Alltagsprobleme an Bord: Frisör

Warnung: Dieser Beitrag enthält Bilder, die auf sanfte Gemüter schockierend wirken können. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die psychische und physische Unversehrtheit bei seelisch unvorbereiteter Betrachtung!

Eigentlich ist das mit dem Frisör ja kein Alltagsproblem AN Bord, schließlich hat man selten einen davon in der Backskiste versteckt. Na und? Dann geht man halt zum Haareschneiden an Land. Und wenn das monatelang nicht geht? Und wenn sich dann keiner so recht traut, selbst zur Schere zu greifen? Wahrscheinlich ist gerade letzteres das eigentliche Problem.

Den letzten Frisörbesuch absolviert die Familie im Südherbst, also etwa April/Mai 2020 in Ushuaia. Die Willkommenszeremonie umfasst Fragebogen, Temperaturmessung (die in diesem Laden interessanter Weise grundsätzlich weit unter 37°C ergab), Handdesinfektion und beim letzten Mal sogar das Einsprühen des gesamten Körpers mit was auch immer für einer Flüssigkeit. Dann erst kommen wir unter Wasserhahn und Schere. So weit, so gut.

In den Folgemonaten wachsen wir dann unaufhaltsam zu. Erst schleichend und unbemerkt. Die zunehmende Wolle auf dem Kopf ist bei den winterlichen Temperaturen in Patagonien durchaus willkommen. Doch dann kommt der Südsommer, wir fahren irgendwann sogar weiter Richtung Äquator… es wird warm… und wärmer…

Jeder hat seine eigene Strategie mit dem Problem umzugehen. Allen gemein ist deren Beginn: weitgehende Ignoranz! So lange wie möglich „weglächeln“. Doch irgendwann kapituliert (fast) jeder von uns.

Noch vor unserer Ankunft in Ecuador ist es La Skipper, die auf dem Pazifik als erste an der Notbremse zieht. Sie hat das dichteste und kräftigste Haar der Familie und wie schon berichtet als einzige den Mut, das Problem bordintern anzugehen. Haare zusammengebunden, Schere an den Skipper und schon schwimmt ein derart dickes Büschel Haare im Pazifik, das es für ein ganzes Kunstsemester hätte Pinsel liefern können.

Ich habe die Haare schön!

Der Rest der Crew wartet lieber auf professionelle Hilfe. Maila hat ihre dünnen Haare vom Papa geerbt. Nicht nur, aber auch das macht es bei zunehmender Länge zu einer überproportional zunehmenden Tortur, diese durchzukämmen. Wie tapfer unser kleines Mädel doch ist. Auch beim Frisör. Nur mehr bis zur Schulter sollen die Haare reichen, da geht eine Menge runter. Doch Maila ist mit dem Ergebnis glücklich. Zitat: „Er hat einen ganz anderen Stil zu schneiden, aber gut.“ Worte einer 9-jährigen! Mir ist kein Mann bekannt, dem solche Worte über die Lippen kommen würden, aber vielleicht kenne ich auch nur die falschen Männer.

Da wird großzügig abgeschnitten.

Samuel ist haartechnisch ein Phänomen. Mit Mamas dicker Lockenpracht gesegnet, wächst er mit stoischer Ruhe zu. Das linke Auge inzwischen völlig bedeckt erinnert er, zumindest auf dem Kopf, an die Popper der für ihren Geschmack legendären 80‘er-Jahren und lässt sich auch nur unter Protest zu einer Änderung des optischen Gesamteindrucks bewegen. Muss wohl was mit der Pubertät zu tun haben. Wie auch immer, das widerwillig erduldete Ergebnis kann sich sehen lassen.

Toll!

Für den Skipper waren die letzten Wochen eine ungewohnte Erfahrung. Eigentlich bin ich jemand, der über seine Haare kein großes Aufsehen macht. Meine Wünsche beim Frisör sind grundsätzlich eher knapp gehalten: Kurz, aber noch ein bisschen was über den angehenden Geheimratsecken belassen, hinten Façon, Ohren frei… „Sie sind der Profi… wenn es Ihnen das Ergebnis gefällt, werde auch ich glücklich sein.“ DAS sind Worte eines Mannes?! ;-)

Umso erstaunlicher mein Unbehagen über die immer mehr ins Gesicht fallenden Strähnen. Ich muss offen zugeben, in einem mir selbst fast schon unangenehmen Umfang rumgejammert zu haben. So lang waren meine Haare das letzte Mal als Teenager… Pubertät halt. Was tun? An Bord, wo mich „sonst keiner“ sieht, räubere ich zunächst bei meiner Tochter. Zwei wirklich süße Mädchen-Haarspangen halten die Flusen aus dem Blick. Nur gut, dass ich mich selbst nicht sehen musste. Alternativ suche ich nach einem Stirnband. Die Auswahl an Bord ist jedoch eingeschränkt. Erste Wahl ist ein in dezentem Rot gehaltenes Mitbringsel von „Karls Erdbeerhof“.

Doch letztlich hat das Schicksal mit mir Erbarmen in Form der Schneidekunst einer netten Ecuadorianerin. Wie auch Samuel werde ich mit professioneller Leidenschaft wieder aufgehübscht, der Haaransatz rundum mit einer kleinen Klinge penibel genau nachgezogen, abschließend noch Waschen und Föhnen… das ganze Paket.

Das hat seinen Preis: 5,95US-$ pro Person. Dafür packt ein deutscher Frisör ja noch nicht einmal seine Scheren aus. Also wenn er denn geöffnet hätte. Das scheint in der aktuellen Situation ja das eigentliche Problem zu sein… sozusagen ein „Alltagsproblem im Lock(en)down“. ;-)

Alltagsprobleme an Bord: Außenbordmotor

Wie fast alle Boote ab einer gewissen Größe hat auch unsere Samai ein kleineres Beiboot. Über die Schreibweise kann man streiten, ich habe mich jetzt mal mit „Dinghy“ angefreundet. Dieses Dinghy hat natürlich Ruder. Damit kann man unkompliziert kleinere Strecken zurücklegen. Beim Ausbringen der Landleinen reicht das völlig aus. Für längere Strecken nimmt man aber doch lieber die Hilfe eines Außenbordmotors in Anspruch. Wir hatten uns damals für einen Tohatsu 9.8 entschieden. Ja, er ist mit seinen knapp 10PS zugegebener Maßen kein Leichtgewicht, aber letztlich ein recht guter Kompromiss zwischen Handhabbarkeit und Leistung.

Anfang Oktober 2019 hatten wir unseren Außenborder in Mindelo (Kap Verde) für die Atlantiküberquerung im Heck unter Deck verstaut. Dort lag er dann auch, wir hatten ihn einfach nicht wirklich benötigt, bis in die Antarktis. Erst Anfang Februar 2020 in Deception Island (erster Ankerplatz im antarktischen Vulkan) holten wir ihn frohgemut wieder raus. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass es einen Moment gedauert hat, bis er wieder lief. Doch er lief. Ja, da waren anscheinend einige Tropfen Benzin in das Gehäuse (nicht ins Wasser!) gelaufen. Doch er lief. Die ganze Zeit im Eis ließ er uns nie im Stich.

Anfang Juni machten wir uns in der chilenischen Caleta Beaulieu mit dem Dinghy auf dem Weg zur Gletscherkante. Es war etwas windig, leichte Wellen, doch an sich kein Problem. Bis der Motor plötzlich anfing, nicht mehr so richtig rund zu laufen. Der Skipper fühlte sich an den Klang seines ersten Autos (79‘er Golf) erinnert, als diesem ein bis zwei Zündkerzen versagten. Wir brachen unseren Ausflug ab. Es war einfach zu riskant. Wäre der Außenborder ganz ausgefallen, hätten wir eine – ich sage mal – herausfordernde Ruderstrecke vor uns gehabt. Der Außenborder kam an die Heckreling, die Ruder waren fortan Kurzstecken-Antrieb der Stunde.

Ich hatte mir also einen Zündkerzenwechsel auf die 2do-Liste geschrieben. Sollte kein Problem sein, schließlich sind in meinem Werkzeugkoffer auch zwei Zündkerzenschlüssel. Beide zu groß. Mist. In einem der Care-Pakete aus Deutschland kam Nachschub, neben zwei weiteren Zündkerzen nun auch der passende Schlüssel. Ja, sicher hätte ich den auch in Chile bekommen… gestaltet sich halt nur etwas schwierig, wenn man den Hafen nicht verlassen und selbst einkaufen gehen darf.

Egal. Im November habe ich endlich die Zündkerzen gewechselt, dann den Motor gestartet. Hey, das klingt gut. Zur Sicherheit lasse ich ihn noch etwas laufen. Doch dann geht die Drehzahl runter. Der Motor stirbt ab und lässt sich auch nicht wieder starten. Vielleicht erwähnte ich es ja schon: Mist! Da sollte wohl doch einmal ein Profi rein schauen.

Wo tropft es nur so still und heimlich?!

Unser Honorarkonsul hat uns dann einen (deutsch und englisch sprechenden) Schulfreund seines Sohnes vermittelt. Dessen Eltern betreiben in Valdivia den kleinen aber feinen Ausrüster und Außenborder-Spezialisten Fibronaval. Ein kurzer Anruf und die Schilderung unserer Situation reichten aus, um ihn uns helfen lassen zu wollen. Er kam also im Hafen vorbei, um sich das mal anzuschauen. Ja, Suzuki und Tohatsu können sie reparieren und warten. Bingo! Er packte den Außenborder gleich auf seinen Pickup. Ich sagte noch, dass sie bei Bedarf ja auch gerne das Öl wechseln könnten. Schließlich lag die letzte Wartung in Rostock schon eine Weile zurück. Was das ganze kosten würde? Keine Ahnung. Ich hatte nur das Vertrauen, dass sie uns nicht über das Ohr hauen würden.

Ein paar Tage später kam die Nachricht, dass unser Außenborder wieder schnurrt. Sie haben das Benzinleck abgedichtet, den Vergaser gereinigt sowie Getriebe- und Motoröl gewechselt. Letzteres hatte es auch echt nötig. Anscheinen war da einiges an (Kondens-?)Wasser rein gekommen. Was das Getriebeöl angeht wurde mir gesagt, dass wohl noch das Original vom Kauf des Motors (vor fast sechs Jahren!) drin war. Erwähnte ich schon, dass ich den Außenborder zwischenzeitlich für einen Service bei Volvo Penta bei Rostock hatte? Man nennt die Jungs in Blau (sorry, habe noch kein Mädel gesehen) wohl nicht umsonst die „modernen Piraten der Ostsee“ ;-)

Für diese Leistungen wurde uns, wie es nur recht und billig ist, natürlich auch eine Rechnung aufgemacht: 25.000 Chilenische Pesos! Dazu muss man jetzt den Umrechnungskurs kennen. Das sind nicht einmal 30€. Mir klappte im positiven Sinne die Kinnlade runter. Kurz danach wurde der Motor zu uns in den Hafen gebracht (dieser Service ist selbstredend inklusive!) und hängt jetzt nach einem netten Plausch wieder am Dinghy.

Endlich wieder einsatzbereit!

Als nächstes stand eine kleine Probefahrt an. Was soll ich sagen?! So schön hat er wirklich schon SEHR lange nicht mehr geschnurrt. Schnell und unkompliziert angesprungen, runder Lauf (sagt man das so?! ;-), kein nennenswerter Qualm… der Skipper ist glücklich! Das Ziel für die nächste Ausfahrt steht auch schon fest. Fehlende Stempel im Pass und Quarantäne hin oder her will der Skipper endlich mal wieder einkaufen. Also wird es zum Steg von Fibronaval gehen. Ja, ich darf immer noch nicht an Land herumspazieren… aber wenn der Ausrüster auch einen Wasserzugang hat… ;-)

Wir durften hier in Chile wirklich unglaublich nette und hilfsbereite Menschen kennen lernen. Was für ein Kontrast zu der ihren Rücken freihaltenden offiziellen Stelle in Santiago (nennen wir sie „Herr V.“), die uns monatelang eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise verweigert. Doch das ist hier nicht die Norm. In dieser Hinsicht hatte uns schon Brasilien überrascht, auch in Argentinien hatten wir tolle Begegnungen, nun also Chile. Es scheint sich tatsächlich um ein südamerikanisches Phänomen zu handeln, von dem sich so manche Ecke der Welt eine Scheibe abschneiden könnte. Eine unglaublich schöne Erfahrung!

Alltagsprobleme in hohen Breiten: Batterien

Spoiler-Alarm: Heute wird es – trotz eingestreuter Anekdoten – mal wieder etwas technischer… :-)

In den guten alten Zeiten, war das alles gar kein Thema. Energie an Bord eines Segelschiffes beschränkte sich auf den Wind, der in den Segeln das Boot vorantrieb. Dann die Wellen, die das Boot umher warfen. Schließlich die Sonne, die den Seeleuten die Haut verbrannten. Ja, auch heute spielen diese drei noch eine wichtige Rolle, gerade der Wind. Ansonsten dienen Sonne und Wind (sowie hin und wieder auch die Strömung) eher dazu, die Energiespeicher an Bord zu füllen… Batterien.

Unsere Samai ist von der Werft gut ausgestattet. Vier Verbraucherbatterien brachten etwa 450Ah (Amperestunden… die physikalischen Details am Ende), dazu eine Starterbatterie für den Motor sowie eine Batterie für Ankerwinsch und Bugstrahlruder. Die letzten zwei sind von den Verbrauchern getrennt, damit ihre Leistung sicher zur Verfügung steht. Vor der langen Fahrt hatten wir uns dann noch frische Verbraucherbatterien gegönnt: 4 x 125 = 500Ah in neuen Victron AGM Super Cycle sollten uns sicher und entspannt um die Welt bringen. Soweit die Theorie.

Ich möchte nicht unfair erscheinen. Ja, die Batterien bei uns an Bord sind sicher gut und sinnvoll gewählt (… schließlich haben wir uns ja auch auf Expertenrat verlassen ;-). Doch die übliche Blauwasserfahrt führt halt in Reviere, die eher durch angenehme Temperaturen, um nicht zu sagen „Wärme“ gekennzeichnet sind. Wir waren dieses Jahr aber eher in kalten Regionen unterwegs. Das ist ein anderes Spielfeld.

Ja, Kälte ist kein Freund von Batterien. Wer schon mal die Batterie des Fotoapparates bei -20 Grad (Hundeschlittentour in Spitzbergen) im Gerät gelassen und nicht in der warmen Brusttasche verstaut hat, kann ein Lied davon singen. So war es also nicht verwunderlich, dass auch unsere Bordbatterien in der Antarktis oder dem patagonischen Südwinter keine Eispartys gefeiert haben. Trotzdem waren wir durchaus erstaunt, dass der Batteriemonitor uns am kalten Morgen oft kaum mehr als 11,5V angezeigte. Am Vorabend waren sie wohlgemerkt voll geladen, die Spannung bei gut 13V! Als erste Hilfe wurde der Kühlschrank nun nachts konsequent ausgeschaltet, die Außentemperatur sollte reichen.

Erstmals so richtig stutzig wurden wir bei Benutzung unseres Inverters in der Kälte. Dieser bringt die 12V des Bordnetzes auf die 230V der normalen Steckdosen. Schon klar, dass da z.B. ein Toaster ordentlich Strom zieht. Doch ganz oft hat er eben das nicht getan. Die angezeigte Batteriespannung viel umgehend rapide ab und das rote Lämpchen für „low batterie“ leuchtete. Letztlich konnten wir den Inverter und die damit verbundene größere Last nur dann richtig nutzen, wenn dazu der Motor (also die stomerzeigende Lichtmaschine) lief. Schon etwas nervig.

Und dann ist da ja noch die Starterbatterie. Diese muss – im Gegensatz zu den Verbrauchern – zum Motorstart kurze Zeit hohe Leistung bringen. Darum ist das auch eine andere Art von Batterie und von den Verbrauchern getrennt. Die normalen Stromabnehmer sollen die Starterbatterie nicht belasten und damit jederzeit einen problemlosen Motorstart sicher stellen. Aber warum zeigt der Batteriemonitor dann unter Last mit Inverter auch einen signifikanten Spannungsabfall eben dieser eigentlich getrennten Starterbatterie an. Sehr suspekt. Mehr noch… morgens war nicht nur die Spannung der Verbraucher-, sondern auch dieser Starterbatterie runter. Mehr als einmal reichte es nicht mal mehr aus, um den Motor zu starten. Nur gut, dass wir Überbrückungskabel an Bord haben. Irgendwann wurde es zu unserer normalen Routine, die Starterbatterie vor Anker schlichtweg abzuklemmen. Das half tatsächlich. Vor der Abfahrt wieder angeklemmt, startete der Motor fortan hinreichend zuverlässig.

Ein weiterer unbestrittener Höhepunkt ereignete sich erstmals an einem gemütlichen Fernsehabend. Einer von uns ging auf Toilette und wusch sich danach natürlich brav die Hände. Die Wasserpumpe surrte, die Salonbeleuchtung flackerte und der Fernseher ging aus! Da war dann wohl nicht mehr genug Spannung in der 12V-Steckdose übrig. Natürlich hat sich das in der Folgezeit wiederholt. Als Konsequenz haben wir an Fernsehabenden vorab etwas Wasser bereitgestellt und dann die Pumpe abgeschaltet. Ohne Worte!

Wir sind noch etwas unschlüssig, ob die Batterien inzwischen einen bleibenden Knacks abbekommen haben. Jedenfalls funktioniert das mit dem Inverter auch im frühlingshaften Valdivia nicht so wirklich gut. Unter Last geht spontan die Spannung runter und das rote Lämpchen leuchtet. Auch scheinen sie sich schneller zu entladen, als der angezeigte Stromverbrauch es rechnerisch erwarten lässt. Ein anderes schon länger beobachtetes Phänomen ist umgekehrt das Ladeverhalten. Bis zu 98% geht das ganz normal langsam hoch, der letzte Sprung auf 100% vollzieht sich dann sehr plötzlich. Oder ist der neue Mess-Shunt ein Problem? Den musste ich ja letztes Jahr ersetzen, habe mich dabei aber penibel an Anleitung und die Anschlüsse des (kaputten) Vorgängers orientiert. Sollte also eigentlich passen.

Kurz und gut… Kälte und Batterien… so richtig geht das anscheinend nicht zusammen. Wäre schön gewesen, hätten wir das vorher in aller Konsequenz gewusst. War nicht so. Ist aber auch nicht unerträglich schlimm. Wir (und wahrlich nicht nur wir) haben das nun hautnah erleben dürfen und daraus gelernt. Und wir freuen uns definitiv auf wärmere Reviere, in denen die Batterien hoffentlich(!) kein Alltagsproblem mehr sind, sondern einfach nur das machen, wofür wir sie an Bord haben: zuverlässig Energie liefern!

Nachtrag: physikalischer Kauderwelsch

Volt (V): Die Stromspannung eines Netzwerkes. An Land sind das in Deutschland 230 Volt, in anderen Ländern auch mal nur etwa die Hälfte. An Bord vieler Segelboote (so auch der Samai) sind das 12 Volt.

Ampere (A): Die Stromstärke, welche „fließt“ um den Bedarf eines Verbrauchers zu befriedigen.

Amperestunden (Ah): So wird die Kapazität von Batterien angegeben. Die sind in der Lage, eben diese Stromstärke für eine Stunde oder entsprechende Bruchteile entsprechend länger zur Verfügung zu stellen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass eine normale (Verbraucher-)Batterie niemals vollständig, sondern nur je nach Typ maximal nur auf etwa 60% entladen werden sollte. Ansonsten können sie dauerhaften Schaden nehmen. Ach ja, wenn sich eine Batterie entlädt, dann lässt auch ihre Spannung nach.

Watt (W): Achtung Formel… W = V * A (Watt = Volt * Ampere). Watt ist die Leistung, die ein Verbraucher (z.B. Toaster) aus dem Stromnetz zieht. Das steht bei jedem Gerät auf dem Etikett, gerne mal nachschauen. Einfaches Beispiel: Wenn ein Verbraucher 1200 Watt benötigt, dann zieht er aus einem 12V-Netz ganze 100A. Verbraucherbatterien mit 500Ah wären also nach 5 Stunden vollständig leer. Also so richtig ganz destruktiv leer (nicht gut ;-). In der Realität bleibt meist eher weniger Zeit… warum auch immer. Unser Inverter schafft es auf eben diese 1200 Watt.

Alltagsprobleme in hohen Breiten: Kelp

Kelp… ja, das ist auch so eine Sache. Erstmals begegneten wir den bis zu 50m langen Unterwassergewächsen im südlichen Argentinien. Da schwamm hin und wieder so ein offensichtlich pflanzliches Zeug im Wasser. Ab dem Beagle-Kanal wurde eben dieser Kelp dann sogar in den Seekarten verzeichnet. Ist schon irgendwie lustig, dass da nicht nur Küste, Tonnen, Steine, Tiefenlinien und Verkehrstrennungsgebiete zu sehen sind, sondern auch Wasserpflanzen. Sinn macht es allemal. Wenn in der Karte Kelp verzeichnet ist, dann ist da normaler Weise auch Kelp.

Wd = Weed = Kelp (zumindest in einer Seekarte ;-)

Für Segler ist dieser Seetang mit atemberaubenden Wachstumsraten (bis zu 50cm am Tag!) Fluch und Segen zugleich. Die Grundregel lautet: „Bleib weg vom Kelp!“ Einerseits leistet es gute Dienste beim Finden von Untiefen und Steinen in engen Einfahrten und schlecht kartierten Buchten. Mehr als einmal wies es auch uns einen besseren Weg als den über den felsigen Untergrund. Andererseits lässt es sich selbst in offenen Kanälen nicht immer vermeiden, gelegentlich in mehr oder weniger große Felder von losgerissenem Kelp zu geraten. Mit energischem vor-, zurück- und im Kreis fahren bekommen wir Schraube und Ruder aber fast immer schnell wieder frei. Schließlich ist es nicht ungewöhnlich, beim Aufholen des Ankers zugleich einen Haufen Kelp abzuernten (z.B. in der Caleta Alakush). In diesem Fall hilft nur noch die schon in Brasilien zugelegte Machete. Auf eine Nutzung des Ertrags als jodhaltiges „Superfood“ aus eigener Ernte verzichten wir dann aber doch.

Nördlich vom Golfo de Penas wird Kelp seltener. Nun muss man die Steine wieder althergebracht mit Karte, Lot und Gefühl umschiffen. Trotzdem vermissen wir ihn nicht wirklich. Ja, es sieht sicher lustig aus, wenn der Skipper kopfüber vom Bugspriet hängt um das Zeug vom Anker abzuhauen. Ja, irgendwann hat man auch ein Gefühl für dem richtigen Winkel beim Durchbrechen der um die Landleinen gewickelten Stängel. Und die Kinder trugen nicht nur Verantwortung im Ausguck (z.B. im Beagle-Kanal), sondern hatten auch ihren Spaß, in den großen Blätter kleine (Königs-)Krabben zu finden. Trotzdem reicht es einem irgendwann dann auch mal.

Wir sind eine Erfahrung reicher. Es ist eine Erfahrung, die wir in Erinnerung behalten werden. Doch so richtig vermissen werden wir ihn trotzdem nicht. Nicht einmal kulinarisch.

Kelp kann man auch angeln…

Alltagsprobleme in hohen Breiten: Nachtfrost

Wir hatten ja schon das ein oder andere Mal darauf hingewiesen, dass wir dieses Jahr nicht unbedingt mit den Freuden immerwährenden Sommers gesegnet waren. Zwar hatten wir hier unten einen durchaus schönen Südsommer. Doch wenn man diesen in der Antarktis verbringt, dann bleibt das T-Shirt selten einzige Oberbekleidung. Auch der Sprung vom Boot ins erfrischende Nass bleibt meist nicht mehr, als eine verblassende Erinnerung.

Doch so richtig kalt wurde es eigentlich erst in den patagonischen Kanälen. Der Südwinter brachte zumindest an der Küste zwar wenig Schnee (Ausnahme: Caleta Brecknock), dafür aber regelmäßig gefrorene Buchten und Nachtfrost.

Bahía Woods
Caleta Paroquet

Dieser Nachtfrost bringt einerseits ein ausgesprochen frisches Schlaferlebnis. Eingehüllt in mehrere Lagen sowohl Kleidung als auch Decken schaut kaum mehr als die Nase raus. Das Aufstehen kostet bei unter Deck normalerweise locker einstelligen Temperaturen einiges an Überwindung. Wenigstens tropft nicht soviel Kondenswasser auf die schlafende Crew. Stattdessen zählt man kleine Eisknubbel an der Decke. An diesen Anblick möchte man sich aber eigentlich genauso wenig gewöhnen, wie an von innen gefrorenen Scheiben.

Andererseits gibt es bei einem ersten Rundgang an Deck wunderschöne Formen zu entdecken. Daher will ich jetzt auch gar nicht weiter rumjammern, sondern einfach nur einige Impressionen teilen.

Wohl jeder Segler versucht wohl das Erlebnis von Nachtfrost an Bord eines Bootes zu vermeiden. Das ist ehrlich gesagt auch eine richtig gute Idee, doch nicht überall möglich. Schon gar nicht im Winter, noch dazu in hohen Breiten. Doch letztlich war die Route ja selbstgewähltes Schicksal. Also dicken Schal umgeworfen, Sonnenbrille auf und lächeln… das war alles so geplant ;-)

Das hatten wir dann wohl oben liegen lassen ;-)