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Warten in Valdivia

Valdivia, 22. August 2020

Die gute Nachricht vorweg: Gestern Abend gab es mal wieder lecker Asado! Jorge war so lieb, für uns ein paar Einkäufe zu erledigen und die Sachen zum Steg zu bringen. Zumindest kurzfristig sind wir also gut versorgt.

Und dann hatten wir auch noch Besuch von unserem ausgesprochen netten Honorarkonsul. Auf unsere Anmerkung, dass wir momentan darauf warten würden, dass die offiziellen Stellen vorbeikommen, schüttelte er jedoch nur den Kopf: Die werden nicht kommen!

Wie jetzt… was ist da los? Wir haben uns ja nicht heimlich hierher geschlichen, sondern ganz brav jeden Tag unsere Position berichtet und jede Anfrage gewissenhaft beantwortet. Demnach wussten eigentlich auch alle involvierten Stellen hier vor Ort, dass wir kommen würden. Bevor man uns einreisen lässt, bedarf es jedoch einer offiziellen Bestätigung des Gesundheitsministeriums in Santiago. Die wurde erstmals kurz nach unserem Grenzübertritt und dann nochmal vor gut einer Woche angefragt… und abgelehnt. Entscheidung streng nach Vorschrift: die Grenze ist geschlossen, Einreise nicht möglich.

Irgendwie habe man es wohl versäumt, uns von dieser Entscheidung zu unterrichten (… eine ganz andere Frage ist, ob das irgendetwas geändert hätte ;-). Zur Erinnerung: Wir treiben uns seit fast drei Monaten geduldet in den chilenischen Hoheitsgewässern umher und haben dabei über 2600 km zurückgelegt. Da beißen sich Theorie und Praxis dann wohl schon ein wenig.

Nun gut, auch wenn Teile der Crew das weniger entspannt sehen, ist es im Grunde ja nicht weiter wild. Wir dürfen uns (halb offiziell) in der Marina frei bewegen, die Männer haben gestern sogar noch geduscht, nachher wird Wäsche sortiert und wir haben wirklich einiges an Bord zu erledigen, wofür eine offizielle Einreise nicht wirklich notwendig ist. Ja, wir können das Boot erst einmal nicht rausholen (Propeller braucht neue Opferanoden) und das Einkaufen gestaltet sich umständlich. Allerdings sind wir hier von lauter ausgesprochen lieben und hilfsbereiten Menschen umgeben. Nach Jorge hat auch der Honorarkonsul angeboten für uns einzukaufen und das Füllen der Gasflaschen läuft wohl ohnehin immer über die Marina. Im Grunde ist also erst einmal alles soweit in Ordnung.

Wie geht es nun weiter? Der aktuelle Termin für die Grenzöffnung ist zwar nicht mehr fern, nur noch bis zum 30. August ist sie definitiv geschlossen. Eine Verlängerung dieser Frist ist aber natürlich nicht ausgeschlossen. Unabhängig davon werde ich jetzt also eine Nachricht an unsere Botschaft in Santiago schicken um noch einmal persönlich unsere Situation und Absichten zu schildern. Nächste Woche geht für eine Handvoll anderer Fälle ohnehin eine Anfrage an das für die notwendige Sondergenehmigungen zuständige chilenische Außenministerium raus und da wird man uns einfach mit rein schieben. Mal schauen, ob das klappt.

Uns geht es jedenfalls soweit gut, wir versuchen die Situation locker und optimistisch zu nehmen (Einwurf von La Skipper: der weibliche Teil der Crew arbeitet da noch dran ;-) und machen uns an die lange 2do-Liste. Langeweile sollte eigentlich nicht aufkommen…

Ankunft in Valdivia

21. August 2020: Marina La Estancilla (Valdivia)

Am 27. Mai 2020 haben wir das argentinische Ushuaia verlassen, um am nächsten Tag über die offiziell geschlossene Grenze in chilenische Gewässer zu fahren. Am 20. August 2020 sind wir in Valdivia angekommen. Das macht eine Reisezeit von 85 Tagen und Nächten. Dabei haben wir in 48 verschiedene Buchten übernachtet, allerdings keine Häfen oder Städte besucht, zwei Nachtfahrten gemacht und insgesamt über 1300sm zurück gelegt… leider meistens unter Motor. All das ohne offizielle Einreise in Chile und ohne das hier eigentlich notwendige „Zarpe“… nicht ganz alltäglich!

Und jetzt liegen wir hier am Steg der Außenstelle des Club de Yates Valdivia und warten. Wenigstens haben wir (noch) schönstes Winterwetter!

Eigentlich sollten Armada und Co. schon gestern vorbei kommen, doch alles, was wir bisher bekommen haben, ist ein Schreiben vom Hafenkapitän, dass wir aufgrund der aktuellen Situation das Boot nicht verlassen dürfen. Erst müssen uns die „autoridades competentes“ freigeben. Vielleicht brummt man uns tatsächlich noch eine 2-wöchige Quarantäne auf?! Wenn man bedenkt, dass wir seit 12(!) Wochen ohne einschlägigen Menschenkontakt unterwegs sind, wäre das reichlich absurd.

Wir haben aber tatkräftige Unterstützung von Jorge. Er hat nicht nur schon vor Wochen ein Paket für uns angenommen (und dabei sogar die Zollgebühr vorgestreckt!). Er steht auch in Kontakt mit den offiziellen Stellen, kennt und kommuniziert dort unsere Situation. Schließlich hat er vorhin angeboten, für uns in den Supermarkt zu gehen… vielleicht gibt es heute Abend ja sogar ein kleines Asado mit chilenischem Bier?!

Auch der deutsche Honoraronsul in Valdivia hat seinen Besuch bei uns schon angekündigt. Dann können wir uns endlich persönlich für seine Hilfe bedanken… letztlich war es ja die von der Gobernatión Marítima de Valdivia ihm gegenüber gemachte Aussage, dass wir gerne von Ushuaia nach Valdivia kommen dürfen, welche uns die Ausreise aus Argentinien überhaupt erst ermöglichte.

Die Marina La Estancilla liegt etwas außerhalb von Valdivia, hat aber alles, was wir aktuell brauchen: Duschen, Waschmaschine, gutes WiFi am Steg, Strom und Wasser… da die Armada bevorzugt vormittags „arbeitet“, werden wir uns nachher also wohl mal ganz diskret an Land schleichen und etwas für die Körperpflege tun. Zumindest für den Skipper wird das tatsächlich die erste Dusche seit Ushuaia werden.

Da hinten sind irgendwo die Duschen!

Ansonsten merkt man durchaus, dass das hier so eine Art „deutsche Hochburg“ in Chile ist. Schon am ersten Abend werden wir von einem älteren Herrn am Steg in lupenreinem Deutsch angesprochen. Auch die Tochter von Jorge spricht nach 10 Jahren Schulunterricht unsere Sprache nahezu perfekt und war sogar schon mal zum Austausch in Münster. Und wenn wir dann irgendwann mal offiziell an Land dürfen, führen uns unsere Schritte sicher zeitnah in das nächstgelegene Restaurant: „La Ceverceria“ Kunstmann… nicht nur die Kinder können es kaum erwarten!

Und doch wollen wir hier möglichst schnell wieder weg. Also uns zumindest die 5sm flussaufwärts in die stadtnahe Club-Marina verlegen. Dort können und dürfen es dann durchaus ein paar Wochen werden. Einkaufen, Durchputzen, 2do-Liste und auch etwas Sightseeing stehen auf dem Programm, bevor wir uns dann so richtig auf den Pazifik wagen…

Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden!

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (6): Sch….!!!

Auf einer Langfahrt gehen Dinge kaputt, die sich jedoch entweder mit Bordmitteln oder Unterstützung von Land wieder reparieren lassen… einige davon sind mehr als nur ärgerlich, sondern so richtig Sch….!!!

  • Autopilot: Eines Nachts in Brasilien gab er einfach so den Geist auf. Zwei Ritzel eines Zahnrades waren gebrochen. Das Ersatzteil kam aus Dänemark nach Buenos Aires und wurde dort auch gleich eingebaut.
  • Seitenfenster Salon: In Deseado drückte es uns ganz schön an den Pier. Als ich uns mit dem Rücken an das Fenster gelehnt davon wegdrücken wollte um einen weiteren Fender dazwischen zu bekommen machte es knack. Wenigstens geht der 35cm lange, inzwischen mit Silikon abgedichtete Riss nicht ganz durch die Scheibe sondern ist nur auf der Innenseite.
  • Kutterfock: Die schon länger vorhandene Delle im Rollreff wurde in der Antarktis bei Plénau Island bis fast zur nicht mehr Nutzbarkeit der Kutterfock verstärkt. Die Reparatur (so man das so nennen kann) erfolgte in Ushuaia.
  • Schimmel: Man kann gar nicht so viel wischen, wie es unter Deck feucht ist. Gerade morgens tropft es von Decke und Wänden. Wen wundert es da, dass sich der ungeliebte Schimmel wohlfühlt. Ein steter Kampf in kalten Gegenden.
  • Batterien: Vor der Abfahrt hatten wir noch neue Verbraucherbatterien gekauft. Diese sollten uns sicher um die Welt bringen. Doch deren Verhalten in den chilenischen Kanälen lassen aktuell arge Zweifel daran aufkommen… vielleicht bessert es sich ja in wärmeren Gefilden.
  • Sprayhood: Das mittlere Fenster können wir öffnen. Nur scheint die eingenähte, flexible Schreibe nicht für kalte Temperaturen ausgelegt zu sein. Beim Schließen des Fensters ist sie (ohne geknickt zu werden!) schlichtweg auf der gesamten Breite gebrochen. Wir haben es jetzt erst einmal mit Segeltape zusammengeklebt.
  • Leine in der Schraube: Das darf eigentlich nicht passieren. Ist uns aber trotzdem passiert. Wir trösten uns mit dem Gedanken, dieses Privileg nicht exklusiv zu haben. Letztlich musste ich mit Trockentauchanzug in das dem Gefrierpunkt nahe Wasser und die Leinenreste rausholen. Der ausführliche Bericht folgt in den Chile-Beiträgen.

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (5): Ärgerlich

Auf einer Langfahrt gehen Dinge kaputt, die sich jedoch entweder mit Bordmitteln oder Unterstützung von Land wieder reparieren lassen… viele davon sind mehr als nur Kleinigkeiten, sondern grenzwertig ärgerlich.

  • Skipper-Handy: Nach Wasserschaden in den Niederlanden ließ sich das Handy nicht mehr aufladen. Ein Reparaturversuch in England schlug fehl, daher gönnte sich der Skipper ein neues Handy in Lissabon (Happy Birthday to me ;-)
  • Aquarium: Im Salontisch haben wir eine im Grunde gut abgedichtete Sichtluke zum Schwert. Auf der Atlantiküberquerung wurde diese jedoch undicht es kam Wasser rein. Die Abdichtung ließen wir in Cabedelo (Brasilien) erneuern.
  • Shunt: Die Information über den Ladezustand sowie die aktuellen Verbrauchs- bzw. auch Ladedaten ist insbesondere für die Verbraucherbatterien sehr hilfreich. Für die Messung ist ein sogenannter Shunt zuständig, der sich jedoch kommentarlos in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet hatte. Ersatz kam aus Deutschland in Ushuaia an und wurde sogleich eingebaut. In der Zwischenzeit behalfen wir uns mit Spannungsmessung direkt an der Batterie.
  • Kühlschrank: Der Rahmen, in dem der Kühlschrank hängt, wurde nur von vier kleinen Schrauben gehalten. Die verrichteten ausgesprochen lange Ihren Dienst, doch bei starkem seitlichen Wellengang kam der Kühlschrank dann doch einmal raus (und wurde zum Glück vom Niedergang aufgehalten. Die alten Schrauben wurden durch längere Exemplare ersetzt und bekamen Unterstützung durch zwei weitere Schrauben. Ach ja, in Chile haben wir dann festgestellt, dass das obere Kühlschranklicht auch dann leuchtet, wenn die Tür geschlossen ist… warum auch immer es das tut.
  • Markierungsboje: Wir haben eine aufblasbare Markierungsboje. Einfach den an der Reling angebrachten Kasten öffnen und der Rest geschieht von selbst. Als diese Boje mal im Werkraum verstaut war, löste sie leider aus. Wieder zusammenlegen ist kein Thema, Ersatzpatrone ist auch an Bord… alleine die genaue Inbetriebnahme letzterer muss ich mir nochmal anschauen.
  • Großsegel: Wenn das Großsegel vor dem Wind weit offen ist, scheuert es bei noch so großer Achtsamkeit gerne mal an den Salingen. Dabei können mit der Zeit kleine Löcher entstehen. Diese hatten wir vor Abfahrt in Deutschland fachmännisch flicken lassen, aber das wirkt natürlich nicht vorbeugend. Segeltape ist an Bord. Aber allerspätestens zurück in Deutschland wird es wohl ein neues Großsegel geben…
  • Vorsegel: Während der nächtlichen Aktion bei Plénau Island (Antarktis) haben auch die Vorsegel etwas abbekommen. Der UV-Schutz wurde in Ushuaia, wenn auch leider nicht mit Kreuzstich, wieder genäht. Der kleinen Riss in der Kutterfock haben wir mit Segeltape geklebt. Aber allerspätestens zurück in Deutschland wird es wohl neue Vorsegel geben…
  • Wasserpumpe: Sie musste natürlich in der Antarktis ihren Geist aufgeben. Nun gut, Ersatz war an Bord und die Pumpe dementsprechend auch sogleich getauscht. Erneuter Ersatz wurde uns nach Valdivia geschickt.
  • Bordfahrrad (Pedale, Reifen): Schon in Lissabon knackte es komisch im Pedal. Beim Auseinandernehmen zeigte sich ein kaputtes (Plastik-)Kugellager. Es ist nun zwar locker, funktioniert aber noch halbwegs. Ersatz ist auf dem Weg. Des Weiteren war dann in Ushuaia noch der Hinterreifen platt, aber Flickzeug ist an Bord…
  • Außenborder: Bei seinem ersten Einsatz nach längerer Zeit war die Familie auf dem Weg zu einer chilenischen Gletscherkante. Da klang der Außenborder plötzlich komisch. Bei höheren Drehzahlen stotterte er und es kam etwas Benzin raus. Der erste Gedanke vermutet eine aufgefallene Zündkerze. Doch darum kümmere ich mich in Valdivia, bis dahin wird gepaddelt.
  • Antennenadapter Satellitentelefon: Das dünne Kabel an diesem Adapter war uns schon von Anfang an etwas suspekt. Das soll dauerhaft halten? Nun ist es passiert: Kabelbruch. Nur mit viel Liebe und zarter Hand bekam man noch eine funktionierende Verbindung hin und auch nach dem provisorischen Kleben sollte man SEHR vorsichtig damit umgehen. Mal sehen, wann wir dafür einen Ersatz beschaffen können.

… to be continued :-)

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (4): Kleinigkeiten

Auf einer Langfahrt gehen Dinge kaputt, die sich jedoch entweder mit Bordmitteln oder Unterstützung von Land wieder reparieren lassen… einige davon sind einfach nur Kleinigkeiten.

  • Türklinken: Schon vor längerer Zeit hatte uns ein Mitsegler die Türklinke vom Bad abgerissen ( da hält man sich bei Seegang ja auch nicht fest ;-). Inzwischen sind drei der vier Klinken durchgebolzt und reißen so bald nicht mehr aus.
  • Herdgriff: Auch diesen hatten wir eines Tages in der Hand. Die zwei kleinen Schräubchen hatten nicht mehr gehalten. Ich nutzte die Gelegenheit, die teilweise angegriffene Lackierung abzuschleifen, das Holz zu imprägnieren und mit zwei dickeren Schrauben wieder anzubringen.
  • Motorpositionslicht backbord: Vor Rio de Janeiro wurde es am Bug plötzlich einfarbig grün. Die rote Posi blieb dunkel. In Buenos Aires wurde Ersatz gefunden und eingebaut.
  • Reffleine: Das 1. Reff im Großsegel wird schon hin und wieder mal benutzt und dann scheuert immer die gleiche Stelle an der Umlenkung. Einmal hatte ich die Leine schon gedreht, nun war der Mantel auch auf der anderen Seite in Mitleidenschaft gezogen. Neue Leine wurde in Buenos Aires besorgt, die alte leisten dreigeteilt als kürzere Tampen weiterhin gute Dienste.
  • Lazybag: Da verhakt sich einmal eine Reffleine hinten im Lazybag und schon reißt es aus. Wurde mit Segeltape wieder zusammengeklebt.
  • Bootshaken: Wir fahren an den Achterstagen zwei teleskopierbare, schwimmbare Bootshaken. So muss man nicht lange überlegen, auf welcher Seite er hängt, sondern kann einfach zugreifen. Doch dann war ich beim Entfernen von Kelp etwas zu enthusiastisch. Durchgebrochen… einfach so. Eine Hälfte liegt nun dauerhaft im Dinghy (beim Hochholen von Fischerleinen aus dem Wasser oder auch den Eisbrecheraktivitäten der Kinder sehr hilfreich…) Die Lücke an Bord wurde mit einem alten Bootshaken gefüllt. Dieser lässt sich zwar kaum noch ausziehen, ist aber immer noch besser als der Griff ins Leere.
  • Dinghy-Paddelhalterung: Es hatte sich schleichend angedeutet und dann hatte sich der Skipper wohl zu sehr in die Riemen geschmissen. Die Halterung brach aus. Ich habe einen Flicken aus dem eigentlich für die Schwimmkörper gedachten Reparaturset drüber geklebt und es hält wunderbar.
  • Windanzeige: Oben im Masttop ist ein Windex genannte Anzeige für die Windrichtung. Diese hat auch zwei normaler Weise fest Begrenzungsanzeiger für segelbaren Wind. Diese Anzeiger drehen sich nun schon seit Monaten munter umher. Immerhin wird die eigentliche Funktion, also das Anzeigen der Windrichtung davon nicht beeinträchtigt. ja sogar eine neue Windx an Bord… ich müsste sie halt nur bei Gelegenheit endlich mal anbringen.
  • Funkantenne: Auch unsere UKW-Funkantenne im Masttop wackelt schon seit einer halben Ewigkeit umher, ist nach zweifacher Sichtprüfung aber nicht vom Absturz bedroht. Auch hier müsste mich bei Gelegenheit endlich mal darum kümmern.

… to be continued :-)