Flaggen zum Verwechseln ähnlich…

Selbst an Amerika nur wenig interessierte Zeitgenossen werden wohl einige Flaggen des Kontinents erkennen, wenn man sie ihnen zeigt. Damit meine ich jetzt gar nicht einmal die kanadische Maple Leaf Flag (bzw. französisch l’Unifolié) oder die US-Amerikanischen Stars and Stripes. Auch die brasilianische grün-gelbe Flagge mit blauer Himmelskugel oder das klassische argentinische blau-weiß-blau mit gelber Sonne sind wohl nicht nur Fußballfans bekannt. Danach wird es dann schon etwas kniffliger. Da gibt es allerdings eine quergestreifte Farbkombination, bei der man unwillkürlich denken muss: „Moment mal, das kenne ich doch!“

GELB/GOLD – BLAU – ROT

Dem aufmerksamen Leser unseres kleinen Blogs ist sicher nicht entgangen, dass wir gerne die Flaggen der von uns besuchten Länder zeigen. Bei genauerem Hinschauen wird der eine oder andere vielleicht gestutzt haben. Warum zeigen die für Ecuador und Kolumbien eigentlich die gleiche Flagge?

Kolumbien

Ok, streng genommen ist das (natürlich ;-) die Flagge von Kolumbien. Für die Farben gelb-blau-rot gibt es in diesem Land übrigens keine offizielle Beschreibung (wohl aber mindestens drei Erklärungsmuster).

Ecuador führt die gleichen Farben in der gleichen Aufteilung. Also fast. Offiziell ist der obere Streifen nicht gelb sondern golden für den Reichtum Ecuadors. Blau steht für die Schönheit von Natur, Himmel und Ozean. Rot symbolisiert Freiheit, Unabhängigkeit und das dafür vergossene Blut. Dazu kommt in der offiziellen Version noch ein von einem Kondor gekröntes Wappen.

Ecuador

Warum zeigen wir in unserem Blog aber immer die Version ohne Wappen? Ganz einfach. Ähnlich wie in Deutschland (und vielen anderen Ländern) ist eine Flagge mit Staatswappen (bei uns der Bundesadler) eine offizielle Dienstflagge. Die bürgerliche Flagge zeigt in der Regel kein Wappen. Und diese Flagge ist es dann auch, die wir als Gastlandflagge an der Steuerbordsaling führen. Daher sehen sich bei uns die ecuadorianische und die kolumbianische Flagge zum Verwechseln ähnlich. In der Tat hissen wir in beiden Ländern dasselbe Stück Stoff.

Dann gibt es da noch ein drittes südamerikanisches Land, das in seiner Flagge diese Farben zeigt: Venezuela. Die drei Farbstreifen haben hier die gleiche Breite und werden mittig von einem Bogen acht fünfzackiger Sterne geziert.

Venezuela

Die ursprünglich sieben Sterne stehen für die sieben Provinzen zur Zeit der Unabhängigkeit. Erst 2006 kam ein achter Stern zur Würdigung der (freilich 40 Jahre zuvor erworbenen) Unabhängigkeit des kleinen Nachbarn Guyana hinzu.

Doch warum haben die drei Länder so ähnliche Flaggen? Die Antwort liegt wie so oft auf diesem Kontinent in der Geschichte des kolonialen Erbes. Wieder einmal klopft Spanien an die Tür. Wobei es hier genau genommen um das Ende der Fremdherrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts geht.

Simón Bolivar war wohl der wichtigste Unabhängigkeitskämpfer Südamerikas und ist heute noch nicht nur Nationalheld mehrerer südamerikanischer sowie karibischer Länder, sondern auch Namensgeber eines ganzen Staates. Im Zuge der Unabhängigkeitskriege entstand für den kurzen Zeitraum von 1819/23 bis 1830 das nach Christopher Kolumbus benannte Staatsgebilde República de Colombia. Natürlich hatte das von Historikern nachträglich so genannte „Großkolumbien“ ein Flagge…

República de Colombia

Na die Farben kommen uns doch bekannte vor. Neben anderen, insbesondere peruanischen Gebieten umfasste Großkolumbien die heutigen Länder Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama. Was für eine Überraschung. Doch Moment mal. Panama. Tatsächlich sah der erste Entwurf der panamaischen Flagge bei Staatsgründung 1903 noch ganz anders aus als das heutige Banner.

Panama (erster Flaggenvorschlag)

Die Orientierung an der US-Flagge ist mit den ebenfalls 13 Streifen offenkundig. Die durch den Balken verbundenen Sonnen stellen sollten für zweierlei stehen. Einerseits den Atlantik und Pazifik verbindenden, damals gerade in Bau befindlichen Panamakanal. Andererseits die Brücke zwischen Nord- und Südamerika.

Es kam anders. Heute ist die Flagge in vier gleiche Rechtecke geteilt. Je einmal blau (Konservative) und Rot (Liberale) sowie zweimal weiß (Frieden) mit je einem blauen bzw. roten Stern. Mithin die einzig mir bekannte Staatsflagge, deren Farben ganz offiziell für politische Parteien stehen.

Wie dem auch sei. Hiermit beenden wir diesen kleinen Ausflug in die Vexillologie (ja, das habe ich selbst nachschauen müssen ;-) einiger der von uns in 2021 bereisten Gegenden in der Hoffnung, dass unser Interesse auch an solchen nicht typisch-seglerischen Themen geteilt wird. Sollte man nicht auch etwas über den Tellerrand hinausschauen?! ;-)

Wie weiter nach Panama?

Panama City, Anfang Juni 2021

Wir haben in unserer „offiziellen Bekanntmachung“ ja schon kurz die alternativen Routen nach dem Panamakanal erwähnt. Das ist keine leichte, bzw. leicht zu nehmende Entscheidung, auf der wir dementsprechend viel herumgedacht haben.

Das Piraterie-Präventionszentrum (PPZ) der Bundespolizei bietet den für Segler kostenlosen Service, auf Anfrage eine Gefährdungsbewertung zu erstellen. Das haben wir schon einige Male wahrgenommen und folgerichtig auch für unsere Optionen nach Panama erbeten. Wie immer kam die Antwort schnell und freundlich in Form eines ausführlichen Berichtes.

Schon in der Einleitung wird darauf hingewiesen, dass der ganze Bereich der Karibik mit den angrenzenden Küsten im Fokus des PPZ liegt und als erhöht gefährdet eingestuft ist. Außerdem wird auf eine mutmaßliche Dunkelziffer mit dem Faktor 10 hingewiesen. Na das fängt ja gut an.

Im betrachteten Zeitraum seit Anfang 2020 wurden für Venezuela zwar keine einschlägigen Vorfälle bekannt. Doch das liegt wohl nur daran, dass dort keine Freizeitsegler unterwegs sind. Dem werden wir uns definitiv anschließen.

Für Kolumbien und die Dominikanische Republik wurden jeweils 10 Fälle berichtet. Allerdings gab es an der kolumbianischen Pazifikküste einen sehr schweren Fall mit Todesfolge. Wohl auch deshalb wird für Segelreisen nach Kolumbien (wie auch Venezuela) keine Gefährdungsbewertung gegeben, sondern prinzipiell abgeraten.

Jamaika ist immer noch geschlossen und die (nicht nur maritime) Kriminalität in Haiti gut dokumentiert. Dazu ist in der Karibik (im Gegensatz zur südamerikanischen Nordküste) gerade Hurrikan-Saison. Na toll. Da klingen unsere Routenoptionen ja nach einer Wahl zwischen Pest und Cholera.

Wir haben also noch weitere Informationen eingeholt. Einerseits sind andere Segelboote vor gar nicht so langer Zeit entspannt an der kolumbianischen Küste entlang gefahren. Ihre Berichte sind sehr ermutigend. Natürlich werden immer mal wieder Dinghys und Außenborder gestohlen. Nicht wirklich anders, als in der „klassischen“ Karibik. Doch wenn man diese bei Dunkelheit an der Leine hinter dem Boot treiben lässt, trägt man durchaus eine gewisse Mitschuld.

Dankenswerter Weise hat auch Volker von Salsareisen (Organisator unserer Rundreise in Ecuador) seine Kontakte in Kolumbien für uns aktiviert. Von denen kommt prompt eine gewisse Entwarnung. Wir haben auch gleich eine Ansprechpartnerin von Kontur-Travel bekommen. Die Dame sitzt direkt vor Ort in Cartagena, unserem ersten potenziellen Hafen in Kolumbien. Ja, es gibt aktuell soziale Spannungen im Land, doch die Karibikküste sei ruhig und sicher. Also so sicher, wie es in diesem Land halt sein kann. Ja, man muss Vorsichtsmaßnahmen treffen und sollte sich nachts nicht alleine draußen rumtreiben. Doch das war schon in Brasilien so.

Kurz und gut, die Entscheidung ist gefallen: Wir planen mit Kolumbien.

Von dem panamaischen Archipiélago de San Blas geht es nach Cartagena. Der sehr gute „Guide for Cruisers“ des ansässigen Club Nautico lässt kaum eine Frage offen. Darüber gibt es auch einen sehr ausführlichen, offiziellen „Cruising Guide to Colombia“. Wohl schon bald unsere tägliche Pflichtlektüre.

Von Cartagena aus fassen wir auch eine – dieses Mal wirklich – kleine Rundreise ins Auge. Vielleicht eine Woche oder so. Danach geht es eventuell über Barranquilla weiter nach Santa Marta. Dort warten wir auf das Wetterfenster für den großen Bogen um Venezuela zu den ABC-Inseln.

Wünscht uns alles Gute! :-)

Halbzeitgrüße von der kolumbianischen Küstenwache

Pazifik, 10. April 2021

Wie jetzt?! Ich dachte, die fahren von Ecuador direkt nach Costa Rica. Außerdem hat Kolumbien doch ohnehin die Grenzen geschlossen. Das ist alles korrekt und doch grüßen wir zur Halbzeit in dieser Nacht unserer ach so gemütlichen Überfahrt aus kolumbianischen Hoheitsgewässern. Genauer gesagt querab der kleinen, zwischen Panama-Kanal und Galapagos-Inseln gelegenen, nun mal zu Kolumbien gehörenden Isla Malpelo (04°00’N / 081°36’W).

Wir überlegen kurz, per Funk nach einer Möglichkeit zum Ankern zu fragen. Wenn es dort ruhig ist, könnten wir zu unserem Propeller runter tauchen und schauen, ob der Bewuchs wirklich so übel ist, wie er sich in Schleichfahrt anfühlt. Doch so ganz ohne Detailkarten und in Anbetracht einer bei Nacht neben uns aufragenden Felseninsel verwerfen wir den Gedanken schnell wieder. Darüber hinaus handelt es sich um ein Naturschutzgebiet. Da fahren wir mal besser wenn schon nicht schnell, so doch möglichst unauffällig weiter.

Isla Malpelo steuerbord voraus
Auf in kolumbianische Gewässer!

Kappt aber nicht. Schon einige Meilen vorher sehe ich dieses große Radarecho westlich der kleinen Isla Malpelo aufscheinen. Gleich neben unserer Route. Kein AIS. Wir kommen näher. Nichts zu sehen. Keine Positionslichter. Na das kann ja eigentlich nur eines bedeuten. Kurz vor Mitternacht, das Radarecho ist inzwischen auf weniger als eine Meile an Backbord, funkelt schließlich aus dem Nichts dicht hinter uns das fast schon erwarteten Blaulicht. Über Funk fordert uns die kolumbianische Küstenwache freundlich auf, die Maschine zu stoppen. Dann kommen sie längsseits.

Ist aber letztlich alles ganz harmlos. Es entwickelt sich ein nettes Gespräch von Boot zu Boot. Wir beantworten die üblichen Fragen nach dem Woher, Wohin, Crew-Anzahl und Heimatland. Die Kollegen gehen sicher, dass es uns gut geht und alles in Ordnung ist… nicht nur gesundheitlich, auch bezüglich fehlender (Wasser-)Vorräte oder sonstigen Probleme wird Hilfe angeboten. Parallel hält der Schiffsführer per Funk Rücksprache mit dem immer noch in Dunkel gehülltem Basisschiff. Nach nur 10 Minuten verabschieden sie sich auch schon wieder winkend von uns. Vielen Dank… alles gut… Adiós y buen viaje!

Der Tag selbst verlief ebenso entspannt. Vormittags zieht sich voraus mal ein Wolkenband quer über den Ozean. Mit kurzem Regenschauer sind wir durch und genießen den Rest der Fahrt bei Sonnenschein. Eine kleine Schwalbe stattet uns einen Besuch ab. Erst an Deck, schaut sie sich dann unser Bad und in einem weiteren Anlauf Pantry, Salon und Vorschiffskabine näher an. Um ihr kleines Angstgeschäft kümmert sich dankenswerter Weise unser großer Tierfreund Samuel.

Kleiner Besucher

Am Abend zieht sich dann das nächste Band dunkler, teils hoch aufragender Wolken einmal quer vor unseren Bug. Schon aus der Ferne sehen wir kräftige Regenzellen. Das ist nichts, wo wir freiwillig durchfahren wollen. Doch wir haben Glück. Unser Kurs führt uns durch eine Lücke tatsächlich trocken in die inzwischen angebrochene Nacht.

Der Wind hält sich in Stärke halbwegs konstant bei 3, unter den Wolken auch mal kurz 4 Bft, pendelt dafür zwischen SSW und NNW. Ersteres hilft, letzteres ist genau von vorne. Wann immer es auch nur halbwegs sinnvoll möglich ist, haben wir die Segel draußen. Trotzdem läuft zusätzlich der Motor. Der Gegenstrom ist immer noch kräftig. Also sehr kräftig. Bei unserem nächtlichen Gespräch mit der kolumbianischen Küstenwache treiben wir in knapp 10min ca. ¼ Seemeile nach Süden. Das macht also mal locker 1,5kn Gegenstrom.

Gehen Strom und Wind wie die ganze Nacht dann noch zusammen gegenan, jubeln wir schon bei kurzzeitigen 3kn über Grund. Nicht umsonst haben wir von noch keinem anderen Boot auf vergleichbarem Kurs Nachrichten über Geschwindigkeitsrekorde gelesen. Da berichtet man eher etwas von einem Etmal unter 50sm oder Abbruch Richtung Panama wegen Dieselmangel. Ersteres können wir mühevoll vermeiden, letzteres ist zum Glück nicht unser Problem… und irgendwann wollen wir ja auch mal ankommen. Unsere aktuellen Schätzung liegen inzwischen bei Mittwoch. Mal sehen, ob wir das schaffen.

Wir haben jedenfalls ausreichend Zeit, das Meer zu genießen, Schule zu machen, beim Schreiben der Blogbeiträge aufzuholen (ja, es geht mit unserer Rundreise noch weiter!) oder auch einfach mal augenschonend das Boot abzuwohnen… ich glaube La Skipper nennt das „Segelmodus“ ;-)