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Reisepässe

Wer eine Reise tut, muss sich ausweisen können. Und wer eine lange Reise tut, muss das nicht nur öfters mal machen, sondern immer damit rechnen, dass ein Ausweis verloren gehen kann… sei es in den Mühlen der Bürokratie (welche Pässe für das Erteilen von Sichtvermerken wohl gerne auch mal mehr oder weniger vorübergehend einbehält) oder gar durch den Reisenden gar nicht wohlgesonnene Mitmenschen.

So begab es sich also schon im Dezember, dass ein Crew-Vertreter der SY Samai sich auf das Bürgeramt begab um dem Begehr einer allgemeinen Ausweisfähigkeit Ausdruck zu verleihen. Doch dieser Versuch kann nur als naiv gewertet werden! Der Skipper ging mit seinem demnächst ablaufenden Reisepass und einer umfassenden Vollmacht von La Skipper zum Amt und wollte beantragen:

  • einen neuen Reisepass für den Skipper
  • einen zweiten Reisepass für den Skipper
  • einen zweiten Reisepass für La Skipper
  • erstmals einen nicht-Kinderreisepass für den Fischexperten
  • erstmals einen nicht-Kinderreisepass für die Steuerfrau

Doch er wurde mit den meisten seiner Anliegen gleich wieder nach Hause geschickt. Eine Vollmacht reicht nicht. Jeder(!) Antragsteller muss persönlich vorsprechen. Und einen zweiten Reisepass gibt es auch nicht einfach so. Das muss schriftlich beantragt und begründet werden.

Ok, also ein paar Zeilen geschrieben, einen neuen Termin gemacht und in Mannschaftsstärke wieder vorgesprochen. Als wir am Schreibtisch demütig unser Anliegen geäußert hatten kam sogleich die Rückfrage, ob wir denn auch für alle einen Termin gemacht hätten… also für jeden Antrag jeweils einen Termin! In tiefer Dankbarkeit verneigen wir uns vor dem Beamten, welcher es dann erfüllt von selbstlosem Großmut geschafft hat uns alle in nur einem einzigen Termin abzuarbeiten.

Wie jedem, der schon einmal eine solche Sammelbestellung abgegeben hat, kippte auch uns bei der präsentierten Rechnung dann erstmal die Kinnlade runter… selbst wenn man auf Extra-Seiten und Express-Service verzichtet hat. (Grüße an Flora!)

Aber nun ist es geschafft, wir haben unsere zwischen ästethisch rote Pappdeckel gegossene Identität in hoffentlich ausreichender Anzahl und Gültigkeit vorliegen. Wieder ein Punkt von der Liste abgehakt.

An was man nicht alles denken muss!

Weltumsegler-Workshop der Bundespolizei

Es gibt in der Tat ein Piraten-Präventionszentrum bei unserer Bundespolizei. Der Fokus liegt natürlich auf der Berufsschifffahrt, aber auch wir Freizeitskipper sind den Kollegen alles andere als egal. Es gibt verschiedene Angebote, so zum Beispiel eine Lageeinschätzung für bevorstehende Segelreisen. Dafür muss man nur ca. 2 Wochen vorher eine kurze Anfrage schreiben und erhält dann zeitnah einen mehrseitigen Bericht mit allen aktuellen, sicherheitsrelevanten Informationen für das geplante Revier.

Und dann gibt es noch den „Workshop für Weltumsegler“, der Anfang dieses Monats schon zum sechsten Mal in Neustadt/Holstein stattfand. Ursprünglich nur einmal im Jahr, wurde wegen der großen Nachfrage letztes Jahr erstmals ein zweiter Termin angeboten. Und dieses Jahr sind beide Termine auch vollständig ausgebucht. Bei Interesse also frühzeitig anmelden, wir hatten das bereits letzten Juni erledigt.

Der Workshop dauert einen Tag und wurde für längere Anreisen günstig auf Samstagmittag bis Sonntagmittag gelegt, mit geselliger Abendrunde im Brauhaus. Nach einer Vorstellung der Kollegen wurden in verschiedenen, sehr kurzweiligen Vorträgen verschiedene Themen behandelt, z.B.

  • Gefahren während einer Weltumseglung
  • Erkenntnisse zu verschiedenen Seegebieten
  • Psychologische Belastungen bei einem Raubüberfall
  • Vorbereiten von Gefahrenabwehrplänen
  • Technische Präventionsmöglichkeiten
  • Verhaltensregeln bei Antreffen von Flüchtlingen
Drinnen…

Einleitende Worte waren, dass niemand den angehenden Lagfahrt- und Weltumseglern die Lust und Vorfreude verderben möchte. Trotzdem sei es wichtig, sich mit den möglichen Gefahren und Situationen zu befassen, die – und das wurde auch deutlich klargestellt – die Meisten von uns zum Glück nie erleben werden. Aber eine Sensibilierung kann nur von Vorteil sein. Der Fokus lag demnach auch weniger auf „echten“ Piraten, die Schiffe kapern und Geiseln nehmen. Konkret ging es eher um Überfälle auf See und an Ankerplätzen – Vorbeugung – Erkennen – empfohlenes Verhalten – Vorbereitung und Sensibilisierung eben.

Auch Trans Ocean kam mit einem Praxisvortrag von Dierk Ott zu Wort. Noch mehr Praxis gab es bei den Vorführungen auf einem Polizeischiff (Sirenen, Nebel) sowie der Vorstellung eines originalen Piratenbootes und Abwehreinrichtungen der Berufsschifffahrt.

Draußen…

Selbstredend kam auch der Austausch mit anderen Seglern nicht zu kurz. Jede Pause sowie natürlich die Abendveranstaltung wurden für Kontakte und Gespräche genutzt, die ganz oft mit der naheliegenden Frage begannen: „Was sind denn Eure Pläne?“.

Wir haben den Besuch jedenfalls alles andere als bereut. Auch unserere – zumindest intern berüchtigte – Liste wurde entsprechend ergänzt. So haben wir schon ein Megaphon angeschafft und werden uns noch um eine effektive Sicherung des Hecks gegen unbemerkten Zugang (z.B. durch nächtliche Schwimmer) kümmern. Unser Dank gilt den Kollegen vom Piraten-Präventionszentrum für dieses – im übrigen kostenlose! – Angebot, das wir jedem angehenden Weltumsegler nur ans Herzen legen können.

An was man nicht alles denken muss!

BOOT 2019

Der alljährliche Abstecher nach Düsseldorf ist auch für uns Berliner zu einer schönen Tradition geworden. Nicht zuletzt war es gut, Nils Schürg mal wieder zu sehen und über die (insb. von uns) noch zu erledigenden Sachen zu sprechen. Wie immer hatte er wertvollen Input. Andere Boote haben wir in diesem Jahr so gut wir gar nicht besucht. Ok, ein Blick auf die ausgestellten Allures und Garcia war natürlich Pflicht. Ansonsten haben wir uns aber nur die aktuelle Alubat angeschaut.

Schwerpunkt der zwei Messetage war natürlich unsere lange Liste der offenen Punkte. Als liebende Eltern haben wir ein aufblasbares Kajak bestellt, mit dem nicht zuletzt die Kinder viel Spaß haben werden. Zugleich ist es ein Backup für das Dinghy. Die zweite größere Messeanschaffung waren Trockenanzüge für die Erwachsenen, wobei der Anzug von La Skipper auch dem Sohn schon gut steht. Gerade in kühleren Gegenden ist das schließlich die einzige Möglichkeit, bei Bedarf auch mal ins Wasser zu gehen. Wenn sich in Patagonien Kelp in der Schraube verfängt, möchte ich jedenfalls mit etwas mehr als einem Messer und Badehose über Bord springen.

Trockenübung…

Des Weiteren führten wir noch viele interessante Gespräche mit verschiedenen Ausstellern. Gerade was die optimale Bootsausrüstung angeht, gibt es hier ja doppelt so viele Meinungen wie Anbieter. Auf der Liste für unsere Reservekiste stehen jetzt definitiv noch das große Toiletten-Ersatzkit sowie eine Wasserpumpe. Die Überlegung, unserem Bugstrahlruder durch einen stärkeren Motor etwas mehr „Bums“ zu geben, haben wir dagegen aus Kostengründen verworfen.

Und schließlich gab es auch noch den nicht auf Ausrüstung bezogenen Austausch mit anderen Seglern, ein langer Plausch am Trans Ocean Stand, nette Gespäche beim Parimare Verlag (die neue verlegerische Heimat der Freydis) und mehr.

Einziger Nachteil der diesjährigen BOOT war, dass sich unsere Liste zwar um einige Punkte verkürzt und in anderen Punkten detailliert hat… aber letztendlich doch wieder ein kleines bisschen länger wurde.

An was man nicht alles denken muss!

Versicherungen

Erwartungsgemäß stecken wir mitten in den Vorbereitungen für unser Vorhaben. Die dazugehörige Liste konnten wir immerhin schon von „sehr lang“ auf „immer noch recht lang“ reduzieren… und ein (insbesondere für uns Deutsche) wichtiges Thema sind die Versicherungen.

Da ist zunächst mal die Yachtversicherung. Wir sind seit Erstwasserung bei dem Anbieter mit „F“ unter Vertrag und auf der BOOT in Düsseldorf haben wir mit den Kollegen dann auch mal intensiver über unsere Planung gesprochen. Ganz besonderer Knackpunkt ist natürlich die Antarktis. Da haben wir wahre Horrorgeschichten gehört, von „Das machen die nie!“ bis hin zu „Die SY *** musste die Selbstbeteiligung i.H.v. 100t€ hinterlegen“. Letzteres wäre für uns gar nicht machbar. Aber ohne Versicherung brauchen wir auch gar nicht daran denken, den obligatorischen Antarktis-Antrag beim Umweltbundesamt abzugeben (dazu später mal mehr). Umso größer unsere Freude über das positive Feedback.

Wir haben das Angebot über eine Versicherung für weltweite Fahrt mit den üblichen Einschränkungen bekommen. Also die extremen Breiten sind ebenso ausgenommen wie die meisten Afrikanischen Länder und Südostasien (welcher vernünftige Segler will heutzutage schon dahin?). Und dann gibt es den für uns hineinverhandelten Extra-Passus, dass vom 10. Dezember bis 10. Februar die direkte Passage und der Aufenthalt in der Antarktis mitversichert ist. Sicherlich war es da hilfreich, dass wir einerseits ein Aluminiumboot haben und ich andererseits vor 10 Jahren ja schon mal über Kojen-Charter im Eis war. Dafür kann man die Verdopplung der sonst geltenden, nicht zu hinterlegenden(!) Selbstbeteiligung gerne in Kauf nehmen.

Der Autoversicherer war auch sehr entspannt. Wir konnten schon zur Jahresmitte alle gewünschten Anpassungen vornehmen und die Laufleistung ab 2020 ist auf max. 1000km runtergefahren. Hintergrund ist, dass wir die Autos angemeldet lassen und bei unseren Eltern unterstellen. Diese werden dann hin und wieder mal etwas damit herumfahren, um sie so in Schuss zu halten. Das ist unter dem Strich günstiger und weniger aufwändig als eine Einlagerung für drei Jahre. Warum wir nicht verkaufen? Für unseren alten Diesel-Sharan würden wir wahrscheinlich fast schon was drauf zahlen müssen. Und der Polo ist genau in dem Alter, wo der größte Wertverlust nach Neukauf realisiert ist… es lohnt sich also nicht wirklich. Letztlich sind wir dann bei unserer Rückkehr auch gleich mobil.

Das Thema der alten Krankenversicherung ist nur für den (männlichen) Skipper interessant. Hier warten wir gerade auf das Angebot einer Anwartschaft. La Skipper fällt einfach aus Ihrer durch die Bundeswehr gegebene Heilfürsorge raus und sucht sich dann halt nicht jetzt, sondern erst nach Rückkehr eine neue Krankenversicherung. Für die Zeit dazwischen gibt es die Möglichkeit einer weltweiten Auslandsreisekrankenversicherung (max. 5 Jahre). Die ist sogar bezahlbar, solange man sich von den USA und Kanada fernhält.

Die berufsbezogenen Versicherungen unserer Bordärztin laufen natürlich (ggf. auf Anwartschaft) weiter und der Rest wird bzw. wurde gekündigt.

An was man nicht alles denken muss!

Sommertörn 2018 zum Zweiten: Kopenhagen – Varberg

Nach dem Trubel der dänischen Hauptstadt sollte es von nun an eigentlich um einiges ruhiger und größere Häfen bis Göteborg eher ausgelassen werden. Doch so ein Segelboot bezahlt sich ja auch nicht von selbst und der Skipper musste etwas arbeiten. Da hierfür ein zumindest halbwegs vernünftiges WLAN außerordentlich hilfreich ist, ging es mit dem nächsten Schlag zwar nach Schweden, allerdings nur bis Helsingborg (12°41’16.21″E / 012°41’16.21″E). Die den Öresund kreuzenden Fähren hier sind offenkundig völlig berechtigt ähnlich berüchtigt wie bei der Vogelfluglinie. Schnell, eng getaktet und immer auf direktem Weg zwischen Helsingborg und Helsingør! Als das überstanden war, fanden wir im Norra Hamnen schon wieder einen perfekten Liegeplatz längsseits am vorstehenden Holzkai direkt vor der Kunstgalerie. Hier begab es sich dann auch, dass die Mutter des Skippers erstmals seit Kühlungsborn einen Fuß an Land gesetzt hat… selbst in Kopenhagen hatte es nur für eine Dinghy-Tour gereicht. Und zur Feier des Tages wurde dann auch noch eine bezahlbare Burger-Restauration aufgesucht.

Helsingborg
Helsingborg

Doch nun ging es endlich in idyllischere Gegenden. Vorbei am Naturschutzgebiet Kullen ging der Anker in Hallands Väderö (56°25’56.00″N / 012°34’27.20″E) auf Grund (s. Beitragsbild). Bei dieser Insel gegenüber von Torekov war die Samai schon einmal auf der Rückführung von Norwegen vor zwei Jahren. Aber solch schöne Plätze verdienen mehr als nur einen Besuch. Es war auch der erste Einsatz unseres neuen Ankers (Spade 25kg). Unser bisheriger Haupt- und jetzige Ersatzanker (Lewmar Delta 20kg) hat uns zwar bisher wahrlich nicht enttäuscht und auch bei ordentlich Wind immer gut gehalten. Aber bei unseren Plänen sollte man sowieso (mindestens) zwei Hauptanker dabei haben. Und da wir das Equipment vorher gerne etwas testen – gerade einem Anker muss man schließlich vertrauen können! – haben wir uns die Anschaffung schon dieses Jahr gegönnt. Hier kam es dann auch zu einer ganz besonderem Ankerbegegnung mit einem Mototboot (… doch davon dann mehr in der demnächst neu zu eröffnenden Kategorie „Lernkurve Hafenkino“)

Nächstes Ziel war der kleine Hafen von Skallkroken (56°43’40.84″N / 012°38’27.41″E). Doch vor den Anleger hat das schwedische Militär ein Schießgebiet gesetzt. Hmmm… was tun? Auch im Internet waren partout keine Schießzeiten zu finden. Die Umfahrung bedeutete einen beachtlichen Umweg, da man im Grunde einmal herum und dann von Norden auf den Hafen zulaufen müsste. Doch was war das da auf dem AIS? Ein Tanker… und der fuhr von Osten kommend ausdrücklich nicht um das Schießgebiet herum sondern schnippelte die Ecke ab. Nun gut, wenn die Berufsschifffahrt da durchfuhr, dann konnten wir das auch. Es ging also mit klopfendem Herz auf direktem Weg nach Skallkroken, wobei das Herzklopfen weniger der Befürchtung eine lebenden Zielscheibe, sondern der Enge im Hafen geschuldet war. Im Grund gab es für uns nur zwei Anlegemöglichkeiten direkt an der Hafeneinfahrt. Doch das Glück verließ uns auch hier nicht. Der östliche Steg wurde zwar von Badegästen belagert und als Sprungbrett genutzt, aber der westliche Steg war wie für uns reserviert.

Skallkroken
Skallkroken

In Skallkroken ist auch der ausgesprochen nette Hafemeister zu erwähnen. Direkt nach dem Anlegen kam er mit breitem Lächeln und tief gebräuntem Oberkörper für einen Willkommensgruß zu uns. Er war gerade selbst mit seinem Segelboot draußen und hatte ob der nicht üppigen Tiefe von Zufahrt und Hafen doch etwas Bedenken, als er uns reinkommen sah. Doch der Hinweis auf unser bis knapp 1,10 m aufziehbares Schwert beruhigte ihn. Das andere konnten wir dann später erledigen. Und auch hier ein weiterer netter Plausch mit seinem Hinweis, dass wir ja ein ganz schön kleines Boot hätten… nicht wahr? Wir einigten uns auf die günstigere Variante der Liegegebühr. Und schon wenige Minuten später schwang sich der Skipper an der Topnant vom Bug hinaus um mit lautem Platschen neben dem Boot im Wasser zu landen.

Anleger Skallkroken

Nach diesem idyllischen Stopp stand am nächsten Tag Varberg (57° 6’35.29″N / 012°14’31.82″E) auf dem Programm. Auch hier lag die Samai am exakt gleichen Liegeplatz wie zwei Jahre zuvor. Die Männer an Bord machten den obligatorischen Spaziergang zur Varbergs Fästining und im Supermarkt wurden noch ein paar Kleinigkeiten besorgt. Abends ging es dann in das sehr empfehlenswerte „Västerports Kök“ einen Steinwurf vom Hafen entfernt. Die Karte war recht klein aber das Essen ausgesprochen lecker. Danach sollte es nur ein kurzer Verdauungsspaziergang werden… doch dann hörten wir Musik aus dem Stadtpark. Dort lief von Ende Juni bis Anfang August die Parkmusiken 2018 und gerade spielte die Street Bourbon Band ihren bunten Musik-Mix. Freier Eintritt, bunt gemischtes Publikum, Sonnenschein und gute Musik… der perfekte Tagesausklang.

Varberg
Varberg