Alltagsprobleme an Bord: Nudelholz

Pizza wird gewünscht. Ich habe zwar meine Zweifel, dass der Gasofen an Bord das hinbekommt, aber was soll ich anderes tun, wenn die Familie hungrig schaut… Pizza halt. Nun gut, der Teig ist schnell angesetzt und während die Hefe ihren Dienst verrichtet wird die Belagauswahl vorbereitet. Schließlich ist es soweit. Der Pizzateig ist in vier nahezu gleichgroße Stück geteilt und muss nur noch ausgerollt werden. Ok, ein geübter Italiener wirft die Knetware ein paar Mal nach oben, wirbelt herum, murmelt einen Zauberspruch und in der Luft bildet sich der kreisrunde Pizzaboden wie von selbst. Mal abgesehen von der mangelnden Deckenhöhe unserer Pantry – so nennt man an Bord eine Küche(necke) – habe ich auch den Zauberspruch gerade nicht parat und bin daher auf die klassische Methode angewiesen: mit einem Nudelholz ausrollen.

Wo ist doch gleich das Nudelholz? Wie alle Dinge, die man leidenschaftlich sucht, tauchen vor dem geistigen Auge all jene Orte auf, an denen das Objekt der Begierde sein könnte. Und wie jedes Mal, wenn man leidenschaftlich sucht, ist eben das Objekt der Begierde an keinem dieser Orte auffindbar. Und ich habe an allen diesen Orten nachgeschaut. Zweimal!

Nun hat eine Weltumseglung ja glücklicher Weise nicht nur mit Reparieren zu tun, sondern auch mit Improvisieren. Dank einer passend geformten englischen Cola-Flasche kann der Teig dann kurze Zeit später doch noch belegt werden und zu meiner großen Überraschung schafft es der kleine Ofen ohne Oberhitze dann tatsächlich, aus dem Ganzen vier schmackhafte Pizzen zu zaubern. Ohne Zauberspruch, nur mit Gas.

Auf der Liste für unseren nächsten Einkauf steht nun ein Nudelholz. Das erprobte Hilfsutensil ist leider keine Option mehr, da La Skipper diesem am nächsten Tag nebenbei mal rasch ein Loch in die Seite verpasst. Natürlich steht die Flasche noch oder schon wieder unter Druck. Was für eine Sauerei.

Nacht und Nebel

Vor gar nicht langer Zeit hat die SY Flora ganz richtig geschrieben, dass Nachtfahrten mit einem Segelboot nicht nur sehr schön, sondern normaler Weise auch nicht besonders schwierig sind. Über den Sternenhimmel und die Milchstraße haben wir ja schon bei der Biskaya geschwärmt. Lustig ist es auch immer wieder, wenn nachts beim Spülen mit Seewasser kleine fluoreszierende Lichtpunkte für Disko-Stimmung in der Toilettenschüssel sorgen. Und eigentlich sind auch die Lichter von Fischern, Frachtern, Tonnen und allem, was sich sonst noch so auf dem Wasser tummelt, schon von weitem zu erkennen. Also eigentlich. Es gibt jedoch zwei Dinge, die einem Segler eine solche entspannte Nachtfahrt aber mal so richtig schön verderben können. Und das Wort „Nebel“ steht da oben nicht zufällig in der Überschrift. Nein, ganz und gar nicht!

Von A Coruña sollte es in einem Schlag bis nach Baiona gehen. Nicht zum ersten Mal verhieß keiner der verfügbaren Wetterberichte guten Segelwind. Schwach aus wechselnden Richtungen sollte es die ganzen gut 110sm wehen. Knapp 20 Stunden Motorfahrt ließen die Vorfreude nicht gerade ins unermessliche steigen. In der Tat war es dann sogar so, dass wir die ganze Zeit den Wind mit bis zu 4-5 Bft. genau auf die Nase bekommen hatten. Dabei waren wir wohlgemerkt nicht immer in die gleiche Richtung gefahren! Zuerst nach Westen, dann um die NW-Ecke von Spanien rum, am Cabo Finisterre vorbei und schließlich Südsüdost Richtung Ria de Vigo.

Abfahrt gegen 10 Uhr Ortszeit, geschlossene Wolkendecke und dann war da noch der vor uns aufkreuzende Segler, der genau… also so richtig ganz genau exakt vor uns beschlossen hatte in den Wind zu gehen um ein Reff einzubinden. Ok, natürlich wichen wir mit Freude aus, an Steuerbord wollten wir vorbei und waren auch schon fast auf gleicher Höhe, als den anderen Skipper ein weiterer Geistesblitz durchzuckte. Das Reff war eingebunden, also konnte man jetzt ja wieder auf den Steuerbordbug abfallen um zurück zu kreuzen… muss ich noch erwähnen, dass er uns damit natürlich wieder genau vor den Bug gefahren ist?

Noch vor der Sonne hatte sich dann auch noch die Sicht verabschiedet. Im Logbuch steht für 19:00 Uhr: „Nebel-Radarfahrt“. In solchen Momenten bin ich wirklich froh über dieses technische Wunderwerk am Mast, welches nur durch Aussenden und Empfangen unsichtbarer Wellen den alles andere als unsichtbaren Nebel durchdringt und offenbart, dass genau auf unserem geplanten Wegpunkt 2-3 Fischer Ihrer Arbeit nachgingen… ohne AIS natürlich. Die Sonne ging, der Nebel blieb, dicht passierende Radarpunkte blieben für das Auge unsichtbar. Die „Sicht“ wurde vor allem von unseren eigenen Positionslichtern erzeugt: am Bug eine rot-grüne Wand, am Heck eine weiße Wand und dazwischen grau-schwarzes Gewaber. So tasteten wir uns bis 1 Uhr durch… dann endlich verzog sich der Nebel und gab die Sicht auf eine beleuchtete Küste frei. Plötzlich waren da sogar Leuchttürme zu sehen. Etwas entspannter ging es nun weiter, bis sich gegen halb sechs morgens der Anker bei Baiona eingrub. Auch um diese Zeit gönnte sich der Skipper noch ein kleines Anlegerbierchen… und dann erstmal ins Bett.

Und was ist nun das zweite Ding, das einem eine Nachtfahrt verderben kann? Es ist schon einige Jahre her, begab sich aber nicht weit von hier vor der portugiesischen Küste. Auch unter Motor und natürlich nachts sagte der Ausguck, dass da irgendein Schatten vor uns sei. Kein Hindernis auf der Seekarte, kein AIS-Signal, kein Licht… nur ein undefinierbarer Schatten, der sich schließlich als ein unbeleuchtet vor sich hintreibendes Boot aus der Dunkelheit schälte. Nun gut, jeder muss wissen, was er macht und für uns hieß das, den Kurs nach Backbord zu ändern. Doch auch dieser Skipper hielt eine Überraschung für uns bereit. Kurz bevor wir passierten, gingen Positionslichter an. Wir sahen im doppelten Sinne rot… unter anderem die Backbordseite des anderes Bootes, das nun auch spontan Fahrt aufnahm. Plastisch für Nichtsegler: Wir waren gerade dabei, links an einem bis vor kurzem unbeleuchteten Hindernis vorbeizufahren, als dieses Hindernis beschloss nach links zu fahren. Das war in der Tat der ideale Moment für ein sogenanntes „Manöver des letzten Augenblicks“… auf einer doch eigentlich ganz entspannten Nachtfahrt.

Herkules-Turm

Es war ein sehr langer Weg zu dem Herkules-Turm und wir mussten in so ein Häuschen. Da mussten wir die Tickets bezahlen und sie haben auch nicht deutsch gesprochen. Wir hatten dann 30 Minuten den Weg hoch zum Turm zu gehen. Er ist der älteste Leuchtturm, der in der Welt noch aktiv ist.  Und als dann endlich der Turm aufmachte und wir so Anhänger bekommen haben, da waren Ausgrabungen von alten Steinen zu sehen. Die Decke war sehr tief und Papa konnte bei manchen Stellen gar nicht richtig stehen und Mama sogar auch nicht. Aber ich konnte ohne Probleme immer stehen.

Dann sind wir eine Treppe hochgegangen. Die war aber zum Glück höher, so dass Mama und Papa auch wieder stehen konnten. Da mussten wir ganz schön viele Stufen hoch gehen, aber dazwischen waren immer so Räume wo Bilder dran waren von dem Leuchtturm. Und dann, als wir endlich-endlich oben waren (das waren 234 Stufen) war der Ausblick super schön aufs Meer hinaus und auf die Stadt. Zebra war auch dabei. Und dann haben wir auch ganz viele Fotos gemacht von der Familie und mir und Zebra mit Sonnenbrillen.

Dann sind wir nach langer Zeit wieder runter gegangen. Natürlich wieder die ganzen Stufen. Und als wir unten waren, sind wir zu einem Kompass gegangen, wo verschiedene Bilder drauf waren. Das war ein sehr großer Kompass auf die Steine so gemalt und da war auch ein Totenkopf, wo wir mit Papa ein Foto gemacht haben. Dann sind wir weiter nach unten gegangen wo die Steine waren… soweit, wie es sicher war. Da haben wir erstmal was getrunken und Franz wollte leider auch Bier und wollte nach dem Bier schnappen. Franz hat kein Bier bekommen! Und wir hatten sogar Kleinigkeiten dabei zum Essen. Dann blieben wir da ganz lange und haben auch ganz viele Fotos gemacht von dem Ozean wo wir erst letztens rüber gefahren sind.

Dann sind wir zurück gelaufen, aber davor haben Samuel und ich noch ein Eis bekommen. Der Weg war sehr lang und es war auch sehr heiß. Und ich wollte am liebsten ins Wasser springen, weil dort ein Strand ist, aber da waren ganz schön viele Leute drauf. Deswegen sind wir weiter gegangen und für mich fühlte es sich an, als würde es nicht mehr enden. Als wir endlich am Boot waren, habe ich mich erstmal ausgeruht. Aber trotz dem ganzen Laufen war der Ausflug sehr schön.

Maila

Delfine unter der Milchstraße

Papa und ich haben Nachtwache auf der Biskaya gemacht. Ich bin ab und zu eingedüselt, bis Papa mich dann – wie er so schön sagte – „entdüselt“ hat, weil er Delfine gesehen hat. Dann habe ich mir die Rettungsweste angezogen und bin mit Papa nach vorne zum Bug gegangen, um die Delfine besser zu sehen. Es war eine wolkenlose Nacht, wo man die Milchstraße besonders gut sehen konnte. Und darunter sprangen die Delfine, anscheinend sehr vergnügt. Es waren am Anfang über ein Dutzend Delfine, die am Bug gespielt haben. Da waren zwei Delfine, die die ganze Zeit dort waren. Ich habe ihnen wegen ihres besonderen Merkmals einen Namen gegeben: der eine hieß „Platschi“, der andere „Spritzer“. Ich habe Ihnen diese Namen gegeben, da meine Füße und Schienbeine fast die ganze Zeit nass waren, weil diese beiden Delfine mich ständig nassgespritzt haben, teils durch Ausatmen, teils durch Schwanzflosse aufs Wasser Schlagen.

Nach einiger Zeit habe ich dann glitzernde Punkte gesehen, die über das Wasser hüpften. Ich habe sie Papa gezeigt und behauptet, es seien Fische. Papa hat mir das anfangs nicht geglaubt. Doch als die Delfine dann mit Spielen aufgehört und mit einem komplett anderen Verhalten angefangen hatten, wurde uns beiden klar, dass jetzt für sie Essenszeit war. Die zwei Positionslichter am Bug (rot/grün) haben Fische angelockt, die dann auch gesprungen sind. Als das geschah hat Papa mir geglaubt, dass die Lichtpunkte Fische sind. Genau diese Lichtpunkte = Fische wurden jetzt von den Delfinen gejagt. Aber „Platschi“ und „Spritzer“ haben (leider) nicht aufgehört mich nasszumachen.

Papa hat gesagt: „Wollen wir nicht so langsam wieder reingehen?“. Da habe ich dann gesagt: „Nein, ich gehe erst, wenn die Delfine weg sind!“. Und dann wurden es immer weniger Delfine und Papa dachte schon: „Ok, jetzt können wir endlich reingehen!“. Doch dann sind wieder mehr gekommen. Das geschah drei oder vier Mal, und Papa hat ein bisschen geflucht, dass die Delfine immer noch beim Boot waren. Schließlich, nach 1 ½ Stunden waren die Delfine weg… offensichtlich satt und fertig mit Spielen.

Dann sind wir wieder nach hinten gegangen, ich habe mich wieder in meine Ecke gekuschelt und habe mich noch ein bisschen mit Papa unterhalten. Am Ende bin ich wieder ein bisschen eingedüselt.

Diese Nacht werde ich nie vergessen!!!

Samuel

A Coruña – hier ist der Sommer!

Spanien, Urlaubsland, Sonnenscheingarantie am Strand… so sagen es die Prospekte. Und tatsächlich war der Anker noch nicht richtig eingegraben, da waren wir im richtigen Sommer angekommen… nicht der englischen Variante der letzten Wochen, nein, das war spanischer Sommer. Da konnte der Hafen gerne noch etwas warten, wenn uns direkt gegenüber vor Mera eine herrliche Ankerbucht mit Strand anlächelte. Am Tag zeigte sich dann auch eindrücklich, dass es sich hier nicht gerade um einen Geheimtipp handelt. Viele Tagesbesucher, sei es mit Boot oder nur mit Badetuch, sehr gerne auch mit SUP-Board bevölkerten Ufer und Wasser. Auch die Samai, genauer gesagt der Skipper, hat das bordeigene iSUP klar gemacht. Kaum ins Wasser gelassen kam dann sogleich die freudige Nachricht, dass es da an der Naht blubbert. Einmal hatte ich es schon flicken müssen, nun also die Verklebung 20cm daneben. Zur Sicherheit habe ich mir gleich mal die ganze Sollbruchnaht rund um das Board genauer angeschaut und tatsächlich noch eine kleine Stelle gefunden, die sicher schon bald für die nächsten Blubberbläschen gesorgt hätte. Schade, denn während der Kleber trocknete konnten die armen, gebeutelten Kinder nur mit Luftmatratze ins Wasser. Obwohl nach letzterer eigentlich La Skipper immer am lautesten ruft. Und ja, tatsächlich ist am Abend dann auch der Skipper höchstpersönlich ins kühle Nass gesprungen. Richtig gelesen, es war nicht kalt, sondern nur kühl. Aber natürlich kein Vergleich zum Mittelmeer… der Atlantik ist dann wohl doch was anderes.

Nach zwei Nächten ging es dann doch mal in die Marina Coruña. Über Funk wurde uns ein Steg genannt, an dem dann auch ausreichend Platz war. Überhaupt was es – im Gegensatz zur Innenstadt-Marina Real – nicht sehr voll. Hier begab es sich dann auch erstmals, dass wir mehrfach von anderen Crews mit Kindern angesprochen wurden. Doch leider war deren Nachwuchs in der Regel deutlich jünger als bei uns, so dass sich dann doch keine näheren Berührungspunkte ergaben.

Pflichtprogramm in A Coruña ist natürlich der Besuch des Weltkulturerbes „Herkules-Turm“. Dieser wurde schon im 1. Jahrhundert von den Römern errichtet und ist der älteste noch aktive Leuchtturm der Welt. Und man kann ihn besteigen. Nur 234 Stufen. Ein bisschen Eile allerdings ist geboten, da man ein lediglich halbstündiges Zeitfenster für die Besichtigung zugeteilt bekommt. Doch wir wären keine Deutschen, wenn wir nicht nach exakt 29min wieder unten gewesen wären. Also daran müssen wir wohl noch etwas arbeiten.

Anschließend dann noch ein Rundgang rund um und durch die Stadt, der für unsere Jüngste allerdings ein paar Schritte zu lang war. Die letzten Meter im Hafen ließ sie sich dann doch lieber tragen. Ist aber auch kein Wunder, schließlich muss sie mit ihren noch kurzen Beinen nahezu doppelt so viele Schritte machen wie die Alten. Den zweiten Tag blieb der Nachwuchs dann auch konsequent an Bord, half aber immerhin bei der Wäsche mit. Nur die Eltern zogen mit dem großen, grell-orangen Bollerwagen zum Supermarkt und waren damit Objekt vieler neugieriger Blicke. Schließlich war die Stadt allgemein und der große „Praza de Maria Pita“ im Besonderen gut gefüllt. Auf letzterem war für ein im August stattfindendes Festival eine Bühne aufgebaut und offensichtlich kamen wir kurz vor Beginn eines sehnsüchtig erwarteten Kinderprogramms hier durch. Und natürlich war dieses bei unserem Rückweg gerade beendet, so dass wir mit unserem voll beladenem Wagen irgendwie durch die vom Platz strömenden Menschenmassen kommen mussten. Aber hier ist man ja doch eher entspannt, so dass die Passage zwar nicht rasend schnell, aber doch recht problemlos klappte.

Hier war der Platz noch recht leer…

Sonntagfrüh dann noch eine Dusche, volltanken und es hieß wieder „Leinen los“. Mangels Wind war zwar eine gut 100sm lange Motorfahrt zu erwarten. Allerdings wollten wir die darauffolgenden Tage mit starkem Südwind nicht auch noch in A Coruña, sondern lieber bei Baiona verbringen. Also los…