Na toll… was sollen wir dazu denn nur nehmen? Wir sind inzwischen von der Rundreise zurück und haben damit noch mehr die Qual der Wahl. Die Familie diskutiert. Die Gedanken gehen zurück in besonders gute Zeiten. Irgendwann fällt das Wort „Eis“… dann „guter Whisky“… und schon steht das Motiv fest.
Wir gehen heute wieder einmal zurück in den Februar 2020. Unser Segelausflug in die Antarktis läuft wirklich gut. Auch mit dem vergleichsweise guten Wetter haben wir Glück. Wir liegen an einem guten Ankerplatz vor Port Lockroy. Die Aussicht ist schon mehr als gut. Da holen wir schließlich einen guten Tropfen Whisky raus und genießen ihn mit gutem, ehrlich gesagt perfektem, frisch aus dem Wasser geholten Gletschereis. Alles gut!
Wenn Europäer an fahrradfreundliche Städte denken, liegt wahrscheinlich Kopenhagen auf einem vorderen Platz. Ebenso kommt einem manch andere, meist kleinere (Universitäts-)Stadt in den Sinn. Aber an Bogotá denkt wohl niemandem. Falsch gedacht. Einerseits hat die kolumbianische Hauptstadt das umfangreichste und umfassendste Radwegenetz ganz Lateinamerikas… gut 300km! Und dann ist da noch der Sonntag. Schon seit den 70‘er Jahren findet in Bogotá wirklich JEDEN Sonn- und Feiertag die Ciclovía statt. Von 7 bis 14 Uhr werden ausgewählte Hauptstraßen in einer Länge von immerhin gut 120km für den Autoverkehr gesperrt. Zweiräder beherrschen das Stadtbild. Und das Angebot kommt an. Bis zu 2 Mio. Menschen, mithin ca. 30% der Bevölkerung von Bogotá, sind unterwegs. Jeden Sonntag! Inzwischen gibt es viele nationale Nachahmer, beispielsweise Medellín und Cali. Auch international werden immer öfter Ciclovía abgehalten, die es in Regelmäßigkeit und Umfang aber nicht mit dem Original aufnehmen können.
Heute ist Ciclovía
Nicht ganz zufällig ist der Beginn unserer kleinen Rundreise so geplant, dass wir gleich am ersten Sonntag das vor dem Hintergrund der Ciclovía absolut Naheliegende unternehmen können: eine geführte Radtour in Bogotá! Pünktlich holt unser deutschsprachiger Guide Lina uns am Hotel ab. Wir laufen ein paar Schritte zu Bogotá Bike Tours, bekommen unsere Räder uns los geht es.
Der erste Stopp ist am zentralen Plaza de Bolívar. Um die unvermeidliche Statue des Namensgebers versammeln sich historische Gebäude wie die Catedral Primada de Colombia (Ost), das Nationalkapitol (Süd), das Rathaus (West) und der Palacio de Justicia de Colombia (Nord). Der auf die präkolumbianische Zeit zurückgehende Platz, wurde schon ab 1539 bebaut und war stets ein öffentliches Zentrum, sei es für Märkte, Zirkus oder auch Stierkämpfe. Uns fällt sofort ins Auge, dass viele Fassaden schwarz abgehängt sind… und darunter schimmert der ein oder andere Farbklecks hervor. Tatsächlich wurden im Zuge der auch in Europa nachrichtlich thematisierten Ausschreitungen der letzten Monate immer wieder Farbbeutel geworfen. Die Netze sollen diesen Vandalismus zumindest eindämmen.
Nationalkapitol komplett verhülltJustizpalast mit Farbklecksen
Kathedrale
Lina erzählt…
Weiter geht es über die schon bekannte Carrera 7 zur Iglesia San Francisco. Was ist hier eigentlich los? Mindestens die halbe Stadt scheint auf den Beinen und Fahrradsatteln zu sein. Menschenmassen drängen sich gefühlt überall, wir kommen nur in Schlangenlinien voran. Aber das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was uns später noch erwartet…
Neben dem Planetarium der Stadt ragt ein rotes Gebäude empor. Lina fragt, ob wir dazu eine Idee haben. Unser Verdacht bestätigt sich… es ist der Plaza de Toros de Santamaria, mithin eine Stierkampfarena. An den Februarwochenenden findet das hier noch legale Tötungsspektakel statt. Insbesondere die aus den Hoden der toten Stiere gemachte Suppe gilt als Delikatesse. Obwohl gar nicht mal so teuer, tummeln sich dabei bevorzugt reiche, ausgesprochen konservative Gäste auf den Rängen. Die Umgebung ist vor allem wegen der Proteste meist junger Menschen gesperrt… gleich um die Ecke liegt die Universidad de los Andes.
Weiter geht es über für Autos gesperrte Hauptstraßen vorbei am Nationalmuseum in die ehemals sehr reiche, heute praktisch menschenleere Nachbarschaft La Merced. Als eines der ältesten Viertel der Stadt und kulturelles Erbe, beherbergt es in seinen pittoresken Häusern heute hauptsächlich Bildungseinrichtungen, Restaurants und ähnliches. Am Wochenende sind die Straßen ausgestorben.
Im benachbarten Parque Nacional Enrique Olaya Herrera tobt dagegen insbesondere sonntags das Leben. Die Ciclovía lockt die Einwohner von Bogotá nicht nur auf die Fahrräder, sondern wird allgemein für Sport genutzt. Stolz erzählt uns Lina, dass das neben natürlichem Essen ein Grund für vergleichsweise wenige fette Menschen auf der Straße sei. Zumindest für die Stadt hat sie tendenziell damit Recht.
Randnotiz: Mitten im Parkt präsentiert sich eine große, weiße Uhr. Ein Geschenk der Schweiz. Einziges Problem ist, dass sie noch nie richtig funktioniert hat…
Ein original Schweizer Uhrwerk…;-)
Nach einer informativen und entspannten Fahrt durch ruhige Straßen erreichen wir den Plaza de Paloquemao, einen der großen Märkte von Bogotá. Nicht nur Autos und Motorräder müssen durch die bewachten Tore, auch unsere Fahrräder werden mit Passnummern registriert und sicher verwahrt.
Autofreie MagistraleZu Ehren des 1999 ermordeten Aktivisten Jaime Garzón
Der Markt selbst ist ein Erlebnis. Die engen Gänge sind brechend voll. Natürlich gibt es die obligatorischen Abteilungen. Beim Obst und Gemüse sucht Lina uns einen Stand, der sich zu einer kleinen Obstverköstigung zur Verfügung stellt. Viele Früchte kennen wir zwar schon aus zuvor besuchten Ländern, doch es gibt auch geschmackliche Neuentdeckungen. Angeblich kennen wir Lulo (Quitorange) ja schon als Naranjilla aus Ecuador. Trotzdem genießen wir die frische Mischung aus süßer Orange und Kiwi wie zum ersten Mal gekostet. Dazu Ciruela (Pflaume), Mangostane, Feijoa (Brasilianische Guave), Zapote und manches mehr… von wahrlich interessant bis unglaublich lecker ist alles dabei.
Zurück zu den sicher verwahrten Fahrrädern…
Danach haben wir uns eine kleine Pause mit Kaffee und Kuchen verdient.
Hier wird selbst gemahlen und geröstet!
Schließlich fahren wir zurück Richtung Altstadt. Die Carrera 7 ist nun (wie versprochen) völlig überfüllt. Die parallele Carrera 8 lässt uns etwas schneller durchkommen. Das Abschiedsfoto machen wir am Parque de los Priodistas vor einem Standbild von… na wem wohl?! ;-)
Nach gut fünf Stunden verabschieden wir uns von Lina. Auch an dieser Stelle noch einmal ganz vielen lieben Dank für eine tolle Tour!!! Den Abend verbringen wir konsequenter Weise in ihrer Empfehlung, dem sehr stimmungsvollen „The Corner 12“. Bei leckeren (und günstigen) hamburguesas lassen wir eine Tour Revue passieren, die uns nochmal eine ganz andere Seite der Stadt gezeigt hat.
Morgen heißt es Abschied nehmen von Bogotá… es geht weiter mit dem Mietwagen durch Kolumbien!
Eine große Stadt hat meist eine große Auswahl an Museen zu bieten. So auch Bogotá. Doch unsere Zeit ist begrenzt, so dass wir uns auf die in unseren Augen zwei Höhepunkte beschränken. Da man sich in der aktuellen „Situation“ zudem für ein bestimmtes Zeitfenster anmelden muss, bleibt auch wenig Spielraum für Flexibilität. Nun gut, wir wollen den Kindern ja auch nicht zuuuu viel zumuten. Immerhin sind sie mit der elterlichen Auswahl einverstanden.
Museo del Oro
Goldmuseen gibt es anscheinend in fast jeder größeren Stadt im nördlichen Süd- sowie Mittelamerika. In San José (Costa Rica) wurde wir in dieser Hinsicht schon sehr beeindruckt. Doch Bogotá steht dem nicht nach. Im direkten Vergleich fehlen vielleicht einige besonders exquisite Stücke, doch alleine in der Masse kaum weniger beeindruckender Exponate ist es fast schon erschlagend.
Damit es den Kindern nicht zu langweilig wird, bekommen wir alle jeweils einen großen Zettel mit neun ausgewählten Ausstellungsstücken. Ok, jeder hat eines doppelt, aber offensichtlich ist es auch so gedacht, dass jeder Besucher (einer Gruppe) nur einen kleinen Fitzel erhält. Uns bleibt nichts erspart. Wer findet seine (nicht nur) Goldstücke als erstes? Das Rennen ist eröffnet.
Eine kleines Pause muss auch mal sein ;-)
Wir bestaunen Vitrinen voller Artefakte, Keramik und vor allem Gold. Oft unglaublich filigran gearbeitet, präsentiert sich die hochentwickelte Handwerkskunst der indigenen Völker.
Natürlich gibt es auch hier eine Art „Schatzkammer“. Hinter demonstrativ dicken Tresortüren öffnet sich ein Raum, in dem man den Mund vor Stauen kaum wieder zu bekommt.
Ein sehr beeindruckender Museumsbesuch neigt sich dem Ende. Man ahnt, warum Abenteurer in dieser Gegend das sagenhafte Goldland „El Dorado“ gesucht und doch nie gefunden haben. Zumindest nicht so, wie sie es sich vorstellten. Heute können wir uns glücklicherweise weitaus friedlicher von einem Erbe faszinieren lassen, bei dem es einen ob der dahinter stehenden Geschichte dann doch die Tränen in die Augen treibt.
Museo Botero
Als wir zur reservierten Zeit am Botero-Museum ankommen, staunen wir erst einmal nicht schlecht. Eine lange Schlange steht geduldig davor und wartet. Haben die wirklich alle für die gleiche Zeit reserviert? Nein, haben sie nicht. Sie warten auf „gut Glück“, ob sie auch so noch reinkommen. Wir dagegen zeigen schlicht unsere Bestätigungen und werden gleich durchgewunken. Alles entspannt.
Fernando Botero wurde 1932 in Medellín geboren. Der kolumbianische Maler und Bildhauer mag nicht jedem ein Begriff sein, doch wenn man einmal bewusst eines seiner Werke auf sich hat wirken lassen, so wird man ihn nicht wieder vergessen. Er hat schon einen sehr speziellen Stil, geprägt von einer sehr speziellen Wahrnehmung und Interpretation von Körperproportionen. Seien es nun Menschen oder Tiere, bei ihm sind alle irgendwie pummelig.
Mona Lisa mal anders…
Auch die Gesichtsausdrucke ähneln sich ein wenig. Irgendwie wirkt es oft grimmig, vielleicht erkenne ich aber auch nur das verschmitzte Grinsen nicht. Der Wiedererkennungswert ist in jedem Fall gegeben.
Neben Bildern zeigt das Museum auch eine Auswahl an Skulpturen. Sozusagen „Pummelchen in 3D“. Doch bitte nicht falsch verstehen. Ich möchte hier keinesfalls despektierlich wirken. Zweifelsfrei hat sein Werk etwas, das einen berühren kann. Und er scheut sich auch nicht vor Darstellungen und Interpretationen, die ich so zuvor auch nicht gesehen oder auch nur erdacht habe.
Adam und Eva
Leda mit dem Schwan
Abgesehen von den 123 versammelten Werken von Botero, findet sich auch eine kleine aber feine Auswahl anderer, dem Europäer bekannterer Künstler. Hier hängt Toulouse-Lautrec neben Renoir, Monet und Chagall. Einige Bilder von Picasso harmonieren mit Miró und einer Büste von Dalí. Ganz offensichtlich ein Museum mit großem Anspruch.
Miró – Picasso
Chagall
Dalí
Renoir – Monet – Bonnard
Ebenfalls in diesem Museumskomplex findet sich die Colección de Arte del Banco de la República, eine umfassende Sammlung mit über 5.000 vorwiegend kolumbianischen Kunstwerken von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart. Ein Höhepunkt sind drei hinter schweren Panzertüren ausgestellte Monstranzen fast schon monströser Dimension. Zumindest was die jeweils in vierstellige gehende Anzahl an Edelsteinen jeder Art angeht. Fotografieren streng verboten, so bleibt die Fantasie… aber diese in diesem Fall wirklich mit der Realität mithalten kann?
Auch dieser Museumsbesuch hat uns beeindruckt, ja im Grunde fast schon erschlagen. Und in einer Hinsicht sind wir uns alle einige… Fernando Botero wird in Erinnerung bleiben!
Bogotá liegt auf gut 2.600 Höhe in der von Andenkordilleren gerahmten, fruchtbaren Hochebene Cundiboyacense. Einer der Gipfel, der 3.152m hohe Cerro de Monserrate, liegt gleich um die Ecke der Altstadt und verspricht einen schönen Ausblick über die Stadt mit ihren 7,4 Mio. bzw. in der Agglomeration gut 10 Mio. Einwohnern. Ein Markenzeichen von Bogotá und somit ein Pflichtbesuch nicht nur für ausländische Touristen.
Monserrate
Natürlich muss man die letzten Meter auf den Monserrate nicht zwingend zu Fuß hochlaufen. Es gibt gleich zwei Alternativen. Am heutigen Vormittag fährt uns die Funicular (Standseilbahn) hinauf. Maila hat anfangs noch etwas „Respekt“ ob der Steigung, aber in Erinnerung an den Zuckerhut in Rio de Janeiro schlägt sie sich sehr tapfer.
Ich bin ganz tapfer!!!
Auf dem Gipfel thront die Basílica del Señor de Monserrate. Von der Bahn führt der Kreuzweg hinauf. Aus Lautsprechern klingt es nach Gottesdienst. Alles sehr stimmungsvoll. Die Menschenmassen vor der eigentlichen Kirche holen uns in den Alltag zurück. Es ist echt voll hier. Wir schleichen uns zum Rand, suchen eine freie Stelle und genießen erst einmal die grandiose Aussicht.
Auf dem KreuzwegWo ist unser Hotel?
Nach einem kleinen Rundgang durch die Kirche finden wir direkt daneben den Beginn der Touri-Meile. Souvenirstände und kleine Fressbuden reihen sich dicht aneinander und sind gut besucht.
Wochenendtrubel…
Auch hier wacht die Polizei!Der Skipper im leckeren Selbstversuch :-)
Lange halten wir es nicht aus. Rechtzeitig zum Schichtwechsel der zwei Bahnen wollen wir langsam wieder zurück. Hinunter geht es nun mit der Teleférico (Pendelseilbahn)… und ich bin ehrlich gesagt selten eine derart steile Seilbahn gefahren.
Eigentlich solle man zum Hotel aufgrund der Sicherheitslage ein Taxi nehmen, doch in Anbetracht der vielen anderen Menschen laufen wir zu Fuß. Was soll uns da schon passieren. Ja, so langsam werden wir mutiger. Die ersten Eindrücke sind verarbeitet, wir fühlen uns sicherer und fangen an, die Atmosphäre und weiteren Eindrücke immer mehr genussvoll in uns aufzusaugen. So richtig können wir aber immer noch nicht glauben, wo wir gerade sind… ;-)
Nachmittagsspaziergang
Am späten Nachmittag macht nun die ganze Familie noch einen Spaziergang. Wieder geht es in Richtung Carreta 7 und Parque Santander und was soll ich sagen… heute sieht alles irgendwie viel freundlicher aus. Die Straße ist geschäftig voller Händler. Es herrscht ein Trubel, wie man ihn in den heutigen Zeiten fast schon vergessen hat. Doch da wissen wir noch nicht, wie das hier am Sonntag aussieht…
Parque SantanderCarrera 7Seite an Seite: Iglesia de San Francisco (links) und Iglesia de la Veracruz (recht)
Dann schauen wir uns noch die Iglesia de San Francisco an. Eigentlich wollten die Eltern da ja schon gestern rein, haben den Eingang aber wohl nicht gefunden… oder auch nicht richtig gesucht?! Die älteste erhaltene Kirche von Bogotá wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut. Im Jahre 1785 wurde sie jedoch durch Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogen und benötigte daraufhin einen neuen Turm. Der Unterschied ist auch heute noch augenscheinlich.
Ein Altar als Gesamtkunstwerk
Entspannt schlendern wir durch die Straßen. Was für eine Unterschied zu gestern. Ein erster Eindruck kann täuschen. Trotzdem halten wir die Augen offen. Und natürlich bleiben wir von den „No-go-areas“ fern. Doch das ist keine kolumbianische Besonderheit, sondern im Grunde selbstverständlich… und so steht spannenden Tagen nichts im Wege!
Schon wieder eine Rundreise. Aber ganz ehrlich, wenn man schon mal in Kolumbien ist, wäre alles andere unverständlich. Auf Empfehlung wenden wir uns an KonTour-Travel, deren Kolleginnen uns kurzfristig eine gut zweiwöchige Mietwagentour zusammenstellen. Doch zunächst einmal nehmen wir das Flugzeug von Cartagena nach Bogotá. Dabei werden die Dimensionen des Landes deutlich. Die Hauptstadt liegt ziemlich zentral, trotzdem dauert der Flug von der Küste über eine Stunde. Mit dem Auto müsste man über 1.000km fahren. Kolumbien ist schließlich gut dreimal so groß wie Deutschland.
Ich bin bereit!Wir reisen wie immer mit kleinem Gepäck?!Flughafen CartagenaBlick über Cartagena… wo ist die Samai?
Ankunft in Bogotá
Schon auf der Fahrt vom Flughafen ins alte Zentrum fallen uns immer wieder große Graffiti ins Auge. Da ahnen wir noch nicht, wie viele dieser teils beeindruckenden Werke wir noch zu sehen bekommen.
Hotel Casa Deco
Von der Dachterrasse unseres kleinen Hotels schauen wir uns erstmals um. Na das wird sicher interessant hier. Im Grunde müssen wir für bezeichnende Aussichten nicht einmal das Hotel verlassen. Einmal beobachten wir von hier oben eine anscheinend spontane Leibesvisitation. Vier junge Männer stehen brav mit den Händen an der Wand, während sie von zwei Polizisten gefilzt werden. Im Grunde ist das jedoch beruhigend. Das alte Stadtzentrum war nicht immer so sicher für Touristen, wie es heute ist. Die Ordnungskräfte greifen offensichtlich hart durch.
Erste Eindrücke von der DachterrasseAuf den Monserrate fahren wir morgen…Spontane Durchsuchung
Das zeigt sich auch am nächsten Morgen. Ungläubig und durchaus etwas erschrocken, entdecken wir, wie zwei Polizisten (oder sind es doch private Sicherheitskräfte?!) sich um einen ungebetenen Besucher im Viertel kümmern. Mit ihrem Hund sowie bedenkenlos eingesetzten Schlagstöcken wird der augenscheinlich etwas verwahrloste Mann der Straße zurück in „sein“ Viertel getrieben. An der Rezeption wurden wir schon darauf hingewiesen, besser nicht viel näher an die östliche Carrera 1 zu kommen. Auch auf der anderen Seite sei es westlich der Carrera 7 nicht wirklich sicher für touristische Spaziergänge. Aber sonst… nun gut, wir sind in der Hauptstadt Kolumbiens… was haben wir erwartet?
Abendspaziergang
Die Kinder nutzen lieber das Hotel-Internet, also machen sich die Eltern ausnahmsweise mal alleine auf einen Abendspaziergang. Einfach mal ein bisschen umschauen. Es geht vorbei an Graffitis, diversen Backpacker-Hostels und erstaunlich vielen Wäschereien. Trotzdem irgendwie ein komisches Gefühl, hier in der Hauptstadt Kolumbiens umherzulaufen. Die Atmosphäre ist speziell. Immer wieder werden wir neugierig gemustert, die anscheinend einzigen nicht-Kolumbianer weit und breit?!
Wir kommen zum kleinen Parque Santander vor dem Goldmuseum. Weniger ein Park als baumgesäumter Platz. Westliche Begrenzung ist die oben schon erwähnte Carrera 7. Jugendliche Skater beherrschen die Szene. Immer wieder weht uns dieser ganz spezielle, süßliche Geruch in die Nase. So richtig wohl fühlen wir uns zugegebener Maßen nicht. Doch wir sehen oft auch Polizei. Das beruhigt ein wenig.
Nirgendwo sonst in der Welt steht Berlin finanziell besser da als Zürich! ;-)Parque Santander am Abend
Zum Abschluss statten wir noch der Iglesia de la Veracruz einen Besuch ab. Auch hier steht Polizei davor und hat einen Blick auf die von Straßenhändlern bevölkerte Carrera 7. Im Inneren herrscht andächtige Ruhe. Ein netter junger Mann fragt nach dem Woher und Wohin und bietet Informationen. Was für ein Kontrast zu draußen.
Carrera 7
Letztlich passiert natürlich gar nichts. Wir müssen uns wohl nur noch etwas akklimatisieren?! Mit einem kleinen Abstecher zum Supermarkt gehen wir zurück zum Hotel. Das dabei ausgeguckte „Origen Bistro“ bietet der Familie dann noch ein leckeres Abendessen zu erstaunlich günstigem Preis. So langsam fühlen wir uns wohler!