Ostern 2: Kurzwelle in Kühlungsborn

Eigentlich sollte es in der zweiten Ferienwoche zur Finalisierung der Kurzwelleninstallation zu Lunatronic nach Flensburg gehen. Ok, das Thema müsste schon längst erledigt sein, aber wir hatten es bisher einfach noch nicht dahin geschafft. Da Michael Wnuk selbst gerade nicht im Lande ist, sollte sein Mitarbeiter das unter virtueller WhatsApp-Begleitung aus der Karibik erledigen. Und dann die Nachricht, dass das so wohl doch nicht klappt. Ich müsse das – natürlich unter Anleitung – selbst machen. Meine Freudenschreie darüber hallten wahrhaftig nicht sehr weit… aber nun gut, man wächst an seinen Aufgaben.

Einiges hatte ich ja schon gemacht. Die großen Geräte waren eingebaut und Kabel verlegt. Das bekomme ich ja gerade noch so hin. Aber was nun? Da liegen noch diverse Kabel, Stecker und sonstige Teile im Karton. Auch ein Decksdurchlass ist dabei. Mein persönlicher Horror. Soll ich nun tatsächlich selbst ein Loch in unser schönes Boot bohren??? Ich hadere mit mir und der Welt.

Neuen Mut brachte ein ausführliches Gespräch mit der Karibik, in dem wir zwei Michaels alle noch zu erledigenden Sachen im Detail durchgegangen sind. So löte ich also erstmals Stecker an ein Koaxialkabel, bohre ein großes Loch in das Deck, verschwinde in den engen Niederungen im Heck um den Antennentuner anzuschließen und zu erden, steige auf die Bügel vor dem Steuerrad um die Standoffs anzubringen und das Antennenkabel mit dem isolierten Achterstag zu verbinden, zuletzt wird das Ganze dann noch mit Strom versorgt.

Aufgeregt schalte ich das Gerät erstmals an… Rauschen, Knacken, Piepen und dann tatsächlich auch mal eine menschliche Stimme! Na so ganz verkehrt scheine ich es ja nicht gemacht zu haben. Doch dann die böse Überraschung: ganz nebenbei, aus angenommener Gewohnheit, drücke ich den Prüfschalter, der mir mit zwei grünen Lämpchen anzeigen soll, dass es keine Probleme zwischen elektrischer Installation und Rumpf gibt. Das Minus-Lämpchen leuchtet nicht. Masse auf dem Rumpf. Grmpf!!!

Nun also Fehlersuche:

  • Stromversorgung der Kurzwelle abgeklemmt bring zweimal grün. Die einzige mir bekannte Verbindung zum Rumpf ist die Erdung. Sollte es da trotz DC-Filter ein Problem geben?
  • Backskiste wieder ausgeräumt, reingeklettert, Erdung abgeklemmt… das Problem bleibt.
  • Danach dann über die einfachere Variante (die ich gleich hätte nehmen sollen) die Kabel zum Antennentuner von der „Black Box“ in der Navi-Ecke abgeklemmt… das Problem bleibt.
  • Griff zum Multimeter, Durchgangsmessung vom Gehäuse der „Black Box“ zum Rumpf… es piept!!!
  • Aber wie ist die mit einer Halterung auf einer Holzplatte angeschraubte schwarze Kiste mit dem Rumpf verbunden? Und warum muss ich jetzt ausgerechnet die am schlechtesten erreichbaren Schrauben wieder lösen müssen??? Na es hilft ja nichts. Schwarzen Kasten abgeschraubt, Durchgangsmessung der Schrauben der Halterung zum Rumpf… es piept.
  • Ein Blick mit dem bewährten „Um-die-Ecke-schau-Spiegel“ hinter die Holzplatte zeigt die Erklärung. Meine Schrauben waren nicht lang, vielleicht ein Zentimeter, sind damit aber ca. 1mm durch die Holzplatte gekommen. Und diese Holzplatte ist im oberen Bereich auf ein Aluminiumspanten gebolzt. Tja, und dort haben die oberen meiner Schrauben dann halt für die Verbindung der „Black Box“ zum Rumpf gesorgt.

Die Lösung ist denkbar einfach: Position des Alu-Hintergrundes auf dem Holz markiert, die Halterung etwas nach unten-rechts versetzt, auf die oberen Schrauben verzichtet, dafür die unteren überdimensioniert, schwarzen Kasten wieder rangeschraubt, alles angeschlossen, Prüfschalter gedrückt, zwei grüne Lämpchen leuchten, lächelnd und auch etwas stolz zurückgelehnt… geht doch. Im Endeffekt bin ich sogar froh, den Einbau (unter kundiger und geduldiger Anleitung) selbst gemacht zu haben, nur in der Praxis kann man sein Boot wirklich kennen lernen.

An was man nicht alles denken muss!

Ostern 1: Bimini-Kuchenbude in Lübeck

Spätestens wenn es ein Segelboot in die niedrigen Breitengrade zieht, auf denen die Sonne bevorzugt direkt von oben und sehr beständig scheint, sollten die Gedanken auch mal um das Thema „Bimini“ kreisen. Doch wir wollen ja nicht nur in die Sonne, sondern auch ins Eis. Und nach unserer Rückkehr wird die Samai sicher auch nicht im Mittelmeer, sondern wieder in nördlichen Gewässern segeln. Damit sind wir dann auch ganz schnell beim Thema „Kuchenbude“.

Aber ich habe ganz ehrlich keine Lust, in unserem ohnehin überladenen Boot beides mitzuschleppen… da muss es doch auch eine Kombination geben? Und tatsächlich, die gibt es! Wie es der Zufall so will, kommt diese auch noch von dem Segelmacher, der u.a. unsere Sprayhood zu verantworten hat. Nach langem Vorgeplänkel, Angebot, Treffen und Messen an Bord ist es nun endlich soweit!

Zu Ferienbeginn fährt also die ganze Familie auf das nur halbwegs ausgewinterte Boot, zieht schnell noch die Fock hoch und am Sonntag geht es los. Eine angenehme Raumschotsbrise um die 6 Bft. baut die Wellen im Laufe des Tages auf bis zu drei Metern auf und treibt uns nur unter Vorsegel Richtung Travemünde. Dann noch den Fluss hoch bis zur direkt vor Lübeck liegenden Teerhofinsel und die Kollegen von der Segelmacherei Z-Line können kommen. Machen Sie am Montag auch und bauen sogleich das Bimini auf. Sozusagen die Pflicht. Dann beginnt die Kür. Sorgfältig werden Maße für die individuell angepassten Seitenteile genommen.

Nebenbei werden noch ein paar Extrawünsche erfüllt… Leesegel, Schutzüberzüge für die fliegenden Backstagen der Kutterfock, Anpassungen der Dinghy-Abdeckung und schließlich auch noch die Durchsicht und ggf. Reparatur unserer Segel… nach 4 Jahren kann man sich das durchaus mal gönnen.

Dann ist es soweit. Die Seitenteile werden das erste Mal angebracht. Also eigentlich ist es ein Vorderteil, zwei Seitenteile und drei Rückteile, die unabhängig voneinander verwendet werden können… und sind alle dran, haben wir so etwas ähnliches wie eine Kuchenbude… nur größer. Rundum geschützt wird der Salon zu einer Erweiterung des Lebensraumes. Wohlgemerkt mit Stehhöhe und Platz zum Tanzen (zumindest für unsere Steuerfrau ;-).

Schon kurz danach hat sich die Flexibilität bewährt. Im heimatlichen Liegeplatz bläst es ordentlich von Achtern. Also Bimini auf, die drei Rückteile angebracht und bei nahezu Windstille im Cockpit gefrühstückt. Wieder mal ein größerer Punkt unserer Liste abgehakt.

An was man nicht alles denken muss!

Losseglertreffen in Laboe

Und noch ein Quasi-Pflichttermin, für den man gerne auch mal eine längere Fahrstrecke auf sich nimmt: das alljährliche Trans-Ocean-Losseglertreffen in Laboe war wieder einmal gut besucht, ja mit ca. 80 Teilnehmern ausgebucht! Im Mittelpunkt stand das Kennenlernen und der persönliche Austausch angehender Langfahrtsegler. Farbliche Punkte an den Namensschilern signalisierten den geplanten Abfahrtstermin und es waren wirklich viele grüne Punkte zu sehen, die – wie auch bei uns – ein „Leinen los“ noch in diesem Jahr anzeigten. Viele wollen zunächst Kurs auf die Karibik nehmen, oft mit dem Ausblick weiter auf der Barfußroute zu segeln. Beneidenswert auch die immer wieder zu hörende Aussage, dass man so schnell nicht zurück kommen wolle. Diese zeitliche Flexibilität haben wir (… zumindest noch ;-) nicht.

Anfangs standen die im Vorfeld eingeschickten und nun ausgehängten Steckbriefe der teilnehmenden Crews und Boote im Mittelpunkt des Interesses, eine ausführliche Vorstellungsrunde schloss sich an. Unterbrochen von langen, natürlich intensiv genutzten Pausen gab es interessante Vorträge, in denen nicht zuletzt Bert Frisch und Dierk Ott gewohnt kurzweilig und interessant Ihre Erfahrungen, Tipps und Tricks teilten.

Schließlich klang der Tag bei leckerem Essen (zumeist Pizza) und Trank gemütlich aus. Ja, es war wirklich schön und wir würden auch gerne wieder kommen… aber wenn alles klappt, dann wird das die nächsten Jahre wohl nichts. Dafür vielleicht auf ein vorerst letztes Wiedersehen beim TO-Sommertreffen 2019 am 25. Mai im Hafen Orth auf Fehmarn?!

Auch auf diesem Weg wünschen wir allen anwesenden und nicht anwesenden Losseglern für ihr großes Abenteuer alles Gute, Fair Winds uns möge die Realität immer ein bisschen besser sein, als die Vorstellung in unseren Köpfen.

Die Woche der Kündigungen

Mit Kündigungsfristen ist das ja so eine Sache. Bei den Mobiltelefonen muss man schon genau schauen um nicht versehentlich noch ein weiteres Jahr drinzuhängen. Und wie nicht bestellt kommt auch unmittelbar nach Eingang der Kündigung der obligatorische Marketinganruf des Anbieters. Der nette junge Mann verkündete euphorisch, dass er mir die besten Angebote überhaupt machen könne… besser noch als Prepaid! Aber dann müsste ich für einen Monat nicht-telefonieren doch noch Geld rausbekommen? Das hatte er sich wohl nicht so richtig überlegt. Immerhin wandelt sich die SIM-Karte bei Vertragsende auf magische Weise von selbst zu Prepaid, so dass zumindest die langjährigen Telefonnummern nicht verloren gehen.

Für das heimische Internet gibt es zwar ein Sonderkündigungsrecht bei Auszug. Allerdings darf man dann noch bis zu drei Monate weiter bezahlen. Wohlgemerkt ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Das ist von der Rechtsprechung sogar abgesegt, da der Auszug ja durch uns und nicht den Anbieter zu verantworten ist. Das solle man unter den ohnehin anfallenden „Umzugskosten“ verbuchen. Wow! Ist es da ein Wink des Schicksals, dass das Modem genau jetzt den Geist aufgibt und wir kurz vor Schluss noch einen Ersatz bekommen müssen?

Die Abonements von Zeitschriften und Zeitungen sind da schon deutlich unkomplizierter wenn man sich rechtzeitig meldet. Wir behalten lediglich die National Geographic (zu meinen Eltern) sowie die online-Ausgabe der Yacht… der Rest läuft rechzeitig vor uns aus.

Und dann ist da noch die Wohnung. Über neun Jahre haben wir hier gelebt. Die Tochter kennt gar keine andere heimische Wohnung und der Sohn kann sich an den Vorläufer nicht erinnern. Nun ist sie also zum 30. Juni gekündigt. Unnötig zu betonen, wie sehr wir uns schon darauf freuen, sie für die Übergabe aufzuhübschen. Aber auch das ist ja wie alles andere ein selbstgewähltes Schicksal.

Auch der LKW für den Möbeltransport zum angemieteten Lagerraum ist schon bestellt. Für sowas gibt es ja – zumindest in und um Berlin – Anbieter wie Sand am Meer, die sich preislich nicht viel nehmen. Eine Ausnahme liegt in Großbeeren südlich der Stadttore. Günstiger und für uns gut erreichbar wird also in Brandenburg eingelagert. (Rainald Grebe lässt grüßen ;-)

An was man nicht alles denken muss!

Beaufort 10, was tun?

Diese kleine „Sturmfibel für Yachten“ von Frank Robb ist sicherlich so manchem bekannt, zumindest vom Namen her. Die Erstauflage kam schon 1969 auf den Markt, und so gleicht die Lektüre auch einer Zeitreise. Beispielsweise ist der wesentliche Rat gegen potenziell brechende Wellen das Einleiten von Öl, um so die See zu beruhigen. Mal abgesehen von den fehlenden Lagerkapazitäten auf einer Segelyacht und selbst in der Annahme, dass hier kein Schweröl gemeint ist, so wirkt das heutzutage doch eher befremdlich. Gerade in diesen Tagen, wo – dieses Mal in der Biskaya – schon wieder einmal Ölteppiche auf der rauen See treiben, greift man im stürmischen Fall der windigen Fälle doch lieber zu anderen Mitteln.

Ein wesentliches Thema ist dabei das Verlagsamen des Schiffes. Hier scheiden sich die Geister. Auch ich dachte immer mal wieder daran, einen Treibanker in die Backskiste zu legen. Und dann wurde mir irgendwann bewusst, dass dieser ja über den Bug ausgebracht werden soll. Für die Fans dieser Lösung ist das ein wesentliches Argument… natürlich sollen die Wellen von vorne über das Boot spülen und nicht im Heck einsteigen.

Eine Alterantive dazu ist der über das Heck ausgebrachte Jordan’s Series Drogue. Hier ist statt einem größerem Schirm eine Vielzahl kleiner Schirmchen „in Reihe geschaltet“. Ich möchte an dieser Stelle auf eine detaillierte Diskussion der Vor- und Nachteile beider System verzichten. Die führt ohnehin jeder verantwortungsbewusste Segler mit sich und idealer Weise der Stammbesatzung.

So schön muss man ihn dann aber schon selbst zusammen packen…

Bei uns war das Ergebnis dann in der Tat die Variante mit gut 130 kleinen Schirmen, die über das Heck ausgebracht werden. Das kann man allerdings nicht bei AWN um die Ecke kaufen sondern muss es bestellen. Die günstigste Variante haben wir bei einem britischen Anbieter gefunden (Alternativen gibt es insbesondere in den USA). Und dann ist da ja noch der Brexit mit drohenden Zöllen aus dem designierten EU-Ausland. Umso größer die Freude, als das Paket letzte Woche pünktlich ankam. Der Series Drogue selbst macht einen sehr guten, stabilen Eindruck und auch wenn wir hoffen ihn nie wirklich zu brauchen, so ist es doch ein gutes Gefühl ihn in der Backskiste zu wissen. Wieder einen Punkt angehakt.

An was man nicht alles denken muss!