Logistischer Zwischenstopp in Bucaramanga

4./5. September 2021

Ja, ja, so ist das nun einmal. Die Familie amüsiert sich bei einer entspannten Gondelfahrt über den Canyon, während der alte Skipper sich mit dem Auto einmal durch- und rumquälen darf. Aus den nur gut 6km Seilbahn werden auf der Straße gut 50km Serpentinen-, Baustellen-, Tal- und Bergfahrt. Ob die Kinder da wirklich tauschen wollen?!?

Na dann mal los – (c) Google Maps
Die Serpentinen hinab…
Noch eine Baustelle…
Aber auch schöne Ausblicke :-)

Nachdem ich die Bande wieder eingesammelt habe, geht die Fahrt weiter nach Bucaramanga. So manche Mietwagentour endet hier ob der guten Fluganbindungen. Für uns ist es nur ein logistischer Zwischenstopp vor der langen Etappe nach Südwesten auf den Rückweg Richtung Bogotá. Und als solchen Zwischenstopp müssen wir das dann auch betrachten. Ok, das mit dem Hotel ist sicher lieb gemeint. Es ist Teil eines verkehrsgünstig gelegenen Golf-Clubs. Gepflegter Rasen, teure Autos, hochgereckte Nasen. Ja, auch so etwas gibt es hier in Kolumbien. Ist aber nun einmal leider so gar nicht unsere Sache. Immerhin sind die Zimmer groß, die Betten dafür recht schmal für zwei Personen. Auch der Pool ist groß, die distinguierte Zuschauermenge am Rand jedoch nicht minder. Der Skipper verzichtet.

Hier wollen wir dann auch nicht Abendessen. Später fahren wir also auf der Suche nach einem Restaurant noch in das nahe liegende Stadtteilzentrum, landen im Stau, biegen falsch ab, müssen eine große Runde (über den Highway) nehmen, quälen uns weiter und parken dann irgendwo. Die Stimmung ist großartig. Doch zufällig stehen wir genau vor einem empfohlenen Italiener, der von der Straße aus aber ziemlich geschlossen aussieht. Was für ein Irrtum. Einmal quer durch das Haus gegangen öffnet sich am anderen Ende ein lauschiger Innenhof. Ja, hier wollen wir bleiben. Die Atmosphäre ist super, das Essen sehr lecker, die später beginnende Livemusik laut und gut… an den Nachbartischen wird teils mitgesungen. Ein schöner Tagesausklang.

Den Jungs geht es gut…
Die Masken ruhen sich aus…
Die Musik rundet ab…

Und ja, auch auf das Frühstück kann man nichts kommen lassen. Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit gibt es ein echtes Frühstücksbuffet. Bisher war das immer zugunsten individueller Bedienung eingestellt. Am (Achtung: Vorurteil! ;-) Golf-Club-typischen, von sich selbst ausgesprochen eingenommenen Klientel hat sich natürlich nichts geändert. Aber damit kommen wir schon klar. Ist zum Glück nur ein logistischer Zwischenstopp…

Stärkung für die Weiterfahrt!

Mit der Seilbahn über den Canyon

4. September 2021

Auf dem Weg von Barichara nach Bucamaranga muss ein Canyon überquert werden. Das geht auf direktem Weg natürlich nicht mit dem Auto. Das Mietauto nimmt die abenteuerliche und viel befahrene „Hauptstraße“ immer schön am Abgrund entlang, die den Anden abgerungen wurde.

Maila, Samuel und ich (die Mutter hat immer eine Menge Schiss, wenn sie auf diesen Straßen fahren muss) nehmen viel lieber die spektakuläre Seilbahn über den Canyon und der Skipper darf uns dann mit dem Auto auf der anderen Seite abholen. Dabei hat der Skipper allerdings mit viel Verkehr, engen Überholmanövern von LKWs und auch etwas mit Langeweile im Stau zu kämpfen. Es ist die einzige Straße auf diesem Weg und demzufolge häufig von Unfällen jeder Art betroffen.

Die Seilbahn ist Teil des Parque Nacional del Chicamocha. Das Wort Park führt aber in die Irre. Es gibt eigentlich nur einen kurzen Weg, ein Denkmal, eine Straußenfarm (wohl nicht sehenswert), besagte Seilbahn und diverse Souvenirshops und Fressbuden. Vor kurzem kam noch ein Aquapark dazu, der aber völlig unsinnig in eine Gegend gebaut wurde, in der es extrem wenig regnet und jedes bisschen Wasser besser gebraucht werden kann. Alles muss natürlich extra bezahlt.

Wir wollen nur in den „Park“ und die Seilbahn nur für eine Strecke nutzen. Das sollte doch zu schaffen sein. Es ist schwieriger als gedacht. Erstmal stehen wir lange hinter einer Familie, die wohl erst vor Ort mit ihren Kindern ausdiskutiert, was sie besuchen wollen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir tatsächlich dran. Bisher ist der Skipper mit seinem „Survival-Spanisch“ immer gut zurecht gekommen, aber hier scheitert er. Auf jede erdenkliche Art erklären wir und mittlerweile auch die Leute die hinter uns anstehen, dass wir drei nur eine Strecke fahren, da der Skipper mit dem Auto fährt und uns dort abholt und wir eben keine Strecke hin und zurück benötigen. Schlussendlich haben Maila, Samuel und ich ein Ticket für die Seilbahn One Way und den Park und Micha hat irgendwie auch einen für den Park bekommen. Da ist wohl nicht alles durch die Scheibe des Kassenhäuschens gedrungen. Micha will aber ins Auto und nicht in den Park. Wir gehen schon mal rein und Micha schafft es die Sicherheitsdame so lange zu bequatschen, dass er sein Geld für den zu viel bezahlten Parkeintritt zurück bekommt.

Die Seilbahn fährt nur alle 2 Stunden und aufgrund der kleinen Diskussion haben wir sie verpasst und entschließen uns den Park anzuschauen und etwas zu essen. Zuerst geht es schnell die Treppen hoch zur Aussichtsplattform. Was für ein toller und spektakulärer Blick. Vor uns liegt der Chicamocho Canyon. Wir schauen in eine tiefe Schlucht, die die beiden Departmente Santander und Boyaca trennt. Es ist eine riesige geographische Verwerfung mit einer Tiefe bis zu 2 km und einer Gesamtlänge von 227 km. Er gilt als der zweitgrößte Graben der Welt und er ist tiefer als der berühmte Grand Canyon in Colorado. Es gibt eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen in den verschiedenen klimatischen Zonen, vom tropischen Trockenwald bis zum Dornenwald. Tief unten sieht man den braunen Chicamocha River, dessen Erosionskräfte tiefe Klippen auf beiden Seiten geschaffen hat. Und natürlich sehen wir auch die Hauptattraktion, nämlich die 6,3 km lange Seilbahn.

Leider gibt es hier bei 33 Grad Temperatur aber gefühlten 40 Grad keinen Schatten. Nun gut, das sind wir eigentlich gewöhnt, aber kann man sich an die hohen Temperaturen wirklich gewöhnen? Die Haut brennt.

Weiter geht es auf dem Parkweg. Im Mittelpunkt steht ein riesiges Monumento a la Santandereanidad. Dieses gigantische Denkmal besteht aus 36 Skulpturen und wurde vom (mir unbekannten) Künstler Luis Guillermo Vallejo geschaffen. 55 Meter lang und 22 Meter breit. Es ehrt die Comuneros, die eine der ersten Gruppen waren, die sich gegen das spanische Imperium stellten. Dies alles ist auf einem Tabakblatt angeordnet, sieht aber eher wie ein Schiff aus (sind wir dann wohl Kunstbanausen) Die Sonne brennt immer noch und wir schleppen uns pflichtbewusst auf das riesige Blatt. Mutter geht voran und was bleibt den Kindern anderes übrig, als hinterherzulaufen. Sicherlich drängen sich bei den Kindern solche Gedanken auf, wie viel besser es beim Papa im Auto mit Klimaanlage gewesen wäre…

Derweil beim Skipper im Auto…

Wir verweilen nur kurz, obwohl der Ausblick über das Tal immer noch grandios ist. Das Denkmal wirkt insgesamt zu groß für den kleinen Park. Danach gehen wir in ein kleinen klimatisierten Raum, der etwas über das ansässige Volk der Muisca erzählt. Der Name Chicamocha bedeutet in ihrer Sprache „versilberter Sohn, unter dem Mond auf der Bergkette. Ansonsten gibt es aber nicht viel zu sehen und um die Zeit bis zum nächsten Start der Seilbahn herum zubringen, essen wir etwas und werden von einigen Trauergrackeln besucht.

Maila hat zwar ihre Angst vor Seilbahnen in Rio de Janeiro bereits überwunden, aber mulmig ist ihr trotzdem immer noch. Es sind mehrere kleine Gondeln, die nicht anhalten aber zum Ein- und Aussteigen langsamer werden und dabei erfolgt eine zeitgemäße Desinfektion. Wir springen rein und vielleicht auch, weil wir nur zu dritt sind oder ich mit meinen nicht vorhandenen Spanischkenntnissen und unserer optisch erkennbaren Fremdartigkeit inmitten der Kolumbianer hilfsbedürftig wirke, kommt noch ein Servicemitarbeiter mit. Na gut, er quetscht sich an den Rand und spielt auf dem Handy. Wir dagegen genießen die Fahrt. Zuerst geht es mit viel Schwung erst mal bergab an vielen Kakteen vorbei den Berg hinunter, am Fluss angekommen verlangsamen wir wieder und fahren durch die zweite Station und gondeln entspannt über den Chicamocha. Hier unten sieht der Fluss deutlich reißender aus und lädt nicht zum Baden ein.

Jetzt aber bergauf. Plötzlich kommt ziemlich viel Wind auf. Wahrscheinlich tunnelt es durch den Canyon. Die Kabine schaukelt. Zum Glück geht es hoch deutlich langsamer als herunter, aber der Wind ach was rede ich, der Sturm! nimmt zu. Plötzlich denken wir über die Sicherheit nach und die Frage taucht auf, wie genau es die Kolumbianer mit der Wartung nehmen. Maila schaut etwas ängstlich und ist froh, dass es bei dem Wind nicht so schnell nach oben geht und fragt nach, wie lange es wohl noch dauert. Einen Notknopf gibt es nicht, aber der Mitarbeiter wird wohl bei Absturz kurz vom Handy aufschauen. Ablenkung gibt es genug. Die Pflanzenwelt sieht hier ganz anders aus. Tiere sehen wir leider nicht.

Gleich ist es geschafft!

Alles geht gut und wir kommen mit vielen Eindrücken mehr auf der anderen Seite oben an. Schön war’s!

Blick zurück… die Straße
Ausgang auf der anderen Seite…
Skipper wartet schon auf der anderen Seite :-)

Micha ist auch gerade erst angekommen und es geht direkt mit dem Auto weiter durch die Anden zu einem logistischen Zwischenhalt in Bucamaranga.

La Skipper

Maila reitet in Barichara

3. September 2021

Ja, ich habe meine Eltern überreden können auch in Kolumbien eine Reittour mit mir zu machen. Wir haben die Wahl zwischen einer, zwei oder drei Stunden. Es ist die dreistündige Tour geworden. Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Um 10 Uhr geht es los. Den Weg haben wir beschrieben bekommen. Die Straße ist nicht sehr gut, aber wir schaffen es. Es ist eben Kolumbien. Nach etwas Suchen finden wir schließlich auch die Pferde mit dem Besitzer. Als Erste bin ich dran. Natürlich bekomme ich das kleinste Pferd. Es ist ein Schimmel mit ganz vielen kleinen schwarzen Punkten und heißt Luna, was auf Spanisch Mond bedeutet. Das passt gut. Noch ein paar Änderungen am Sattel. Dann sitze ich oben.

Maila und Luna sind bereit!

Jetzt sind die Anderen dran. Als erstes Mama. Sie hat ein braunes Pferd mit dunkler Mähne bekommen, es heißt Bustero. Der nächste ist Samuel, er hat ein beiges Pferd bekommen mit schwarzer Mähne und heißt Son Picason. Als Letzter Papa, er bekommt das größte Pferd. Es ist so grau weißlich mit einer grauen Mähne und heißt Dakota. Dann sitzt noch der Führer auf, mit einem ganz weißem Pferd. Es geht los.

Vorher hat er uns noch links und rechts erklärt was sich als schwierig erwies, weil er nur Spanisch spricht, aber schließlich haben wir verstanden das rechts a la derecha heißt und links izquierda.

Dann ging es endlich los. Schnell stellt sich heraus das Samuel vorne läuft, weil er sich sofort an die Spitze gedrängelt hat. Erstmal laufen wir gerade hintereinander die Straße runter. Ich komme ganz gut klar mit Luna und so laufen wir bis Gras in Sicht kommt. Zack schon hat Son Picason angehalten. Und frisst, na toll, das Blöde ist das jetzt auch Luna beschließt ein Happen zu futtern. Man muss ganz schön viel ziehen, wenn man ein Pferd vom Gras wegbekommen will.

Doch schließlich geht es weiter. Samuel mit Son Picasson an der Spitze. Da hat der Besitzer erklärt, dass Luna und Bustero sich überhaupt nicht mögen und Luna und Dakota auch nicht. Na ja, schön das ich das Pferd habe, das fast keinen anderen mag. Wir reiten aus dem kleinem Dorf hinaus und kommen auf eine steinige Straße. Was ich sofort erkannt habe war, dass auf beiden Seiten viel Gras wächst. Oh nein! Doch mein Pferd hatte komischerweise nicht wirklich Interesse, wie es aussieht scheint sie genau zu wissen, wo das beste Gras wächst. Weiter!

Bustero, der bisher immer hinter mir ist, versucht sich etwas vorzudrängeln und beginnt zu Traben, aber von Luna wird das nicht geduldet und schon trabt sie los, überholt Bustero geschickt und blockiert ihm dann den Weg. Samuel ist immer noch mit Son Picaso an der Spitze mit etwas Vorsprung. Da reiten wir die Straße entlang bis Son Picason beschließt etwas zu fressen, da es an den Seiten sehr viel Grass wächst, lohnt es sich bestimmt auch. Wenn einer etwas frisst, fressen gleich alle. Schon stiehlt sich auch mein Pferd an den Rand und frisst. Bustero stellt es so geschickt an, dass er mit einem Ruck den Kopf runter zieht und Mama immer die Zügel verliert. Viele Male muss der Führer helfen immer mit guten Tips auf Spanisch. Mama versteht nichts. So reiten wir und versuchen zu verhindern, dass die Pferde Grass fressen und genießen die Aussicht. Wir sind auf einen Hügel geritten und können die Berge sehen. Da es wenig Grass gibt, ist es sehr entspannt und wir können schön reiten. Es ist erdig und es geht eine kleine Stelle ziemlich steil bergan, da rutscht Dakota mit Papa aus und fällt auf die Knie, aber zum Glück richtet sie sich schnell wieder auf und wir können weiter.

Papa war auch dabei!

Nach einiger Zeit hat der Führer plötzlich mich an die Leine genommen. Wie es aussieht, hat Luna zu viel gegessen. Das gefällt mir nicht wirklich. Also gar nicht. Dabei gehen wir an ein paar Feldern vorbei und er erklärt dass hier viel Mais wächst. Immer wieder kommen wir an Häusern vorbei und überall sind Hunde, die uns und die Pferde anbellen oder anknurren. Das mochte ich ganz und gar nicht. Aber ich bin ja an der doofen Leine. Dakota ist stehen geblieben und Bustero hat Mama wieder geschickt die Zügel entrissen, obwohl kaum Gras da war. Immer noch werden mein Pferd und ich an der Leine geführt und deshalb muss ich hinterher als der Führer umgekehrt ist und Dakota etwas angetrieben wird.

An der Leine ist es blöd!!!

Schließlich reiten wir vorbei an einer Wiese mit Kühen. Sie kommen alle zum Zaun. Sehr schnell. Zum Glück ist der Zaun dazwischen, worüber ich sehr froh bin. Denn die Kühe haben sich zu einer Herde zusammen geschlossen und sind neben uns hergerannt. Das finde ich schon sehr merkwürdig. Haben die etwa noch nie ein Pferd gesehen? Ich finde, dass sie nicht gerade friedlich aussehen … oh weh.

Zum Glück sind wir dann an der Weide vorbei geritten. Dakota ist etwas zurück gefallen und der Führer hat gesagt, dass Papa ganz schön schwer für sie ist. Es geht einen Erdweg hinunter. Es ist heiß und Dakota fällt immer weiter zurück, dann kommt auch noch ein Auto und für mich ist es ziemlich langweilig. Schließlich bin ich immer noch an der Leine. Wir gehen an verschiedenen Weiden vorbei und die Kühe werfen uns komische Blicke zu. Doch sie bleiben meistens, wo sie sind. Nach einiger Zeit fragt Papa ob ich die Zügel wiederbekomme und der Führer hat „Si!“ gesagt. Endlich kann ich die Zügel wieder in die Hand nehmen.

Jetzt ist sie nicht mehr so stur und ich ziehe auch kräftiger. Sie war an der Spitze und wenn sich auch nur ein anderes Pferd nähert oder Anstalten macht, sie zu überholen, legt sie die Ohren an und beißt manchmal. Ich kann sie verstehen. Ihr hat es bestimmt nicht gefallen, solange an der Leine zu laufen. So reiten wir, die Sonne brennt und die Straße zieht sich dahin.

Endlich wieder alleine reiten!
Diskussion am Ende?!?

Nach einiger Zeit kommen wir in einen Wald an dessen Seiten Gras wächst. Schon halten die ersten Pferde an und ich habe es nicht geschafft, Luna weiter in der Mitte zu halten, was ich die ganze Zeit gemacht habe, damit sie nicht auf die Idee kommt etwas Gras zu fressen. Doch jetzt hat sie es geschafft an den Rand zu kommen und frisst.

Erst nach einigem Ziehen habe ich es geschafft, sie wieder in die Mitte zu bekommen. Bustero dagegen frisst seelenruhig weiter, weil die Zügel schlaff runter hängen. Ich frage mich wirklich warum Bustero und Mama nicht an die Leine genommen werden. Er hat doch jetzt fast doppelt so viel gegessen wie Luna. Irgendwann haben wir es geschafft und sind zurück. Dort reiten wir durch die Straßen und Son Picason hat es wieder geschafft, nach vorne zu kommen. Urplötzlich erschreckt er und weicht zurück, auch mein Pferd geht zurück. Doch danach ist alles wieder ok. Und so können wir ruhig unsere Reittour beenden. Obwohl es sehr schön war, wären etwas weniger als drei Stunden auch gut gewesen. Es war aber eine tolle Rundtour und nicht einfach hin und zurück.

Maila

Wieder zurück…
Dakota freut sich ohne schweren Papa auf dem Rücken!

Café Alfanía

2. September 2021

Irgendwie ist es schon ein kleines Paradies, die Plantage Café Alfanía, deren Kaffeetour uns von allen Seiten wärmstens empfohlen wird. Da lassen wir uns nicht zweimal bitten. Vor dem Tor treffen wir uns mit Carlos, dem (englischsprachigen!) Sohn des Hauses. Er öffnet uns das Tor und gemeinsam beginnen wir einen wirklich schönen Vormittag.

Bei Café Alfanía wird organischer Kaffee von höchster Qualität angebaut. Keine große Plantage im eigentlichen Sinne. Es ist ein dichtes, urwüchsig wirkendes Grün. Genau das ist beabsichtigt. Überall stehen etwas größere Bäume, in deren Schatten die Kaffeepflanzen gedeihen, durch die wir nun streifen. Die Sorten Castillo und Tabi liefern schmackhaften (und teuren) Café Arabica… Robusta sucht man hier vergeblich.

Als Carlos hört, dass Samuel ein begeisterter Vogelbeobachter ist, machen wir noch einen kleinen Umweg. Viele Kolibris und auch Schmetterlinge schwirren um uns herum. Danach geht es etwas den Hang hinunter zu einem anderen Teil der Plantage. Dabei fällt einerseits die intensive Färbung des Bodens ins Auge. Mit manchen Steinen kann man sogar schreiben. Andererseits sind wir offensichtlich immer noch auf ehemaligem Meeresgrund mit vielen fossilen Überresten.

Dabei hören wir die Geschichte des deutschstämmigen Geo von Lengerke. Mitte des 19. Jahrhunderts wanderte er hierher in die kolumbianische Region Santander aus und erkannte das Potenzial des Chinarindenbaums. Das Chinin machte ihn reich und zu einer Art regionalen Feudalherren. Er erschloss das Gebiet mit Straßen und teils heute noch genutzten Brücken. Nebenbei war er ein Frauenhelden mit mehreren hundert(!) Nachkommen. Einen deutlichen Makel bekommt die Geschichte jedoch durch Berichte über die brutale Vertreibung der ansässigen Indios in seinem Einflussgebiet.

Im unteren Teil der Plantage wächst zunächst Obst…

Spaziergang durch den Obstgarten…
Banane
Rizinusöl
Das gute Holz der beschnittenen Kaffeepflanzen wird getrocknet.

Doch den wahren Schatz betreten wir dahinter. Ein 300 Jahre alter Wald, dessen Schutz der eigentliche Ausgangspunkt der heutigen Plantage war. Wir laufen im Schatten der Baumriesen und genießen die Natur.

Auf dem Rückweg begegnen wir dann noch einer Korallenotter. Oder doch nicht? Mit ihrer schwarz-rot-gelben Färbung sind diese Schlangen sehr schön anzusehen. Allerdings sollte man dabei ganz genau auf die Reihenfolge dieser Farben achten. Liegen rot und gelb nebeneinander, ist es eine ausgesprochen giftige Korallenotter. So eine ist uns in Costa Rica über den Weg geschlängelt. Heute zeigen sich rot und gelb durch schwarz getrennt. Damit haben wir eine ungiftige Königsnatter vor uns.

Den Abschluss der Tour bildet eine Kaffee-Verköstigung. Doch es gibt nicht nur das braune Gold zu trinken. Auf dem Tisch stehen schon frische, die besten bisher gegessenen Arepa (Maisfladen), hausgemachte Marmelade und Ziegenkäse bereit. Mit letzterem ist Carlos jedoch nicht glücklich. Spontan lässt er Ersatz heranbringen und dieser von einem guten Freund und Nachbarn hergestellte Ziegenkäse sucht (zumindest in der Geschmackswelt des Skippers ;-) wirklich seines Gleichen. Was für ein Genuss! Dazu noch frische Säfte und natürlich Kaffee. Carlos bereitet die Kostproben auf bisher nicht gesehene Art zu und serviert sie mit sichtlichem Stolz. Und ja, dieser Stolz ist wirklich gerechtfertigt.

Kaffeebohnen müssen trocknen

Wir verbringen ganze fünf Stunden auf dieser Kaffee-Tour. Die Zeit ist so schnell vergangen. Nicht einmal die Kinder haben nennenswert über Langeweile geklagt. Maila hat ihren ersten kleinen Schluck Kaffee getrunken und ebenso spontan wie bestimmt beschlossen, dass das auch für ganz lange Zeit ihr letzter Schluck war. Samuel hat auf dem Rückweg fossilienähnliche Steine gefunden. La Skipper hat ein neues T-Shirt und leckeren Kaffee bekommen. Der Skipper wird noch lange an die Arepa und den Ziegenkäse denken. So ist für jeden etwas dabei auf dieser Tour, die ganz nebenbei eine runde Ergänzung zu unserer Kaffee-Tour im ecuadorianischen Mindo darstellt. Geht es dort um die Verarbeitung, steht hier die Anpflanzung im Vordergrund. Danke, dass wir hier zu Gast sein durften!

Barichara

1. – 4. September 2021

Mit Barichara steht nun gleich der nächste kleine Smaragd kolonialer Architektur auf der Route. Eigentlich sind hier nur zwei Nächte vorgesehen. Doch aufgrund kleiner sprachlicher Probleme bei einer später geplanten Kakao-Tour wird umdisponiert. Spontan bleiben wir drei Nächte bei Katja und Jorge auf ihrer Finca San Pedro. Eine ausgesprochen gute Entscheidung!

Ausblick von der Unterkunft :-)
Tolle Dusche!!!

Das heutige Barichara auf immerhin noch 1.300 Höhenmetern wurde 1705 nach einer Marienerscheinung gegründet. 1978 wird das im Volksmund „pueblo más lindo de Colombia“ (niedlichste Dorf Kolumbiens) in den Stand eines Monumento Nacional erhoben. Die ganze Gemeinde zählt nur knapp 8.000 Einwohner und ist eine kleine, paradiesisch anmutende Blase mit einem ausgeprägten (im Grunde eher unkolumbianischen) Gemeinschaftssinn. Katja erzählt uns, dass man hier problemlos seine Kreditkarte beim Automaten vergessen kann. Über die dörfliche WhatsApp-Gruppe wird wenig später die Nachricht kommen, wo man sie sich wieder abholen kann. Kaum zu glauben, dass es so etwas heutzutage noch gibt.

Natürlich findet sich wieder der obligatorische Platz mit Kirche im Zentrum. Entspannt schlendern wir durch die Straßen. Es gibt gutes Eis und sogar ein Frisör für die Jungs. Alles ganz entspannt.

Kurz!

Eines Abends versucht sich der Skipper im Restaurant El Puntal an einer Spezialität der Region: Camuro (eine ursprünglich aus Afrika stammende Schafrasse) „nach Art von Großvater Victor“ mit traditioneller Pepitoria. Ich habe zwar keine Ahnung was das ist, aber wo und wann wenn nicht hier und jetzt kann ich es aus ersten Hand herausfinden? Der servierte Teller sieht interessant aus. Das Fleisch ist sehr lecker, auch Arepa und Yuka sind schmackhaft. Und dann ist da noch dieser komische Haufen Tradition auf dem Teller. Es schmeckt schon etwas eigenartig. In mir keimt der Verdacht, dass es etwas ist, von dem ich wahrlich kein großer Fan bin. Ich zücke also das Handy und schaue nach. Kolumbianische Pepitoria Santandereana ist ein Mischung aus Ziegeneingeweide (Niere, Leber, Herz, Darm…), einer ordentlichen Portion Ziegenblut sowie Reis, Gemüse und Eiern. Ach hätte ich mich doch lieber erst nach dem Essen informiert. Egal, ich esse natürlich brav auf!

Mjam?!

Ansonsten genießen wir die Gastfreundschaft der malerisch gelegenen Finca San Pedro. Samuel steht allmorgendlich früh auf und geht auf Vogelpirsch, mit Jorge knüpfen wir Armbänder, Katja führt die Kinder über die Farm.

Kurz nach Sonnenaufgang

Darüber hinaus machen wir eine Kaffee-Tour und einen Reitausflug. Doch davon wird noch zu berichten sein. Die Tage verfliegen. Eigentlich würden wir gerne länger bleiben, doch vor uns liegen ja noch ein paar andere Ecken Kolumbiens. So heißt es also allzu schnell wieder Abschied nehmen. Noch einmal vielen Dank an unsere lieben Gastgeber!

Jorge – Samuel – Maila – Katja
Ein letztes Mal durch das Tor der Finca…

Bevor wir unser nächstes Ziel ansteuern, fahren wir jedoch erst einmal etwas in die falsche Richtung. Es geht mal wieder und immer noch um Fossilien. Im Museum bei Villa de Leyva wurde uns zwar gesagt, dass der Verkauf von echten Fossilien in Kolumbien (angeblich) verboten sei. Das kann gut sein, interessiert hier in der Gegend aber niemanden. Und es geht ja auch nicht um paläontologisch wertvolle Stücke, sondern ganz normale Funde, wie sie hier in der Gegend alltäglich sind. Eben solche bieten mehrere kleine Läden am Straßenrand. Natürlich werden die Kinder fündig und die Händler sind in dieser an Touristen immer noch eher armen Zeit glücklich. So wandern nun also doch noch einige (angeblich ;-) echte Ammoniten an Bord… aber pssst… nicht weiter sagen… ;-)