Kurs Kontinent Tag 1 – Tchau Santa Maria!

15./16. Juli 2022

Das in der Überschrift sieht schon komisch aus, schreibt sich im Portugiesischen aber nun einmal so. Verständlich ist es ohnehin. Wir verabschieden und von Santa Maria. Zum ersten Mal seit Wochen weht der Wind nicht genau vom Kontinent Richtung Azoren. Man könnte es fast ein Wetterdfenster nennen. Und da am 22. August in Berlin die Schule anfängt, haben wir keine Zeit, auf das nächste zu warten.

Am Vormittag die letzten Vorbereitungen. Dinghy festzurren, Wasser auffüllen, Sitzecke im Salon zur Liegefläche ausweiten, Müll wegbringen… was halt so anfällt. Mit etwas Verspätung werfen wir zum letzten Mal auf den Azoren die Leinen los. Tchau!

Tchau Azoren!

Wir halten es mit dem Segeltag so, wie schon beim letzten Mal: Jeweils 24 Stunden nach Abfahrtheißt 9:30 Uhr UTC (also zwei Stunden hinter deutscher Sommerzeit). Da machen wir unsere Posi (s. Spotwalla) und schreiben unseren kurzen(?!) Tagesbericht fertig.

Eigentlich wollten wir um Santa Maria westlich herum. Das ist zwar kürzer, bietet aber auch Gegenwind mit Kapeffekt. Segeln wir also den Umweg um die gerade am Vortag besuchte Südostecke der Insel. Einen Kapeffekt gibt es hier allerdings auch. Gerade noch von hinten, kommt der Wind plötzlich von vorne und dann spontan mal gar nicht mehr. Auf solche Spielchen haben wir keine Lust. Kurzerhand motoren wir rum. Gleich dahinter beginnt endlich der volle Segelspaß.

Die Wettervorhersage hat zumindest für die ersten Tage einen (gleich)mäßigen Halbwind vorhergesagt. Pustekuchen. Mal wieder. Der stärkere Wind kommt grundsätzlich nördlicher und schwankt sowohl in Richtung zwischen 320° und 010° sowie Intensität zwischen 3 und 5(6) Windstärken. Trotzdem kommen wir recht gut voran und die Welle hält sich in Grenzen.

Letzter Blick auf Santa Maria

An Bord der Samai verläuft der erste Segeltag recht typisch für den Beginn einer längeren Etappe. La Skipper testet die „Segelmodus-Ecke“ im Salon schon mal an, bevor überhaupt ein Segel gesetzt ist. Die Kinder lassen sich nur zu wenig Schule überzeugen. Nach etwas Deutscher Geschichte sowie Englisch bei Samuel verbringt er den Großteil des Tages mit Podcasts. Wenigsten hört er etwas sinnvolles: „Sag mal Du als Physiker“. Maila schafft dagegen nur etwas Englisch, schnappt sich dann den Kindle, verschwindet im Vorschiff und ward den Rest des Tages kaum noch gesehen. Anscheinend schnubbelt sie sogar kurz ein, leugnet das jedoch vehement.

Leider hat das lange Lesen unter Deck seine Konsequenz. Dieses Mal ist es Maila, die einen kleinen Opfergang hinter sich bzw. seitlich auf das Laufdeck bringt. Zum Abendessen mümmelt sie nur etwas Brot. Für den Rest der Crew gibt es dazu Bouletten (das einzige Gericht, dass ich hin und wieder mal vorkoche bzw. -brate) und TK-Gemüse. Der Skipper brät sich als Extrawurst die restlichen Nudeln von vor keine-Ahnung-mehr-wie-vielen-Tagen… und übersteht es ohne Magenprobleme.

Wir halten unseren Kurs, fressen gut Meilen, reffen für die Nacht noch das Großsegel etwas ein und die Familie verabschiedet sich ins Bett. Im Laufe des späten Abends nimmt der Wind noch mehr zu. Beständige 5 Bft. mit 6‘er Böen. Da gönnt sich der Skipper dann glatt noch ein Reff im Vorsegel. Gute Entscheidung. Die Samai liegt mit weniger Druck aufrechter und segelt dabei kaum merklich langsamer.

Schönes Segeln :-)

Andere Schiffe sind kaum zu sehen. Zweimal die Lichter von Tankern einige Meilen entfernt. Doch um Mitternacht kommt es, wie so oft auf dem Ozean, geballt. Man kann tagelang keinen anderes Schiff sehen und dann kommt eines auf Kollisionskurs. So eng ist es nicht. Trotzdem sonderbar, warum sich mitten auf dem Wasser innerhalb von 3sm gleich drei Segler treffen müssen. Einer geht vor uns durch, wir segeln durch ihre Lücke während der andere uns achtern passiert. Die zwei sind anscheinend auf Kurs plus-minus-Lissabon.

Der Rest der Nacht verläuft verhältnismäßig ruhig. Der Skipper findet sogar etwas Schlaf. Der Morgen empfängt uns grau in grau mit immer noch beständigen 5 Bft. Wind (+Böen), der nun aber etwas seitlicher kommt. Entspannt treffen wir unsren Zielkurs… noch.

Abschließend ein paar Worte zu unserer Planung für die Fahrt zum Kontinent. Eigentlich wollen wir ins französische Brest. La Skipper war noch nie dort und der Skipper möchte testen, ob das Bier im in dieser Eckkneipe immer noch so gut ist. Also falls ich den Laden wiederfinde. ;-)

Allerdings besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Wind mit dieser Planung nicht einverstanden ist. Dann ist der Plan B, ins spanische A Coruña abzubiegen. Wir kennen die Ecke ja schon von 2019 und wissen, dass sich die Bucht gegenüber vom Hafen als sicherer Ankerstopp anbietet.

Wie auch immer, wir halten euch auf dem Laufenden. Grüße vom Atlantik!

Erster Sonnenuntergang…

Angra do Heroísmo (2) – Museum, Fort, Parade und Feuerwerk

26. Juni 2022

Heute ist Sonntag. Kostenloser Eintritt im empfohlenen Museu de Angra do Heroísmo. Wir lassen den Wagen also auf dem bewährten Parkplatz und spazieren durch das Stadtzentrum. Dieses gehört übrigens schon seit 1983 zum Weltkulturerbe. Die Aufnahme erfolgte drei Jahre nachdem ein Erdbeben weite Teile von Terceira erschüttert hat. Der Wiederaufbau von Angra erfolgte jedoch unter Bewahrung des geschichtlichen Erbes. Als erste Stadt der Azoren (1534) war sie lange Zeit wichtiger Zwischenstopp im Translatlantik- und Ostindienhandel.

Innenhof

Die Geschichte der Azoren wird auch im Obergeschoss des Museu de Angra do Heroísmo sehr ausführlich und anschaulich präsentiert. Farblich gekennzeichnete Bereiche führen durch die verschiedenen Epochen von den Entdeckungen der frühen Seefahrt über die Besiedlung und Befestigung der Inseln, technischen Fortschritt und heimische Künstler wie António Dacosta bis in die Moderne. Bei dieser Informationsfülle könnte man einen ganzen Tag hier verbringen. Wir lassen uns beeindrucken.

Das Museum ist in dem ehemaligen Convento São Francisco aus dem 15. Jahrhundert untergebracht und die zu der Klosteranlage gehörende Igreja Nossa Senhora da Guia ist wahrlich ein Höhepunkt. Hier liegt nicht nur Paulo da Gama (Bruder des berühmteren Vasco) begraben. Der ganze Boden besteht aus Grabplatten, deren Nummern man heute jedoch keinen Namen mehr zuordnen kann.

In der Sakristei

Vom Chor aus hat man nicht nur einen schönen Blick in den Innenraum. Man kann sich auch die historische Orgel, einen alten Flügel, sowie den großen, aus blau-weißen Fliesen zusammengesetzten Wandschmuck aus der Nähe anschauen.

Abgerundet wird die Dauerausstellung durch einige Räume mit verschiedenen Themen. Wir spazieren durch ein Zimmer des lokalen Unternehmers Frederico Vasconcelos, alte Kutschen, bewundern ausführlich einen originalen Ford T (natürlich in schwarz ;-), dafür weniger intensiv die ausgestellte Artillerie und sehen zeitgenössische Kunst sowie alte, bearbeitete Steine.

Fort T

Nach dem lohnenswerten Museumsbesuch machen wir eine kleine Pause im schön angelegten Jardim Duque da Terceira der sich gleich daneben den Hang entlangzieht.

Am oberen Ende des Parks steht das Alto da Memória a D. Pedro IV mit seinem tollen Ausblick über die Stadt. Auch dieses Denkmal wurde durch das große Erdbeben von 1980 weitgehend zerstört, jedoch schon nach fünf Jahren in neuem Glanz wiedereröffnet.

Blick in Gegenrichtung

Danach statten wir dem imposanten Castelo de São João Baptista am Fuß des Monte Brasil einen Besuch ab. Ein ausgesprochen höflicher Soldat klärt uns darüber auf, dass die militärisch genutzte Anlage von innen nur mit vorangemeldeter Führung zu besichtigen ist. Da begnügen wir uns mit einem Spaziergang an den Außenmauern entlang.

In Hintergrund der verhangene Monte Brasil

Auf dem Weg zurück in die Stadt kommen wir am gutbesuchten Stadtstrand vorbei und schauen uns auch nochmal den kleinen Hafen an. Direkt daneben ist eine der Bühnen aufgebaut. Aktuell gibt es hier sicherlich unruhige Nächte.

Heute ist auch der letzte Tag der Sanjoaninas 2022. Da steht eine Abschlussparade auf dem Programm. Auch für uns. Wir ergattern Plätze auf der großen Treppe vor der Sé Catedral und warten gespannt auf die Show. Laut Programm präsentieren sich über 20 „Philharmonische Gesellschaften“ (Sociedade Filarmónica) geordnet nach ihrem Gründungsjahr von 1873 bis 2001 und wohlgemerkt alle aus verschiedenen Orten auf Terceira. Klassische Musik auf der Straße? Tatsächlich würde man sie bei uns wohl eher als „Blasorchester“ bezeichnen. Eines nach dem anderen kommt die Straße herunter, stoppt vor der Treppe und dreht sich zum Publikum, um sich danach auf den weiteren Weg hinter zur Rathausplatz zu machen.

Anfänger…
… Profis :-)

Dabei ist die Vielfalt der angebotenen Musik erstaunlich. Einige klingen sich schon recht ähnlich, doch immer wieder stechen Ensembles mit besonderer Musik heraus. Samuel macht ein Video von jedem einzelnen, doch das würde an dieser Stelle fraglos zu weit führen. Wir beschränken uns auf derer zwei…

Mal etwas traditioneller…
… und mal richtig cool! ;-)

Höhepunkt der Nacht ist das große Abschlussfeuerwerk. Dafür brauchen wir nur noch einen geeigneten Beobachtungsstandort. Wir finden ihn im Castelo de São Sebastião auf der dem Monte Brasil gegenüberliegenden Seite der Bucht. Kurz an der Rezeption des darin eingerichteten Hotels nachgefragt, finden wir so einen nahezu perfekten Platz.

Das Feuerwerk beginnt um Mitternacht und beeindruckt für eine Viertelstunde nicht nur uns, sondern wohl ganz Angra do Heroísmo. Einen schöneren Abschluss für den Besuch von Terceira kann es wohl kaum geben. Bald schon geht es weiter zur nächsten Insel…

Wanderung PRC 7 TER… ohne Roller

25. Juni 2022

Heute hat der Skipper die Wanderung ausgesucht. Und ich habe mich sogar damit durchgesetzt, dass der Roller dieses Mal im Kofferraum bleibt. Eine gute Entscheidung. Der heutige Ausflug in das Naturschutzgebiet der Caldeira de Guilherme Moniz bietet nicht nur mehr Höhenmeter, sondern auch sehr viel weniger Rolleroptionen.

Schon die erste Passage durch flache Vegetation bietet unebene Wege. Wieder stoßen wir auf alte Spuren von Ochsenkarren.

Bald tauchen wir in einen Wald hoher Sicheltannen bzw. Japanischer Zedern (Cryptomeria japonica). Als im 20. Jahrhundert der Entschluss fiel, die seit der Kolonisierung ihrer ursprünglichen Wälder in weiten Teilen beraubten Inseln wieder aufzuforsten, entschied man sich für diesen schnell wachsenden Baum aus Ostasien. Eine aus damaliger Sicht vielleicht nachvollziehbare, aber nicht unbedingt glückliche Entscheidung. Doch davon ein anderes Mal mehr. Heute sind wir zwischen diesen Baumriesen einfach nur beeindruckt.

Nebenbei kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Der Weg geht etwa 80 Höhenmeter steil hinauf. Dann führen die Schilder auf eine große Weide. Unter dem umgebenden Draht kommen wir sicher durch. Allerdings hätte La Skipper ihn vielleicht doch besser nicht anheben wollen. Der Stomschlag hat sie ganz schön gezwickt.

Tapfer überquert auch Maila die Wiese in gehörigem Sicherheitsabstand zu den umherlaufenden Kühen. Die nächste Zaununterquerung erfolgt für alle schmerzfrei und wir finden uns in einer Art Wasserabschluss wieder. Es wird matschig.

Noch ein bisschen hoch und runter, dann erreichen wir den ersten Aussichtspunkt in die Caldeira de Guilherme Moniz. Es fängt an zu nieseln.

Der Bewuchs ist auf dieser Seite ursprünglicher. Flach ducken sich die Bäume und Büsche an den Hang.

Zwei Aussichtspunkte später führt der Weg wieder hinab und in großem Bogen nach insgesamt nicht einmal 5km zurück zum Parkplatz.

Eine kleine, feine Wanderung… und das ganz ohne Roller! ;-)

Terceira von unten

Inseln mit vulkanischem Ursprung haben gerne einige Dinge gemeinsam: Vulkanschlote über und unter der Erde, Lavahöhlen sowie mehr oder weniger angenehmer Dampf aus Löchern im Boden. Das gibt es natürlich auch auf Terceira…

20. Juni 2022

Die Vulkane von Terceira sind weitgehend erlöschen. Nur an einer Stelle zeugt noch aus Fumarolen quellender Dampf von Aktivität. Wir besuchen die Furnas do Enxofra gleich am Vormittag. Die kühlere Luft soll den heißen Dampf hervorheben.

Das in etwa 600m Höhe gelegene Gelände selbst ist recht klein. Ein Rundweg führt auf sicherem Pfad hindurch. Schnell steigt der unverwechselbare Schwefelgeruch in die Nase. Obgleich dieses Element nur etwa 3% ausmacht. Der absolut überwiegende Bestandteil der Dämpfe ist Kohlendioxid, das hier an der Oberfläche mit bis zu 95°C aus bis zu kilometertiefen Löchern entsteigt. Da ist die eingerichtete Messstation ebenso logisch wie das Verbot, die Wege zu verlassen.

So spazieren wir entspannt herum, schauen immer wieder auf die dampfenden Fumarolen, übersehen aber auch nicht die Flora rundherum. Fingerhut und rosa-weiße Gänseblümchen sorgen für Farbtupfer zwischen den Büschen und Farnen.

Später gehen wir dann richtig unter die Erde. Die Lavaröhre namens Gruto do Natal (Weihnachtsgrotte) schlängelt sich auf etwa 675m. Nur ein kleiner Teil ist zu besichtigen. Doch zunächst müssen wir uns Helme aufsetzen. Der Skipper wird sich noch sehr darüber freuen!

Nur wenige Stufen tiefer sind wir dann auch schon mitten in der Lavaröhre. Zunächst führt der Weg nach links. Bizarre Formationen schmücken die Wände, kleine Lavastalaktiten hängen von der Decke. All das ist stimmungsvoll beleuchtet… und bei jeder Lampe zeugt der grüne Überzug auf dem Stein davon, dass das Leben immer einen Weg findet.

Am Wendepunkt erreichen wir einen kleinen Altar. Ihren Namen hat die Weihnachtsgrotte von der hier immer zum ersten Weihnachtsfeiertag abgehaltenen Messe. Manchmal finden unter Erde auch Taufen und Hochzeiten statt.

Altar unter der Erde
Weiter in den rechten Abschnitt

Auf der rechten Seite wird es dann unebener, damit sogar noch spannender als vorher. Die Wände zeigen bizarre Lavaformationen, insgesamt wird es erst großzügiger, am Ende dann aber ganz schön eng. Doch wenn selbst der Skipper sich da durchquetschen kann, ist es nicht so schlimm.

Wieder draußen

Zum Abschluss der heutigen Inselrundfahrt schauen wir noch bei der zweiten touristisch erschlossenen Höhle, eigentlich ein Vulkanschlot namens Algar do Carvão (Kohlenschlot) vorbei. Kohle gibt es darin jedoch, wie auf der ganzen Insel, nicht zu finden. Den Namen hat der Schlot schlicht wegen seiner dunklen, teils pechschwarzen Wände erhalten.

Auf dem Parkplatz empfangen uns vier große Reisebusse. Oh weh, das sieht nicht sehr einladend aus. Ich kämpfe mich durch das Getümmel zum Ticketschalter und frage, ob es auch mal ruhigere Zeiten gibt. Lächelnd schüttelt der nette Mann den Kopf. Eigentlich nicht. Die einzige Chance hat man kurz vor Toresschluss. Da sind die großen Massen schon durchgeschleust.

Voller Parkplatz :-(

23. Juni 2022

Ein paar Tage später versuchen wir es also kurz vor Toresschluss. Das sieht schon viel besser aus. Der letzte Reisebus sammelt gerade ein. Der Vorraum ist fast schon verwaist. Ja, heute besuchen wir die 1893 entdeckte, etwa 2000 Jahre alte Höhle.

Leerer Parkplatz :-)

Zunächst geht es durch eine lange Röhre. Am Ende gibt es Stau. Der Grund ist simpel. Vom ersten Eindruck überwältigt bleibt jeder zweite der doch noch anwesenden Touristen erst einmal staunend stehen und macht Fotos. Ohne Worte.

Wir schlängeln uns vorbei und sind vom ersten Eindruck überwältigt. Also zumindest ein bisschen. Wir schaffen einige der insgesamt 338 Treppenstufen, bleiben dann aber doch stehen und schauen zur Decke. Unwirklich scheint der blaue Himmel durch ein grünes Loch und sorgt damit für stimmungsvolles Licht. Der Schlot ist 45m hoch!

Beim Blick nach unten verstehen wir auch, wie hier so viele Menschen gleichzeitig rein kommen können. Es ist alles viel größer. Im Grunde ein einziger großer Hohlraum unter der Erde, in dem es beständig von der Decke tropft. Eine Mischung aus versickertem Regen- sowie Kondenswasser. Ganz unten bildet sich daraus ein wunderschöner See.

Weiter runter
Ganz unten der See
Blick zurück nach oben

Die große Ausbuchtung mit den faszinierenden Steinformationen haben wir anfangs sogar für uns alleine. Treppauf – treppab erkunden wir die Winkel und genießen den Ausblick dieses unterirdischen Miradouro.

Na wo sind die Drei?!

Zwei Höhlen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Tja und welche war nun schöner? Schwer zu sagen. Uns hat letztlich die „lavaröhrige“ Weihnachtsgrotte dann doch irgendwie etwas besser gefallen. Aber das bleibt jedem selbst überlassen.

Tourada à Corda – Tradition mit Stier und ohne Tote

18. Juni 2022

Wer uns nur halbwegs kennt weiß sicher, was wir von traditionellem Stierkampf halten. Kurz gesagt rein gar nichts. Auch auf Terceira gibt es Stierkampfarenen, in denen diese in Portugal verbreitete Tradition zelebriert wird. Die größte in Angra do Heroísmo ist während der aktuelle stattfindenden Sanjoaninas 2022 fast täglich auf dem Veranstaltungsplan vertreten. Wir wissen nicht, was dort stattfindet und wollen es eigentlich auch nicht wissen.

Auf Terceira hat sich aber auch noch eine andere Art von Tradition herausgebildet: Tourada à Corda. Dabei handelt es sich um einen speziellen Straßenstierkampf mit Seil. Im Sommer veranstaltet praktisch jedes Dorf seine eigene Tourada à Corda. In den Straßen von Angra findet es gerade täglich statt.

Vorbereitung für eine Tourada à Corda vor der Haustür

Das Wichtigste ist, dass bei diesem „Stier am Seil“ niemand getötet wird. Zumindest nicht der Stier. Dieser kommt zwar auch nicht immer ohne Blessuren davon, kann sich danach aber garantiert auf einer saftig-grünen Weise erholen. Auf Menschenseite endet es auch immer wieder mal mit leichten bis schweren Verletzungen, manchmal sogar tödlich. Ein Rettungswagen ist jedenfalls immer vor Ort.

Wie läuft das nun ab? Wenn ein Knall ertönt, sollten alle auf ihre Sicherheit bedachten Zuschauer von der Straße runter sein. Erste Regel als Tourist ist dabei, niemals alleine zu stehen. Von Einheimischen gemiedene Plätze sind normaler Weise nicht sicher. Dann wird das Tier an einem langen, von sogenannten Mascardos gehaltenem Seil raus- und damit auf die Zuschauer losgelassen. Wer möchte, stellt sich den Hörnern entgegen. Erlaubte „Waffen“ sind Decken, Regenschirm und schnelle Beine. Nach einer Viertelstunde wird das Tier wieder in seine Box buchsiert und ein doppelter Knall verkündet, dass die Straße sicher ist. Das ganze findet normaler Weise viermal statt.

Noch in der Box…
… wird das Seil angelegt…
… bevor der Knall ertönt!

Von João, der uns hier auf Terceira den günstigen Leihwagen vermittelt hat, bekommen wir den Tipp, uns die Tourada in dem kleinen Dorf Santiago anzuschauen. Dort werde er selbst auch hinfahren. Maila ist anfangs skeptisch, kommt aber tapfer mit. Trotz einiger Umwege und einer weit zugeparkten Straße schaffen wir es gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Knall. João begrüßt und schickt uns auf den abgezäunten Sportplatz. Dort erspäht der Skipper eine Leiter und klettert sogleich auf das Dach eines kleinen Hauses.

Sicher nach oben?!

Es herrscht Volksfeststimmung. Imbissbuden, Bierstand und ein von unserer Familie mit reichlich Umsatz bedachter Popcornverkäufer versorgen die ausgelassene Masse. Wir schauen uns um. Andere Touristen erkennen wir kaum bis gar nicht.

Dann kommt der erste Stier. Schlagartig leert sich die Straße. Doch einige junge Männer bleiben. Schnell merken selbst wir, dass sie das nicht zum ersten Mal machen. Sie nähern sich den Hörnern hinter dem vermeintlichen Schutz von Regenschirmen und zeigen dann doch recht oft, wie schnell sie rennen können.

Auch dieser Mann macht das sicher nicht zum ersten Mal. Davon zeugt wohl auch sein Verband?!

Der zweite Stier, dem jetzt auch die Kinder vom Dach aus zuschauen, zeigt beeindruckend seine Kraft. Eine Holzpalisade wird kurzerhand zur Seite geschoben. Die dahinter stehenden Zuschauer ergreifen hastig die Flucht. Auch die Holzverkleidung am Eingang zum Sportplatz muss dran glauben. La Skipper (links oben Bild) ist begeistert.

Ganze Arbeit!

Für den dritten Stier wechselt der Skipper die Perspektive und stellt sich direkt an den Straßenrand. Keine Sorge, die Mauer hier ist hoch genug. Der Rest der Familie versammelt sich jetzt vollständig auf dem Dach.

Hinten rechts der Skipper…
… oben links die Crew

Wie bei jedem anderen zeigt sich auch beim dritten Stier der Unterschied zwischen Theorie und Praxis der seilhaltenden Mascardos. Stürmt das Tier die Straße entlang hält plötzlich niemand mehr ein Seil, sondern flüchtet sich in ausreichende Höhe. Manches Mal ist das dann auch ein Laternenpfahl oder Zaun, an dem der Zuschauer hängt, während er vom Stier unter ihm fixiert oder ignoriert wird.

Gut festhalten!

Andere sind mutiger. Einer weiterer junger Mann legt seine Hand zwischen die Hörner, während er in engen Kreisen rennend versucht, ausreichend Abstand zu halten. Jetzt bloß nicht ausrutschen.

Für den vierten Stier, den sich nun beide Jungs vom ausreichend hohen Straßenrand aus anschauen, denkt man sich etwas Besonderes aus. Kurzerhand wird die Barrikade vor dem Eingang zum Sportplatz weggenommen. Der Stier nimmt die Einladung an. Die Mädels freuen sich über ihren Platz auf dem Dach .

Nicht die erste Tüte Popcorn!
Nächster Streichelversuch
Schluss für heute.

Nach knapp 2½ Stunden ist das Spektakel vorbei. Die vier Stiere haben sich ihre Erholung redlich verdient und zusammen mit den anderen Zuschauern verabschieden wir uns in dem Gedanken, dass sie diese auch bekommen werden. Auf einer saftig-grünen Wiese.