Alltagsprobleme an Bord: Handy

Ecuador, 18. März 2021

Zunächst einmal eine kurze Begriffsklärung für alle nicht-deutschsprachigen Leser… wer weiß schon, wie gut Google Translate international mit dem Urdeutschen Begriff „Handy“ (wörtlich übersetzt „praktisch“) umgeht?! Es geht um: mobile phones, téléphones mobile/portables, teléfono móvil, celulares…

Ja, ist natürlich gleich mehrfach an Bord. Abgesehen von kaputten Alibi-Geräten für potenzielle Taschendiebe haben heutzutage ja schon noch-nicht-einmal-ganz-10-jährige Mädchen zumindest bei uns ein älteres, von der Verwandtschaft unlängst ausrangiertes Mobiltelefon zur Hand. Und sei es nur, um über WhatsApp oder alternative Messengerdiensten mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Doch gerade ältere Geräte haben oft einen auf Segelbooten gravierenden Makel: sie sind selten wasserdicht.

Den Skipper erwischte es schon SEHR früh auf der langen Reise. Noch Mitte 2019 in den Niederlanden kam etwas Wasser über, das Handy lag ungünstig, der Rest ist Geschichte. Zwar funktionierte es noch ein Weile, ließ sich jedoch nicht mehr aufladen. Reparaturversuche in England schlugen fehl, Ersatz wurde in Lissabon beschafft. Ein Samsung S9 als Auslaufmodell im „Sonderangebot“… Hauptargument: wasserdicht!

Vorgestern erwischte es nun La Skipper. Zugegeben ist ihr altes iPhone für heutige Verhältnisse fast schon ein Museumsmodell. Es war bisher aber immer völlig ausreichend. Und dann geht es plötzlich aus und nicht mehr an. Knöpfe gedrückt, Kabel rein und raus, doch der Bildschirm bleibt beständig schwarz. Wer sie kennt, kann sich die besonnene Reaktion der Besitzerin dieses nunmehr wenig nützlichen Gerätes vorstellen… „Sch…!“… „Nun gut, dann läuft meine Prepaid-Karte halt ab!“… „Nehmt mich am Besten gleich mal aus allen WhatsApp-Gruppen raus!“… nur so als kleine Auswahl. ;-)

Doch bei genauerem Hinsehen erkannte der Skipper Licht am Ende des Tunnels. Maila hatte kürzlich ein altes iPhone bekommen und fand nach dem Einrichten auf magische Weise alle Kontakte der Mama darauf wieder. Da scheint also irgendwo was in einer iCloud rumzuschwirren. Und ja, neue Geräte sind in Südamerika in der Regel kein Schnäppchen, aber man kann ja mal nachschauen. Tatsächlich hat der große Elektroladen im fußläufigen Einkaufszentrum gerade ein Samsung A31 für 305$ im Angebot. Das ist gar nicht mal so viel mehr als in Deutschland.

Als mir die nette Dame im Geschäft dann ihren Preis offenbart, schaue ich erst einmal nicht schlecht. Sie ruft über 370$ auf. Dafür sei eine Versicherung gegen Fallenlassen mit drin. Ganz ehrlich, in ein paar Wochen sind wir in einem anderen Land… Versicherung weg und wir liegen bei gut 330$. Der Rest erklärt sich dann tatsächlich mit der angekündigten Kreditkartenzahlung. Der Geldautomat verlangt für eine Abhebung von 500$ gerade einmal 1,50$ Gebühr. Keine Frage: Cash! Und als Geschenk bekommen wir sogar noch eine kleine Powerbank dazu… passt!

Maila erklärt Mama ihr neues Handy!

Kurz und gut hat die Familie einen weiteren Schritt im Wechsel von Apple zu Samsung vollzogen. Die iPads werden bleiben, beim Handy fehlt nur noch Maila. Doch das wird sich wohl spätestens Mitte 2022 (also bei geplanter Rückkehr nach Deutschland) ändern… wenn denn nicht ein kleiner Wasserschaden zuvor kommt…

Alltagsprobleme an Bord: Wasser

Bahía de Caráquez, 15. März 2021

Stell Dir vor, du machst den Wasserhahn auf und nichts passiert. Ja, das kommt auch an Land hin und wieder mal vor. Ist aber selten. Echt selten! Und wenn, dann kann man selbst normaler Weise rein gar nichts dafür oder auch dagegen tun. An Bord eines Segelbootes ist das etwas anders.

Wie fast alle größeren Segelboote haben auch wir einen Wassertank. Das Fassungsvermögen beträgt so in etwa 330l. Das klingt viel, aber bei vier Personen an Bord kann sich das schneller leeren, als man denkt. Insbesondere, wenn La Skipper den Abwasch macht. Na wenigstens hängt die Klospülung nicht dran. Kurz und gut: Man sollte ein Auge auf den Füllstand des Wassertanks haben. Wenn sich dieser seinem Ende zuneigt, gibt es mehrere Möglichkeiten für Nachschub zu sorgen.

Wenn das Boot nicht zum Wasser kommt…

1. Wassermacher: An Bord der Samai ist ein kleines Wundergerät von Dessalator (sehr robust und zuverlässig!). Dieses zaubert mittels sogenannter Umkehrosmose aus salzigem Meerwasser tadellos trinkbares Süßwasser. Wenn es gut läuft, schaffen wir damit 60l pro Stunde. Auf langen Passagen ist das ein für Blauwassersegler heutzutage nahezu unverzichtbarer Helfer an Bord. Manche Dinge mag ein Wassermacher jedoch nicht so sehr bei seiner in den Prozess eingehenden „Arbeitsgrundlage“: Süßwasser macht die Membran kaputt und allzu viele Partikel setzen recht schnell den Filter zu. Wir liegen aktuell vor Bahía de Caráquez im Río Chone… kurz und gut: braunes Süßwasser. Nicht gut.

Bedienpanel unseres Wassermachers

2. Wasserschlauch: Ein bequemer und schneller Weg zum Nachfüllen ist ein Wasserschlauch. Natürlich nehme man dafür besser nicht die in Häfen ausliegenden Schläuche… wer weiß schon, wie tief ein früherer Benutzer das Ende zum Ausspülen seines Fäkalientanks reingesteckt hat. Ein eigener Schlauch mit ausreichend Länge sowie eine gute Auswahl von Anschlüssen sollten also selbstverständlich an Bord sein… gerne auch ein InLine-Aktivkohlefilter. Wesentliche Voraussetzung für die Nutzung dieser Option ist jedoch ein Wasserhahn in ausreichend geringer Entfernung zum eigenen Boot. Liegt man an einem Steg, ist das normaler Weise kein Problem. Wir ankern aktuell etwas mehr als 100m vor dem Puerto Amistad. Der Fluss wird am Rand schnell flach und bietet dazu teils sehr ordentliche Strömung. Nicht gut.

Kleine Auswahl an Anschlüssen und Filtern

3. Wasserkanister: Die letzte und zugleich unbequemste Option ist das manuelle Nachfüllen unter Verwendung von Wasserkanistern. Natürlich sollten auch diese aus Bordmitteln kommen. Neben ein paar größeren Kanistern haben wir noch aus Valdivia/Chile insgesamt fast dreißig 6l-Wasserflaschen aus dem Supermarkt an Bord. Unterwegs füllen wir sie mit dem Wassermacher, jetzt kommen die meisten selbst zum Füllen des Wassertanks zum Einsatz. Leer ins Dinghy, an Land unter den Wasserhahn gestellt, voll zurück an Bord und dann gefühlvoll in den Einfüllstutzen des Wassertanks gekippt… und nach nur zwei Fahrten ist unser Wassertank wieder voll.

Runde zwei…

So, wieder mal was geschafft. Das sollte jetzt für eine Weile reichen… unabhängig davon, wer den Abwasch macht. Beim nächsten Mal können wir hoffentlich wieder auf eine bequemere Option zurück greifen.

Alltagsprobleme an Bord: Frisör

Warnung: Dieser Beitrag enthält Bilder, die auf sanfte Gemüter schockierend wirken können. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die psychische und physische Unversehrtheit bei seelisch unvorbereiteter Betrachtung!

Eigentlich ist das mit dem Frisör ja kein Alltagsproblem AN Bord, schließlich hat man selten einen davon in der Backskiste versteckt. Na und? Dann geht man halt zum Haareschneiden an Land. Und wenn das monatelang nicht geht? Und wenn sich dann keiner so recht traut, selbst zur Schere zu greifen? Wahrscheinlich ist gerade letzteres das eigentliche Problem.

Den letzten Frisörbesuch absolviert die Familie im Südherbst, also etwa April/Mai 2020 in Ushuaia. Die Willkommenszeremonie umfasst Fragebogen, Temperaturmessung (die in diesem Laden interessanter Weise grundsätzlich weit unter 37°C ergab), Handdesinfektion und beim letzten Mal sogar das Einsprühen des gesamten Körpers mit was auch immer für einer Flüssigkeit. Dann erst kommen wir unter Wasserhahn und Schere. So weit, so gut.

In den Folgemonaten wachsen wir dann unaufhaltsam zu. Erst schleichend und unbemerkt. Die zunehmende Wolle auf dem Kopf ist bei den winterlichen Temperaturen in Patagonien durchaus willkommen. Doch dann kommt der Südsommer, wir fahren irgendwann sogar weiter Richtung Äquator… es wird warm… und wärmer…

Jeder hat seine eigene Strategie mit dem Problem umzugehen. Allen gemein ist deren Beginn: weitgehende Ignoranz! So lange wie möglich „weglächeln“. Doch irgendwann kapituliert (fast) jeder von uns.

Noch vor unserer Ankunft in Ecuador ist es La Skipper, die auf dem Pazifik als erste an der Notbremse zieht. Sie hat das dichteste und kräftigste Haar der Familie und wie schon berichtet als einzige den Mut, das Problem bordintern anzugehen. Haare zusammengebunden, Schere an den Skipper und schon schwimmt ein derart dickes Büschel Haare im Pazifik, das es für ein ganzes Kunstsemester hätte Pinsel liefern können.

Ich habe die Haare schön!

Der Rest der Crew wartet lieber auf professionelle Hilfe. Maila hat ihre dünnen Haare vom Papa geerbt. Nicht nur, aber auch das macht es bei zunehmender Länge zu einer überproportional zunehmenden Tortur, diese durchzukämmen. Wie tapfer unser kleines Mädel doch ist. Auch beim Frisör. Nur mehr bis zur Schulter sollen die Haare reichen, da geht eine Menge runter. Doch Maila ist mit dem Ergebnis glücklich. Zitat: „Er hat einen ganz anderen Stil zu schneiden, aber gut.“ Worte einer 9-jährigen! Mir ist kein Mann bekannt, dem solche Worte über die Lippen kommen würden, aber vielleicht kenne ich auch nur die falschen Männer.

Da wird großzügig abgeschnitten.

Samuel ist haartechnisch ein Phänomen. Mit Mamas dicker Lockenpracht gesegnet, wächst er mit stoischer Ruhe zu. Das linke Auge inzwischen völlig bedeckt erinnert er, zumindest auf dem Kopf, an die Popper der für ihren Geschmack legendären 80‘er-Jahren und lässt sich auch nur unter Protest zu einer Änderung des optischen Gesamteindrucks bewegen. Muss wohl was mit der Pubertät zu tun haben. Wie auch immer, das widerwillig erduldete Ergebnis kann sich sehen lassen.

Toll!

Für den Skipper waren die letzten Wochen eine ungewohnte Erfahrung. Eigentlich bin ich jemand, der über seine Haare kein großes Aufsehen macht. Meine Wünsche beim Frisör sind grundsätzlich eher knapp gehalten: Kurz, aber noch ein bisschen was über den angehenden Geheimratsecken belassen, hinten Façon, Ohren frei… „Sie sind der Profi… wenn es Ihnen das Ergebnis gefällt, werde auch ich glücklich sein.“ DAS sind Worte eines Mannes?! ;-)

Umso erstaunlicher mein Unbehagen über die immer mehr ins Gesicht fallenden Strähnen. Ich muss offen zugeben, in einem mir selbst fast schon unangenehmen Umfang rumgejammert zu haben. So lang waren meine Haare das letzte Mal als Teenager… Pubertät halt. Was tun? An Bord, wo mich „sonst keiner“ sieht, räubere ich zunächst bei meiner Tochter. Zwei wirklich süße Mädchen-Haarspangen halten die Flusen aus dem Blick. Nur gut, dass ich mich selbst nicht sehen musste. Alternativ suche ich nach einem Stirnband. Die Auswahl an Bord ist jedoch eingeschränkt. Erste Wahl ist ein in dezentem Rot gehaltenes Mitbringsel von „Karls Erdbeerhof“.

Doch letztlich hat das Schicksal mit mir Erbarmen in Form der Schneidekunst einer netten Ecuadorianerin. Wie auch Samuel werde ich mit professioneller Leidenschaft wieder aufgehübscht, der Haaransatz rundum mit einer kleinen Klinge penibel genau nachgezogen, abschließend noch Waschen und Föhnen… das ganze Paket.

Das hat seinen Preis: 5,95US-$ pro Person. Dafür packt ein deutscher Frisör ja noch nicht einmal seine Scheren aus. Also wenn er denn geöffnet hätte. Das scheint in der aktuellen Situation ja das eigentliche Problem zu sein… sozusagen ein „Alltagsproblem im Lock(en)down“. ;-)

Alltagsprobleme an Bord: Außenbordmotor

Wie fast alle Boote ab einer gewissen Größe hat auch unsere Samai ein kleineres Beiboot. Über die Schreibweise kann man streiten, ich habe mich jetzt mal mit „Dinghy“ angefreundet. Dieses Dinghy hat natürlich Ruder. Damit kann man unkompliziert kleinere Strecken zurücklegen. Beim Ausbringen der Landleinen reicht das völlig aus. Für längere Strecken nimmt man aber doch lieber die Hilfe eines Außenbordmotors in Anspruch. Wir hatten uns damals für einen Tohatsu 9.8 entschieden. Ja, er ist mit seinen knapp 10PS zugegebener Maßen kein Leichtgewicht, aber letztlich ein recht guter Kompromiss zwischen Handhabbarkeit und Leistung.

Anfang Oktober 2019 hatten wir unseren Außenborder in Mindelo (Kap Verde) für die Atlantiküberquerung im Heck unter Deck verstaut. Dort lag er dann auch, wir hatten ihn einfach nicht wirklich benötigt, bis in die Antarktis. Erst Anfang Februar 2020 in Deception Island (erster Ankerplatz im antarktischen Vulkan) holten wir ihn frohgemut wieder raus. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass es einen Moment gedauert hat, bis er wieder lief. Doch er lief. Ja, da waren anscheinend einige Tropfen Benzin in das Gehäuse (nicht ins Wasser!) gelaufen. Doch er lief. Die ganze Zeit im Eis ließ er uns nie im Stich.

Anfang Juni machten wir uns in der chilenischen Caleta Beaulieu mit dem Dinghy auf dem Weg zur Gletscherkante. Es war etwas windig, leichte Wellen, doch an sich kein Problem. Bis der Motor plötzlich anfing, nicht mehr so richtig rund zu laufen. Der Skipper fühlte sich an den Klang seines ersten Autos (79‘er Golf) erinnert, als diesem ein bis zwei Zündkerzen versagten. Wir brachen unseren Ausflug ab. Es war einfach zu riskant. Wäre der Außenborder ganz ausgefallen, hätten wir eine – ich sage mal – herausfordernde Ruderstrecke vor uns gehabt. Der Außenborder kam an die Heckreling, die Ruder waren fortan Kurzstecken-Antrieb der Stunde.

Ich hatte mir also einen Zündkerzenwechsel auf die 2do-Liste geschrieben. Sollte kein Problem sein, schließlich sind in meinem Werkzeugkoffer auch zwei Zündkerzenschlüssel. Beide zu groß. Mist. In einem der Care-Pakete aus Deutschland kam Nachschub, neben zwei weiteren Zündkerzen nun auch der passende Schlüssel. Ja, sicher hätte ich den auch in Chile bekommen… gestaltet sich halt nur etwas schwierig, wenn man den Hafen nicht verlassen und selbst einkaufen gehen darf.

Egal. Im November habe ich endlich die Zündkerzen gewechselt, dann den Motor gestartet. Hey, das klingt gut. Zur Sicherheit lasse ich ihn noch etwas laufen. Doch dann geht die Drehzahl runter. Der Motor stirbt ab und lässt sich auch nicht wieder starten. Vielleicht erwähnte ich es ja schon: Mist! Da sollte wohl doch einmal ein Profi rein schauen.

Wo tropft es nur so still und heimlich?!

Unser Honorarkonsul hat uns dann einen (deutsch und englisch sprechenden) Schulfreund seines Sohnes vermittelt. Dessen Eltern betreiben in Valdivia den kleinen aber feinen Ausrüster und Außenborder-Spezialisten Fibronaval. Ein kurzer Anruf und die Schilderung unserer Situation reichten aus, um ihn uns helfen lassen zu wollen. Er kam also im Hafen vorbei, um sich das mal anzuschauen. Ja, Suzuki und Tohatsu können sie reparieren und warten. Bingo! Er packte den Außenborder gleich auf seinen Pickup. Ich sagte noch, dass sie bei Bedarf ja auch gerne das Öl wechseln könnten. Schließlich lag die letzte Wartung in Rostock schon eine Weile zurück. Was das ganze kosten würde? Keine Ahnung. Ich hatte nur das Vertrauen, dass sie uns nicht über das Ohr hauen würden.

Ein paar Tage später kam die Nachricht, dass unser Außenborder wieder schnurrt. Sie haben das Benzinleck abgedichtet, den Vergaser gereinigt sowie Getriebe- und Motoröl gewechselt. Letzteres hatte es auch echt nötig. Anscheinen war da einiges an (Kondens-?)Wasser rein gekommen. Was das Getriebeöl angeht wurde mir gesagt, dass wohl noch das Original vom Kauf des Motors (vor fast sechs Jahren!) drin war. Erwähnte ich schon, dass ich den Außenborder zwischenzeitlich für einen Service bei Volvo Penta bei Rostock hatte? Man nennt die Jungs in Blau (sorry, habe noch kein Mädel gesehen) wohl nicht umsonst die „modernen Piraten der Ostsee“ ;-)

Für diese Leistungen wurde uns, wie es nur recht und billig ist, natürlich auch eine Rechnung aufgemacht: 25.000 Chilenische Pesos! Dazu muss man jetzt den Umrechnungskurs kennen. Das sind nicht einmal 30€. Mir klappte im positiven Sinne die Kinnlade runter. Kurz danach wurde der Motor zu uns in den Hafen gebracht (dieser Service ist selbstredend inklusive!) und hängt jetzt nach einem netten Plausch wieder am Dinghy.

Endlich wieder einsatzbereit!

Als nächstes stand eine kleine Probefahrt an. Was soll ich sagen?! So schön hat er wirklich schon SEHR lange nicht mehr geschnurrt. Schnell und unkompliziert angesprungen, runder Lauf (sagt man das so?! ;-), kein nennenswerter Qualm… der Skipper ist glücklich! Das Ziel für die nächste Ausfahrt steht auch schon fest. Fehlende Stempel im Pass und Quarantäne hin oder her will der Skipper endlich mal wieder einkaufen. Also wird es zum Steg von Fibronaval gehen. Ja, ich darf immer noch nicht an Land herumspazieren… aber wenn der Ausrüster auch einen Wasserzugang hat… ;-)

Wir durften hier in Chile wirklich unglaublich nette und hilfsbereite Menschen kennen lernen. Was für ein Kontrast zu der ihren Rücken freihaltenden offiziellen Stelle in Santiago (nennen wir sie „Herr V.“), die uns monatelang eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise verweigert. Doch das ist hier nicht die Norm. In dieser Hinsicht hatte uns schon Brasilien überrascht, auch in Argentinien hatten wir tolle Begegnungen, nun also Chile. Es scheint sich tatsächlich um ein südamerikanisches Phänomen zu handeln, von dem sich so manche Ecke der Welt eine Scheibe abschneiden könnte. Eine unglaublich schöne Erfahrung!

Alltagsprobleme in hohen Breiten: Batterien

Spoiler-Alarm: Heute wird es – trotz eingestreuter Anekdoten – mal wieder etwas technischer… :-)

In den guten alten Zeiten, war das alles gar kein Thema. Energie an Bord eines Segelschiffes beschränkte sich auf den Wind, der in den Segeln das Boot vorantrieb. Dann die Wellen, die das Boot umher warfen. Schließlich die Sonne, die den Seeleuten die Haut verbrannten. Ja, auch heute spielen diese drei noch eine wichtige Rolle, gerade der Wind. Ansonsten dienen Sonne und Wind (sowie hin und wieder auch die Strömung) eher dazu, die Energiespeicher an Bord zu füllen… Batterien.

Unsere Samai ist von der Werft gut ausgestattet. Vier Verbraucherbatterien brachten etwa 450Ah (Amperestunden… die physikalischen Details am Ende), dazu eine Starterbatterie für den Motor sowie eine Batterie für Ankerwinsch und Bugstrahlruder. Die letzten zwei sind von den Verbrauchern getrennt, damit ihre Leistung sicher zur Verfügung steht. Vor der langen Fahrt hatten wir uns dann noch frische Verbraucherbatterien gegönnt: 4 x 125 = 500Ah in neuen Victron AGM Super Cycle sollten uns sicher und entspannt um die Welt bringen. Soweit die Theorie.

Ich möchte nicht unfair erscheinen. Ja, die Batterien bei uns an Bord sind sicher gut und sinnvoll gewählt (… schließlich haben wir uns ja auch auf Expertenrat verlassen ;-). Doch die übliche Blauwasserfahrt führt halt in Reviere, die eher durch angenehme Temperaturen, um nicht zu sagen „Wärme“ gekennzeichnet sind. Wir waren dieses Jahr aber eher in kalten Regionen unterwegs. Das ist ein anderes Spielfeld.

Ja, Kälte ist kein Freund von Batterien. Wer schon mal die Batterie des Fotoapparates bei -20 Grad (Hundeschlittentour in Spitzbergen) im Gerät gelassen und nicht in der warmen Brusttasche verstaut hat, kann ein Lied davon singen. So war es also nicht verwunderlich, dass auch unsere Bordbatterien in der Antarktis oder dem patagonischen Südwinter keine Eispartys gefeiert haben. Trotzdem waren wir durchaus erstaunt, dass der Batteriemonitor uns am kalten Morgen oft kaum mehr als 11,5V angezeigte. Am Vorabend waren sie wohlgemerkt voll geladen, die Spannung bei gut 13V! Als erste Hilfe wurde der Kühlschrank nun nachts konsequent ausgeschaltet, die Außentemperatur sollte reichen.

Erstmals so richtig stutzig wurden wir bei Benutzung unseres Inverters in der Kälte. Dieser bringt die 12V des Bordnetzes auf die 230V der normalen Steckdosen. Schon klar, dass da z.B. ein Toaster ordentlich Strom zieht. Doch ganz oft hat er eben das nicht getan. Die angezeigte Batteriespannung viel umgehend rapide ab und das rote Lämpchen für „low batterie“ leuchtete. Letztlich konnten wir den Inverter und die damit verbundene größere Last nur dann richtig nutzen, wenn dazu der Motor (also die stomerzeigende Lichtmaschine) lief. Schon etwas nervig.

Und dann ist da ja noch die Starterbatterie. Diese muss – im Gegensatz zu den Verbrauchern – zum Motorstart kurze Zeit hohe Leistung bringen. Darum ist das auch eine andere Art von Batterie und von den Verbrauchern getrennt. Die normalen Stromabnehmer sollen die Starterbatterie nicht belasten und damit jederzeit einen problemlosen Motorstart sicher stellen. Aber warum zeigt der Batteriemonitor dann unter Last mit Inverter auch einen signifikanten Spannungsabfall eben dieser eigentlich getrennten Starterbatterie an. Sehr suspekt. Mehr noch… morgens war nicht nur die Spannung der Verbraucher-, sondern auch dieser Starterbatterie runter. Mehr als einmal reichte es nicht mal mehr aus, um den Motor zu starten. Nur gut, dass wir Überbrückungskabel an Bord haben. Irgendwann wurde es zu unserer normalen Routine, die Starterbatterie vor Anker schlichtweg abzuklemmen. Das half tatsächlich. Vor der Abfahrt wieder angeklemmt, startete der Motor fortan hinreichend zuverlässig.

Ein weiterer unbestrittener Höhepunkt ereignete sich erstmals an einem gemütlichen Fernsehabend. Einer von uns ging auf Toilette und wusch sich danach natürlich brav die Hände. Die Wasserpumpe surrte, die Salonbeleuchtung flackerte und der Fernseher ging aus! Da war dann wohl nicht mehr genug Spannung in der 12V-Steckdose übrig. Natürlich hat sich das in der Folgezeit wiederholt. Als Konsequenz haben wir an Fernsehabenden vorab etwas Wasser bereitgestellt und dann die Pumpe abgeschaltet. Ohne Worte!

Wir sind noch etwas unschlüssig, ob die Batterien inzwischen einen bleibenden Knacks abbekommen haben. Jedenfalls funktioniert das mit dem Inverter auch im frühlingshaften Valdivia nicht so wirklich gut. Unter Last geht spontan die Spannung runter und das rote Lämpchen leuchtet. Auch scheinen sie sich schneller zu entladen, als der angezeigte Stromverbrauch es rechnerisch erwarten lässt. Ein anderes schon länger beobachtetes Phänomen ist umgekehrt das Ladeverhalten. Bis zu 98% geht das ganz normal langsam hoch, der letzte Sprung auf 100% vollzieht sich dann sehr plötzlich. Oder ist der neue Mess-Shunt ein Problem? Den musste ich ja letztes Jahr ersetzen, habe mich dabei aber penibel an Anleitung und die Anschlüsse des (kaputten) Vorgängers orientiert. Sollte also eigentlich passen.

Kurz und gut… Kälte und Batterien… so richtig geht das anscheinend nicht zusammen. Wäre schön gewesen, hätten wir das vorher in aller Konsequenz gewusst. War nicht so. Ist aber auch nicht unerträglich schlimm. Wir (und wahrlich nicht nur wir) haben das nun hautnah erleben dürfen und daraus gelernt. Und wir freuen uns definitiv auf wärmere Reviere, in denen die Batterien hoffentlich(!) kein Alltagsproblem mehr sind, sondern einfach nur das machen, wofür wir sie an Bord haben: zuverlässig Energie liefern!

Nachtrag: physikalischer Kauderwelsch

Volt (V): Die Stromspannung eines Netzwerkes. An Land sind das in Deutschland 230 Volt, in anderen Ländern auch mal nur etwa die Hälfte. An Bord vieler Segelboote (so auch der Samai) sind das 12 Volt.

Ampere (A): Die Stromstärke, welche „fließt“ um den Bedarf eines Verbrauchers zu befriedigen.

Amperestunden (Ah): So wird die Kapazität von Batterien angegeben. Die sind in der Lage, eben diese Stromstärke für eine Stunde oder entsprechende Bruchteile entsprechend länger zur Verfügung zu stellen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass eine normale (Verbraucher-)Batterie niemals vollständig, sondern nur je nach Typ maximal nur auf etwa 60% entladen werden sollte. Ansonsten können sie dauerhaften Schaden nehmen. Ach ja, wenn sich eine Batterie entlädt, dann lässt auch ihre Spannung nach.

Watt (W): Achtung Formel… W = V * A (Watt = Volt * Ampere). Watt ist die Leistung, die ein Verbraucher (z.B. Toaster) aus dem Stromnetz zieht. Das steht bei jedem Gerät auf dem Etikett, gerne mal nachschauen. Einfaches Beispiel: Wenn ein Verbraucher 1200 Watt benötigt, dann zieht er aus einem 12V-Netz ganze 100A. Verbraucherbatterien mit 500Ah wären also nach 5 Stunden vollständig leer. Also so richtig ganz destruktiv leer (nicht gut ;-). In der Realität bleibt meist eher weniger Zeit… warum auch immer. Unser Inverter schafft es auf eben diese 1200 Watt.