Bürokratie in Südamerika (2): Uruguay

Prefectura Naval – Stufe 1: Uruguay

Nach dem gerade zwischen den Häfen und Ankerplätzen noch sehr entspannten Brasilien beginnt hier nun das in Europa unbekannte Konzept einer “Prefectura Naval”. In Uruguay ist diese Teil der Marine und wacht (natürlich nur aus Sicherheitsgründen) über den Schiffsverkehr an der Küste, bietet (spanischen) Wetterservice und bei Bedarf wohl auch Hilfeleistung. Dementsprechend wird von Schiffen in den Hoheitsgewässer erwartet, dass sie sich regelmäßig melden.

Häfen und Ankern

Die Häfen in Uruguay sind sämtlich staatlich geführt  und es wird erwartet, dass man etwa eine Stunde vor der Ankunft über Funk die entsprechende “Port Control” (oft gleichbedeutend mit der Prefectura) kontaktiert. Ob man darauf eine (nicht-spanische) Antwort erhält ist jedoch alles andere als sicher. Ein weiterer Anruf sollte dann direkt beim Einlaufen in den Hafen erfolgen.

Bevor man wieder ausläuft, muss man zunächst natürlich die fällige Hafengebühr entrichten. Darüber bekommt man eine schriftliche Bestätigung, mit der man zur Prefectura Naval geht um sich abzumelden. Man erhält ein Zeitfenster von 3 Stunden für das Auslaufen, wobei man das tatsächliche “Leinen los” wiederum über Funk melden muss.

Fast etwas ungläubig las ich im Nautischen Führer, dass freies Ankern in Uruguay grundsätzlich nicht erlaubt sei. Erstaunt habe ich diesbezüglich mal bei der Prefectura nachgefragt und erhielt als Antwort, dass man natürlich auch ankern dürfe… also zum Beispiel wetterbedingt oder in einem Notfall und selbstverständlich nur nach Rücksprache und mit Erlaubnis der Prefectura. Nun ja, “freies Ankern” ist für uns schon etwas anderes.

Unkompliziertes Einklarieren in La Paloma

La Paloma ist zwar ein „Port of Entry“, beherbergt jedoch keine „Migración“. Das macht das Einklarieren hier recht einfach. Man spricht bei der Prefectura direkt beim Hafen vor und schon an der Anmeldung werden alle Formalitäten erledigt. Ich bekomme zwar ein säuberlich ausgefülltes und gestempeltes Papier (ich sage mal „Laufzettel“), aber keine Stempel im Pass. Trotzdem seien wir hiermit offiziell eingereist.

Hin und her in Piriápolis

Am Samstagabend angekommen, ging ich am Sonntag pflichtbewusst zu der hier leider etwas weiter entfernten Prefectura. Dort bekam ich einen weiteren Stempel auf den Laufzettel. Die eigentliche Einreise könne ich erst am Montag von 9-14 Uhr durchführen.

Achtung: die Kopien von Laufzettel, Schiffspapieren und Pässen müssen hier wohlgemerkt selbst mitgebracht werden! Wieder einmal waren wir froh über unseren kompakten HP-Drucker-Scanner an Bord.

Am Montagmittag sprach ich erneut bei der Prefectura vor, wurde jedoch gleich wieder weg geschickt. Ich müsse erst zur am Hafen gelegenen Migración, die mich wiederum darauf hinwies, dass die gesamte Besatzung vorsprechen müsse. Irgendwann war die fällige Gebühr bezahlt (nur Bares ist Wahres!) und die Pässe gestempelt. Damit am nächsten Tag wieder zu den Damen bei der Prefectura, die sich das Ganze aber eigentlich nur nochmal kurz anschauten. Der Laufzettel war ja schon gestempelt.

Beim Ausklarieren dann das gleiche Spiel. Zuerst zur Migración, nochmal bezahlen (glücklich ist, wer etwas Bargeld übrig behalten hat… ich musste erst nochmal in die Stadt zum Geldautomaten), mit den gestempelten Pässen und Laufzettel sowie natürlich dem Nachweis der gezahlten Hafengebühr zurück zur Prefectura, dort noch einen Stempel auf das offizielle Papier und endlich waren wir bürokratisch wieder ausgereist.

Ok, es war einiges an „Hin und her“, aber auch hier waren alle Damen und Herren in den offiziellen Stellen ausgesprochen freundlich und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten (also nicht, was die Benutzung des durchaus vorhandenen, eigenen Kopierers angeht) hilfsbereit.