Drake Passage (4) – Auf ein Neues!

Man sagt, die Drake Passage sei der Preis, den man für einen Besuch der Antarktis (bzw. deren Halbinsel) bezahlen müsse. Nun ja, wir hier und hatten diesen Preis damit bisher nur zur Hälfte gelöhnt. Wir mussten auch noch zurück. Zwischen unserem Absprung und dem patagonischen Beagle Kanal liegen 560sm offenes Meer. Das kann natürlich auch mal ruhig sein. So war die Sarah W. Vorwerk auch Ihrem Rückweg wohl drei Tage nur gemotort, es war „so ruhig, wie noch nie“. Dieses Fenster hatten wir ja offensichtlich verpasst, so dass wir uns dann erst bei nächster zu verantwortender Gelegenheit am 1. März auf den Weg machten. Um sechs Uhr ging der Wecker, die Landleinen waren vor sieben Uhr gelöst, dann musste noch das Dinghy auf das Vordeck und sicher verzurrt werden. Um 8 Uhr waren wir endlich soweit. Umgeben von mehr als einem halben Dutzend blasender Wale in Nah und Fern verließen wir die geschützten Melchior Islands. Auf ein Neues!

Abfahrt mit schneebedecktem Boot…

Der Anfang versprach recht entspannt zu werden. Kurz nach dem Ablegen vermeldete das Logbuch die Marke von immerhin schon 10.000 zurückgelegten Seemeilen seit unserer Abfahrt Anfang Juli. Genau jetzt konnten auch das gereffte Groß sowie die Kutterfock gesetzt werden und den restlichen Sonntag segelten wir mit 5-6 Bft. Halbwind unerwartet schnell nach Norden. Erst am späten Abend ließ der Wind soweit nach, dass wir den Rest der ruhigen Nacht unter Motor weiter gefahren sind. Ich wollte nicht trödelt, denn für die Wochenmitte war die Vorhersage nicht wirklich schön. Demnach würden wir vor Südamerika 5-6 Bft. (in Böen 7 Bft. – also durchaus 30kn = knapp 60 km/h) genau auf die Nase bekommen. Vielleicht könnten wir ja vorher durchschlüpfen?

Manch einer mag sich bzw. uns fragen: „Warum seid ihr dann überhaupt losgefahren?“ Einfache Antwort: „Das war die auf Sicht beste Vorhersage für die Passage!“ Selbst unter Berücksichtigung des schon in wenigen Tagen Vorhersage eintretenden Kristallkugelfaktors. Vielleicht würde dieser ja auch zu unseren Gunsten wirken und die Situation entschärfen? Doch leider verschlechterten sich die Aussichten mit dem aktuellen Wetterbericht am Montag früh noch etwas. Zwar würden wir bis Dienstagabend bei entspannten Verhältnissen mit halben, raumen oder auch mal fast gar keinem Wind gut unter Segeln und Motor vorankommen, aber dann müssten wir uns etwas überlegen…

Alltagsprobleme in der Antarktis: Körperhygiene

„Körperhygiene an Bord eines Segelbootes wird total überbewertet!“ So sprach vor Jahren Segellehrer Uwe und die anwesenden Männer nickten wissend. Sicher, mit diesem Thema geht jeder auf seine Art und Weise um, von der mindestens täglichen Dusche bis hin zur wochenlang vor sich in modernden Duftbombe gibt es jede erdenkliche Spielart. Doch eines muss an dieser Stelle mal festgehalten werden: Eine „robuste“ Einstellung zu diesem Thema ist an Bord eines Segelbootes auf Langfahrt manchmal unumgänglich.

In wärmeren Region mag das alles ja kein Problem sein. Nach dem täglichen Sprung in das badewannenwarme Meer geht es kurz mit der Heckdusche über den gebräunten Leib… da bleibt maximal etwas Salzaroma haften. Eine andere Sache ist das, wenn die Temperaturen sinken. Das kann durchaus schon in Argentinien der Fall sein. Ende 2019 im Yacht Club Buenos Aires frisch geduscht musste das dann auch erst mal eine Weile reichen. Sage und schreibe am 11. Januar nahm die Crew der Samai in einer konzertierten Aktion ihre erste Dusche des Jahres 2020. An Bord. Ja, wir nennen den Luxus einer separaten Borddusche unser Eigen. Warmes Wasser gibt es allerdings nur mit Landstrom oder wenn der Motor läuft… und auch dann nicht unbegrenzt. Ansonsten nimmt der Wassertank nahezu die Temperatur des den Rumpf umgebenden Meeres an.

Tja, und dann fährt man für einen Monat in die Antarktis. Natürlich waren wir alle in Ushuaia nochmal unter die Dusche gegangen. Das war am 31. Januar. Und heute ist der 3. März. Warum wir nicht alle regelmäßig an Bord duschen? Dagegen sprechen im Eis einige Argumente:

  • Es gibt hier zwei Möglichkeiten, den Wassertank zu füllen. Mit Kanistern zu einem der eher seltenen Gletscherschmelzbäche paddeln (haben wir bei den Melchior Islands tatsächlich gemacht!) oder der bei kaltem Wasser deutlich weniger effiziente Wassermacher (für den allerdings der Motor laufen muss).
  • Wir sind im Geltungsbereiches des Antarktisvertrages und haben damit unter anderem die Auflage, dass auch Grauwasser nur mindestens 3sm von Land entfernt eingelassen werden darf sowie genauer Ort, Zeitpunkt und Menge in einem Nachreisebericht dokumentiert werden müssen. Die Dusche pumpt direkt ins Meer.
  • Die Temperatur unter Deck pendelt sich am Tag bei ca. 10°C ein. Da kostet es schon etwas Überwindung, sich aus den zwiebelartig getragenen Kleidungsschichten zu pellen, frohgemut unter die (anfangs natürlich eiskalte) Dusche zu hüpfen und anschließend, möglicherweise gerade mal so halbwegs angewärmt, triefnass wieder rauszukommen.

Kurz und gut: In der Wasserbilanz des Monats Februar spielt die Position „Dusche“ keine Rolle.

Na dann werden wir aber doch sicher regelmäßig, wenn nicht täglich unsere Wäsche gewechselt haben?! Hand aufs Herz: Wie viele Schlüppies liegen im heimischen Schrank? An Bord eines Langfahrtschiffes sind es mit Sicherheit weniger! Und nochmal… wir reden hier von gut 30 Tagen. Also nein, Wäschewechsel erfolgte ausschließlich nach Bedarf. Ob das nun so selten sein muss wie beim Skipper (war das wirklich wöchentlich oder noch seltener?! ;-) sei mal dahingestellt.

Einziger Vorteil in der kalten Umgebung ist, dass man nicht soviel schwitzt. Also eigentlich gar nicht. Daher stinkt man auch nicht ganz so schnell. Aber Fakt ist, dass wir sicherlich in einem für Außenstehende olfaktorisch relevanten Umfang müffeln. Nicht alle gleich intensiv, natürlich gibt es nicht zuletzt hormonell bedingte Abstufungen. Ich sage mal, dass die einsetzende Pubertät eines Teens in dieser Hinsicht sicher kontraproduktiv ist, wohingegen sich in noch jüngeren Jahren das Stinkpotential im Wesentlichen auf die Ausscheidungen beschränkt. Damit sind dann auch die Eckpunkt unserer internen Mief-Tabelle definiert, die Eltern reihen sich dazwischen ein.

Aber so ist das nun einmal. Ich betone immer wieder, dass wir hier auf Weltumseglung ja nicht in einem 3-jährigen Dauerurlaub sind, sondern eigentlich „nur“ unseren Lebensstil für eine gewisse Zeit geändert haben. Das bringt im Wortsinn Veränderung mit sich Eine davon ist unbestritten das Thema Körperhypgiene… aber die ist, wie eingangs ja schon erwähnt, ohnehin völlig überbewertet.

Die alphabetischen Melchior Islands

Antarktis, Ende Februar / Anfang März 2020

Auf dem kurzen 12sm-Weg von False Island zu den Melchior Islands zeigte sich die Antarktis wenn schon nicht sonnig, so doch wieder einmal imposant. Hier ungefähr war der Skipper vor 12 Jahren mit zwei Buckelwalen schnorcheln, und auch dieses Mal waren viele davon zu sehen.

Fluken und…
… Finnen vor einem Monstereisberg im Hintergrund, ….
… der von der anderen Seite so aussah!

Ja, auch was Eisberge der etwas größeren und/oder kreativeren Art angeht war das hier recht beeindruckend.

Wie schon geschrieben, sind die Melchior Islands ein beliebter Absprung für die Drake Passage Richtung Norden. Da war es nur Nahe liegend, dass auch wir hier auf unser Wetterfenster warten würden. Früher hieß es, dass man bei Wetterverschlechterung hier losfahren solle. Heute besorgt man sich seine Grib-Files (also Dateien, mit denen man sich in speziellen Programmen die für einen wählbaren Bereich vorhergesagten Winde, Böen, Wellen etc. anschauen kann… so etwas wie „Windy“ ohne ständige Internetverbindung). Doch alt und neu passten zusammen. Die Vorhersagen ließen nicht an eine Abfahrt denken und wir genossen zwei Tage herrlichen Sonnenschein.

Kleiner Besucher am Ankerplatz.

Dabei lagen wir in einer echt schönen Bucht im Norden von Omega Island. Ja, die Melchior Islands sind nach dem griechischen Alphabet benannt. Alpha und Beta sind noch recht klein, auf dem größeren Gamma liegt eine (aktuell nicht besetzte) Argentinische Station und abgesehen von den ganzen anderen vergebenen Buchstaben liegt zwischen dem großen Eta und dem noch größeren Omega ein schmaler Kanal. Der Anker fiel in der Mitte auf gut 20m Tiefe und rückwärts fuhren wir in die ausgesprochen gut geschützte Bucht, in der uns vier Landleinen sicher mittig hielten. Gleich gegenüber war zwar eine ca. 60m hohe Abbruchkante mit bedrohlich geneigtem Eis, aber das würde schon halten. An einem kleinen Steinstrand und etwas den schneebedeckten Hügel rauf lagen Pelzrobben in der Sonne und aus der Bucht nebenan holten wir frisches Gletschereis. Alles sehr idyllisch.

Blick voraus… ja, das Eis hat gehalten!
Östliche Zufahrt an Steuerbord.
Geschützte Bucht achteraus.
Westliche Zufahrt an Backbord.

Aber wir hatten hier auch einiges zu tun. Zunächst einmal wurden die Dieselkanister rausgeholt und der Tank aufgefüllt. Dann auch noch ein paar Dinghy-Fahrten zum Felsen hinter uns, wo bei Niedrigwasser gut erreichbar das Schmelzwasser des Gletschers plätscherte, um mit Kanistern den Wassertank zu füllen. Und der Außenborder musste auch noch am Heck verstaut werden.

Frisches Gletscherwasser für den Tank.

Am dritten und unserem letzten Tag bei der Antarktischen Halbinsel wurde es dann nochmal richtig winterlich. Den ganzen Tag fiel Schnee und sorgte nicht nur für ein rutschiges Deck…

… sondern auch die richtige Stimmung für die liebsten Wintersportarten der Kinder: Schneeballschlacht, Schneemann bauen und immer wieder auf dem Hosenboden einen Hang runterrutschen. Es war aber auch zugegebener Maßen der beste Rutsch-Hang, den wir in der Antarktis finden konnten.

Auf den Rutschberg mit Pelzrobbe.
Auf Wiedersehen…

So verging nun also auch der letzte Tag vor unserer Rückfahrt aus der Antarktis. Es war eine eindrucksvolle Zeit mit tollen Erlebnissen und Erinnerungen, die wir nicht missen möchten. Jetzt gab es eigentlich nur noch eine Kleinigkeit zu erledigen: Wir mussten noch einmal über die Drake Passage…

Richtige Entscheidung bei False Island

Antarktis, Ende Februar 2020

Als wir False Island anliefen war La Skipper alles andere als begeistert. Ja, hier gab es Eis. Ja, hier gab es auch eine Abbruchkante in der Nähe. Ja, so richtig geschützt war der Platz auch nur in eine Richtung. Aber mal abgesehen davon, dass das „ganz zufälliger Weise“ die angesagte Windrichtung war, treffen die meisten der angeführten Argumente halt auch auf die meisten der potenziellen Ankerplätze hier zu. Zähneknirschend stimmte sie einem (einzigen ;-) Ankerversuch zu. Das Grundeisen fiel auf lediglich 12m Tiefe, 60m Kette, 2000 Umdrehungen Rückwärtsfahrt und was passierte? Der Anker hielt! Hmmm… damit war der Übernachtungsplatz also entschieden.

Nur eingeschränkt glücklich mit dem…
… Ankerplatz hier mittig im Bild (Blick von Norden)

Als erstes besorgten wir uns aktuelle Wetterinformationen für die bevor stehende Drake Passage. Schließlich neigte sich unsere Zeit hier dem Ende zu und wir waren nur gut 10sm südlich vom beliebten Absprung Melchior Islands. Da machte ein Blick in die Glaskugel der Wetterexperten durchaus Sinn. Für die nächsten 2-3 Tage sah es auch tatsächlich recht gut aus… wenn denn da nicht diese vielen dunkelorangen Flächen am Samstag (dem 4. Tag) gewesen wären. Sowohl das amerikanische GFS-Modell als auch die auf europäischen Vorhersagemodell basierende Wetterwelt waren sich einig: ab kommenden Samstag zieht ein kräftiges Tiefdruckgebiet durch die nördliche Drake-Passage. Selbst bei einem sofortigen Start wären die Chance gering, da vorher noch durchzurutschen, so dass wir laut Prognose einen mittleren Wind von 8 Bft. (bis zu 40kn = knapp 80 km/h) sowie Böen von 10 Bft. (um die 50kn = fast 100 km/h) zu erwarten hatten. Wohlgemerkt direkt von vorne bzw. später dann auf einen „am-Wind-Kurs“ drehend.

Ryswick Pt. auf dem Weg nach False Island.

Ich bin als Skipper in erster Linie der Sicherheit von Crew und Boot verpflichtet. Bei einer solchen Vorhersage wäre es gelinde gesagt unvernünftig, wenn nicht doch schon eher extrem leichtsinnig und grob fahrlässig, die Drake Passage nach Norden anzugehen. Der Entschluss fiel mir daher vergleichsweise leicht: wir bleiben noch hier. Davon habe ich (als pflichtbewusster Deutscher ;-) dann auch gleich das Umweltbundesamt (wegen zeitlicher Überscheiten der Genehmigung unserer Reise) sowie unsere Versicherung (wegen zeitlicher Überschreiten des für die Antarktis gewährten Versicherungsschutzes) informiert. Von letzterer hatte ich schon am nächsten Morgen einen Dank für die „gute seemännische Entscheidung“ im Postfach.

Nachdem diese Entscheidung gefällt war, genossen wir noch einen herrlichen Abend, mit Walbesuch am Ankerplatz und den in der untergehenden Sonne orange leuchtenden Schneebergen von Brabant Island gegenüber.

Später wurde sogar noch der von Samuel kürzlich geäußerte Wunsch wahr, mal so richtig in echt eine Lawine zu sehen. Derer gleich zwei gingen von den steilen Abhängen von Anvers Island hinter uns runter, ohne jedoch die Abbruchkante und das Meer zu erreichen.

Nachts kam dann Wind auf. In Stärke so angesagt, in Richtung knapp daneben. Der Anker hielt uns gewohnt sicher am Platz, nur die potenziell durch die weite Bucht treibenden Growler jeder Größe ließen uns immer mal wieder einen prüfenden Blick nach draußen werfen. Am nächsten Morgen dann schlich sich so ganz langsam etwas Unruhe in die Augen von La Skipper… der große Eisberg voraus war doch gestern noch nicht da!… und warum bewegt der sich so schnell?… der kommt doch hier rein!… was passiert, wenn er mit dem bereits in der Bucht liegenden Eisberg kollidiert?

Immer diese lästigen Besucher am Ankerplatz!

Dieser stattliche Vertreter seiner Zunft behelligte uns in der Tat nicht mehr. Doch dann schauten die Kinder nach dem Frühstück mal kurz raus und erwähnten einen Growler direkt voraus. La Skipper schaute hoch und merkte in ihrer gewohnt dezent-zurückhalten Art an, dass da ein Eisberg direkt auf uns zutreibe. Die Wahrheit lag wie immer irgendwo dazwischen, trotzdem wurde umgehend der Motor angelassen und der Anker eingeholt… weg hier… weiter zu den Melchior Islands… dort würden wir das weitere Vorgehen abstimmen.

Alltagsprobleme in der Antarktis: Wassertiefe

Dieses Thema hat mehrere Aspekte, von denen einige jedoch an anderer Stelle besprochen werden:

  • Wie tief liegt der Anker? → Alltagsproblem Ankern!
  • Wie tief soll es hier sein? → Alltagsproblem Seekarten!
  • Wie tief ist es hier nun eigentlich? → Darum soll es gehen!

Wenn man auf dem Ozean segelt zeigt der Tiefenmesser üblicherweise einfach nur „—“ an. Das liegt doppelt in der Natur der Messung begründet. Zur Tiefenbestimmung wird ein Signal nach unten geschickt und die Zeit gemessen, bis das am Grund gespiegelte Echo wieder beim Boot angekommen ist. Zu diesem Zeitpunkt des Empfangs sollte sich das Boot dann natürlich so ungefähr noch dort befinden, wo es beim Senden war. Wenn es nicht allzu tief ist, stellt das kein Problem dar. Dafür ist ein Segelboot einfach nicht schnell genug. Wenn es an größere Tiefen geht, kann es aber durchaus passieren, dass das Boot einfach schon weg ist und das relativ lang unterwegs gewesene Signal den Empfänger nicht mehr findet. Und dann ist Meerwasser (auch mit allem, was darin kreucht und fleucht) natürlich auch noch ein Medium mit gewissem Potential zu Widerstand und Ablenkung. Ab einer gewissen Wassertiefe kommt also nicht mehr genug gespiegeltes Signal (wenn es denn überhaupt den Grund erreicht hat) beim Boot an, um gemessen zu werden. Bei nicht allzu schneller Fahrt und sauberen Wasser kann man daher schon mal Tiefenangaben über 200m sehen, aber das war es dann eigentlich auch schon.

Nun gibt es aber auf den Meeren der Welt das gar nicht so seltene Phänomen, dass die angezeigte Tiefe nicht so ganz mit der Seekarte übereinstimmt. Anders gesagt: Es wird eine Tiefe angezeigt, obwohl es hier eigentlich mehrere tausend Meter runter geht. Diese Anzeigen zeichnen sich durch Sprunghaftigkeit aus. Die drei Striche wechseln beispielsweise auf 11m, dann auf 8m und dann wieder auf „—“. Ohne es mit eigenen Augen gesehen zu haben liegt die Vermutung nahe, dass da gerade irgendetwas unter dem Tiefenmesser herumschwimmt und das Signal reflektiert. Möglicherweise hatten wir ja genau das vor unserer Antarktischen Nachtfahrt, als wir Massen von diesen mit roten Kernen versehenen Glibberketten (Salp) im Wasser sahen. Wie auch immer, dieses Phänomen zeichnet sich dadurch aus, dass es wirklich sehr sprunghaft und eher kurzlebig ist.

In der Antarktis gibt es dann aber noch eine andere Spielart davon. Langlebiger. Man fährt minutenlang in entweder sicher oder (weil „unsurveyed“) höchstwahrscheinlich sehr tiefen Wasser, aber es wird sehr konstant eine Tiefe von beispielsweise 7m, gerne aber auch mal 3m angezeigt. Wenig Änderung. Nur selten springt es mal beruhigend auf „—“ und offenbart somit seine wahre Natur, die nichts mit dem Meeresgrund zu tun hat. Wir hatten dieses Phänomen insbesondere in der Nähe vieler großer Eisberge oder auch bei Gletschern. Des Rätsels Lösung ist dann auch deren Schmelzwasser, das im salzigen Meer Schichten bildet, von deren Rand wiederum das Signal reflektiert werden kann. Im Grunde also harmlos, aber ein komisches Gefühl ist es trotzdem… gerade wenn die 3m in der Nähe einer doch etwas flacheren Stelle in der ansonsten weißen Seekarte auftaucht. Glücklicherweise scheint es sich nur um eine recht schwache Reflexion zu handeln. Nach unserer Erfahrung wird es von echten Tiefenangaben überlagert, sobald es dafür flach genug ist.

So bleibt also die beruhigende Erkenntnis, das bei aller Verwirrung dort, wo es wirklich darauf ankommt, doch ein gewisses Maß an Vertrauen in die angezeigte Tiefe gerechtfertigt ist. Also zumindest, wenn man dabei die Position des Tiefenmessers im vorderen Bereich des Schiffes bedenkt. Gerade bei engen Kurven oder gar Rückwärtsfahrt kann eine scheinbar sichere Angabe dann doch in einer (uns bisher jedoch noch nicht unterlaufenen) Grundberührung am Heck enden. Doch das ist ein anderes Thema, über das wir (abgesehen von beabsichtigtem Trockenfallen) hoffentlich nie etwas schreiben müssen.