Bitte festmachen!

Ein Boot wird normaler Weise für die Reise über Wasser gebaut. Bewegung, Freiheit, losgelöst vom Land. Doch hin und wieder macht es durchaus Sinn, mit eben diesem Land im weitesten Sinne Kontakt aufzunehmen. Eine besonders schöne Verbindung kommt unter Mithilfe eines Ankers zustande. Ab Werft hatten wir derer zwei an Bord, doch inzwischen wurde aufgerüstet

  • Am Bug hängt aktuell ein 25kg Spade Anker, der seinen Dienst bisher immer sehr zuverlässig verrichtet hat. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass wir immer etwas mehr Kette stecken, als laut Faustregel notwendig… selbst auf nur knapp 3m Wassertiefe (plus 1m von Wasseroberfläche zur Ankerrolle!) gehen mindestens 30m Kette raus. Schließlich haben wir ja 100m davon im Ankerkasten liegen.
  • Auch der ab Werft gelieferte 20kg Lewmar Delta hatte uns eigentlich nie wirklich enttäuscht, ist nun aber doch in die Backskiste gewandert. Dort wartet er geduldig auf einen Einsatz als Zweitanker, Backup oder – wie im letzten Sommer mehrfach geschehen – Reitgewicht für den Heckanker!
  • Am Heck hängt „The world’s best anchor“ Fortress, der an seiner 40m Leine mit Bleivorlauf in Schweden mehrfach treue Dienste geleistet hat.
  • Der Vollständigkeit halber gibt es schließlich noch unseren süßen kleinen Dinghy-Anker, der auch die Badeplattform bei angemessen wenig Wind fast sicher an Ort und Welle hält.
Blick in den Ankerkasten

Gerade in Patagonien und auch der angepeilten Antarktis sollte man jedoch nicht ohne Landleinen unterwegs sein, zu eng so manche Bucht und arg launisch der Wind. Schon seit Jahren haben wir unter anderem dafür die große Ankerolina montiert. Doch starke Zweifel, ob das auch reichen würde, ließen uns nicht los und es begann die Suche nach einem weiteren, stabilen und halbwegs platzsparenden Gurtband. Noch eine Ankerolina wollten wir nicht kaufen, da diese mit gut über 200€ für 56m nicht gerade günstig ist und wir auch nicht so recht wissen, wo sie zu montieren sei. Und selbstverständlich kann man uns verrückt oder übervorsichtig nennen, aber eigentlich sollten es auch lieber 100m sein. Auf vielen Bildern aus diesen Regionen sieht man Segelboote mit großen Gurtbandrollen. So etwas muss es also geben, doch wahrscheinlich habe ich mich extrem blöd angestellt. Im Marinezubehör waren die Leinen entweder zu kurz oder – wie so vieles auf dem „Wassersport“ steht – völlig überteuert.

Fündig wurden wir dann in einem ganz anderen Bereich: Baumkronensicherung! Ok, das leider nur in braun erhältliche Gurtband hat alles in allem auch ca. 300€ gekostet, ist dafür mit seinen 4t Bruchlast ganze 100m lang. Und nein, wir fahren es nicht an einer großen Rolle am Mast sondern gut geschützt im Technikraum, wo wir bei Bedarf schnellen Zugriff haben. Dazu kommen dann noch Kettenvorläufer (zweimal 3m und einmal 5m… letzterer auch als Endgewicht für den Jordan Drogue) damit die an Land befestigten Leinen und Bänder nicht durchscheuern.

Landleinen

Ach ja, gute Leinen sind doch eines jeden verantwortungsvollen Skippers Passion und niemand sonst kann die Freude nachvollziehen, wenn sich z.B. in der Grabbelkiste von AWN ein Schnäppchen findet. Gerade vor ein paar Wochen lag darin doch tatsächlich ein 35m Herkules-Fall für 39€. Von der Rolle nur 2m daneben abgeschnitten hätte es das Vierfache gekostet.

Und schon vorletztes Jahr begab es sich, dass meine Augen erstklassige 20m-Festmacher für knapp ein Drittel des normalen Preises entdeckten… die Farbe gab es gratis dazu. Davon haben wir nun sechs Stück (= 120m) an Bord und die Damenwelt ist begeistert! Zusammen mit den alten Festmachern (zweimal 25m und viermal 12m) sollten damit nun ausreichend Alternativen für die Liaison zwischen Boot und Land zur Verfügung stehen.

Schnäppchen…

An was man nicht alles denken muss!

Alltagsprobleme an Bord: Wäsche

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Während der Skipper manchen Alltagsdingen vielleicht etwas zu arglos gegenübersteht, neigt La Skipper gerne auch mal zu gedanklicher Überzeichnung von vermeintlichen Kleinigkeiten. Die Wirklichkeit wird sich sicherlich irgendwo dazwischen abspielen.

Ein schönes Beispiel hierfür ist die Erwartung der an Bord anfallenden Wäsche:

  • Gerade in den Tropen wird das schon nicht so viel sein, außerdem haben wir so ein „Scrubba Wash Bag“ an Bord und irgendwann wird sich sicher auch mal ein Hafen mit Waschmaschine finden.
  • Es wird natürlich sehr viel Wäsche anfallen und am liebsten hätte ich eine richtige Waschmaschine an Bord, aber auf unserem kleinen Boot ohne Generator geht das natürlich nicht.

Das ist nur eines der alltäglichen Probleme um die die Gedanken kreisen, je näher der Moment des Ablegens kommt. Es wird also eifrig recherchiert und nach Lösungen gesucht und eines Morgens bekommt der Skipper ein Bild auf sein Handy geschickt unter dem kurz und knapp geschrieben steht: „Das will ich gern haben!“

Nun gut, der an Geschenken ohnehin arme Geburtstag ist noch nicht so lange her, also wird bestellt und schon am Folgetag geliefert… eine kleine Camping-Waschtrommel! Diese reinigt zumindest nicht allzu große Wäscheberge angeblich in Minuten und ist somit nicht nur aus Sicht der Reinlichkeit, sondern auch der körperlicher Ertüchtigung jüngerer Mitsegler ein essentieller Ausrüstungsgegenstand an Bord.

Für La Skipper ist das zwar keine wirkliche Lösung, aber doch hinreichend befriedigende Antwort auf das Alltagsproblem „Wäsche“. Wo wir diese Trommel an Bord unterbringen wollen? Na das ist dann natürlich wieder das allgegenwärtige Alltagsproblem „Stauen“ des Skippers.

An was man nicht alles denken muss!

Ostern 3: War da noch was?

Viele andere Boote zieht es gerade in der Ostsee allabendlich in den Hafen. Ist ja auch bequem und komfortabel. Nun ist unsere Samai als Blauwasseryacht aber durchaus auf eine gewisse Autonomie ausgelegt. Und wo liegt es sich schöner, als in einer idyllischen und geschützten Bucht vor Anker? Das haben wir dann auf dem Weg zwischen den Arbeitsstationen Teerhofinsel und Kühlungsborn auch ausgiebig genossen. Die erste Nacht waren wir im Silk gleich südlich von Travemünde, die zweite Nacht verbrachten wir mal wieder alleine in der Großen Wiek hinter Poel (südlich der Einfahrt zum Salzhaff)… beides gut geschützte Ankerplätze mit gutem Grund. Ein bisschen Segelurlaub muss auch in arbeitsreichen Osterferien sein.

Viele andere Boote sind immer sehr sauber. Insbesondere bei Motorbooten zeigt sich ganz oft ein besonderes Phänomen: kaum sind die Leinen fest, springt der Skipper von Bord, hetzt zum Wasserschlauch und spritzt mindestens sein Boot ab, oft kommen gleich auch Schrubber, Schwamm und Lappen zum Einsatz. Jedes Mal! Ich gestehe, dass wir das nicht so machen. Aber nach einem Winter im Wasser hatte das Weiß unseres Decks wirklich ein paar Probleme durchzuscheinen. Es war definitiv Zeit, mit unserem Hochdruckreiniger ein neues Spielzeug an Bord auszuprobieren. Was soll ich sagen, es hat sich offensichtlich gelohnt!

Viele andere Boote haben Annehmlichkeiten unter Deck, die man sich gerne abschaut. Dazu gehören in wärmeren Gegenden kleine USB-Ventilatoren. Bei uns fehlte dafür einzig die notwendige USB-Steckdose in der Heckkabine… bis jetzt. Beim Thema „Gewürzregal“ gibt es geteilte Meinungen. Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob das bei grober See wirklich eine gute Idee ist. Gegebenenfalls müssen die potenziellen kleinen Geschosse temporär woanders untergebracht werden. Doch zumindest wissen wir jetzt immer, wohin mit der Küchenrolle.

Viele andere Boote haben es gerne warm unter Deck. Dem stimmt insbesondere La Skipper zu. Schade nur, dass wir im Herbst unsere Heizung ausgebaut und in Berlin einem Service unterzogen hatten. Und von alleine baut die sich natürlich nicht wieder ein. Aber ewig kann der Heizlüfter ja auch nicht brummen, schon gar nicht ohne Landstrom. Und so kam der Tag der Verrenkungen. Ich gehöre nicht wirklich zu den Menschen der Kategorie „klein-kompakt-handlich“. Schon im Herbst war es mir unmöglich, die Befestigungsschrauben vom Heck aus zu erreichen, da half dann immerhin noch der Nachwuchs. Dieser verbrachte den Tag des Einbaus jedoch lieber bei den Großeltern, während der Skipper sich im Durchlass des Technikraums (aka Weinkammer) zum Heck verrenkend es tatsächlich schaffte, die Heizung wieder an ihren gewohnten Platz zu bringen. Und ja, sie funktionierte auf Anhieb, was von La Skipper nur mit einem freudig-ungläubigen „Das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ quittiert wurde… schönen Dank auch ;-)

An was man nicht alles denken muss!

Ostern 2: Kurzwelle in Kühlungsborn

Eigentlich sollte es in der zweiten Ferienwoche zur Finalisierung der Kurzwelleninstallation zu Lunatronic nach Flensburg gehen. Ok, das Thema müsste schon längst erledigt sein, aber wir hatten es bisher einfach noch nicht dahin geschafft. Da Michael Wnuk selbst gerade nicht im Lande ist, sollte sein Mitarbeiter das unter virtueller WhatsApp-Begleitung aus der Karibik erledigen. Und dann die Nachricht, dass das so wohl doch nicht klappt. Ich müsse das – natürlich unter Anleitung – selbst machen. Meine Freudenschreie darüber hallten wahrhaftig nicht sehr weit… aber nun gut, man wächst an seinen Aufgaben.

Einiges hatte ich ja schon gemacht. Die großen Geräte waren eingebaut und Kabel verlegt. Das bekomme ich ja gerade noch so hin. Aber was nun? Da liegen noch diverse Kabel, Stecker und sonstige Teile im Karton. Auch ein Decksdurchlass ist dabei. Mein persönlicher Horror. Soll ich nun tatsächlich selbst ein Loch in unser schönes Boot bohren??? Ich hadere mit mir und der Welt.

Neuen Mut brachte ein ausführliches Gespräch mit der Karibik, in dem wir zwei Michaels alle noch zu erledigenden Sachen im Detail durchgegangen sind. So löte ich also erstmals Stecker an ein Koaxialkabel, bohre ein großes Loch in das Deck, verschwinde in den engen Niederungen im Heck um den Antennentuner anzuschließen und zu erden, steige auf die Bügel vor dem Steuerrad um die Standoffs anzubringen und das Antennenkabel mit dem isolierten Achterstag zu verbinden, zuletzt wird das Ganze dann noch mit Strom versorgt.

Aufgeregt schalte ich das Gerät erstmals an… Rauschen, Knacken, Piepen und dann tatsächlich auch mal eine menschliche Stimme! Na so ganz verkehrt scheine ich es ja nicht gemacht zu haben. Doch dann die böse Überraschung: ganz nebenbei, aus angenommener Gewohnheit, drücke ich den Prüfschalter, der mir mit zwei grünen Lämpchen anzeigen soll, dass es keine Probleme zwischen elektrischer Installation und Rumpf gibt. Das Minus-Lämpchen leuchtet nicht. Masse auf dem Rumpf. Grmpf!!!

Nun also Fehlersuche:

  • Stromversorgung der Kurzwelle abgeklemmt bring zweimal grün. Die einzige mir bekannte Verbindung zum Rumpf ist die Erdung. Sollte es da trotz DC-Filter ein Problem geben?
  • Backskiste wieder ausgeräumt, reingeklettert, Erdung abgeklemmt… das Problem bleibt.
  • Danach dann über die einfachere Variante (die ich gleich hätte nehmen sollen) die Kabel zum Antennentuner von der „Black Box“ in der Navi-Ecke abgeklemmt… das Problem bleibt.
  • Griff zum Multimeter, Durchgangsmessung vom Gehäuse der „Black Box“ zum Rumpf… es piept!!!
  • Aber wie ist die mit einer Halterung auf einer Holzplatte angeschraubte schwarze Kiste mit dem Rumpf verbunden? Und warum muss ich jetzt ausgerechnet die am schlechtesten erreichbaren Schrauben wieder lösen müssen??? Na es hilft ja nichts. Schwarzen Kasten abgeschraubt, Durchgangsmessung der Schrauben der Halterung zum Rumpf… es piept.
  • Ein Blick mit dem bewährten „Um-die-Ecke-schau-Spiegel“ hinter die Holzplatte zeigt die Erklärung. Meine Schrauben waren nicht lang, vielleicht ein Zentimeter, sind damit aber ca. 1mm durch die Holzplatte gekommen. Und diese Holzplatte ist im oberen Bereich auf ein Aluminiumspanten gebolzt. Tja, und dort haben die oberen meiner Schrauben dann halt für die Verbindung der „Black Box“ zum Rumpf gesorgt.

Die Lösung ist denkbar einfach: Position des Alu-Hintergrundes auf dem Holz markiert, die Halterung etwas nach unten-rechts versetzt, auf die oberen Schrauben verzichtet, dafür die unteren überdimensioniert, schwarzen Kasten wieder rangeschraubt, alles angeschlossen, Prüfschalter gedrückt, zwei grüne Lämpchen leuchten, lächelnd und auch etwas stolz zurückgelehnt… geht doch. Im Endeffekt bin ich sogar froh, den Einbau (unter kundiger und geduldiger Anleitung) selbst gemacht zu haben, nur in der Praxis kann man sein Boot wirklich kennen lernen.

An was man nicht alles denken muss!

Ostern 1: Bimini-Kuchenbude in Lübeck

Spätestens wenn es ein Segelboot in die niedrigen Breitengrade zieht, auf denen die Sonne bevorzugt direkt von oben und sehr beständig scheint, sollten die Gedanken auch mal um das Thema „Bimini“ kreisen. Doch wir wollen ja nicht nur in die Sonne, sondern auch ins Eis. Und nach unserer Rückkehr wird die Samai sicher auch nicht im Mittelmeer, sondern wieder in nördlichen Gewässern segeln. Damit sind wir dann auch ganz schnell beim Thema „Kuchenbude“.

Aber ich habe ganz ehrlich keine Lust, in unserem ohnehin überladenen Boot beides mitzuschleppen… da muss es doch auch eine Kombination geben? Und tatsächlich, die gibt es! Wie es der Zufall so will, kommt diese auch noch von dem Segelmacher, der u.a. unsere Sprayhood zu verantworten hat. Nach langem Vorgeplänkel, Angebot, Treffen und Messen an Bord ist es nun endlich soweit!

Zu Ferienbeginn fährt also die ganze Familie auf das nur halbwegs ausgewinterte Boot, zieht schnell noch die Fock hoch und am Sonntag geht es los. Eine angenehme Raumschotsbrise um die 6 Bft. baut die Wellen im Laufe des Tages auf bis zu drei Metern auf und treibt uns nur unter Vorsegel Richtung Travemünde. Dann noch den Fluss hoch bis zur direkt vor Lübeck liegenden Teerhofinsel und die Kollegen von der Segelmacherei Z-Line können kommen. Machen Sie am Montag auch und bauen sogleich das Bimini auf. Sozusagen die Pflicht. Dann beginnt die Kür. Sorgfältig werden Maße für die individuell angepassten Seitenteile genommen.

Nebenbei werden noch ein paar Extrawünsche erfüllt… Leesegel, Schutzüberzüge für die fliegenden Backstagen der Kutterfock, Anpassungen der Dinghy-Abdeckung und schließlich auch noch die Durchsicht und ggf. Reparatur unserer Segel… nach 4 Jahren kann man sich das durchaus mal gönnen.

Dann ist es soweit. Die Seitenteile werden das erste Mal angebracht. Also eigentlich ist es ein Vorderteil, zwei Seitenteile und drei Rückteile, die unabhängig voneinander verwendet werden können… und sind alle dran, haben wir so etwas ähnliches wie eine Kuchenbude… nur größer. Rundum geschützt wird der Salon zu einer Erweiterung des Lebensraumes. Wohlgemerkt mit Stehhöhe und Platz zum Tanzen (zumindest für unsere Steuerfrau ;-).

Schon kurz danach hat sich die Flexibilität bewährt. Im heimatlichen Liegeplatz bläst es ordentlich von Achtern. Also Bimini auf, die drei Rückteile angebracht und bei nahezu Windstille im Cockpit gefrühstückt. Wieder mal ein größerer Punkt unserer Liste abgehakt.

An was man nicht alles denken muss!