Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (4): Kleinigkeiten

Auf einer Langfahrt gehen Dinge kaputt, die sich jedoch entweder mit Bordmitteln oder Unterstützung von Land wieder reparieren lassen… einige davon sind einfach nur Kleinigkeiten.

  • Türklinken: Schon vor längerer Zeit hatte uns ein Mitsegler die Türklinke vom Bad abgerissen ( da hält man sich bei Seegang ja auch nicht fest ;-). Inzwischen sind drei der vier Klinken durchgebolzt und reißen so bald nicht mehr aus.
  • Herdgriff: Auch diesen hatten wir eines Tages in der Hand. Die zwei kleinen Schräubchen hatten nicht mehr gehalten. Ich nutzte die Gelegenheit, die teilweise angegriffene Lackierung abzuschleifen, das Holz zu imprägnieren und mit zwei dickeren Schrauben wieder anzubringen.
  • Motorpositionslicht backbord: Vor Rio de Janeiro wurde es am Bug plötzlich einfarbig grün. Die rote Posi blieb dunkel. In Buenos Aires wurde Ersatz gefunden und eingebaut.
  • Reffleine: Das 1. Reff im Großsegel wird schon hin und wieder mal benutzt und dann scheuert immer die gleiche Stelle an der Umlenkung. Einmal hatte ich die Leine schon gedreht, nun war der Mantel auch auf der anderen Seite in Mitleidenschaft gezogen. Neue Leine wurde in Buenos Aires besorgt, die alte leisten dreigeteilt als kürzere Tampen weiterhin gute Dienste.
  • Lazybag: Da verhakt sich einmal eine Reffleine hinten im Lazybag und schon reißt es aus. Wurde mit Segeltape wieder zusammengeklebt.
  • Bootshaken: Wir fahren an den Achterstagen zwei teleskopierbare, schwimmbare Bootshaken. So muss man nicht lange überlegen, auf welcher Seite er hängt, sondern kann einfach zugreifen. Doch dann war ich beim Entfernen von Kelp etwas zu enthusiastisch. Durchgebrochen… einfach so. Eine Hälfte liegt nun dauerhaft im Dinghy (beim Hochholen von Fischerleinen aus dem Wasser oder auch den Eisbrecheraktivitäten der Kinder sehr hilfreich…) Die Lücke an Bord wurde mit einem alten Bootshaken gefüllt. Dieser lässt sich zwar kaum noch ausziehen, ist aber immer noch besser als der Griff ins Leere.
  • Dinghy-Paddelhalterung: Es hatte sich schleichend angedeutet und dann hatte sich der Skipper wohl zu sehr in die Riemen geschmissen. Die Halterung brach aus. Ich habe einen Flicken aus dem eigentlich für die Schwimmkörper gedachten Reparaturset drüber geklebt und es hält wunderbar.
  • Windanzeige: Oben im Masttop ist ein Windex genannte Anzeige für die Windrichtung. Diese hat auch zwei normaler Weise fest Begrenzungsanzeiger für segelbaren Wind. Diese Anzeiger drehen sich nun schon seit Monaten munter umher. Immerhin wird die eigentliche Funktion, also das Anzeigen der Windrichtung davon nicht beeinträchtigt. ja sogar eine neue Windx an Bord… ich müsste sie halt nur bei Gelegenheit endlich mal anbringen.
  • Funkantenne: Auch unsere UKW-Funkantenne im Masttop wackelt schon seit einer halben Ewigkeit umher, ist nach zweifacher Sichtprüfung aber nicht vom Absturz bedroht. Auch hier müsste mich bei Gelegenheit endlich mal darum kümmern.

… to be continued :-)

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (3): Dauerbrenner

Es gibt Themen, bei denen ist es mit einem Mal nicht getan. Sie kommen immer und immer wieder…

  • Toilette: Das Bordklo ist ein Quell wenn schon nicht steter, so doch stets wiederkehrender Freude. Das regelmäßig auftretende Quietschen wird wahlweise mit Öl in der Schüssel (schnell gemacht, aber nur kurzfristig) oder Vaseline am Gummiring (aufwändiger, aber dauerhafter) behoben. Manchmal, beispielsweise wenn Wasser aus der Spülung kommt, muss man zum Service-Kit greifen. Immer mal wieder muss der Klodeckel festgeschraubt werden und ein besonderes Ereignis war natürlich die in Brasilien notwendig gewordene Rohrreinigung.
  • Umleimungen Bodenbretter etc.: Klebstoff sollte kleben. Tut es oft auch. Aber irgendwann ist manchmal auch Schluss damit. Bei uns betrifft das nicht oft, aber doch mehr als einmal die seitlichen Umleimungen der Bodenbretter sowie auch am Arbeitstisch im Werkraum… da, wo man gerne mit der Schublade gegen kommt.
  • Schrankknöpfe: Inzwischen haben drei der schiffstypischen Druckknöpfe den Geist aufgegeben. Ersatz kommt aus Deutschland nach Chile.
  • Cockpit-Plotter Steuerbord: Irgendwann ging er mal nicht. Da hatte ich ausgebaut und die teilweise korrodierten Kabelvebindungen erneuert. Beim nächsten mal wurde der korrodierte Sicherungshalter gewechselt. Das half… jeweils eine Weile. Inzwischen bleibt er wieder schwarz. Ich werde mich voraussichtlich in Valdivia das nächste Mal darum kümmern.
  • Doradenlüfter Steuerbord: Wir haben im Salon zwei Doradenlüfter (übrigens benannt nach dem Namen des Bootes, das erstmals vergleichbare Lüfter hatte). Der an Backbord machte noch nie Probleme. Der an Steuerbord war dagegen schon vor unserer Abfahrt undicht und daher erneuert worden. Doch nur wenige Monate und noch weniger Benutzungen später ist er schon wieder undicht. Bei Sonne oder leichtem Regen kein Problem. Wenn dagegen Wellen überkommen sollte man tunlichst ein Tuch von innen reingesteckt haben. Inzwischen haben wir ihn von außen zugeklebt und rundum neu abgedichtet. So können wir ihn zwar nicht mehr seiner eigentlich (bei uns ohnehin seltenen) Nutzung zuführen, aber dafür kommt durch ihn auch kein Salzwasser mehr rein.

… to be continued :-)

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (2): Verluste

Immer mal wieder gehen Sachen irreparabel kaputt, einfach nur über Bord oder werden auch partout nur nicht mehr gefunden.

  • Taschenlampe: Sie ist weg. Einfach nur weg. Keine Ahnung wohin. Schade! Wenigstens haben wir noch eine starke Tauchtaschenlampe als Ersatz dabei.
  • Dinghy-Paddel: Beim Anladen in der schönen Sunny Cove machte es plötzlich laut Knack und schon war eines der Paddel gebrochen. In Plymouth konnte Ersatz beschafft werden.
  • Toaster: Ja, er war alt und hatte sich seine Rente eigentlich schon längst verdient. In Südamerika wollte er dann gar nicht mehr so recht. In Buenos Aires wurde ein neuer Toaster gekauft und der argentinische Stromanschluss durch einen europäischen Schuko-Stecker ersetzt. Und der Brötchenaufsatz ist, nachdem La Skipper den Hebel abgebrochen hatte, nun mit Bordmitteln oben festgesetzt.
  • Harken-Umlenkrolle: Mit der Rolle wurde eine Schot des Parasailor umgelenkt. Beim Abbauen war der Skipper kurz unkonzentriert und es machte Platsch. Ersatz wurde in Buenos Aires erworben.
  • Kugelschrauben Bimini/Kuchenbude: An diesen (ich nenne sie mangels Wissen um den korrekten Namen mal) Kugelschrauben werden die Seitenteile der Kuchenbude zusätzlich am Bimini-Gestänge befestigt. Bei einer Durchsicht fiel auf, dass derer drei fehlten. Einfach so weg. Die restlichen Schrauben wurden mit Locktite behandelt und Ersatz ist auf dem Weg.
  • Kugelfender: Einer unserer zwei großen Kugelfender hatte es bei starkem auflandigen Wind am AFASyN-Steg in Ushuaia erwischt. Das große Loch ließ sich auch nicht mehr flicken.
  • Fendersocken: Wenn schon die Fender leiden, was sollen da erst die Fendersocken groß von sich geben als ein leises Adieu?!
  • Dinghy-Stöpsel: Am Heck eines Dinghy ist ein Wasserablauf, der sich mit einem Stöpsel verschließen lässt. Natürlich ist dieser Stöpsel befestigt. Die Knoten muss man nicht einmal selbst machen, das kommt fertig aus der Tüte. Und eben so ein Knoten hatte sich spontan gelöst. Zum Glück hatten wir noch einen zweiten Stöpsel an Bord. Eigentlich nur aus Versehen… mir war mal ein kleines Plastikteil kaputt gegangen und da kam dann gleich ein komplettes Ersatzset an Bord…
  • Opferanoden am Propeller: Im Zuge meines Badespaßes in chilenischen Buchten stellte ich verwundert fest, dass das da am Propeller schon etwas komisch aussah. Kein Wunder, schließlich glänzten die Opferanoden komplett durch Abwesenheit. Nun gut, ein Jahr ist vorüber und für diese Zeit stand ohnehin deren Erneuerung auf der Liste… wird in Valdivia erledigt.

… to be continued :-)

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (1): Neuigkeiten

Ein Boot ist eigentlich kaum wirklich fertigzustellen. Immer fehlt noch eine Kleinigkeit hier oder dort. Wesentliche Inspirationsquelle ist neben den wertvollen Hinweisen anderer Segler natürlich die eigene Erfahrung zurückgelegter Seemeilen und an Bord verbrachter Stunden. Auch bei unserer Samai gibt es immer mal wieder einige Neuigkeiten.

  • Schranknetze: Jeder Segler kennt das… man öffnet bei Seegang irgendein Schapp und der Schrankinhalt fliegt einem entgegen. Daher haben wir hinter den Türen der am stärksten betroffenen Schränke im Bad und in der Pantry nun Netz angebracht. Zum Glück hatte ich damals beim Kauf der Obstnetze im Salon gleich mehrere Größen bestellt… so waren (und sind) genügend an Bord.
  • Verdunklung Salon: Deckenluken mit Standard-Rollos versehen. Für die Seitenfenster wurden verdunkelnder Stoff von einer Schneiderin nach Muster geschnitten und mit Flauschband versehen… Klettband um die Fenster.
  • Mückenschutz Niedergang: Netz wurde von einer Schneidering geschnitten und mit Flauschband sowie Bleiband versehen… Klettband am Niedergang.
  • Antenne Satellitentelefon: Damit man zum Telefonieren nicht immer draußen an Deck stehen muss, biete sich eine solche externe Antenne an. Leider ging der Coax-Stecker nicht durch die Öffnungen im Heckträger. Doch ich hatte ja schon bei der Kurzwelleninstallation geübt, wie man so einen Stecker wieder anlötet.
  • WLAN-Verstärker: Noch eine Antenne am Heckträger. Damit kann man auch weiter entfernte WiFi-Netze empfangen und bordintern einspeisen.
  • Schalter an Vorschiffslampe: Die berührungsgesteuerte Lampe ist nicht wirklich schön, aber bei der geringen Einbautiefe dort gibt es wenige Alternativen. Allerdings ließ sie sich irgendwann nicht mehr ausmachen und daher auf den Kap Verden mit einem echten Kippschalter versehen. – Landleine: 200m, schwimmend… die Allzweckwaffe in engen Buchten.
  • Fender: In der Ostsee belächelt, in hohen Breiten Pflicht… zwei richtig schön große A5-Kugelfender!
  • AIS-Silentmode: Das „Automatic Identification System“ ist toll. Man sieht andere Schiffe auf dem Plotter und man wird gesehen. Aber vielleicht möchte man ja auch mal nicht gesehen werden?! Dafür gibt es den Silent-Mode, für dem man einfach nur zwei vorhandene Kabel an einen Kippschalter anschließen muss. Wurde bei der Erstinstallation leider vergessen und in Chile nachgeholt.

… to be continued :-)

Alltagsprobleme in der Antarktis: Körperhygiene

„Körperhygiene an Bord eines Segelbootes wird total überbewertet!“ So sprach vor Jahren Segellehrer Uwe und die anwesenden Männer nickten wissend. Sicher, mit diesem Thema geht jeder auf seine Art und Weise um, von der mindestens täglichen Dusche bis hin zur wochenlang vor sich in modernden Duftbombe gibt es jede erdenkliche Spielart. Doch eines muss an dieser Stelle mal festgehalten werden: Eine „robuste“ Einstellung zu diesem Thema ist an Bord eines Segelbootes auf Langfahrt manchmal unumgänglich.

In wärmeren Region mag das alles ja kein Problem sein. Nach dem täglichen Sprung in das badewannenwarme Meer geht es kurz mit der Heckdusche über den gebräunten Leib… da bleibt maximal etwas Salzaroma haften. Eine andere Sache ist das, wenn die Temperaturen sinken. Das kann durchaus schon in Argentinien der Fall sein. Ende 2019 im Yacht Club Buenos Aires frisch geduscht musste das dann auch erst mal eine Weile reichen. Sage und schreibe am 11. Januar nahm die Crew der Samai in einer konzertierten Aktion ihre erste Dusche des Jahres 2020. An Bord. Ja, wir nennen den Luxus einer separaten Borddusche unser Eigen. Warmes Wasser gibt es allerdings nur mit Landstrom oder wenn der Motor läuft… und auch dann nicht unbegrenzt. Ansonsten nimmt der Wassertank nahezu die Temperatur des den Rumpf umgebenden Meeres an.

Tja, und dann fährt man für einen Monat in die Antarktis. Natürlich waren wir alle in Ushuaia nochmal unter die Dusche gegangen. Das war am 31. Januar. Und heute ist der 3. März. Warum wir nicht alle regelmäßig an Bord duschen? Dagegen sprechen im Eis einige Argumente:

  • Es gibt hier zwei Möglichkeiten, den Wassertank zu füllen. Mit Kanistern zu einem der eher seltenen Gletscherschmelzbäche paddeln (haben wir bei den Melchior Islands tatsächlich gemacht!) oder der bei kaltem Wasser deutlich weniger effiziente Wassermacher (für den allerdings der Motor laufen muss).
  • Wir sind im Geltungsbereiches des Antarktisvertrages und haben damit unter anderem die Auflage, dass auch Grauwasser nur mindestens 3sm von Land entfernt eingelassen werden darf sowie genauer Ort, Zeitpunkt und Menge in einem Nachreisebericht dokumentiert werden müssen. Die Dusche pumpt direkt ins Meer.
  • Die Temperatur unter Deck pendelt sich am Tag bei ca. 10°C ein. Da kostet es schon etwas Überwindung, sich aus den zwiebelartig getragenen Kleidungsschichten zu pellen, frohgemut unter die (anfangs natürlich eiskalte) Dusche zu hüpfen und anschließend, möglicherweise gerade mal so halbwegs angewärmt, triefnass wieder rauszukommen.

Kurz und gut: In der Wasserbilanz des Monats Februar spielt die Position „Dusche“ keine Rolle.

Na dann werden wir aber doch sicher regelmäßig, wenn nicht täglich unsere Wäsche gewechselt haben?! Hand aufs Herz: Wie viele Schlüppies liegen im heimischen Schrank? An Bord eines Langfahrtschiffes sind es mit Sicherheit weniger! Und nochmal… wir reden hier von gut 30 Tagen. Also nein, Wäschewechsel erfolgte ausschließlich nach Bedarf. Ob das nun so selten sein muss wie beim Skipper (war das wirklich wöchentlich oder noch seltener?! ;-) sei mal dahingestellt.

Einziger Vorteil in der kalten Umgebung ist, dass man nicht soviel schwitzt. Also eigentlich gar nicht. Daher stinkt man auch nicht ganz so schnell. Aber Fakt ist, dass wir sicherlich in einem für Außenstehende olfaktorisch relevanten Umfang müffeln. Nicht alle gleich intensiv, natürlich gibt es nicht zuletzt hormonell bedingte Abstufungen. Ich sage mal, dass die einsetzende Pubertät eines Teens in dieser Hinsicht sicher kontraproduktiv ist, wohingegen sich in noch jüngeren Jahren das Stinkpotential im Wesentlichen auf die Ausscheidungen beschränkt. Damit sind dann auch die Eckpunkt unserer internen Mief-Tabelle definiert, die Eltern reihen sich dazwischen ein.

Aber so ist das nun einmal. Ich betone immer wieder, dass wir hier auf Weltumseglung ja nicht in einem 3-jährigen Dauerurlaub sind, sondern eigentlich „nur“ unseren Lebensstil für eine gewisse Zeit geändert haben. Das bringt im Wortsinn Veränderung mit sich Eine davon ist unbestritten das Thema Körperhypgiene… aber die ist, wie eingangs ja schon erwähnt, ohnehin völlig überbewertet.