So noch nicht gesehen: Hamburguesa con patacones

Kolumbien, 6. Oktober 2021

Eigentlich klingt das ziemlich gewöhnlich. Hamburger sind ein inzwischen wohl weltweit erhältliches Gericht mit einfachem Konzept: Schneide ein Brot auf und mach was dazwischen. Der Klassiker kommt mit einem Rindfleisch-Patty, etwas Gemüse (Salat, Zwiebel, Tomate) und Soße. Daneben gibt es unzählige Variationen, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde.

Auch Patacones sind – zumindest in dieser Gegend der Welt – reichlich gewöhnlich und simpel. Grüne Kochbanane wird zweimal frittiert und zwischendurch zu einem Flatschen gedrückt. Eine beliebte, leckere, weit verbreitete Beilage und hierzulande sogar als Snack in Chips-Tüten erhältlich.

Soweit so normal. Doch dann lese ich in einer Speisekarte unter „Hamburguesa Angus“ folgenden Hinweis: Recomendamos cambiar el pan par patacones. Wie jetzt… es wird empfohlen, das Brot gegen Patacones zu wechseln?! Hmm… das klingt interessant. Selbstredend findet sich von der Samai nur ein Freiwilliger für dieses Experiment. So bekommt der Skipper also eine Kombination serviert, das wir so auch noch nicht gesehen haben.

Zwei gewöhnliche Gerichte in ungewöhnlicher Zusammenstellung

Natürlich haben wir diese Kombination auch noch nicht gegessen. Und die finale Frage ist natürlich, ob es schmeckt. Ich sage mal so… es war eine Erfahrung, aber in den Reigen der Leibspeisen hat es diese spezielle Zusammenstellung dann leider doch nicht geschafft. Konsequent bestellt Maila die normale Variante… und ist sehr zufrieden.

Guten Appetit!

So noch nicht gesehen: Kolumbianische Sauna

Villa de Leyva, Ende August 2021

So ein schöner Sauna-Gang ist schon was Feines. Selbst vor dem Hintergrund, dass wir uns in unserer Samai seit Wochen und Monaten in saunaähnlichen Verhältnissen wähnen, so sind konstante 30-35 Grad unter Deck doch wenig im Vergleich zu einer echten Sauna. Dort zeigt das Innenthermometer idealerweise irgendetwas um die 90 Grad. Also wenn es denn ein solches Thermometer gibt. In unserem Hotel in Villa de Leyva ist das leider nicht der Fall. Nun gut, das ist ja ohnehin ein von vielen Saunagänger eher weniger beachteten Utensil… man merkt schließlich selbst recht schnell, ob einem die Temperatur angenehm ist.

Manchmal kommt jemand in die Sauna und macht einen Aufguss. Da wird dann aromatisiertes Wasser auf den heißen Ofen getan und mit einem Handtuch eifrig gewedelt. Für viele ist das ein Höhepunkt. Und diesen möchte man seinen Gästen offensichtlich auch hier bieten. Wie sonst erklärt sich dieser halb gefüllte, gemütlich vor sich hinblubbernde Metalleimer auf dem Ofen? Ich sage mal so… über trockene Luft kann man sich nicht beschweren.

Klein aber fein…

Dann gibt es da auch noch einige ich sage mal „technische“ Selbstverständlichkeiten bei der Einrichtung einer Sauna… zumindest in den Ländern, in denen ich bisher so im Schwitzkasten war. In Kolumbien sieht man manche Dinge dagegen eher pragmatisch. Ein Lichtschalter vor der Tür ist schließlich auch sehr unpraktisch, wenn man es sich gemütlich machen möchte, ohne die Tür zu öffnen. Genau darum wurde der haushaltsübliche Lichtschalter hier im Innern der Sauna montiert.

Wo wir gerade beim Thema „Tür öffnen“ sind. Da sitzt man also schweißüberströmt auf der Holzbank und möchte so langsam wieder raus. Doch dann fällt der Blick auf die Tür. Genauer gesagt die Türklinke. Aus Metall. Hmmmm… wird die an der Innenseite einer Saunatür nicht etwas warm? Vielleicht sogar ausgesprochen heiß? Ja, dem ist so. Also entweder wartet man tapfer, bis jemand von außen die Tür aufmacht. Ein wenig hoffnungsvolles Unterfangen, wenn sich alleine die eigene Familie im SPA-Bereich tummelt. Tja, oder man greift selbst zu. Am besten schnell. Sehr schnell. Wie war nochmal die Zeit, ab der Brandblasen entstehen?

Innenansicht einer kolumbianischen Sauna

Bitte nicht falsch verstehen… ich möchte hier nicht meckern. In der Tat habe ich den Saunabesuch sehr genossen. Insgesamt waren da dann aber doch einige Dinge, die ich in einer Sauna so noch nicht gesehen habe… ;-)

So noch nicht gesehen: Willkommen im Einkaufszentrum

Cartagena, Anfang August 2021

Wer kennt sie nicht, die mehr oder weniger auffälligen Verbotsschilder an Geschäften (z.B. ein bei Kindern unbeliebtes „kein Eis“), Banken (z.B. ein in der heutigen Maskenzeit fast schon komisch wirkendes „kein Motorradhelm“) oder auch gleich am Haupteingang eines Einkaufszentrums (z.B. ein Hinweis auf die Selbstverständlichkeit „keine Zigaretten“)?!

Hier in Kolumbien werden die Prioritäten offensichtlich etwas anders, dafür aber ausgesprochen deutlich gesetzt. Nicht nur der große Hund hat Ausstrahlung, auch ein explizites Verbot von Schusswaffen im Einkaufszentrum haben wir vorher so noch nicht gesehen…

Zum Glück haben wir die AK-47 an Bord vergessen ;-)

So noch nicht gesehen: Tips de bavaria

Kolumbien, August 2021

Bayerische Tipps“ also… mit diesen Worten übersetzt Google Translate den spanischen Teil dieser Überschrift. So hilfreich der offline nutzbare Helfer auch sein mag, hier kommt die App an ihre Grenzen. Vielleicht ist das Problem ja, dass die sie nur ein einziges – mutmaßlich „spanisches“ – Spanisch kennt?! In Südamerika gibt es teils erhebliche Abweichungen. So wohl auch in Kolumbien. Aus dem Kontext scheinen „Bayerische Tips“ zwar nicht unmöglich, gemeint sind aber wohl eher „Tips zum Trinken“?! Schließlich finden sie sich auf einem 6-Pack Bier.

Bei Club Colombia fasst man sich kurz und – zumindest wenn man die ganze Phrase eingibt – leidlich (un-)verständlich. Wort für Wort übersetzt ergibt mehr Sinn.

Toma sin afán = Nehmen ohne Verlangen. Schwierig. Ist Durst nicht ein elementares, das Überleben sichernde Verlangen? Und die Wahrnehmung der Intensität ist letztlich rein subjektiv. Im Ganzen übersetzt gibt Google übrigens „Untergang“ aus.

Acompaña con agua = Begleiten mit Wasser. Ehrlich? Bier mit Wasser?? Wein ok. Espresso ok. Aber Bier??? Trotzdem ist dieser Tipp sehr leicht zu befolgen. Da Bier zum absolut überwiegenden Teil aus Wasser besteht, begleite ich es bevorzugt mit sich selbst.

Con comida para picar = Mit Mahlzeit nach … hmmm… „picar = chop“!? Offensichtlich läuft es auf den Tipp hinaus, das Bier zum Essen zu trinken. Im Ganzen übersetzt gibt Google übrigens „gehacktes Essen“ aus.

Bei Aguila findet man zu den gleichen Bildchen klarere Worte.

Um mehr zu genießen, begleiten sie ihre Getränke mit Lebensmitteln. Bloß nicht umgekehrt!

Zwischen kalt und kalt ein Glas Wasser hilft dir zu folgen der Party. Und was ist, wenn die Party das nicht wert ist?

Hier gibt es keinen Eifer, nimm es entspannt. Na gerade darum trinke ich ja ein Bier.

Man kann die Tipps natürlich mutwillig missverstehen. Doch es ist klar, worauf es hinausläuft. Schließlich steht da auch noch „El exceso de alcohol es perjudicial para la salud“ auf jeder(!) einzelnen Dose. Macht durchaus Sinn. Ob es die Zielgruppe erreicht, ist jedoch zweifelhaft. Wie viele Jahre haben wir nun schon lustige kleine Bildchen auf den Zigarettenpackungen?! Wie auch immer. Es kann zumindest nicht schaden und ist letztlich etwas, das wir so noch nicht gesehen haben… schon gar nicht in Bayern!

Vive responsable!

So noch nicht gesehen: Zäh gepellte Würstchen

Mittelamerika, Mai/Juni 2021

Schon klar, die Pelle einer Weißwurs(ch)t kann man nicht mitessen. Pulen oder zuzeln… tertium non datur. Aber in Frankfurter, bzw. Wiener, bzw. sonstige Würstchen kann man zumindest in Deutschland beherzt reinbeißen. Hier nicht.

Erstmals fällt es uns beim Grillen auf. Die frischen Chorizo sehen lecker aus und riechen gut. Allerdings schneiden sie sich etwas zäh. Beim ersten Bissen im Mund wird auch klar warum. Diese Pelle ist ganz offensichtlich nicht zum Verzehr geeignet. „Mit Darm oder ohne Darm?“. Am Berliner Imbiss gleichbedeutend mit „Hast Du noch eigene Zähne?“, geht es hier schlicht um elementare Genießbarkeit. Und nein, eine Chorizo vom Grill kann man nicht im Guten zuzeln!

Nun gut, das haben wir gelernt und darauf achten wir jetzt. Nächstes Mal gibt es ohnehin Hot Dog Würstchen. Da haben wir zwar auch schon interessante Variationen gesehen und gekostet. Ich sage mal so… wenn die Pelle einen Werbeaufdruck ziert, ist sie mutmaßlich nicht essbar. Diese Würstchen sehen aber aus, wie zu Hause. Doch wer (bevorzugt spanisch) lesen kann, ist klar im Vorteil.

So fällt es uns erst wieder beim ersten Bissen auf, dass die Pelle nicht viel mehr ist, als eine weitere ungenießbare Hülle. Im erhitzten Zustand ist das Abpellen wenig appetitlich. Da schon lieber gleich nach Öffnen der Verpackung ans Werk gegangen.

Handarbeit

Nun ähneln sie nicht nur geschmacklich sondern insbesondere in der Konsistenz viel mehr dem, was wir schon so oft gehen haben: zart gepellte Würstchen.