Eastern Lemmon Cays – Meer und Müll

30. Juni – 2. Juli 2021

Die östlichen Lemmon Cays halten mit dem Wrack bei Dog Island einen touristischen Hotspot bereit, den auch wir uns nicht entgehen lassen können. Der Revierführer schlägt vor, südlich davon vor dem Strand zu ankern. Auf dem AIS sehen wir dort auch immer mal wieder andere Boote. Bei den aktuell südlichen Winden gefällt mir das jedoch nicht wirklich. Warum schaukeln, wenn direkt auf der anderen Seite eine kleine Bucht lockt. Ok, eine Detailkarte oder gar Wegpunkte gibt es nicht. Ein Luftbild sieht jedoch vielversprechend aus. So hangeln wir uns am nördlichen Riff der schmalen Durchfahrt entlang und haben tatsächlich immer mindestens 5m Wassertiefe!

Dahinter öffnet sich fast kreisrund eine bis zu gut 10m tiefe Mulde von etwa 80m Durchmesser. Mitten rein werfen wir den Anker und geben (nur!) 30m Kette. Für diese Wassertiefe eigentlich viel zu wenig, aber wir wollen ja nicht auf ein Flach schwoien. Ganz klar nicht mehr als ein Tagesankerplatz bei ruhigen Bedingungen. Für jetzt also perfekt. Wie auch der Schnorchelgang, von dem Samuel ja schon berichtet hat.

Danach fahren wir immer brav der empfohlenen Route folgend in großem Bogen weiter in Richtung der vor einigen Tagen verworfenen Yansaladup. Zwar liegt nur ein anderes Boot in der Nähe dieser offiziell bewohnten Insel, doch der Skipper möchte mal wieder weiter. „An average yacht can be taken all the way to Misdup through the coral studded-lagoon.“

Da hinten liegt unser Ankerplatz bei Misdup

Wir halten uns an die erprobte Prozedur: Wegpunkte doppelt geprüft im Plotter, Samuel auf der ersten Saling, hochstehende Sonne und langsame Fahrt voraus. Wieder geben nur Verfärbungen im Wasser Hinweise auf Flachstellen und Riffe. Am Ziel werfen wir weit weg von der nächsten Insel, gefühlt mitten im Nirgendwo den Anker. Um uns herum springen Fische, doch zaghafte Angelversuche sind leider nicht von Erfolg gekrönt. Während sich etwas entfernt gut ein halbes Dutzend Boote am „popular anchorage“ tummeln, genießen wir die Ruhe.

Blick auf „popular anchorage“
Wir genießen die Ruhe

Doch die Nähe der „Zivilisation“ holt uns auch hier schnell ein. Immer wieder treiben Inseln von abgerissenen Pflanzenteilen (nicht weiter schlimm) und Plastikmüll (Grmpf) an uns vorbei. Die Zusammenstellung deutet wahrlich nicht auf typischen Schiffsabfall hin. Ein paar besonders schöne Exemplare (z.B. einen nahezu leerer Kanister Motorkühlmittel) fischen wir heraus, doch das meiste müssen wir (auch platzbedingt) weitertreiben lassen. Man sollte meinen, dass ein Volk, das am, im und vom Meer lebt ein wenig aufmerksamer mit seiner wichtigsten Ressource umgeht. Doch es sind halt auch „nur Menschen“…

Nicht weit entfernt ragen die spärlichen Reste einer Hütte aus dem Wasser. Der Plotter verzeichnet dort noch eine Insel, doch die ist inzwischen wohl Geschichte. Mit dem Dinghy fahren wir rüber. Der in stoischer Ruhe auf einem Holz sitzende Vogel zeigt sich von uns völlig unbeeindruckt. Derweil laufen wir meist nicht einmal knietief über den sandig-steinigen Grund mitten im Meer. Die Kinder finden ein paar schöne Muscheln und große Seeigelgehäuse.

Samuel: Kurz bevor wir weiterfahren wollen, findet Mama noch eine Muschel. Weil sie sich nicht traut sie aufzuheben, werde ich gerufen und hebe sie auf. Sofort steigt uns ein beißender Gestank in die Nase. Wir spülen die Muschel aus und eine brauen Flüssigkeit, die einen verwesenden Geruch hat, kommt heraus. Wir entscheiden uns, diese Muschel dem Meer zurückzugeben.

Idylle pur.

Hmmm…

Einen zweiten kurzen Stopp machen wir bei einer Sandbank. Abrupt steigt der Meeresboden von fast 10m auf unter 1m. Feinster Sand unter unseren Füßen. Ohne die leider wieder herantreibenden Plastikreste wäre es perfekt.

Jetzt aber lieber schnell zurück zur Samai!

Doch viel Zeit bleibt uns ohnehin nicht. Der Blick zur südlichen Küste verheißt nichts Gutes. Dunkel zieht die Wetterfront heran. Auf dichter vorgelagerten Inseln regnet es schon. So machen wir uns recht schnell auf zur (inzwischen wieder moskitobefreiten) Samai. Morgen geht es weiter. Es gibt noch viel zu entdecken.

Auch bei der Ausfahrt…
… ist eines absolut unverzichtbar:
Ein zuverlässiger Ausguck!

Samuel schnorchelt am Wrack

30. Juni 2021

Ist das nicht gefährlich? Und solche Wracks liegen doch normalerweise tief auf dem Meeresboden wie man es aus Filmen kennt, oder? Doch, es kann schon gefährlich sein, aber nein, das Wrack ist nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche. Es ist 1925 gesunken, als es einen Wassereinbruch gab. Die Pumpen haben das Wasser nicht mehr abpumpen können. Der Kapitän des Schiffes hat Vollgas gegeben und das Schiff auf den Strand gesetzt. Die Fracht konnte dann noch gerettet werden, das Schiff war gesunken. Aber das nur nebenbei.

In dem Reiseführer, den wir gekauft haben, steht ein Ankerplatz, der Papa nicht gefällt. Wir umrunden die Insel und sehen eine Einfahrt. Allerdings ist die Einfahrt eng und wir haben keine Wegpunkte. Ich werde wieder auf die Saling geschickt und wir fahren hinein. Mama ist die ganze Zeit am Meckern, weil das für uns zu eng wäre. Wir zirkeln uns durch die Engstelle, werfen den Anker in einem tieferen Bereich und gehen mit Schnorchelausrüstung ins Wasser. Die neue GoPro9 ist auch dabei.

Vorher hat Papa eine Bewegung im Riff querab von uns wahrgenommen. Er fotografiert und wir denken, dass es ein Krebs ist. Maila ist nicht begeistert. Später stellt sich heraus, dass es doch nur eine Pflanze ist.

Danach sind wir dann zum Wrack geschnorchelt. Auf dem Weg tauchen wir über ein Korallenriff. Es ist recht einfarbig, aber immerhin entdecken wir erste Hirnkorallen und einige Fische. Rund um das Wrack ist es sandig. Wir tauchen über die Sandstrecke und erblicken das Wrack. Es ist übersät mit Hirnkorallen und auf den Hirnkorallen sind haufenweise Weihnachtsbaumwürmer. Maila ist begeistert. Mama kennt die gar nicht. Um die Korallen herum schwimmen lauter Fische in den verschiedensten Farben.

Plötzlich bewegt sich etwas. Ich schaue genauer hin und zücke die neue Unterwasserkamera. Es ist eine große Krabbe. Sie sieht fast aus wie eine Königskrabbe, ist aber wahrscheinlich doch keine. Ich zeige sie Maila. Sie erschrickt und weicht zurück. Als ich mich wieder zurückdrehe um die Krabbe zu fotografieren, ist sie wie vom Erdboden oder vom Wrack verschluckt. Sie war rot mit Auswüchsen. Ich schätze ihre Beinweite auf ca. 30 cm.

Wir sehen auch noch viele andere Fische. Die meisten kenne ich nicht. Nur den Zebrafisch erkenne ich. Es ist grau gelb gestreift und ich habe ihn bereits beim Abkratzen der Schraube in Ecuador gesehen.

Wir umrunden das Wrack mehrmals und entdecken einen Fisch am Boden, der vorne am Kopf hornartige Auswüchse hat. Vor seiner Schwanzflosse sind auch noch zwei. Seine Färbung ist gelblich mit in der Sonne blau leuchtenden Streifen.

Kuhfisch / kleiner gehörnter Kofferfisch

Ein anderer Fisch, der gut getarnt ist, liegt regungslos am Boden. Er ist langgestreckt und hat eine gescheckte Färbung. Seine Grundfarbe ist die des Sandes mit braunen Punkten. Super Tarnung.

Eidechsenfisch

Wir sehen außerdem kleine Fischchen, die gerade mal zwei Zentimeter lang sind, einen gelben Bauch und einen blauen Rücken haben.

Damselfish

Ein etwas größerer Fisch ist ganz gelb mit blauen Augenringen.

Grunzer

Dann arbeiten wir uns in der Größe mal hoch. Ein etwa fünf Zentimeter großer Fisch hat einen grell hellblauen Kopf, dahinter einen schwarzen Streifen, wieder einen Stelle mit diesem blau und dann noch ein schwarzer Streifen. Der Rest des Fisches ist schillernd türkis. Ein echt überaus hübscher Fisch. Man muss aber sagen, dass es einen Hübscheren gibt!

Blaukopfjunker

Ein ähnlich großer, aber deutlich höherer Fisch ist dunkelblau mit hellblauen Flossen, die in der Sonne schimmern.

Doktorfisch

Wieder in der Größe gibt es einen Schwarmfisch, der hier wohnt. Es handelt sich um graue Fische mit einer gelben Schwanzflosse und einem gelben Seitenlinienorgan.

Yellowtailsnapper

Kommen wir nun zu den großen Fischen. Sie haben ein deutlich sichtbares Schuppenmuster und einen knallroten Bauch. Ihre Rückenflosse war auch leicht rötlich.

Papageifisch-Weibchen (Stoplight-Parrotfish)

Auf dem Rückweg habe ich auch noch eine Seenadel gesehen, die sich in einem Strauch versteckt hat, den man eher an Land vermutet.

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Das waren die hübschesten der Fische die wir gesehen haben. Noch mehr will ich jetzt nicht beschreiben. Wie sagt man so schön? Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Blaurücken-Stachelmakrele
Vieraugen-Falterfisch

Ein Hinweis zum Schluss: Wir würden uns sehr über Kommentare freuen, in denen wir erfahren, welche Fischarten genau wir gesehen haben. Auch über andere Kommentare freuen wir uns natürlich!

Samuel

Lemmon Cays – Mangroven und Moskitos

28. – 30. Juni 2021

Eigentlich soll es heute zu einem gleich südlich gelegenen Ankerplatz vor Yansaladup gehen. Zur Erinnerung: Dup = Insel. Dann sehen wir aber, dass das (bei dem beobachteten Anlegemanöver mutmaßlich Charter-)Katamaranduo „Habibi“ und „Zhing“ dort ankern. Die zwei kennen wir schon von der Linton Bay Marina. Ich sage mal „rücksichtsvoll-freundlich“ geht anders (mittelmäßige Sax-Begleitung zu lauter Konservenmusik, grußlos auf dem Steg…). Kurz und gut: Planänderung.

Maila steuert uns sicher aus den Chichime Cays!

Wir ziehen die wenige Meilen südwestlich liegenden „Lemmon Cays“ vor. Auch hier gibt es einen vergleichsweise leicht anzusteuernden und dementsprechend beliebten Ankerplatz, auf dem sich schon einige Boote tummeln. Da lockt eine kleine, perfekt geschützte, von Mangroven umgebene Bucht bei Iskardup schon eher. „Few will venture here because of the complicated approach.“ Der Skipper lächelt leise in sich hinein. Auf diese Ecke habe ich von Anfang an ein Auge geworfen. Jetzt bekomme ich den Segen der Familie.

Geschützte kleine Bucht!

Die Wegpunkte sind im Plotter und doppelt geprüft, die Sonne steht hoch und Samuel klettert auf die erste Saling in den Ausguck. So tasten wir uns den engen Kanal zwischen den Flachs hindurch. Uns bleiben dabei mindestens 3m Wasser unter dem Rumpf. Das reicht locker. Am einsamen Ziel angekommen werfen wir den Anker einfach mitten in die hier 10m tiefe Bucht und geben ausreichend Kette.

Samuel findet den Weg…

Der Motor ist noch nicht aus, da umschwirren uns schon zwei kleine Kuna-Boote. Ein älterer Mann erzählt was vom Anker, doch so richtig verstehe ich ihn nicht. Unverrichteter Dinge zieht er wieder ab. Erst ein paar Tage später dämmert mir, was er eigentlich wollte. Im anderen Boot sitzen zwei Frauen mit drei verkaufs-psychologisch wohlplatzierten Kindern. Ihr Anliegen ist offensichtlich. Sie bieten uns bestickte Hemden, Armbänder, Mundschutz(!) und einiges andere an. Ok, die selbstgenähte Fahne der Guna Yala fehlt uns als Gastlandflagge unter der rechten Saling. Aber 15$ sind mir zu viel. Sie fragen nach ein paar Keksen für die Kinder. Dem kommen wir natürlich gerne nach. Und schon sinkt auch der Preis der Flagge auf zwar immer noch überteuerte, aber halbwegs darstellbare 10$. Nun wehen also die insbesondere aus Sicht der indigenen Bevölkerung „richtigen Farben“ an der Samai.

Wir bekommen noch weiteren Besuch. Zunächst schaut „Mola Lisa“ vorbei. Eine Mola ist DAS typische Souvenir von Guna Yala. In Handarbeit werden mehrere Lagen bunter Stoff zu einem rechteckigen Kunstwerk vernäht. Geometrische Muster sind klassisch, heute werden aber oft auch Tiere und andere moderne Motive verwendet. Die längsseits gegangene „Mola-Meisterin“ verweist stolz auf ihr Bild im Revierführer und präsentiert ihre reichhaltige Auswahl. Wir entscheiden uns für ein klassisches und zwei tierische Motive, bekommen einen kleinen Mengenrabatt und haken den Punkt „Guna Yala Souvenir“ von unserer imaginären Liste ab. Sehr zum Leidwesen eines anderen, kurze Zeit später vorbeischauenden „Mola-Meisters“, der bei uns nun leider leer ausgeht.

Mola Lisa

Ansonsten bekommen wir immer wieder Langusten angeboten. Dieser kulinarische Leckerbissen stößt allerdings nur bei der halben Crew auf Gegenliebe, weshalb wir dankend ablehnen. Anders dagegen, als ein älterer Mann uns drei Fische anbietet. Wir einigen uns auf 5$ und sichtlich erfreut macht er sich noch mit der Machete daran, seinen Fang für uns zu entschuppen. Vielen Dank!

Der Pelikan bekommt nichts von uns ab :-)

Mit aufblasbarer Badeplattform und Schnorcheln erkunden wir die Bucht. Dabei halten wir uns jedoch von dieser kahlen Stelle in den Mangroven fern. Zuerst denken wir an angespülten Meeresmüll. Doch dann sehen wir einen Kuna vorbeipaddeln und einen vollen Plastikbeutel an Land werfen. Also doch eine „wilde“(?!) Müllkippe. Erstmals kommen ernsthafte Zweifel am gerne gezeichneten Bild der naturverbundenen und auf dem Schutz ihres Lebensraumes bedachten Kuna. Da wissen wir (zum Glück) noch nicht, was in den nächsten Tagen so an uns vorbeitreiben wird.

Der Müll ist abgeladen… schnell weg :-(
Typischer Nachmittagsschauer

So schön die kleine Bucht auch ist, sie hat einen ganz gravierenden Nachteil. Moskitos. Also jetzt nicht die normalen Mücken. Es sind dutzende, ach was hunderte kleine, schwarze, fliegende Punkte, denen mit Beginn der Dämmerung kaum ein Mückenschutz zu eng ist. Von der Salondecke wische ich sie mit einem Schwamm ab. Überall juckt es. In der ersten Nacht wird die gesamte Crew zerstochen. Selbst vorbeikommende Kunas beklagen sich am nächsten Morgen über ihre moskitogestörte Nachtruhe und paddeln in langärmligen Sweatshirts. In der nächsten Nacht schützen lange Hosen und dünne Decken so leidlich gegen die kleinen Biester, lassen dafür den Schweiß noch mehr strömen. Wir ergreifen schlicht die Flucht. Nach zwei Nächten geht es weiter.

Casco Viejo

16. Juni 2021

Panamá City wurde im Jahr 1519 als erste spanische Kolonie an der Pazifikküste gegründet und wuchs schnell zu einer wichtigen Handelsstadt heran. Bis 1671 der Freibeuter Henry Morgan kam. Die Reste der durch den Überfall fast komplett zerstörten Stadt sind heute als „Panamá Viejo“ zu besichtigen, doch außer ein paar Ruinen ist nicht viel übrig geblieben.

Zwei Jahre später im Jahr 1673 wurde etwas weiter westlich eine neue Siedlung errichtet. Diese sogenannte Casco Viejo, historischer Kern der heutigen Metropole Panamá City, wurde zusammen mit mit den Ruinen ihres Vorläufers im Jahre 1997 zum Weltkulturerbe erklärt. Ein touristischer Pflichtbesuch.

Am besten lässt sich die Altstadt in einem Spaziergang erkunden. Wir beginnen am nach einem General des 19. Jahrhundert benannten Plaza Herrera am Rand des eigentlichen, historischen Kerns. Schon in der erste Kirche bekommen wir dann auch für nur einen Dollar einen Faltblatt-Führer. Der zweisprachige Hinweis „gratuita / free“ wurde von Hand sorgfältig durchgestrichen. Sehen wir es als Spende an.

Die Iglesia de San José ist aber auch wirklich gleich mal ein ersten Höhepunkt. Insgesamt eher nüchtern gehalten, fällt sofort der große, vergoldete Barock-Altar auf. Die zweite Attraktion verpassen wir fast. Eine nette Dame führt uns durch ein unscheinbare Tür vorbei an alten Holzstatuen in einen weiteren Raum. Dort erwartet uns eine große Miniaturwelt. Mit einer fast unglaublichen Detailverliebtheit werden hier wichtigen Stationen des neuen Testaments dargestellt. Da stecken viele Stunden Arbeit drin.

Die dritte, von der ganzen Familie genossene Attraktion der Kirche ist die Klimaanlage. Ja, hier in Casco Viejo ist praktisch jedes Gotteshaus klimatisiert. An einem sonnig-heißen Tag wie heute ist das eine wahre Wohltat. So gerne haben auch die Kinder noch nie Kirchen besucht. Doch vor der nächsten Abkühlung spazieren wir erst an der Ruine einer Jesuitenkirche, zugleich Panamas erster Universität vorbei.

Am Plaza Mayor, bzw. dem in süd- und mittelamerikanischen Ländern gerne so genannten Plaza de la Independencia (Unabhängigkeitsplatz) bewahrheitet sich unser offensichtlicher Touristenstatus. Von einem älteren Herrn werden wir konsequent darauf angesprochen. Helle Haut und kurze(!) Hosen… Gringo?!?

Plaza Major im Panorama

Wir flüchten zunächst in ein kleines historisches Museum. Hier bekommen wir als aktuell einzige Besucher dann auch eine kleine Privatführung. Der Mitarbeiter genießt offensichtlich die seltene Abwechlsung.

Gegenüber lockt mit der wohl klimatisierte Kathedrale der Stadt das wichtigste katholische Gotteshaus de Stadt. Ein Déjà-vu. Wieder stehen sehr nüchterne, weiß verputze Säulen und die hierzulande anscheinend typisch schlichte Holzdecke einem prunkvollem Altar gegenüber. Davor die Flaggen Panamas und des Vatikan.

Durch eine Straße der Gegensätze von alt und neu spazieren wir vorbei am besterhaltenen Kolonialhaus des alten Quartiers bis zu den Ruinen von Santo Domingo mit ihrem Arco Chato genannten, ehemaligen Stützbogen des Kirchenchores. Eine Touristenattraktion schon seit dem 19. Jahrhundert, 1941 zum nationalen Monument erklärt, verkörperte er nach mehreren überstanden Erdbeben überdauernde Beständigkeit. 2003 stürzte er dann ganz unerwartet doch noch ein… und schnell wieder rekonstruiert.

Gegensätze
Besterhaltenes Haus der Kolonialzeit
Arco Chato im Panorama

Nach einer weiteren kurzen Abkühlung im kleinen benachbarten Museum für religiöse Kunst spazieren wir um die das Casco Viejo abschließende Halbinsel mit alten, dicken Verteidigungsanlagen, darunter die dicken Mauern von Las Bovedas (ehemaliges Stadtgefängnis), vorbei am Monumento al canal zurück über die Esteban Huertas Promenade mit Panoramasicht auf das neue Panamá City.

Monumento al canal
Der Skipper ist auch dabei ;-)

Den Abschluss der Besichtigungstour bildet der Plaza Bolivar mit dem Teatro Nacional sowie der 1810 umgestalteten (und natürlich klimatisierten ;-) Iglesia San Francisco de Asis.

Plaza Bolivar
Iglesia San Francisco de Asis

Dann haben wir für einen tropischen Sommertag aber auch wirklich genug Weltkurlturerbe für einen Tag besichtigt. Zum Ausklang genießen die Kinder noch ein leckeres, hausgemachtes Eis, La Skipper einen Eiskaffee und der Skipper – na was wohl – ein Balboa(-Bier ;-).

Ok, auf dem Weg zur Fußgängerzone nebst großen Supermarkt schauen wir dann doch noch in die Iglesia Nuestra Señora de la Merced. Diese endgültig letzte Kirche auf unserem Spaziergang hat als einzige im alten Quartier noch Holzdecke und -säulen im Original aus der Kolonialzeit. Ansonsten fällt ein kleiner Seitenaltar auf, an dem die Panamaer offensichtlich Segen für das eigene Heim erbitten.

Iglesia Nuestra Señora de la Merced

Nach einem kleinen Einkauf bestellen wir (insbesondere für die Kinder: endlich!) den Uber zurück zur Marina. Kaum eingestiegen staunen wir jedoch nicht schlecht über die Gegend, durch die wir gleich neben Casco Viejo fahren. Vorsichtig ausgedrückt sind die Mieten, so denn überhaupt gezahlt, hier ganz offensichtlich nicht besonders üppig. Nur gut, dass wir uns hier nicht zu Fuß rein verirrt haben. Da weiß ich allerdings noch nichts über meine Irrwege am nächsten Tag… doch davon in einem anderen Beitrag mehr.

Bürokratie in Mittelamerika: Panama

Juni / August 2021

Für Schiffe aller Art ist Panama vor allem ein Transit-Land. Darauf ist man hier eingestellt. Bleibt das Boot nur maximal 72 Stunden in panamaischen Gewässern, ist im Grunde keinerlei „Standard-Bürokratie“ notwendig. Mit entsprechender Vorbereitung reicht das locker für einen Kanaltransit zwischen den Ozeanen. Genau dafür ist diese Regelung gedacht. Wir kleinen Segler kommen dagegen meist nicht um das normale Prozedere herum.

Einreise in Panama City (La Playita Marina auf der Pazifikseite)

Doch was heißt in diesen Tagen schon „normal“?! Immerhin, das Land hat offene Seegrenzen. Alles andere ist in Hinblick auf den Kanal wohl auch nicht darstellbar. Als erstes müssen wir alle einen PCR-Test machen. Glücklicherweise kümmert sich und Trans Ocean Stützpunktpunktleiter Rogelio, zugleich unser Agent für den Panamakanal, um die Einreise gleich mit. Dazu gehört, dass er uns zu dem Test fährt. Die Vorfreude hält sich nach der Erfahrung aus Ecuador in Grenzen. Dort hatten wir ja das Gefühl, dass mit dem Teststäbchen eine kleine Rundreise durch den Frontallappen unternommen wurde. Besonders Maila wird vor dem Test ganz still. Doch dann die Erlösung. Hier ist das ganz entspannt. Das Stäbchen kommt natürlich in die Nase, aber bei weitem nicht so tief wie befürchtet. Das schafft auf unsere tapfere Maila ohne Probleme!

Warten auf den Test

Nach Erhalt der negativen Ergebnisse geht es zum Hafenkapitän (hier: Autoridad Maritíma de Panamá). Der sitzt gleich um die Ecke in der Flamenco Marina. Während Rogelio Papierkram sortiert und vorbereitet, beantworte ich geduldig alle Fragen des Hafenkapitäns. Damit füllt er seine „Declaración General“ aus. Ganze sechs Durchschläge in verschiedenen Farben hat der überlange Zettel. Vier davon schlummern noch in unseren Unterlagen. Das Original unseres international Zarpe aus Costa Rica hat er dagegen einbehalten.

Am nächsten Tag fahren wir wieder rüber zur Flamenco Marina. Dieses Mal geht es zwei Türen weiter zur Immigration. Dort werden unsere Pässe gestempelt. Das hätte ich sicher auch alleine hinbekommen, aber Rogelio besteht darauf mitzukommen. Er möchte zu 100% sicher stellen, dass alles seine Ordnung hat.

Der dritte Anlaufpunkt beim sogenannten Einklarieren ist normalerweise der Zoll (Customs, Aduana). Nicht so im Transitland Panama, wo jedes Schiff automatisch eine Art Sonderstatus bekommt. Das hat wieder mit dieser 72 Stunden-Regelung zu tun. Darüber hinaus muss der Segler dann aber doch tätig werden und sich ein sogenanntes Cruising Permit besorgen. Das erlaubt die freie Navigation in panamaischen Gewässern gleich für ein ganzes Jahr. Für uns besteht der Aufwand lediglich darin, die obligatorische Gebühr von aktuell 185$ zu bezahlen. Eine Stunde später bringt Rogelio das Papier vorbei.

Cruising Permit

Ausreise in Obaldia (Atlantikseite)

Die Ausreise gestaltet sich theoretisch einfach. Lediglich zwei Stationen sind abzuarbeiten. Als erstes geht es für die Stempel in den Pässen zur Immigration. Dort erwartet mich zunächst ein Dämpfer. Die Grenze (zum benachbarten Kolumbien?!) sei geschlossen. Wie jetzt? Da ist der zur Sicherheit kontaktierte Agent in Cartagena aber ganz anderer Meinung. Das Problem sei auch nicht dort, sondern hier. Die Dame telefoniert mit einem Vorgesetzten in Panamá City. Geht wohl doch. Ein Kollege tippt seelenruhig im Computer rum und holt schließlich auch den Stempel raus. Geschafft… wir dürfen ausreisen!

Immigration in Obaldia

Danach brauchen wir nur noch noch das in Süd- und Mittelamerika obligatorische internationale Zarpe. Darum kümmert sich die Autoridad Maritíma. Wieder sind die Kopien von Pässen, Schiffszertifikat und Cruising Permit selbst beizubringen. Danach geht alles seinen bürokratischen Gang. Pflichtbewusst wird jeder der bis zu sieben (sic!) Durchschläge gestempelt. Die für diesen Service anfallenden Gebühren sind nicht landesweit geregelt. Mal zahlt man mehr, mal weniger. In Obaldia werden für die Ausreise alles in allem lediglich günstige 12$ berechnet. Das war im Grunde schon alles.

Schon wieder so ein „Zarpe“…

Wenn man in Obaldia aus Panama ausreist, bietet sich laut Revierführer ein weiterer Besuch an. Das hier ansässige kolumbianische Konsulat stempelt angeblich eine vorläufige Einreise in die Pässe. Damit dürfe man auf dem Weg liegende Häfen ohne offizielles Einklarieren anlaufen. Auch wenn das nicht geplant ist, so gäbe es doch eine gewisse Sicherheit. Der Kollege erklärt mir jedoch, dass sie das nicht machen und wir zum Einklarieren in den nächsten kolumbianischen Ort fahren sollen. Nein danke! Wir setzen lieber direkten Kurs Nordost…

Das kolumbianische Konsulat ist keine Hilfe!