Kinderaugen nachts im Dschungel

Samuel: Der Dschungel bei Nacht ist schon etwas besonderes! Es ist stockdunkel ohne eine Taschenlampe. Man erkennt seine Hand 3cm vor seinem Gesicht nicht mehr. Wer hat schon gerne eine so finstere Nacht, wenn um einen herum Giftige Tiere laufen? Keiner! Allerdings gibt es keine Probleme. Wir haben auch kaum giftige Tiere gesehen, aber der Reihe nach.

Maila: Eines Abends hat uns Rom gefragt, ob wir um die Niki Lodge ein kleinen Nachtausflug machen wollen. Es war schon stockdunkel. Trotzdem sind wir mitgegangen. Natürlich mit Taschenlampen. Drei an der Zahl. Vorher bekamen wir noch Gummistiefel für die Sicherheit und aufgrund des schlammigen Weges. Dann sind wir los. Den Anfang sollte Samuel erzählen.

Samuel: Wir sind am hinteren Ende losgegangen und haben dort schon einen Regenwurm gesehen. Beim Weitergehen in den Wald kommen wir an einem großen Netz vorbei. In ihm sind lauter kleine Punkte. Es waren alles Spinnen! Die sogenannte „soziale Spinne“. Sie baut riesige Netze und lebt dort in Gruppen von mehreren hundert Spinnentieren.

Beim Weitergehen, wo eine Palme über dem Weg hing, sagt Rom plötzlich: „Spider!“. Wir schauen dahin, wo er hinzeigt und sehen an dem Ast eine. Rom meint, dass der Biss von ihr schmerzhaft und giftig sei. Er hat das schon zweimal selber erlebt. Es ist die Bananenspinne. Beim Weitergehen sehen wir auch noch eine Wasserspinne und eine gold-glitzernde im ihrem Netz.

Wir sehen außerdem einige Grashüpfer. Sie haben wirklich riesig lange Fühler! Manche sind grün manche sind braun.

Gegen Ende dieser Nachtwanderung läuft noch eine der gefürchtetsten Spinnen einen Baum hoch. Die größte aller Spinnen, die Vogelspinne! Sie baut kein Netz. Dafür ist sie viel zu groß. Aber dafür springt sie ihre Beute an. Schnell weg!

Maila: Samuel hat mal wieder die Hälfte der Tiere die wir gesehen haben, vergessen. Ein braunes, eingerolltes Blatt auf einem schönen grünen Blatt? Da kann man schon mal genauer hinsehen. Und wirklich, das braune eingerollte Blatt ist ein Insekt. Das ist aber gut getarnt.

Gut versteckt ist auch ein grüner Frosch, der auf einem grünem Blatt sitzt. Doch trotzdem entdecken wir in. Toll anzusehen ist er. Ob er giftig ist? Das ist ungeklärt. Einen anderen Frosch entdecken wir leichter. Der ist dieses mal braun. Immer wieder haben wir nach oben geleuchtet. Vielleicht sehen wir einen Vogel?

Samuel: Die nächste Nachtwanderung war bei einem riesigen Baum. Dem größten hier heimischen Baum. Dem Kapokbaum! Wir gehen am Abend auf ihn und lauschen dem Gebrülle der Brüllaffen. Als es dunkel ist machen wir noch einen Nachtwanderung um ihn herum. Wir gehen los. Gleich zu Anfang entdecken wir nichts. Dann ein schwaches Leuchten im Schein der Taschenlampe. Wenige Augenblicke später erneut. Ein Glühwürmchen!

Eine Fledermaus flattert an uns vorbei und ein Ball sitzt auf einem Ast. Moment mal… ein Ball? Es sieht wirklich aus wie ein Plüschball, aber Rom meint, dass es sich hierbei um einen Vogel handelt, der auf einem Ast sitzt und schläft. Vögel sind auch süß, wenn sie schlafen!

Am Ende unserer Tour machen wir die Taschenlampen aus und lauschen. Es ist schon etwas gruselig! Als wir sie wider anschalten, gehen wir zurück und sehen noch ein paar Frösche sowie eine am Boden laufende, große Spinne. Wieder Am Baum sieht Rom ein Loch im Boden. Er holt einen Stock, spuckt darauf und hält ihn hinein. Ein Tarantel kommt heraus und wird fotografiert. Maila sollte die nächste Wanderung oder Seefahrt erzählen.

Maila: Wir sind in das Motorkanu gestiegen und sind losgefahren. Es ist wieder dunkel und Samuel und Papa rudern. Rom macht die Geräusche nach, die ein Kaiman macht und ihm wird sogar geantwortet. Einige Vögel und Fledermäuse fliegen auch im Licht der Taschenlampen umher. Wir fahren einige Zeit und drehen dann wieder um.

Rom leuchtet den Rand ab und sieht plötzlich eine Bewegung. Er ist ganz außer sich. Er sagt, wir sollen dorthin fahren. Ich habe dort nichts außer Gestrüpp gesehen. Aber dort angekommen sehen wir was, Rom gesehen hat. Eine knallgrüne Schlange! Er erzählt, dass sie bis zu zwei Meter lang werden und normalerweise hoch oben in den Bäumen leben. Wir haben ein Riesenglück, eine so große Boa Esmeralda so nah am Wasser zu sehen! Die Letzte Wanderung sollte dann wieder Samuel erzählen.

Samuel: Die nächste Nachtwanderung war wieder in der Niki Lodge. Dort gehen wir dieses mal tiefer in den Wald hinein. Wir sehen auch dort wieder einige Tiere. Unter anderem wieder Heuschrecken und Spinnen. Sogar ein Wespennest haben wir unter einem Blatt gesehen. Allerdings sonst keine wirklich interessante Tiere.

Maila: Ich erwähne, dass wir bei der Nachtwanderung noch mehr von den Heuschrecken gesehen haben. Wie viele gibt es von denen bitte schön im Regenwald???

Es war spannend, in den Nächten durch den Regenwald zu laufen, Spinnen, Heuschrecken und Schlangen zu sehen und natürlich den Grusel der Nacht in diesem Wald zu genießen.

Maila und Samuel finden Piranhas lecker!

5. März 2021

Samuel: Piranhas! Ja ihr habt euch nicht verlesen. Wir finden Piranhas lecker? Was soll das denn heißen? Sagen wir das nur so oder meinen wir das ernst? Wer schon länger dabei ist, wird sicher auf letzteres Tippen! Und dem ist tatsächlich so!

Es begann schon auf der längeren Fahrt zu unserem Zeltplatz. Dort hat Rom gesagt, dass wir möglicherweise Angeln gehen können. Natürlich mit selbst gebauten Angeln! Wir haben uns alle riesig darauf gefreut. Doch nun soll Maila weiter erzählen.

Maila: Wir haben zwei Arten von Angeln gebaut. Für eine brauchte man nur ein kleines Holzstück. Da hat man dann die Leine herumgewunden, die Rom dabei hatte. Köder durften auch nicht fehlen. Alle Angeln bekamen am Ende der Schnur einen Haken, wo man dann Hühnchen oder etwas anderes drauf machen konnte. (Beim Angeln habe ich immer Samuel gefragt ob er das machen könnte weil das schon etwas eklig war.) Von der Wurfangel haben wir zwei gemacht. Die andere Angel war ein längeres Holzstück, wo vorne die Leine drum gewickelt wird und runter hängt. Am Ende auch mit einem Haken versehen. Davon haben wir zwei gemacht. Den Anfang unserer Angeltour darf Samuel erzählen

Samuel: Anfangs, wo es noch regnete, blieben wir bei unserem Zeltplatz. Doch vom Motorkanu aus haben wir schon mit unserer Angeln geangelt.

Wir haben, wie von Maila beschrieben, Hühnchen an die Hacken gemacht, auf dem Wasser herum geplantscht und die Angel ins Wasser gehalten. Nestor, der indigene Motorkanufahrer hat natürlich gleich zu Anfang zwei Piranhas herausgeholt. Sie sind doch echt putzig! Aber später erfahren wir, dass es nur die kleinen sind. Die großen sind schon etwas größer.

Rom hat schließlich von Land auch noch einen gefangen und ihm seltsamerweise einen Löffel in den Mund gesteckt.

Bei uns hat es ständig gezuppelt, als wenn unser Köder abgefressen wird. Leider haben wir keinen dieser Fische herausgeholt. Es waren auch keine Piranhas. Es waren winzig kleine Fischchen, die offenbar auch gerne Hühnchen essen!Bei diesem Motorkanu-Angeln hat die Familie Gramse keinen einzigen Piranha gefangen. Leider! Doch das ändert sich bald.

Maila: Was ich noch erwähnen will, sie haben die Piranhas lebend in ein Topf getan. Das fand ich nicht so toll! Am Nachmittag sind wir dann mit Rom und Nestor rudernd etwas in die Flüsse rein. Es war entspannend ruhig. Samuel und Nestor haben gepaddelt. Es war manchmal ziemlich eng. Ich konnte die Wurfangel bei breiteren Stellen auswerfen. Leider ohne Erfolg.

Dann sind wir zu einer sehr engen Stelle gekommen und da sind wir Stecken geblieben. Dann hieß es endlich: „Angel raus!“ Ich habe weiter die Wurfangel benutzt. Rom hat nur ein Seil mit einem Haken benutzt. Nestor die andere Wurfangel. Papa und Samuel haben die Stockangeln benutzt. Mama hat gar nicht geangelt. Nestor hat ein herausgeholt.

Papa tut auch so, als ob er rudert ;-)

Plötzlich zieht Samuel an seiner Angel und daran ist ein Piranha. Die Angel ist ziemlich geschwankt, trotzdem haben wir es geschafft, den Fisch ins Boot zu holen und Samuel hat den ersten Fisch der Familie festgehalten. Natürlich haben wir dann ein Foto gemacht. Das blieb von der Familie Gramse bei diesem Angelplatz aber der einzige Erfolg.

Dann blieb mein Haken auch noch an einem Ast unter Wasser hängen. Es wurde schwierig, sie zu befreien. Als ich wieder frei war sind wir lieber weiter. Es war sowieso kein guter Angelplatz. Jetzt ist Samuel mit Erzählen dran.

Samuel: Wir sind zu einem anderen Angelplatz gefahren und haben dort wieder unsere Angeln ausgeworfen. Nach wenigen Versuchen der erste Biss bei Maila! Sie wirft die Angel hoch und der Piranha an der Angel hat einen seltsam roten Bauch. Es war ein Rotbauch-Piranha! Maila weigert sich zu Anfang natürlich den zappelnden Fisch an ihrer Angel anzufassen, um den sich so viele Horrorgeschichten wanken. Aber zur Beruhigung kann man sagen, dass vieles Quatsch ist! Piranhas sind sogar wie die Polizei und die Müllentsorgung für die Flüsse zusammen! Schließlich halte ich den Piranha für Mailas Foto. Und dann in den Eimer.

Nach einiger Zeit fange auch ich einen anderen Piranha. Wieder schnell herausgeholt und wieder zum Beweis ein Foto. Zwischendurch fängt Nestor ständig Piranhas! Seine Angel zieht die Piranhas offenbar magisch an!

Papa fängt nichts!

Maila fängt auch noch weitere Piranhas. Es ist ziemlich schwierig, dass der Piranha auch im Boot landet. Zwei an der Zahl! Ich fange dort auch noch einen Piranha. Es scheint wirklich ein guter Platz zu sein. Nun hat jeder von uns beiden drei Piranhas gefangen! Nestor ist irgendwie bei neun oder so. Rom hat auch erst zwei Piranhas geangelt! Papa liegt bei null. Mama will immer noch nicht!

Kurz bevor wir weiter fahren ruft Papa aus: „Ich habe einen Fisch!“ Alle drehen sich zu Papa um, um den Piranha zu sehen, den er geangelt hat. Aber nichts da! Er hat nämlich gar keinen Piranha! Er hat einfach nur einen kleinen Fisch, der uns ständig den Köder weggefressen hat! Aber der ganze Fisch (mit Schwanz und Kopf) war so lang wie der Haken! Wie er den wieder herausgeholt hat? Papa erzählt, dass er sich lediglich an den Kiemen verhakt hätte und das er mehr Glück als Verstand gehabt hat. Ein Foto von dem tollem Fisch machen wir auch noch.

Sieger der Herzen!!!

Wir lachen als Papa sagt, das sei „der einzig wahre Fang“!

Wir angelten in einer Einbuchtung des Flusses. Es gab dort viele kleinere Bäume und Sträucher. Schilf war auch an den Rändern zu sehen. Es war ein herrlicher Angelplatz und auch der ertragreichste! Bestimmt mehr als ein Dutzend Piranhas haben wir dort gefangen! Die meisten wieder von Nestor!

Maila: Ich bin extrem stolz auf meine Piranhas – 3 Stück! Papa hat seinen super Fisch als Köder benutzt. Leider hat sich der an einen Stock verfangen. Da war der Fisch ab. Schade! Ich und Samuel haben ja Gleichstand. Wir rudern weiter.

Es wird Abend. Der Regen hat lange aufgehört. Es ist still und idyllisch. Das einzig Blöde ist, dass jetzt langsam die Mücken kommen. Am nächsten Angelplatz, der ziemlich offen ist, hat keiner von uns (außer Nestor) etwas gefangen. Als nächstes fahren wir in eine große Lagune zu einem Baum mit Früchten, die die Haut blau färben. Rom pflückt gleich welche zum mitnehmen.

Angel raus. Schon hat Nestor den ersten Fisch. Wenig später den zweiten und so geht es weiter… na toll! Da fange ich auch einen!! Das macht vier!!!

Rein in den Topf. Nestor hat schon so viele Fische gefangen. Langsam wird es langweilig. Wir rudern zurück. Papa hat leider keinen einzigen Piranha gefangen. Die Sonne ist so gut wie untergegangen, als wir ankommen. Das Abendessen kann Samuel erzählen.

Aufgeben zählt nicht!

Samuel: Zum Abendessen gibt es zerriges Rindfleisch. Es ist kalt! Glücklicherweise machen wir ein Feuer, womit man das Fleisch aufwärmen kann. Aber Moment mal! Was ist nun mit den Piranhas? Natürlich! Sie werden in Bananenblätter gewickelt und neben das Feuer gehängt. Nestor und Rom haben sie davor ausgenommen und ausgewaschen. 24 Piranhas haben wir insgesamt gefangen! Davon haben wir zwei als Köder benutzt. Wir haben auch einige durch die Kiemen auf einen Stock gespießt und den Stock dann neben das Feuer gehalten.

Erst ausnehmen….
… dann vorbereiten…
… und ans Feuer… links im Bananenblatt, rechts am Spieß

Als die Piranhas fertig waren, haben wir auch unser Fleisch vertilgt. Nun kommt das eigentliche Hauptgericht! Die frischen Piranhas! Papa nimmt den Stock vom Feuer und gibt mir zwei Piranhas auf den Teller.

Ich beiße herzhaft in den Rücken hinein. Gerade soweit, dass ich auf die Wirbelsäule treffe. Das Piranhafleisch schmeckt herrlich! Es ist leicht fettig und doch nicht zu sehr.

LECKER!!!

Als wir alle vom Stock weg gefuttert haben werden die Bananenblätter geöffnet. Sie riechen wie die anderen geschmeckt haben! Ich beiße auch in sie hinein und stelle fest, dass sie ähnlich schmecken – ergibt bei ein und der selben Fischart einfach Sinn – aber doch anderes. Sie schmeckten auch ein super kleines bisschen nach Banane. Aber das kann auch Einbildung gewesen sein. Der Bauch, wo die Rippen auch sind, sind leicht grätig, aber der Rücken überhaupt nicht! Den kann man in einem großen Biss genießen. Die Rippen nage ich ab und versuche, dabei nicht aus Versehen eine abzubrechen. Dass ist im Mund immer unangenehm.

Auch wenn die Piranhas klein sind, sind sie doch enorm sättigend! Nach 7 Piranhas (sie sind nur etwa 10 cm lang und verdammt schlank!) bin ich dann aber satt! Es war echt ein sehr leckeres, selbst gefangenes Abendessen im Dschungel! Und was noch besser war, ich habe das Holz gesammelt, bevor der große Regen begann, was wir in dem Lagerfeuer dann verbrannt haben. Das ließ es dann noch besser schmecken. Am nächsten Tag gehen wir noch einmal raus, aber das ist jetzt wieder Mailas Teil!

Maila: Wir haben in Zelten geschlafen das war cool und aufregend. Sie waren auch etwas eng. Es passten gerade noch die Matratzen hinein. Es gab ein dunkles und eines mit Fliegengitter zum durchschauen. Ich bin ins dunkle gegangen mit Mama. Aber es geht ja jetzt um die Piranhas. Zwei Tage später sind wir, dieses mal mit dem Motor, erneut Angeln gefahren. Beim ersten Platz hat niemand etwas gefangen. Es hat nicht mal gezuppelt. Es war ziemlich eng mit Gebüsch. Auch der zweite Angelplatz lässt uns hängen. Kein Fisch! Dieses mal war es in einer Lagune. Danach sind wir in einen engen Fluss gefahren. Manchmal hat ein umgekippter Baum mehr als die Hälfte abgesperrt. Da mussten wir ganz nah an das Ufer fahren, damit wir die Stelle passieren konnten. Wir mussten uns bei so einer Stelle auch einmal ducken, weil ein Ast über dem Wasser hing.

Das wird heute wieder nichts…

Am letztem Angelplatz hat die ganze Zeit bei mir etwas gezuppelt. Da habe ich die Angel raus gezogen. Ich sah einen grauen Fisch am Hacken. Bevor ich in ins Boot holen konnte ist er allerdings abgegangen und ins Wasser gefallen. Schade! Was war das überhaupt für ein Fisch? Wir sind kurze Zeit später zurück gefahren ohne auch nur ein Fisch in unserem Topf. Das Abendmahl vor zwei Tagen war super! Ich habe an dem Abend auch Piranha gegessen, wie die ganze Familie… nicht nur Samuel. Sehr lecker!!!

Heute leider kein Erfolg!

Das war echt ein super-schönes Piranha-Angeln im Regenwald!

Tierische Unterwasserarbeit von Samuel

Golfito, Mitte April 2021

Nach langem Liegen in dem Fluss von Ecuador, sieht unser Unterwasserschiff aus wie Hölle. Das kostet uns auch einige Knoten Geschwindigkeit, weshalb wir zwei Tage später als geplant in Costa Rica angekommen sind.

Da ist es naheliegend, dass der Bewuchs weg muss. Es gibt eine einfache Lösung. Samuel mag das Wasser, kann gut tauchen und ist recht kräftig. Ich habe mich also bereiterklärt, unter das Boot zu tauchen und die Pocken, die den Rumpf säumen, zu entfernen. Leider ist das Wasser in der Bucht, in der wir liegen, nicht sehr viel klarer als in Ecuador. Trotzdem nehme ich mir einen Holzspachtel und kratze drauf los.

Die Pocken sind sehr zäh und wollen nicht abgekratzt werden. Zu allem Überfluss nutzt sich das Holz ab und gerade, als ich mein Ziel den Propeller erreicht habe, beginnt die Strömung und ich muss das Wasser verlassen. Wir liegen vor Anker und treiben an ihm hin und her. Mein Ziel war der Propeller, um ihn zu säubern, aber wie gesagt, begann die Strömung und es ging nicht.

Es grenzt an ein Wunder, …
… dass wir überhaupt noch angekommen sind!

Am folgenden Tag gehe ich wieder runter. Die Samai hat sich an einen Schwimmsteg verholt. Leider genau mit der Seite zum Steg, an dem ich angefangen habe zu kratzen. Ich kann dort also nicht weitermachen und fange erneut an. Diesmal beginne ich hinten. Der Weg ist zwar deutlich weiter und ich muss länger die Luft anhalten, aber es sind auch weniger Pocken auf diesem Weg. Genau vor dem Propeller sind dabei die wenigsten und somit ist es doch dankbar.

Die Ruder sehen richtig gut aus!

Als ich anfangen will, den Propeller zu entpocken, dreht er sich aber einfach weg. Eine Frechheit! Der Holzspachtel ist inzwischen auch schon so ausgenudelt, dass es mich doppelt so viel Kraft und Luft kostet, um die Hälfte der Pocken zu entfernen. Da erinnere ich mich, das Papa mir einen Metallspachtel angeboten hat. Ich tauche wieder auf und bitte Papa darum. Damit geht die Arbeit deutlich leichter und mir fällt etwas auf, was mir vorher entgangen ist. Die ganze Zeit sind kleine Fische um die herunterfallenden Pocken geschwommen und haben etwas gegessen.

Am nächsten Tag gehe ich schon wieder runter. Ich habe mir die Hände an den Pocken aufgeratscht und komme eigentlich jeden Tag mit neuen Verletzungen aus dem Wasser. Heute sehe ich noch mehr Fische, die mich unter Wasser erwarten. Es sind wieder die schwarz-gelben Fische, die auch am Tag zuvor dabei waren. Dann sehe ich dieselbe Fischart in winzig und eine andere Art mit spitzen Zähnen. Dann sehe ich die Fische mit den spitzen Zähnen mit einem roten Bauch. Zwischenzeitig taucht auch ein Fisch auf, der so hoch ist wie meine ausgestreckte Hand, aber der ist schnell wieder weg.

Also fange ich an zu kratzten in der Gewissheit, dass ich damit die Fische füttere. Ich arbeite wieder mit dem Metallspachtel, zumindest so lange, bis er mir aus der Hand fällt und in dem drei Meter tiefen Wasser versinkt. „Dann tauche doch einfach hinterher!“, sagt ihr? Könnte ich, aber die Sicht ist so schlecht, dass man nur maximal einen halben Meter sehen kann.

Am darauffolgenden Tag nehme ich einen neuen Spachtel von Papa und binde ihn an meiner Hose fest. Außerdem nehme ich die GoPro mit unter Wasser. Alle Bilder in diesem Eintrag stammen von ihr!

Ich werde auch in den folgenden Tagen ins Wasser gehen, um das Boot zu reinigen. Zu meiner Freude bekomme ich für jeden vernünftigen Tauchgang auch ein kleines Geschenk. Bei den ersten beiden war es ein Puzzle und bei den anderen ein wenig mehr iPad-Zeit und ein Kindle-Buch.

Samuel

Samuel, ein Wal und der Thunfisch

Pazifik, 2. Januar 2021

Zu Jahresbeginn gab es große Überraschungen. Wir hielten die Angel zum dritten mal auf dem Weg zu der Robinson Crusoe Insel hinaus und erwarteten nichts. Bisher hatten wir gestern nur einmal ein Tier am Haken und das war ein Vogel! Er flatterte vom Haken gezogen auf dem Wasser hinter uns her, bis er sich endlich befreien konnte.

Heute, als ich gerade ein Hörbuch hörte, meldete sich plötzlich die Angel wieder. Ein Fisch hat angebissen! Der Skipper und ich sprangen auf, um den Fisch rein zu ziehen. Doch da war der Fisch auch schon wieder von der Angel weg. Ich ärgerte mich und ging leicht traurig darüber, den ersten Fang des Jahres vermasselt zu haben, zurück zu meinem Hörspiel. Circa eine Stunde später ging die Angel wieder los. Ich stürmte wieder hin, aber auch dieser Fisch floh.

Später am Tag, als Maila und ich gerade iPad spielten, sah Papa einen Wal. Maila und ich hörten natürlich sofort auf zu spielen und betrachteten den Wal. Er war fast so lang wie das Boot und schwamm parallel zu uns eine recht lange Zeit. Als wir im Bestimmungsbuch nachgesehen haben, schwankten wir zwischen zwei Walarten. Wahrscheinlich war es ein Brydewal, vielleicht aber auch der sehr ähnliche Seiwal. Wir haben auf Mamas Wunsch dann auch die Angel eingeholt. Damit der Wal, der kein Interesse an der Angel hatte, nicht aus Versehen anbeißt. Als der Wal dann weg war, spielten Maila und ich noch etwas weiter und der Skipper hat die Angel wieder hinausgelassen.

Wal an Backbord
Wahrscheinlich ist es ein Brydewal

Plötzlich meldete sich die Angel erneut. Allerdings wieder nur kurz. Mist! Kann denn kein Fisch mal dranbleiben?, habe ich mich gefragt. Nach einiger Zeit meldete sich die Angel erneut und dieses mal wirklich. Ein Fisch zog ein wenig Leine raus und dann hielt die Bremse. Bei Ostseefischen wird sie nicht benötigt, weil sie nicht so kampfstark sind wie die Meeresfische. Um 17.10 Uhr hat er angebissen. Der Fisch zog dauerhaft recht stark, als der Skipper die Fahrt drosselte. Anfangs nahm er die Angel, weil wir dachten, dass der Fisch für mich zu stark sei. Aber ich nahm mir dann doch die Angel und bemerkte, dass er gar nicht so stark war. Ich zog ungefähr 20 Meter Leine hinein, bis Papa rief: Ich kann ihn sehen! Als Mama dazukam meinte sie, das sähe aus wie ein kleiner Hai. Das war er natürlich nicht.

Der Skipper nahm den großen, fast vier Meter langen Gaff (also einen langen Haken um Fische rauszuholen), den wir vorher aus der Weinkammer geholt hatten. Er zog den Fisch an Bord und die Familie erstarrte. Am Gaff von Papa hing ein knapp 7 kg schwerer und ungefähr 80 cm langer Thunfisch. Das war der größte und schwerste Fisch, den die Samai jemals an Bord geholt hatte. Als er tot war, nahmen wir ihn aus und halbierten ihn neben der Wirbelsäule. Eine Hälfte legten wir in den Kühlschrank und die andere machten wir für den heutigen Verbrauch bereit.

Später am Abend gab es dann Fisch vom Grill mit Reis und einer Zwiebelpfanne. Wir aßen alle so viel wir konnten und trotzdem blieb noch einiges von dem halben Fisch übrig. Thunfisch satt auch morgen!

Samuel

Der halbe(!) Thunfisch auf dem Grill

Alltagsprobleme von Samuel: Landleinen mit La Skipper

Diese Probleme sind erst in den Chilenischen Kanälen aufgetreten, weil wir erst dort wirklich mit Landleinen arbeiten mussten. In der Antarktis haben wir schon ein mal Landleinen benutzt, aber eben nur ein paar wenige Male. In den Chilenischen Kanälen muss man das fast in jeder Bucht machen. Und wie es so schön heißt: Übung macht den Meister. Aber kann man wenige Male machen schon als Übung bezeichnen? Na ja, eher nicht. Aber wir würden dazu noch genug Zeit bekommen. Und wie schon erwähnt habe, muss man in den Chilenischen Kanälen ständig Landleinen benutzen. Und so kam es dann auch.

Landleine bei der Isla Filomena

In Ushuaia hatte Papa noch eine 200 Meter lange Schwimmleine gekauft die uns sehr geholfen hat. Das Legen der Landleinen passierte eigentlich immer in folgenden Schritten:

  1. Passende Bäume oder Steine finden an denen man die Leine befestigen kann. Meistens ging das halbwegs schnell.
  2. Dann konnte auch das Dinghy zu Wasser gelassen werden. Das war eigentlich immer meine Aufgabe.
  3. Wir müssen ein bis drei Leinen mit in das kleine Dinghy nehmen die wir zur Not auch zusammenknoten können.
  4. Wenn La Skipper auch das Dinghy betreten hat, begann der meist nicht so schöne Teil: die Leinen anbringen. Im selben Zeitraum ankert Papa und Maila ist vorne am Ankerkasten.
  5. Immer wenn ich rudere meint La Skipper, dass ich was falsch mache, weil ich mir anders ihre Meckerparaden nicht erklären kann. Ich habe das Gefühl entwickelt, dass ich in La Skippers Augen nichts richtig machen kann. Zumindest was das Rudern betrifft.
  6. Wenn wir dann den passenden Baum (Stein) gefunden und erreicht haben, müssen wir auch noch die Leine dort abringen. Bei den ersten Malen hat La Skipper das gemacht doch nachher muss ich auch noch diese Aufgabe übernehmen. Auch auch beim Leine anbringen meckert La Skipper fast ununterbrochen. Aber um so länger wir das mit den Landleinen machen um so weniger meckert La Skipper (zum Glück!)
  7. Sobald die Leinen angebracht sind, muss man sie auch noch am Boot (der Samai) befestigen. Immer wenn ich gerade zurück rudern will, fängt La Skipper wieder an zu Meckern. Und meistens darüber, dass ich in meinen wenigen Minuten alleine im Dinghy (die ich am Anfang eigentlich immer hatte) nicht die Leinen „enttüdelt“ habe. Aber meistens vergisst sie, dass ich das Dinghy auch noch fest halten musste und das ist bei der Fahrt nicht ganz leicht.
  8. Endlich haben wir die Samai erreicht. Dann folgt nur noch der einfachste Teil: der Klampenschlag um die vom Skipper gewünschte Klampe.
Landleine in der Caleta Jaqueline

Das sind die wesentlichen Bestandteile eines Ankermanövers mit Landleinen. Und zwar einer Leine meistens müssen für ein solches Ankermanöver drei bis fünf Leinen ausgebracht werden. Nach einem solchen Anleger nimmt Papa sich meist ein oder zwei Bierchen. Und die Kinder gehen wieder runter und spielen da, was sie vor dem Manöver vielleicht schon angefangen haben.

Samuel

Landleine im Puerto Riofrio