Alltagsprobleme von Samuel: Langeweile

Es gibt, wie die Überschrift vielleicht verrät, nicht viel zu tun. Zumindest nicht auf See. Wie sollen wir uns dann die Langeweile, die auf See früher oder später jeden plagt, vertreiben? Es gibt ein paar Möglichkeiten, welche die Kinder nicht immer mögen. Das ist hauptsächlich Schule. Ja Schule muss sein, aber das heißt ja nicht, dass es Spaß macht.

Es gibt an Bord auch noch andere Möglichkeiten, das sind aber nicht viele. Maila und ich lesen sehr gerne.

Maila spielt auch noch, dass sie eine Hauptfigur des Buches ist. Ich mache das nicht so gerne. Eine andere Möglichkeit sich die Langeweile zu vertreiben ist, dass man mit dem wenigen Spielzeug, was vorhanden ist, spielt. Man kann seine Eltern auch nett fragen, ob man auf dem iPad spielen darf. Aber man braucht sie nicht vor Beendung der Schule zu fragen, weil sie dann fast immer mit einem klaren „ Nein“ antworten. Nach der Schule stehen die Chancen besser. Eine andere Möglichkeit ist, auf dem Computer eine Geschichte zu schreiben (was ich sehr gerne mache), Spiele zu „erfinden“ oder PC zu spielen. Letzteres mag Mama nicht so. Auch ist nicht immer genug Strom vorhanden.

Eine von Maila sehr bevorzugte Variante die Langeweile fern zu halten ist ganz einfach… man benötigt nur eine einzige Sache: einen Bruder. Könnt ihr euch schon denken wie das Spiel heißt? Für die, die es nicht wissen sage ich es: es heißt „Bruder ärgern“. Ist sehr effektiv, zum Vertreiben der Langeweile, zumindest für Maila. Manchmal ist es auch für den Geärgerten ein bisschen lustig. Das ganze Spiel gibt es auch umgekehrt. Das heißt dann „Schwester ärgern“.

Niemand hat die Absicht, irgendjemanden zu ärgern!

Eine andere Methode, der blöden Langeweile zu entgehen ist: Kochen. Diese Aufgabe übernimmt aber Papa, der eigentlich immer etwas zu tun hat. Ihm ist also fast nie langweilig. Bei Pfannkuchen kocht auch mal der Sohn, dem eigentlich recht häufig langweilig ist. Blogeinträge schreiben, verhindert die Langeweile auch. Mama legt sich einfach gerne in den Segelmodus (das ist ein Modus von Mama, wo sie die ganze Zeit einfach nur rumliegt), wo ich nicht weiß, inwiefern das gegen Langeweile hilft. Als ich das mal ausprobiert habe, war mir todlangweilig. Dann habe ich freiwillig Schule gemacht. Das kommt sehr sehr sehr selten vor, man kann sagen fast nie.

Schule macht Spaß?

In der Antarktis konnte man jederzeit raus schauen und sah immer Eisberge, Pinguine, Wale oder Gletscher. Man kann auch jederzeit seine eigenen Andenken noch mal bewundern. In den wärmeren Regionen kann man auch mal aus Spaß, Lust und Laune oder Langeweile ins Wasser springen. Und noch mal zu Mamas Lieblingsbeschäftigungen, die gegen Langeweile helfen sollen: Kinder an- und ausmeckern ist für sie nicht nur sehr unterhaltsam sondern auch (weil es so unterhaltsam ist) Langeweile fernhaltend.

Zur Zeit hängen wir hier in Ushuaia fest, und was soll ich sagen?! …

Samuel

Sightseeing in Buenos Aires (2)

Natürlich durften bei unseren Stadterkundungen die großen Touristen-Klassiker nicht fehlen.

La Boca“ im Süden ist für Fußballfans im Wesentlichen Heimstadt der Boca Juniors, neben River Plate eine der Antipoden heimischer Sportfans. Entweder – oder… tertium non datur. Hier freut sich ein Boca-Fan sogar über die Niederlage von River Plate gegen Rio im Copa-Finale!

Den normal-sterblichen Touristen zieht es insbesondere zu den bunten Häusern von Camenito. Kunst, der hier wahrscheinlich begründete Tango, klassische Touri-Fallen aber auch Fußball sind allgegenwärtig.

San Telmo“ ist eines der ältestes Viertel der Stadt und wir hatten, wie allerdings auch viele andere Touristen, das glückliche Timing, zum sonntäglichen Antiquitätenmarkt „Feria de San Telmo“ auf der Plaza Dorrego und den umliegenden Straßen dort zu sein.

Kunst…
… und Trödel?!

Das bunte Treiben überall fand seinen geschäftigen Höhepunkt im „Mercado de San Telmo“ von 1897. Hier erwarb der Skipper vor nunmehr fast 12 Jahren sogar mal ein altes Buch über Berlin (… natürlich auf Spanisch ;-).

Ganz in der Nähe genossen wir auch einen kulinarischen Höhepunkt. Besonders unsere Kleinste schwärmt auch nach Monaten noch von den hier servierten Medaillons. Und auch der Rest der Crew kam ausnahmslos auf seine Kosten.

Für den kleinen Hunger zwischendurch!

Ein weiterer Pflichtbesuch ist der „Cementerio de la Recoleta“, einer der bekanntesten Friedhöfe der Welt. Allen voran liegt hier die in Argentinien heute noch von vielen verehrte und allen besuchte Evita Duarte de Perón.

Doch auch sonst gibt es hier so viele Ecken zu entdecken. Alte, teils auch schon verfallene Grabstätten liegen neben beeindruckenden Mausoleen, Denkmälern der Erinnerung, aber auch einigen wenigen grünen Pfaden…

… ein Gesamtkunstwerk!

Sightseeing in Buenos Aires (1)

Natürlich kann man in einer Stadt wie Buenos Aires die ganz banalen touristischen Themen nicht vernachlässigen. So machten auch wir uns gleich mehrmals auf den Weg, die „eigentlichen Sehenswürdigkeiten“ dieser Stadt zu erkunden.

Die Innenstadt von Buenos Aires wird allgemein „Microcentro“ genannt, das Zentrum der Hauptstadt und zugleich des ganzen Landes. Am ältesten und wichtigsten Platz der Stadt, dem „Plaza de Mayo“ finden sich unter anderem der Präsidentenpalast „Casa Rosada“…

… sowie die „Catedral Metropolitan“.

Der Besuch letzterer war dann auch ein sehr ungewöhnliches Erlebnis. Nicht der Umstand eines gerade parallel zu den Touristenströmen abgehaltenen Gottesdienstes wirkte befremdlich, sondern vielmehr die vom landesweiten, in Buenos Aires direkt vor der Kathedrale auf dem Platz stattfindenden, „CantArgentina“-Festivals herein drückende Musik wollte so überhaupt nicht passen… was für eine Kakophonie!

Die musikalische Hälfte der Crew tanzt auf CantArgentina :-)

Natürlich darf auch ein Blick auf den Obelisken nicht fehlen.

In der „Calle Florida“, wichtigste Fußgängerzone der Stadt, fanden wir auch Heiligabend bei 32° noch letzte Weihnachtsgeschenke.

Galeria Pacifico

Dabei war der Ruf „Cambio“ allgegenwärtig: alle paar Meter pries ein halblegaler Geldwechsler mit diesem Ruf seine Dienste an. Hier hätten wir wohl tatsächlich auch US-Dollar bekommen können. Auf offiziellem Wege im Bankenviertel war das jedenfalls nicht möglich.

Das neu gestaltete Hafenviertel „Puerto Madero“ befand sich ebenfalls gleich um die Ecke. Anfang der 90er Jahre noch in Ruinen gelegen, ist es nun der jüngste, am Höchsten in den Himmel ragende und teuerste Stadtteil von Buenos Aires, der zudem das größte Naturreservat der Stadt beherbergt. Und auch hier ist die Musik des argentinischen Herzens präsent… die Puente de la Mujer soll ein tanzendes Tangopärchen symbolisieren.

Der alte, neue Hafen

Das nördlich vom Zentrum gelegene „Retiro“ war für uns eher ein mit Uber oder Fahrrad zu nehmender Durchgang zu den offiziellen Stellen der Prefectura Naval sowie Migration, einer Tankstelle (Dank nochmal dem Fahrer, welcher so entspannt meine vollen Dieselkanister transportierte) oder zum Einkaufen. Dabei ist dieses Viertel von Gegensätzen geprägt.

Bahnhofsvorplatz in Retiro

Verkehrsknotenpunkte von Bussen, Bahn, Fähren und Kreuzfahrern liegen direkt neben dem gepflegt-beeindruckendem Zentrum sowie der „Villa 31“. Letzteres ist eine gigantische „Hüttensiedlung“ zwischen Bahnhöfen, Gleisen und vielbefahrenen Straßen. Armut trifft Kreativität. Die „Hütten“ reichen mit bis zu fünf Stockwerken, die nie einen Statiker oder Architekten gesehen haben bis auf Griffweite zur auf Stelzen vorbeiführenden Autobahn… man hat das Gefühl, im Vorbeifahren die Wäsche abnehmen zu können! Trotzdem war es genau hier, wo in der Vorweihnachtszeit der abendliche Lichterglanz der Fenster am hellsten schien.

Shopping in Buenos Aires

Wie La Skipper ja schon anmerkte, hatten wir für Buenos Aires eine echt lange Einkaufsliste. Leider waren wir dafür in einem eher ungünstig gelegenen Hafen. Wir lagen zwar ziemlich zentral in der Stadt, die meisten Marinas und Ausstatter befinden sich aber einige Kilometer nördlich. Auf die Frage, wo ich denn am Besten Sachen für das Boot bekommen würde, verwies man mich auf “Baron”. Da gebe es alles. Schien also so eine Art Argentinisches AWN zu sein. Mit Uber fuhr ich die 17km zum nächsten Laden in Olivos und war dann doch etwas überrascht. Es erwartete mich ein kleiner, etwas miefiger Laden mit vorsichtig gesagt eingeschränkter Auswahl. Na toll. Wenigstens hatte ich ein paar Leinen bekommen (die, wie ich an Bord feststellen musste, jedoch falsch abgemessen wurden!).

Ich war echt bedient. Was tun? Ich biss in den sauren Apfel und peilte San Fernando gut 10km weiter an. Da fährt ja ein Vorortzug hin. Aber wie war das mit den Tickets? Musste ich da nicht eine Karte kaufen und aufladen? Das war in Olivos aber leider nicht möglich. Ich stand also vor dem Drehkreuz und überlegte, wie es nun weiter gehe, als mir eine nette Dame von innen das Tor für Rollstuhlfahrer aufmachte. Ja, ich gebe es zu, ich bin den ganzen Tag schwarz gefahren. Irgendwie fand sich immer ein Weg ohne Karte rein und ohne Kontrolle raus zu kommen.

Keine Kontrolle in Sicht :-)

In San Fernando lagen die einschlägigen Geschäfte dann natürlich nicht wirklich in Bahnhofsnähe. Nur gut, dass ich schon die schweren Leinen im Rucksack hatte. Hier fand ich dann aber wenn natürlich nicht alle, so doch recht viele wichtige Sachen von unserer Liste. Ich bekam sogar Harken-Blöcke, ein Segelmacher schenke mir etwas Reparatur-Tape und selbst der Baron hier erinnerte eher an einen Bootsausrüster als an einen Garagenshop.

Schon auf der Hinfahrt im Uber-Auto hatte ich einen großen Carrefour und – für heute viel wichtiger – Baumarkt gesehen. Und da ich ja auch erst ein paar Stunden (länger als der Familie avisiert) unterwegs war, blieb genug Zeit… also raus aus dem Zug und rein in die Läden. Im Supermarkt gab es sogar eine deutsche Ecke, in der der typisch deutsche „Herr Kukumber“ (sic!) ebenso typische Produkte wie Gewürzgurken und Mecklenburger Weißbier(!!!) anpries. Letzteres zwar in Deutschland, letztlich aber von der dänischen Harboe Bryggery Gruppe gebraut!

Für die letzte Fahrt, es war inzwischen schon 21 Uhr!, gönnte ich mir dann doch nochmal einen Fahrdienst. Dort erreichte mich dann auch der besorgte Anruf vom bordeigenen Satellitentelefon, ob denn alles in Ordnung sei. Ja, irgendwie war es das schon. Ich war fertig und hatte selbstredend nicht alles bekommen. In dieser Hinsicht war Buenos Aires dann doch eine leichte Enttäuschung. Allerdings war das bei unseren übersteigerten Erwartungen ja auch nicht wirklich anders zu erwarten.

Warum muss ich hier auch am Vorabend von Heiligabend einkaufen?!?

Wenigstens hatte ich schon den großen Supermarkt ausgemacht und angetestet, den wir dann noch für unseren Großeinkauf ansteuerten. Und einige andere Läden für kleinere Einkäufe waren gut mit dem Bordfahrrad zu erreichen. Wobei das Fahrradfahren hier echt ein Abenteuer war. Manchmal fanden sich durchaus brauchbare Fahrradwege, meistens jedoch blieb man auf den Straßen. Wobei das Thema Einbahnstraßen im Wesentlichen den Autos vorbehalten war. Zu Hause habe ich es nie gewagt, derartig durch die Gegend zu radeln, schon gar nicht als knapp 2m-Mann auf einem kleinen, immer wieder neugierige Blicke auf sich ziehenden Klapprad. Aber das machte hier nun mal jeder so, und man soll sich seinem Gastland ja auch etwas anpassen.

Und nicht ein Auto hat gehupt!!!

Dabei half ungemein eine andere aus Berlin eher seltene bekannte Eigenart im Straßenverkehr: Rücksicht! Fast jeder passt auf, man beharrt nicht auf sein Recht, im Zweifel wird gebremst, selbst für Fußgänger! … und was ist eigentlich eine Hupe? Ja, Buenos Aires ist neben so vielem anderem groß, hektisch, laut und dreckig… eine Großstadt halt… nicht unbedingt das, was wir suchen. Aber wenn schon, dann wenigstens so eine Großstadt wie diese hier… selbst für Shopping und auf der Straße eine Reise wert.

Argentinische Quarantäne

Ushuaia, 20. März 2020

Nein, man nennt es nicht “Ausgangssperre”, sondern „obligatory quarantine for the whole country“. Lediglich zum Einkaufen von Lebensmitteln sowie zu Apotheken darf jeweils eine einzelne Person des Haushalts draußen unterwegs sein. Das gilt offiziell seit heute um Mitternacht bis zum 31. März.

Die Vorboten waren schon gestern wahrnehmbar. Frohgemut zum Supermarkt geradelt, wurde der Skipper von einem mit Atemmaske ausgerüsteten Polizisten vor der Tür aufgefordert, sich in die Warteschlange einzureihen. Dort standen wir nun also alle, natürlich mit ausreichendem Sicherheitsabstand zueinander, und warteten darauf, dass andere Kunden Ihren Einkauf beenden. Einer raus = einer rein… so simpel ist die Rechnung.

Aber man soll ja immer versuchen, das Positive zu sehen. Die Gänge waren entspannt leer, die Regale ausnahmslos gut gefüllt und die Wartezeit an der Kasse für argentinische Verhältnisse nicht existent. Nur die neu angebrachten, großen Plastik-Trennscheiben zum Kassierer irritieren einen Moment.

Nach dem was man hier so mitbekommen: Traum aller Deutschen!

Außerdem lädt das windig-regnerische, aktuell von Hagel begleitete Wetter ohnehin nicht zu langen Exkursionen ein. So verfällt also auch die Samai langsam in den Quarantäne-Modus. Es wird lange geschlafen (manchmal schaffen wir das Frühstück immerhin schon vor 12 Uhr mittags), die Kinder machen erstaunlich viel Schule, der Skipper macht sich gemütlich an die nie abgeschlossene 2do-Liste, wir schreiben eifrig Blogeinträge, gemeinschaftlich arbeiten sich die Eltern an den Bier- und Weinvorräten ab, Abends wird gespielt oder ein Film gesehen, bei letzterem schläft der Skipper üblicher Weise schon mal ein wenig vor und schon ist ein weiterer Tag vorbei… ganz entspannt in argentinischer Quarantäne.