesamt hatte ich schon begonnen. Und doch fühlte es sich irgendwie nicht richtig an. Mal ganz abgesehen davon, dass La Skipper ausgesprochen wenig Motivation verspürt, wieder in die Kälte zu segeln.

5. „Last but not least“ der verbleibende Kompromiss, welcher im Grunde dann aber doch so viel mehr ist. Wir wollen nun also an der südamerikanischen Küste weiter nach Norden segeln. Unterstützt von normaler Weise passenden Winden und dem schiebenden Humboldtstrom.

Je mehr man das sacken lässt, umso mehr Charme entwickelt dieser Weg. Sicher, der chilenische Abschnitt wird interessant. Werden wir hier in irgendeinem Hafen an Land gehen dürfen? Spätestens im ganz im Norden Chiles gelegenen Arica gibt es einen Trans Ocean-Stützpunkt. Dort bekommen wir in jedem Fall Unterstützung. Doch bis dahin sind es auch schon mal gut 1.300sm. Das ist mehr, als die gesamte Küstenlinie des nördlichen Nachbarn Perus lang ist.

Um Peru machen viele Freizeitboote einen großen Bogen. Es sei für ausländische Segler viel zu teuer und unfreundlich. Doch wenn man aktuelle Erfahrungsberichte liest, scheint sich zumindest in Callao (Hafen der Hauptstadt Lima) etwas geändert zu haben. Hier hat sich der Yacht Club Peruano auch für Gäste einen hilfsbereiten, freundlichen Ruf erarbeitet. Ein Zwischenstopp ist fest eingeplant.

Danach kommt dann Ecuador. Ein für sudamerikanische Verhältnisse eher kleines Land mit weniger als 400sm Küste, das wir eigentlich so gar nicht auf dem Schirm hatten. Hierher verirren sich nur selten Segler, meistens kamen sie zuvor durch den Panama-Kanal. Eine aktuelle Ausnahme sind der unglaubliche Craig (seine Geschichte unter anderem hier und auf Facebook) mit seiner schwangeren Freundin Renate. An einem ihrer letzten Tage in Valdivia verbrachten wir einen sehr netten Tag bei uns im Cockpit. Inzwischen sind sie in La Libertad (Puerto Lucia) angekommen. In Ecuador soll dann auch ihr Kind geboren werden. Vielleicht treffen wir die drei(!) ja dort wieder?

So richtig ins Leuchten kommen die Augen von La Skipper aber beim Gedanken daran, dass ja auch die Galapagos-Inseln zu Ecuador gehören. Nein, auf eigenem Rumpf wollen wir da definitiv nicht hin… gegen die dortigen Auflagen und Gebühren war sogar die Antarktis noch harmlos. Aber vielleicht ergibt sich ja eine andere Möglichkeit… wir werden sehen.

Das Wichtigste ist für uns, endlich mal wieder ein Ziel vor Augen zu haben. Wir wissen, wie es zumindest die nächsten Wochen und Monate weiter gehen soll. Alles weitere wird sich ergeben. Und vielleicht, also gaaaaanz vielleicht beruhigt sich die Welt ja auch mal wieder ein bisschen. Unsere von langer Geduld gestählte Hoffnung stirbt zuletzt.

Canal Errázuriz – Estéro Garza

25. Juli 2020

Endlich gab es mal wieder keinen Gegenwind. Zumindest laut Wetterbericht. Nur schwach sollte es aus Südwest wehen, die angesagten 6‘er Böen inzwischen Standard. Bei der Ausfahrt aus der Caleta Jaqueline begrüßten uns dann aber erst einmal Strom und Kabbelwelle. Die entsprechenden Zeichen sind in der Seekarte ganz offensichtlich nicht ohne Grund hier eingezeichnet.

Kaum in den Canal Errázuriz eingebogen wurde es ruhig. Also zumindest das Wasser. Der Wind zeigte sich wie erwartet von seiner wechselhaftesten Seite. Mal 4-5 Bft. mit 6‘er Böen war er wenige Minuten später wieder weg. Der Fock wurde vom ständigen Ein- und Ausrollen fast schon schwindlig. Erst am frühen Nachmittag gab es mal eine beständige Segelstunde. An Backbord öffnete sich der Canal Darwin und schickte uns seine kanalisiertes Mikrowetter mit konstanten 6 Bft. und ob des kurzen Fetch erstaunlich nerviger Welle. Kaum hatten wir die Kreuzung passiert, was es auch schon wieder vorbei.

3.19 Estéro Garza (Isla Melchor)

Von vielen, insbesondere den kleineren Buchten hier unten gibt es nur eine eher grobe Karte. Das galt auch für unser Tagesziel. Auf dem elektronischen Plotter war alles mal wieder einfach nur undifferenziert blau… also flach. Dazu lag die Karte auch nicht zum ersten Mal gut 0,2sm daneben. Ein Grund mehr für aufmerksame Sichtnavigation.

Tatsächlich lagen wir IN der Bucht!

Umso wichtiger sind die Detailkarten der Revierführer. Doch auch hier ist Vertrauen gut, aber Kontrolle besser. Wie sonst auch überprüften wir also erst einmal den geplanten Liegeplatz und legten uns bei weitem nicht so tief in die hintere Ecke, wie ursprünglich geplant. Trotzdem war jedes Detail am Grund gut zu erkennen. Unter dem weit überhängenden Baum an der Seite wurde es richtig flach. Man hatte fast das Gefühl, rüber laufen zu können. Immer wieder kontrollierten wir mit dem Handecholot die Tiefe. Schon bei mittlerem Wasserstand hatten wir kaum mehr als 3m am Heck. Schließlich verholten wir uns noch etwas nach vorne… auch La Skipper sollte ruhig schlafen können.

Eigentlich wollten wir ja dort liegen, wo das Dinghy gerade ist…

Dann genossen wir die Abendsonne in dieser mal wieder sehr idyllische Bucht. Allerdings hatten wir sie dann doch nicht ganz für uns alleine. Ein süßer Chungungo (südlicher Seeotter) schwamm neugierig heran und die gesamte Crew stand an Deck. An diesem Anblick kann man sich ebenso schwer sattsehen, wie an am Bug spielenden Delfinen. Ein anderes Mal durften wir einen seiner Artgenossen sogar beim Frühstück beobachten… es gab frisch gefangene Krebse.

Neugieriger Otter :-)

Nach einer ruhigen Nacht mit etwas Mini-Schwell schauten wir am nächsten Morgen nicht schlecht. Gemäß Gezeitenkalender sollte der Wasserstand kaum anders als bei unserer Ankunft sein. Aber warum musste sich der Skipper dann so strecken, um an die Landleine zu kommen?

Auch die am Vortag noch überfluteten Steine neben der Einfahrt waren nun deutlich sichtbar. Wenigstens darauf war Verlass.

3.19 Estéro Garza